Marktbericht 19:58 Uhr

Dax nähert sich den 10.000 Punkten Anleger bleiben in Kauflaune

Stand: 06.10.2015, 19:58 Uhr

Goldener Oktober an der Börse? Der Dax hat am Dienstag den dritten Tag hintereinander im Plus geschlossen und Kurs Richtung 10.000 Punkte genommen. Die Prognose des IWF heizte Spekulationen um eine Verschiebung der US-Zinswende an. In Frankfurt stand ein großer Börsengang im Blickpunkt.

Die Anleger waren am Dienstag hin- und hergerissen - zwischen Bangen um die Konjunktur und Hoffen auf die lockere Geldpolitik der Notenbanken. So sorgte am Vormittag zunächst der gesunkene Auftragseingang für die deutsche Industrie im August für lange Gesichter. Der Dax fiel auf bis 9.730 Punkte. Zudem senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Prognose für die Weltwirtschaft in diesem Jahr. Die Wirtschaft werde weltweit 2015 nur um 3,1 Prozent, 2016 um 3,5 Prozent wachsen. Noch im Juli hatte der Fonds mit einem Plus von 3,3 Prozent gerechnet. 2014 wuchs die globale Wirtschaft noch um 3,4 Prozent.

IWF senkt Prognose

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Börsianer gewannen der gesenkten Prognose aber etwas Positives ab. Die Verschiebung einer Is-Zinswende und eine Ausweitung der Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) werde nun immer wahrscheinlicher, meinte ein Händler. Das stützte die Börsen. Der Dax drehte auf und schloss 0,9 Prozent höher bei 9.902 Punkten. In der Spitze kletterte er bis auf fast 9.958 Zählern. Der EuroStoxx gewann ebenfalls 0,9 Prozent. Die Wall Street setzte ihre Erholung mit abgeschwächtem Tempo. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss rund 0,3 Prozent höher.

Ölpreis steigt kräftig

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gestützt wurde der Dow von den Energieaktien, die vom anziehenden Ölpreis profitierten. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg kräftig um über zwei Dollar auf knapp 52 US-Dollar und lag damit auf dem höchsten Stand seit einem Monat. Der Chef der Internationalen Energieagentur, Faith Birol, hatte bei einer Konferenz in London erklärt, auf dem Ölmarkt sei der größte Investitionsrückgang der Geschichte zu verzeichneten. Er bekräftigte seine Erwartung, dass die Nicht-Opec-Staaten ihre Produktion 2016 deutlich zurückfahren.

Dollar unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Wegen der anhaltenden Zinsspekulationen geriet der Dollar unter Druck. Der Euro zog um einen Cent auf 1,1274 US-Dollar an. Für kaum Bewegung sorgte die Handelsbilanz der USA. Das Defizit in der Handelsbilanz vergrößerte sich um knapp 6,5 Milliarden auf 48,33 Milliarden Dollar.

Covestro gelingt das Börsendebüt

Im Blickpunkt stand am Dienstag das IPO von Covestro. Der größte Börsengang seit 2007 ist geglückt. Die Aktie schloss mit 26,50 Euro rund zehn Prozent über dem Ausgabekurs von 24 Euro. Die Erstnotiz lag bei 26,00 Euro.

Autoaktien auf Erholungstrip

Als maßgebliche Stütze für den Dax erwiesen sich die Autoaktien. VW kletterte mit einem Plus von fast vier Prozent an die Dax-Spitze. Die Aktien von Daimler legten um 2,5 Prozent zu. VW-Chef Matthias Müller kündigte auf einer großen Betriebsversammlung einen harten Sparkurs an. Daimler profitierte von einem Absatzrekord in China. Im September hat Mercedes in der Volksrepublik 53 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft.

Uneinheitliche Versorger

Größter Verlierer im Dax war die RWE-Aktie mit einem Minus von fast zwei Prozent. Dagegen zogen die Papiere von Eon um fast zwei Prozent an. In den letzten fünf Handelstagen hatten technische Eindeckungen RWE um 22 und E.ON um 17 Prozent in die Höhe getrieben. Insgesamt bleibt Händlern zufolge die Stimmung für die Energiekonzerne angesichts unklarer Kosten für den Rückbau von Atomkraftwerken negativ.

Lanxess trotzt China-Schwäche

Im MDax zählten die Aktien von Lanxess zu den Hauptgewinnern. Der Spezialchemiekonzern hat im dritten Quartal der Konjunkturabkühlung in China seinen Gewinn deutlich gesteigert. "Das dritte Quartal ist gut gelaufen", sagte Vorstandschef Matthias Zachert. Er gehe davon aus, dass Lanxess einen Gewinn eingefahren werdde, das rubnd zehn Prozent über dem Vorjahresniveau liegen werde, sagte er. Im dritten Quartal 2014 hatte der Konzern ein Ergebnis von 210 Millionen Euro erwirtschaftet. Am 5. November veröffentlicht Lanxess seine Bilanz.

KlöCo muss zurückstecken

Dagegen hat der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) sein Ergebnisziel für das abgelaufene Quartal verfehlt. Wegen sinkender Preise und einer schwachen Nachfrage dürfte das operative Ergebnis (Ebitda) nur bei 30 Millionen Euro liegen, warnte der MDax-Konzern am Abend. Bisher hatte KlöCo zwischen 45 und 55 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Zuletzt hatte sich KlöCo-Chef Gisbert Rühl noch zuversichtlich gezeigt, die Jahresprognose einzuhalten.

Biotest macht Hoffnung

Im SDax waren die Aktien von Biotest mit einem Plus von fast vier Prozent gefragt. Händler verwiesen als Grund auf die neu gestartete Studienphase für den monoklonalen Antikörper BT-063 zur Behandlung der Autoimmunkrankheit Systemischer Lupus Rythematodes. Dies sei eine gute Nachricht und ein weiterer Meilensteine für die Pipeline des Pharma-Unternehmens, hieß es in einem Kommentar von der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

HHLA auf Rekordtief

Am SDax-Ende rangierten dagegen die Aktien des Hamburger Hafens. Die Titel fielen auf ein Rekordtief. HHLA hat wegen eines schwächeren Containergeschäfts seine Prognose für das laufende Jahr gekappt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte auf 150 Millionen Euro sinken. Bisher hatte HHLA einen Wert auf dem Niveau des Vorjahres von 169,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

PepsiCo hebt Prognose an

An der Wall Street legen die Aktien von PepsiCo kräftig zu. Der Coca-Cola-Rivale hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte um neun Prozent steigen, kündigte der Chips- und Getränkehersteller an. Im dritten Quartal verdiente Pepsi 1,35 Dollar je Aktie - neun Cent mehr als Analysten prophezeit hatten. Unterm Strich drückten aber Belastungen in Venezuela den Überschuss um 73 Prozent auf 513 Millionen Dollar.

Chefwechsel bei Dupont sorgt für Kurssprung

Mit Abstand größter Gewinner im Dow ist am Dienstag DuPont. Die Aktien klettern um rund zehn Prozent nach oben. Der überraschende Abtritt von Konzernchefin Ellen Kullmann nähert Spekulationen auf baldige Kostensenkungen. Denn Kullmann war zuletzt von der Investmentfirma Trian Fund Management unter Druck gesetzt worden. Trian hatte kräftige Kostensenkungen und eine Aufspaltung des Konzerns gefordert. Da machte es auch nicht viel aus, dass der US-Chemiekonzern wegen der Dollar-Stärke sein Jahresgewinn-Ziel kürzte.

Bierfusion wackelt

Derweil steht die größte Fusion in der Bierbranche auf der Kippe. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider meldete., hat der weltweit zweitgrößte Brauer SABMiller (Pilsner Urquell) ein informelles Übernahmeangebot von Marktführer Anheuser-Busch InBev (Beck's, Corona, Stella Artois, Budweiser) abgelehnt. Die 100 Milliarden Dollar seien zu wenig, hieß es. Management und Aktionäre erwarten einen Preis in Richtung von 45 Pfund je Aktie statt der bisher gebotenen 40 Pfund je Aktie. Die SAB-Miller-Aktie fiel um drei Prozent.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr