Anleger blicken weiter nach vorn

von Detlev Landmesser

Stand: 15.04.2009, 20:34 Uhr

Ein ganzer Schwung von Konjunkturdaten bestimmte die Tendenz am Mittwoch. Die US-Konjunktur liegt unzweifelhaft weiter darnieder. Die Anleger ließen sich dennoch durch einzelne Lichtblicke zu Käufen animieren.

Der L-Dax schloss nach einer bewegten Sitzung 1,1 Prozent über seinem Dienstagsstand bei 4.564,01 Punkten. Am Abend zeichnete die US-Notenbank Fed in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) ein weiterhin trübes Bild der Lage. Im März und April habe sich die Wirtschaftsaktivität insgesamt weiter abgeschwächt. Allerdings habe es in einzelnen Distrikten der Fed erste Anzeichen einer Bodenbildung gegeben.

Ein ganz ähnliches Bild vermittelten die Konjunkturdaten des Tages: Mit minus 1,5 Prozent zum Vormonat schrumpfte die US-Produktion im März deutlich stärker als von Volkswirten erwartet. Dabei waren die Kapazitäten nur zu 69,3 Prozent ausgelastet, und damit so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1967. Das lässt weiteren Druck auf den Arbeitsmarkt befürchten. Auch der sechste wöchentliche Anstieg der Rohöllagerbestände in den USA unterstrich die schwache Verfassung der amerikanischen Wirtschaft.

Zwei Frühindikatoren, der Empire State Index und der NAHB-Hausmarktindex, überraschten dagegen auf niedrigem Niveau positiv, was die Kurse an der Wall Street lange stützte.

Stresstest-Ergebnisse Anfang Mai

Die US-Regierung kündigte unterdessen an, die Ergebnisse der so genannten Stresstests bei den Banken Anfang Mai vorzulegen. Dies solle auf systematische und transparente Weise geschehen, sagte ein Regierungssprecher. Die US-Behörden unterziehen die Großbanken derzeit "Stresstests", um ihren tatsächlichen Kapitalbedarf bei einem Andauern der Rezession herauszufinden.

Intel belastet die Technologiewerte...
Über drei Prozent büßte die Aktie des Technologieflaggschiffs Intel bis zum Abend ein und belastete die gesamte Technologiebörse Nasdaq. Die Quartalszahlen des weltgrößten Chipherstellers kamen noch recht gut an. Händler beklagten aber den schwammigen Umsatzausblick.

... UBS die Banken
Während Goldman Sachs am Dienstag gute Stimmung verbreitet hatte, lastete heute die UBS auf den Finanztiteln. Die Schweizer Großbank rechnet im ersten Quartal mit einem Verlust von knapp zwei Milliarden Franken. Das kostete die Aktien der Deutschen und der Commerzbank einen Teil ihrer Vortagesgewinne.

Daimler in Indien alleine gelassen
Die Aktie von Daimler schlug sich angesichts der Nachrichten des Tages recht gut. Bei seiner Expansion nach Indien hat der weltgrößte Lkw-Bauer einen Rückschlag erlitten. Die indische Hero-Gruppe kündigte das Gemeinschaftsunternehmen zum Lastwagenbau auf. Die Gruppe gebe ihren 40-prozentigen Anteil an Daimler ab, teilte der Konzern gegen Mittag mit. Bis Ende 2013 will Daimler mehr als 700 Millionen Euro in die Lkw-Produktion in Indien investieren.

Scheitert die Fiat-Chrysler-Allianz?
Nicht ganz unwichtig für Daimler sind auch die Vorgänge um Chrysler. Schließlich halten die Stuttgarter noch immer 19,9 Prozent an dem taumelnden US-Autokonzern. Der italienische Fiat-Konzern droht damit, die Allianzpläne mit Chrysler aufzugeben, sollten die Gewerkschaften keine deutlichen Zugeständnisse machen. Die US-Regierung macht weitere Hilfen für Chrysler vom Gelingen der Allianz bis Ende des Monats abhängig.

Eurochem kauft mehr K+S-Aktien
Das Papier von K+S gewann rund ein Prozent. Der russische Industrielle Andrej Melnitschenko hat seine Beteiligung an dem Kali-Konzern auf 16 Prozent aufgestockt. Er erwäge, den über seine Firma Eurochem gehaltenen Anteil weiter zu erhöhen, erklärte der Investor. Zudem wird K+S in einer aktuellen Branchenstudie der UBS als der bevorzugte europäische Titel in der Düngemittelbranche bezeichnet.

VW-Porsche-Fantasie getrübt
Die Aktien von Porsche und insbesondere die Vorzugsaktien von Volkswagen standen unter Druck. Laut der "Börsen-Zeitung" will die EU-Kommission angesichts der Krise derzeit nicht vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das VW-Gesetz klagen. So lange das Gesetz besteht, hat Porsche keine Chance auf einen Beherrschungsvertrag mit dem Wolfsburger Autobauer. Porsche könnte nun die Aufstockung seines Anteils verschieben. Dann hätten die VW-Vorzüge keine Chance auf einen Aufstieg in den Dax.

Doppelter Ärger für Premiere
Dem Bezahlfernsehsender Premiere steht wegen falscher Abonnentenzahlen von mehreren Seiten Ärger ins Haus. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verstärkt ihre Ermittlungen, ob es Insiderhandel und Marktmanipulation gegeben hat. Zugleich klagen Aktionäre vor dem Landgericht Frankfurt. Sie sehen sich getäuscht, da das Unternehmen über mehrere Jahre die Menge seiner Abonnenten zu hoch angegeben hat. Dass die Aktie dennoch 15,8 Prozent gewann, erklärten Händler mit Deckungskäufen im Zusammenhang mit der auslaufenden Bezugsrechtsauktion des Unternehmens.

Tui erobert die GUS
Im MDax gehörte die Tui-Aktie zu den gefragtesten Titeln. Nach einem Jahr der Planung geht die britische Konzerntochter Tui Travel mit einem Gemeinschaftsunternehmen in Russland an den Start. Partner ist der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow. "Tui Travel ist der erste große internationale Reiseveranstalter mit einer nennenswerten Präsenz in Russland und der Gemeinschaft unabhängiger Staaten", sagte Tui-Travel-Chef Peter Long.

Sarasin hält ein Zehntel von Douglas
Die Aktie von Douglas gewann 1,2 Prozent. Die Schweizer Bank Sarasin hat ihren Anteil an dem deutschen Handelskonzern von zuletzt 5,9 auf knapp über zehn Prozent ausgebaut und ist damit drittgrößter Aktionär des MDax-Konzerns.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr