Anleger bleiben in der Reserve

Stand: 20.10.2009, 20:04 Uhr

Nach den kräftigen Kursgewinnen von gestern, haben die Anleger sich heute zurückgehalten. Zwar konnten die Quartalsberichte einiger US-Schwergewichte den Dax kurzzeitig auf ein neues Jahreshoch hieven, doch führten die Zahlen vom US-Bausektor rasch zu Gewinnmitnahmen.

Am Ende rutscht der Dax sogar auf die Marke von 5.800 Punkten und verliert damit knapp ein Prozent. Den elektronischen Handel hat der Leitindex noch mit einem Minus von 0,7 Prozent beendet. Auch an der Wall Street baute der Dow Jones Index seine Verluste aus. "Die Luft hier oben wird einfach dünn, da stellen viele ihre Gewinne erst einmal sicher", sagte ein Händler. Viele Anleger wollten jetzt erst einmal die weiteren Quartalszahlen abwarten, hieß es.

Am Nachmittag hatten die guten Quartalszahlen des weltweit führenden US-Baumaschinenherstellers Caterpillar dem zuvor schwächelnden Dax einen Schub gegeben und auf ein Jahreshoch von 5.888 Punkten gehievt. Der Konzern sieht "ermutigende Zeichen" für eine Erholung der Wirtschaft. Caterpillar erwartet deshalb einen Umsatzanstieg zwischen 10 und 25 Prozent. Auch der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer hat seine Erwartungen für das laufende Jahr angehoben und erwartet einen Umsatz von 49 bis 50 Milliarden Dollar, nach zuvor 45 bis 46 Milliarden zuvor. Im dritten Quartal schaffte es das Unternehmen zudem, seinen Überschuss dank einer Einmalzahlung und drastischen Einsparungen um 26 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar zu steigern. Ähnlich positiv äußerte sich der US-Chemiekonzern DuPont.

Für Enttäuschung sorgte vor allem der schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen des US-Bausektors. Statt 610.000 neuen Wohnungen wurden 590.000 gebaut. Händler sprachen von einem schlechten Vorzeichen.

Im Dax konnte die Aktie von K+S weiter zulegen. Händlern zufolge gibt es wieder einmal vage Übernahmegerüchte durch BHP. Auch Eon und BMW legen gegen den Trend deutlich zu. Dagegen stehen Volkswagen, Adidas, und die Deutsche Börse ganz oben auf der Verkaufsliste.

Volkswagen will 49,9 Prozent an Porsche
Volkswagen will bei der Übernahme des Sportwagenbauers Porsche im ersten Schritt einen größeren Anteil übernehmen als zuvor angekündigt. Der Konzern teilte mit, dass zunächst 49,9 Prozent der Porsche AG übernehmen will. Dafür werde VW rund 3,9 Milliarden Euro zahlen, hieß es weiter. Um die Übernahme zu refinanzieren, plant VW eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Vorzugsaktien.

Coca-Cola enttäuscht
Der weltgrößte Hersteller von Erfrischungsgetränken Coca-Cola erwartet, dass auch 2010 ein schwieriges Jahr wird. Die Konsumstimmung dürfte sich nur langsam erholen, sagte Firmenchef Muhtar Kent. Im abgelaufenen dritten Quartal dieses Jahres schaffte es Coca-Cola, seinen Gewinn stabil zu halten. Ähnlich wie im Vorjahr betrug der Überschuss 1,9 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Je Aktie und vor Sonderposten belief sich der Gewinn auf 0,82 Dollar. Coca-Cola traf damit die Analystenschätzungen genau.

VBH mit Umsatzrückgang
Die im SDax notierte VBH Holding musste in den ersten neun Monaten des Jahres einen Umsatzrückgang um 14 Prozent auf 556 Millionen Euro hinnehmen. Wechselkursbereinigt haben sich die Umsätze um neun Prozent verringert. Das Ebit wird im laufenden Quartal bei sieben Millionen Euro und damit für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2009 bei zehn bis elf Millionen Euro erwartet. Für das Gesamtjahr erwartet VGH einen Umsatzrückgang von ca. 12 bis 13 Prozent. Das Ebit bei 15 bis 17 Millionen Euro bewegen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,62
Differenz relativ
+1,07%

Deutsche kommt bei ABN zum Zug
nach zwei vergeblichen Anläufen kommt die Deutsche Bank beim Verkauf des mittelständischen Firmenkundengeschäfts der holländischen Bank ABN Amro nun doch zum Zug. das niederländische Finanzministerium teilte am Mittag mit, man sich mit den Deutschen über den Kauf der Mittelstandsbank Hollandsche Bank-Unie geeinigt. Das "Handelsblatt" wiederum berichtet von einem Interesse der Deutschen Bank an Filialen der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena.

Celesio mit Wandelanleihe erfolgreich
Europas größter Pharmahändler Celesio hat seine am Morgen angekündigte Wandelanleihe erfolgreich platziert. Die Anleihe mit einem Gesamtemissionsvolumen von 350 Millionen Euro inklusive Mehrzuteilungsoption sei zehnfach überzeichnet gewesen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das Orderbuch habe ein Volumen von mehr als 3,5 Milliarden Euro gehabt. Die Laufzeit der Wandelanleihe beträgt fünf Jahre. Der jährliche Kupon der Wandelanleihe wurde auf 3,75 Prozent festgelegt und befindet sich damit am unteren Ende der vermarkteten Bandbreite von 3,75 Prozent bis 4,75 Prozent.

Puma schächelt
Der Sportartikelhersteller Puma musste im dritten Quartal einen Umsatzrückgang um zehn Prozent auf gut 673 Millionen Euro hinnehmen, wie die Puma-Mutter, der französische Luxusgüter-Konzern PPR mitteilte. Damit schnitt der Konzern schlechter ab als noch im zweiten Quartal. Im Vorjahresquartal hatte Puma unter anderem dank der Fußball-Europameisterschaft geglänzt. Für das Gesamtjahr 2009 erwartet der Konzern ein Umsatzminus von zwei Prozent. Den Gewinn und weitere Details zum dritten Quartal will Puma im November veröffentlichen.

Repower hat Zweifel
Deutschlands drittgrößter Windkraftanlagenbauer Repower stellt seine Jahresziele infrage. Die Zahl der Projektverschiebungen bei den Kunden sei über die Sommermonate gestiegen, die erwartete Belebung des Windenergie-Marktes in den USA sei ausgeblieben, teilte das Unternehmen am Abend mit. Deshalb sei die Unsicherheit stark gestiegen, ob der geplante Umsatz von 1,4 (Vorjahr: 1,2) Milliarden Euro und die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 7,5 (6,3) Prozent im Geschäftsjahr 2009/10 (Ende März) noch erreichbar sind.

Solar-Aktien haussieren
Die Analysten von Sal. Oppenheim haben ihre Einschätzung für den Solarsektor von "Neutral" auf "Overweight" angehoben. Das sorgt bei den im TecDax notierten Werten für Kursgewinne auf breiter Front. Centrotherm profitieren außerdem von einer Deutsche-Bank-Kaufempfehlung. Q-Cells wurden von Sal. Oppenheim mit dem Urteil "Buy" versehen.

SMA Solar springen hoch
Die Aktie der im TecDax notierten SMA Solar springen um mehr als 16 Prozent in die Höhe. Grund ist die Anhebung der Jahresprognose. SMA peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 760 bis 810 Millionen Euro an, statt bisher erwarteter 680 bis 730 Millionen Euro. Das wäre ein Plus gegenüber dem Vorjahr von bis zu 19 Prozent. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll 21,5 bis 23,5 Prozent erreichen statt 18 bis 20 Prozent. Das würde einen Anstieg des Ebit auf bis zu 180 Millionen nach 167 Millionen Euro bedeuten. Zuvor hatte das Unternehmen überraschend freundliche Quartalszahlen vorgelegt.

Gute Nachrichten gibt es auch von Phoenix Solar. Der Photovoltaik-Projektierer hat einen Großauftrag des Energiekonzerns Eon in Frankreich für ein 1,5 Megawatt-Solarkraftwerk erhalten. Bergab geht es dagegen mit Manz Automation. Die Firma wurde von der Deutschen Bank in einer Ersteinschätzung mit "Sell" und einem Kursziel von 48,00 Euro eingestuft.

Morphosys und Daiichy
Das Biotech-Unternehmen Morphosys will mit dem japanischen Pharmakonzern Daiichi Sankyo Antikörper gegen Krankenhausinfektionen entwickeln. "Dies ist unser erster Vorstoß in das Gebiet der Infektionskrankheiten und ein weiterer richtungsweisender Vertrag für Morphosys", sagte Unternehmenschef Simon Moroney.

Delticom macht sich Hoffnung
Der Internet-Reifenhändler Delticom hat im dritten Quartal seinen Umsatz im Vorjahresvergleich von 53,7 auf 62 Millionen Euro verbessert. Außerdem bestätigte das SDax-Mitglied seine Prognose für 2009. Das Winterreifengeschäft sei gut angelaufen, sagte Finanzvorstand Frank Schuhardt in einem Reuters-Gespräch. In Bezug auf die bisherige Gesamtjahresprognose ergänzte er: "Es gibt die Chance für eine positive Überraschung."

Goldpreis nimmt Rekord ins Visier
Der Goldpreis hat das in der Vorwoche aufgestellte Rekordhoch von 1.072 Dollar wieder ins Visier genommen. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls kletterte angesichts der andauernden Dollar-Schwäche in der Spitze um 0,5 Prozent auf 1.067,80 Dollar.

Dollar macht Boden gut
Der Dollar hat am Nachmittag etwas Boden gutgemacht. Die Europäische
Gemeinschaftswährung sank zeitweise bis auf 1,4883 Dollar, nachdem die EZB am Mittag noch den Referenzwert bei 1,4971 Dollar festgelegt hatte. Ein Händler verwies zur Begründung der Euro-Verluste auf den steilen Anstieg der vergangenen Tage. "Eine Korrektur war überfällig", sagte er.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr