Anleger bleiben nervös

Detlev Landmesser

Stand: 03.01.2008, 20:31 Uhr

Auch am zweiten Handelstag des Jahres rang der Aktienmarkt um Orientierung. Wieder trübte der rekordhohe Ölpreis die Stimmung - ohne dass hoher Verkaufsdruck aufgekommen wäre.

Der L-Dax beendete den Abendhandel 0,24 Prozent tiefer bei 7.909,11 Punkten. Bis zum Abend konnte sich an den US-Börsen keine klare Tendenz durchsetzen. Während die Technologietitel der Nasdaq wiederholt ins Minus drifteten, notierten die Standardwerte des Dow Jones leicht im Plus.

Immerhin konnten die jüngsten Konjunkturdaten die Sorge um die US-Wirtschaft ein wenig dämpfen. So ging die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stärker als erwartet zurück, während die Industrieaufträge im November um überraschend robuste 1,5 Prozent zulegten. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten nur mit plus 0,5 Prozent gerechnet.

Der nächste große Kursimpuls dürfte von den US-Arbeitsmarktdaten für Dezember ausgehen, die am Freitag um 14:30 Uhr veröffentlicht werden.

Vom Ölmarkt gab es indessen keine Entwarnung. Die amerikanischen Lagerbestände an Rohöl schrumpften in der vergangenen Woche noch stärker als befürchtet, was zugleich der siebte Rückgang in Folge war. Mit 100,09 Dollar pro Barrel markierte der richtungsweisende US-Ölpreis kurzzeitig ein neues Rekordhoch, fiel aber am Abend unter 99 Dollar zurück.

Der Goldpreis kletterte in diesem Krisenumfeld zunächst munter weiter und überschritt in London zeitweise die Marke von 869 Dollar.

Durchwachsene Autoabsatzzahlen

Die Autobauer litten unter den schwachen Absatzzahlen für den deutschen Markt im Dezember, die insgesamt um 20 Prozent zurückgingen. Ab dem Nachmittag tröpfelten auch die US-Absatzzahlen im Dezember herein. BMW setzte ein Prozent mehr Autos ab, im Gesamtjahr kamen die Münchner auf 7,1 Prozent Plus. Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz verkaufte im Dezember 2,9 Prozent weniger Fahrzeuge, kam aber 2007 mit plus 2,2 Prozent auf das 14. Rekordjahr in den USA in Folge.

Volkswagen schaffte im Dezember ein Absatzplus von 3,0 Prozent. Im Gesamtjahr blieb allerdings ein Minus von 1,9 Prozent. Die VW-Tochter Audi musste dagegen im Dezember einen Absatzeinbruch von 28,5 Prozent hinnehmen, brachte es aber dennoch im Gesamtjahr auf einen Rekordabsatz von 93.506 Fahrzeugen, das sind 3,8 Prozent mehr als 2006. Porsche konnte dagegen auf seinem wichtigsten Markt Nordamerika auch im Dezember zulegen. Im Schlussmonat wie im Gesamtjahr steigerte der Sportwagenbauer dem Absatz um zwei Prozent.

RWE und Eon obenauf
Für die Versorgerwerte war es ein guter Tag. Die RWE-Aktie verteuerte sich um 3,0 Prozent. Laut dem "Handelsblatt" wollen kommunale RWE-Aktionäre ihren Einfluss bei dem Essener Energiekonzern sichern. Daher hätten einige Anteile in der RW Energie-Beteiligungsgesellschaft gebündelt.

Der Aktie von Eon half eine Analystenstudie. Lehman Brothers hat das Kursziel für den Dax-Titel von 140 auf 165 Euro erhöht und die Einschätzung mit "Overweight" bestätigt. Der Titel biete in dem wohl etwas schwierigeren Umfeld im laufenden Jahr weiterhin überdurchschnittliches Wachstumspotenzial bei den Erträgen und der Dividende, hieß es zur Begründung.

Postbank weiter gefragt
Die Postbank-Aktie lief erneut überdurchschnittlich. Dabei wirkte die neuerliche Ankündigung von Post-Chef Klaus Zumwinkel nach, einen Verkauf der Postbank zu prüfen. Zudem bestätigte Merck Finck die Kaufempfehlung für das Papier.

Deutsche Börse unter Druck
Erneut fiel die Deutsche Börse mit starken Kursverlusten auf - trotz guter Nachrichten. An den deutschen Handelsplätzen ist das Handelsvolumen bei Aktien und Renten im Dezember um 18 Prozent auf 167,7 Milliarden Euro gestiegen. An der Terminbörse Eurex wurden im Dezember 118 Millionen Kontrakte gehandelt. Das war ein Plus von zwölf Prozent.

Adva verliert über zehn Prozent
Für den Netzwerkausrüster Adva ging es nach der jüngsten Gewinnwarnung weiter abwärts. Händler verwiesen auf Stop-Loss-Verkäufe, nachdem der TecDax-Titel die Marke von 3,00 Euro unterschritten hatte. "Die nächste Unterstützung liegt jetzt erst bei 2,32 Euro", sagte ein Börsianer.

Grenkeleasing wächst wie geplant
Im SDax gewann die Aktie von Grenkeleasing 2,6 Prozent. Der Hard- und Software-Vermieter hat sein Neugeschäft im abgelaufenen Jahr wie geplant um rund zehn Prozent auf 509 Millionen Euro nach oben geschraubt. Die für das Unternehmen wichtige Rentabilitäts-Kennziffer "Deckungsbeitrag Zwei" kletterte um 9,2 Prozent auf 66,2 Millionen Euro.

Vatas steigt bei Air Berlin ein
Noch besser schnitt im SDax die Aktie von Air Berlin ab. Die Beteiligungsgesellschaft Vatas hat 15,4 Prozent der Stimmrechte an der Fluggesellschaft gekauft. Ironie der Geschichte: Der Vatas-Geschäftsführer und einstige Vorzeigeunternehmer Lars Windhorst hat selbst gerade einen Flugzeugabsturz in Kasachstan überlebt.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier