Anleger blicken nach Athen

Stand: 08.02.2012, 19:58 Uhr

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die seit Wochen in Aussicht gestellte Einigung mit Griechenland lässt weiter auf sich warten. Angesichts der Hängepartie zwischen dem Land und seinen Gläubigern haben Anleger am Mittwoch Vorsicht walten lassen.

Der Dax ist zwar im Tagesverlauf mit 6.829 Zählern kurz auf den höchsten Stand seit mehr als einem halben Jahr geklettert, doch dann sorgen widersprüchliche Meldungen zur Lage in Griechenland für Gewinnmitnahmen.

Danach soll sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über das Ob und Wie einer Beteiligung an einer Umschuldung Griechenlands noch keineswegs einig sein, entgegen anders lautenden Meldungen vom Morgen. Mehrere mit den Gesprächen und Überlegungen vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es sei weiter keine Einigkeit vorhanden, wie sich die Notenbank an einem Schuldenschnitt beteiligen könne. Der EZB-Rat kommt am morgigen Donnerstag zu seiner regulären Zinssitzung zusammen. Dabei dürfte auch über eine Beteiligung am Schuldenschnitt Griechenlands gesprochen werden.

Daraufhin weitet die Wall Street ihre Verluste etwas aus und büßt 50 Punkte (0,4 Prozent) ein. Am Abend hat sich die Aufregung wieder etwas gelegt und der Dow Jones-Index notiert bei 12.865 Punkten nahezu unverändert.

Auch der Dax beendete den elektronischen Handel nur fünf Zähler unter seinem Stand von Dienstag bei 6.748 Punkten. Am Abend kommt der Leitindex ebenfalls nicht von der Stelle. Der Euro notiert deutlich über 1,32 Dollar bei 1,326.

Pleite hat Schrecken verloren
Die Chefs der drei griechischen Koalitionsparteien hatten am Mittwoch erneut über die von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderte Verschärfung des Spar- und Reform-Kurses beraten. Stimmt die Übergangsregierung den Forderungen nicht zu, könnte die Troika aus EU, IWF und EZB den Geldhahn zudrehen - Griechenland wäre dann pleite.

Die Anleger dürfte das nach Ansicht von Aktienstrategen aber kaum noch ernsthaft schrecken."Das negativste Szenario wie eine geordnete Insolvenz Griechenlands ist bereits eingepreist. Auch ein Austritt aus der Euro-Zone würde die Lage nicht mehr verschlimmern," meint Heino Ruland von Ruland Research.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,24
Differenz relativ
+1,08%

Banken mit Griechen-Bonus
Unangefochtener Favorit im Dax ist die Commerzbank-Aktie, mit einem Plus von rund acht Prozent. Zudem hat Goldman Sachs das Kursziel für die Commerzbank von 1,70 auf 2,20 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Neutral" belassen. Auch die Titel der Deutschen Bank können von der Hoffnung auf eine Einigung mit Griechenland profitieren.

Douglas ist nicht im Krieg
Nur mäßig voran geht es dagegen mit der Aktie von Douglas. Der Handelskonzern sieht sich in keinen Machtkampf mit dem Drogerieunternehmer und Douglas-Aktionär Erwin Müller verwickelt. "Wir sind sicherlich Konkurrenten, aber es gibt keinen Krieg zwischen uns", sagte Douglas-Chef Henning Kreke am Mittwoch während einer Analystenkonferenz.

Heideldruck macht etwas Hoffnung
Die Aktie des angeschlagenen Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck steht heute auf der Gewinnerseite des MDax. Dabei schreibt das Unternehmen weiter rote Zahlen. Indes ist der Fehlbetrag im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal (Ende Dezember) kleiner als befürchtet: Unter dem Strich sank das Ergebnis von plus 10 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 14 Millionen Euro wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Den vergangenen Herbst gekappten Ausblick bekräftigte Vorstandschef Bernhard Schreier.

Centrotherm mit Großauftrag
Größter Gewinner im TecDax ist die Aktie von Centrotherm. Der Solaranlagenbauer hat einen Großauftrag aus Saudi-Arabien erhalten mit einem Volumen von umgerechnet rund 800 Millionen Euro. Damit soll Centrotherm für die saudische IDEA Polysilicon Ingenieurleistungen und Know-How liefern. Der Auftrag macht der gesamten Solarbranche Hoffnung. Folglich klettern auch die Aktien von Q-Cells und anderer Solarfirmen überdurchschnittlich.

Singulus vor der Wende?
Dagegen ist die Aktie von Singulus am Nachmittag doch noch ins Minus gerutscht, nachdem sie zuvor noch rund ein Prozent zulegen konnte. Der Spezialmaschinenbauer aus dem TecDax hat nach vorläufigen Zahlen operativ die Ertragswende geschafft und damit die Erwartungen erreicht. Beim Auftragseingang verfehlte Singulus aber die Erwartungen und eine konkrete Prognose gab es auch nicht. Vorstandschef Stefan Rinck äußerte sich aber zuversichtlich.

Gerresheimer enttäuscht
Dagegen geht es mit der Aktie von Gerresheimer fast neun Prozent bergab an das Ende im MDax. Das von dem Unternehmen verkündete Margenziel von 19,5 Prozent kommt bei den Anlegern nicht gut an, liegt es doch einen vollen Prozentpunkt unter den Erwartungen. Allerdings war die Aktie zuvor sehr gut gelaufen, so dass Gewinne mitgenommen werden. Die Zahlen selbst zeigen, dass 2011 ein gutes Jahr für Gerresheimer war. Das Unternehmen hat 2011 Umsatz und Gewinn gesteigert.

Grenkeleasing springt hoch
Kräftig zulegen kann die Aktie von Grenkeleasing. Das Unternehmen hat 2011 ein Gewinnwachstum von 41 Prozent auf 39,3 Millionen Euro. Die Dividende soll 0,75 Euro betragen und damit leicht um fünf Cents angehoben werden. Im Ausblick äußert sich Firmenchef Wolfgang Grenke optimistisch. Für 2012 erwartet er ein Wachstum beim Neugeschäft von 15 Prozent, der Konzern-Gewinn soll auf 41 bis 44 Millionen Euro steigen.

Statoil gibt kräftig Gas
Einen Gewinnsprung meldet der norwegische Öl- und Gasförderer Statoil. Vor allem im Schlussquartal verdiente das Unternehmen deutlich mehr als erwartet. Wie der Ölkonzern am Mittwoch mitteilte, stieg der bereinigte Nettogewinn auf 14,5 Milliarden Norwegische Kronen (173 Millionen Euro) von zuvor 10,8 Milliarden im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Öl- und Gasförderung stieg im Jahresvergleich auf 1,778 Millionen Barrel pro Tag.

Syngenta macht Mut
Dank der Rekordpreise für wichtige Nahrungsmittel wie Weizen, Mais und Soja hat der weltgrößte Agrarchemiekonzern Syngenta seinen Gewinn im vergangenen Jahr kräftig gesteigert. "Bei den gegenwärtigen Preisen für Agrargüter haben die Landwirte nach wie vor Grund, in ihre Pflanzen zu investieren", sagte Syngenta-Konzernchef Mike Mack am Mittwoch zu Reuters. Daher verdiente der Basler Konzern 2011 knapp 1,6 Milliarden Dollar, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um ebenfalls 14 Prozent auf 13,27 Milliarden Dollar. Beides lag im Rahmen der Erwartung der Analysten. Auch die Zukunft sieht Syngenta weiter rosig. Dennoch verliert die Aktie.

Sanofi dämpft die Erwartungen
Rückläufig ist auch die Aktie des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Das Unternehmen steht wegen der scharfen Konkurrenz durch Nachahmer-Präparate ein hartes Jahr bevor. Allein die bevorstehenden Patentverluste in den USA für die bisherigen Kassenschlager, den Blutverdünner Plavix und das Blutdruckmittel Avapro, dürften den Gewinn des Arzneimittelherstellers im laufenden Jahr um 1,4 Milliarden Euro schmälern, wie Sanofi am Mittwoch in Paris erklärte.

BHP Billiton wird vorsichtig
Wachsende Konjunktursorgen in China und Europa lassen den weltgrößten Bergbaukonzern BHP Billiton vorsichtiger werden. Nach dem ersten Gewinnrückgang seit zwei Jahren rechnet der Vorstand kurzfristig mit keiner Trendwende, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Schwankungen auf dem Rohstoffmarkt dürften angesichts der ungelösten Schuldenkrise in Europa anhalten. Hinzu komme die Abkühlung des Wirtschaftsbooms in China und Indien. Das lastet auf den Preisen. Die Erholung in den USA und Japan könne das nicht wettmachen. An der Börse in Sydney verlor die Aktie nach den Zahlen 0,7 Prozent auf 37,60 Australische Dollar.

Harry Potter rettet Time Warner
Das florierende Filmgeschäft hat die Bilanz des US-Medienriesen Time Warner gerettet. Im vierten Quartal stieg der Überschuss minimal auf 773 Millionen Dollar und der Umsatz um fünf Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar, wie der New Yorker Konzern am Mittwoch mitteilte. Großen Anteil daran habe das traditionsreiche Hollywood-Filmstudio Warner Brothers. Dort legten die Erlöse um sieben Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zu. Der Konzern profitierte dabei vom internationalen Erfolg des Kinofilms "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes".

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat