Anleger blenden die Sorgen aus

Stand: 20.09.2011, 20:02 Uhr

Der Dax hat seine gestrigen Verluste heute wieder wettgemacht. Eine wirkliche Erklärung für die plötzliche Trendwende gibt es nicht. Denn die Hiobsbotschaften von der Schuldenkrise und aus der Wirtschaft reißen nicht ab.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat angesichts der dramatischen Schuldenkrise im Euro-Raum und der Finanzprobleme in den USA Alarm geschlagen. "Die Weltwirtschaft befindet sich in einer gefährlichen neuen Phase", warnte der IWF in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick am Nachmittag. Er nahm seine Wachstumsprognosen für die Industrieländer und damit auch für Deutschland auf breiter Front und teils drastisch gegenüber den Schätzungen vom Sommer zurück.

Hierzulande sind die Konjunkturerwartungen im September den siebten Monat in Folge gesunken, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Vormittag mitgeteilt hat. Bankvolkswirte sehen darin zwar keinen Hinweis auf eine Rezession in Deutschland. Allerdings gehen sie von einer spürbaren Abschwächung der Konjunktur spätestens zum Jahreswechsel aus.

Zu allem Überfluss hat die Agentur Standard & Poor's auch noch die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft.

Und was machen die Anleger? Sie schieben die negativen Meldungen beiseite und kaufen Aktien. Nachdem der Dax im elektronischen Handel um 2,9 Prozent auf 5.571 Punkte zugelegt hat, kommt er auch im Abendhandel ähnlich kräftig voran. Außer Lufthansa notieren alle 29 anderen Werte im Plus.

Hoffen auf Griechen-Rettung
Händlern zufolge hoffen die Anleger darauf, dass zumindest die Auszahlung der Hilfsgelder für Griechenland bald über die Bühne gehen wird und damit eine Pleite des Landes vorerst vermieden wird. Die Gespräche mit der Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission mit Finanzminister Evangelos Venizelos seien produktiv und substanziell gewesen, sagte ein Sprecher des griechischen Ministers. Man sei nahe an einer Einigung. Am Abend sollte die Telefonkonferenz fortgesetzt werden.

Zudem hoffen die Anleger darauf, dass sich die US-Notenbank Fed zum Abschluss ihrer Beratungen am morgen Abend doch noch zu einem weiteren Programm zur Stärkung der US-Wirtschaft durchringen kann.

Deshalb kommt auch an der New Yorker Börse zu Kursgewinnen. Der Dow Jones-Index gewinnt im Handelsverlauf deutlich an Fahrt und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt rund 120 Punkte höher als gestern bei 11.517.