Anleger bleiben in Deckung

Stand: 12.11.2009, 20:05 Uhr

Am Nachrichtenmangel kann es nicht gelegen haben, dass die Märkte heute auf der Stelle traten. Auch gab es bei den heute vorgelegten Quartalszahlen keine wirklich böse Überraschung. Dennoch schaffte es der Dax nicht, seine Gewinne vom Nachmittag zu halten.

Wie bereits auf Xetra beendet der Leitindex auch den Abendhandel mit einem hauchdünnen Verlust von zwei Punkten 5.664. "Niemand will nach dem überraschend guten Börsenjahr seine Abschlussbilanz riskieren," sagte ein Händler. Auch aus New York kam keine Unterstützung.

Im Gegenteil. Der enttäuschende Ausblick des Einzelhandelsriesen Wal-Mart für das Weihnachtsgeschäft hat der Wall Street die Stimmung verdorben: Sowohl der Dow Jones-Index als auch die Technologiebörse Nasdaq drehten ins Minus. Im Sog des fallenden Ölpreises gerieten auch Energiewerte wie Chevron unter Druck. Gestützt wurde der Markt dagegen von der Einigung der beiden Erzrivalen AMD und Intel. AMD-Papiere verteuerten sich um gut ein Fünftel. Mit einem Kursplus von mehr als 30 Prozent ebenfalls gefragt waren die Titel des Netzwerkausrüsters 3Com, den HP für 2,7 Milliarden Dollar schlucken will.

In Frankfurt standen die Aktien von K+S im Mittelpunkt, nachdem das Unternehmen einen Anstieg der Kaliverkäufe um 50 Prozent im kommenden Jahr in Aussicht gestellt hat. Dagegen gerieten die Titel von Volkswagen kräftig unter Druck und fielen unter die Schwelle von 100 Euro.

DWS glaubt an steigende Kurse
Dass es dem Dax am Nachmittag einige Stunden lang trotzdem gelang, die Marke von 5.700 Punkten zu überspringen, werten einige Händler als Stärke. Auch Klaus Kaldemorgen, Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, erwartet, dass der Dax wegen der anhaltend niedrigen Zinsen bis Ende 2010 auf 6.480 Punkte steigen wird.

Der Euro leidet heute unter Gewinnmitnahmen, die ihn unter 1,49 Dollar gedrückt haben. Am Mittwoch im späten US-Geschäft war für einen Euro noch 1,4977 Dollar gezahlt worden.

Wal-Mart bleibt vorsichtig
Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart hat dank Kostensenkungen im dritten Quartal den Gewinn stärker gesteigert als erwartet. Doch hatten sich Marktexperten angesichts der angekündigten Preissenkungsrunde noch etwas mehr Schub für das wichtige Weihnachtsgeschäft erhofft als in Aussicht gestellt. Für das im Januar endende Geschäftsjahr rechnet Wal-Mart mit einem Umsatzplus von ein bis zwei Prozent, für das kommende von vier bis sechs Prozent.

Porsche verzockt Milliarden
Porsche muss wegen der gescheiterten Übernahme von VW einen Vorsteuerverlust von 4,4 Milliarden Euro verbuchen. An ihre Aktionäre wollen die Stuttgarter dennoch eine kleine Dividende zahlen. Porsche will eine Milliarde Euro aus seinen Rücklagen entnehmen und so einen Bilanzgewinn von 8,23 Millionen Euro ausweisen. Die schlechten Zahlen des kurz vor der Integration stehenden Unternehmens drücken auch die Aktie des künftigen Mutterkonzerns Volkswagen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp mit Milliardenverlust?
Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat der Onlineausgabe des Manager-Magazins zufolge im vergangenen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) einen Vorsteuerverlust von rund 2,4 Milliarden Euro eingefahren. Dort heißt es unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass knapp 800 Millionen Euro des Fehlbetrags aus dem operativen Geschäft stammen, weitere 1,7 Milliarden Euro voraussichtlich als Einmaleffekte ausgewiesen würden. ThyssenKrupp wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen.

Dagegen konnte der Stahlkonzern Salzgitter im dritten Quartal seinen Abwärtstrend stoppen. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 67 Millionen Euro nach 91 Millionen im zweiten Vierteljahr. Der Umsatz sank noch einmal um 100 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal rechnet Salzgitter mit einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE spürt sinkende Preise
Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern hat in den ersten drei Quartalen den sinkenden Ölpreis und Probleme im Großbritannien-Geschäft zu spüren bekommen. So ging der Umsatz um zwei Prozent auf 33,8 Milliarden Euro zurück. Das betriebliche Ergebnis sank um vier Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Bei beiden Größen schnitt der Konzern schwächer als von Experten prognostiziert ab. Immerhin bestätigte RWE seine Gesamtjahresprognose.

BMW expandiert in China
BMW-Stammaktien laufen besser als der Markt. Der Autokonzern will ein zweites Werk in China bauen. Das habe man mit dem chinesischen Partner Brilliance worden, teilte BMW mit. Die Produktion soll im Jahr 2012 starten.

Deutsche Börse will Stoxx
Die Deutsche Börse und die Schweizer Börse übernehmen den Indexanbieter Stoxx komplett. Verkäufer ist Dow Jones & Company. Der Kaufpreis liegt bei 206,1 Millionen Euro in bar. Zudem sei noch eine zusätzliche erfolgsbezogene Vergütung Mitte 2011 in Höhe von bis zu 29 Millionen Euro möglich, hieß es. Die Anleger lässt die Ankündigung kalt.

Viel Schatten und wenig Licht über Solarwerten
Ob Q-Cells, Phoenix Solar oder Conergy, die Aktien der drei Solarunternehmen müssen heute kräftige Einbußen hinnehmen. Grund sind die enttäuschenden Quartalszahlen. Wegen des Preisverfalls und rückläufiger Aufträge sind die Umsätze um 40 bis 50 Prozent eingebrochen. Entsprechend verheerend war die Auswirkung auf die Ergebniszahlen. Wegen Abschreibungen auf Beteiligungen musste Q-Cells sogar einen Verlust von 284 Millionen Euro ausweisen. Auch Conergy verbuchte einen Fehlbetrag. Bei Phoenix-Solar blieb unter dem Strich gerade mal eine Million Euro übrig.

Dagegen hat der Solartechnikhersteller SMA Solar zum zweiten Mal binnen eines Monats seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben und damit für Euphorie an der Börse gesorgt. Der Vorstand erwartet nun einen Umsatz von 850 bis 900 Millionen Euro. Ende Oktober hatte das Unternehmen den Ausblick bereits auf 760 bis 810 Millionen Euro angehoben. Auch die Profitabilität soll noch stärker steigen als bislang erhofft.

Sky kann nicht punkten
Der Bezahlsender Sky bleibt auch unter neuem Namen in der Verlustzone. Die Aktie bricht zeitweise um zehn Prozent ein. Der Umsatz ging um 13 Prozent auf 209 Millionen Euro zurück. Der Verlust stieg von 89 auf 117 Millionen Euro. Außerdem konnten weniger neue Abonnenten als erhofft gewonnen werden.

Hamburger Hafen kriselt
Der Hafenbetreiber HHLA hat wegen des eingebrochenen Welthandels in den ersten neun Monaten stark gelitten. Der Umsatz sank um ein Viertel und der Gewinn sackte um fast zwei Drittel auf 18 Millionen Euro. Die wieder anziehende Konjunktur dürfte auch dem Hafenbetreiber wieder etwas Schwung verleihen.

Hochtief rutschen ins Minus
Hochtief haben nur kurz von den guten Quartalszahlen profitieren können und sind deutlich ins Minus gerutscht. Börsianer verwiesen vor allem auf Gewinnmitnahmen. Das Unternehmen bekam auch im dritten Quartal dank guter Geschäfte seiner australischen Tochter Leighton die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise kaum zu spüren. Zudem hob das Unternehmen seinen operativen Ausblick für das Gesamtjahr an und bestätigte die übrigen Ziele.

Lanxess stoppt Einbruch
Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat nach einem unerwartet robusten dritten Quartal die bisher vage Prognose für das operative Ergebnis im Gesamtjahr präzisiert. Wegen der Wirtschaftskrise sei ein deutlicher Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen auf 400 bis 420 Millionen Euro zu erwarten, teilte der MDax-Konzern mit. Im Vorjahr hatte Lanxess noch 721 Millionen Euro verdient. Dank kräftiger Einsparungen konnte der Ergebniseinbruch im dritten Quartal gestoppt werden.

Stada verdient prächtig
Der Konzerngewinn des Generikaherstellers Stada ist von Juli bis September um 40 Prozent auf 23,2 Millionen Euro geklettert. In den ersten neuen Monaten des Jahres ist der Gewinn allerdings um zehn Prozent auf 71,5 Millionen Euro gesunken. Auch der Umsatz war leicht rückläufig.

Celesio leidet unter schwachem Pfund
Der Pharmahändler Celesio ist wegen Wertberichtigungen in seinem Apothekengeschäft in die roten Zahlen gerutscht. Auch das schwache britische Pfund setzte den Stuttgartern weiter zu, das Unternehmen ist mit etwa der Hälfte seiner Erlöse von dieser Währung abhängig. Unter dem Strich hat Celesio deshalb im dritten Quartal einen Verlust von 196,4 Millionen Euro eingefahren nach einem Gewinn von 69,2 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Fielmann: mehr Brillen, weniger Gewinn
Die Optikerkette Fielmann hat in den Sommermonaten zwar mehr Brillen verkauft als zuvor, so dass der Umsatz um 7,5 Prozent auf 248,1 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Dennoch ging der Überschuss um 1,6 Prozent auf 32,5 Millionen Euro zurück. Einen Ausblick gibt das Unternehmen aber nicht.

TAG Immobilien erfreut die Anleger
Im SDax läuft die Aktie des Immobilienunternehmens TAG überdurchschnittlich. Nach vier verlustreichen Quartalen in Folge gab es ein positives Vorsteuerergebnis von knapp drei Millionen Euro. Das Unternehmen verwies auf einen strikten Sparkurs und einen deutlich sinkenden Leerstand.

Blick in die Welt
Außer den vielen deutschen Unternehmen haben auch einige Mitglieder des EuroStoxx 50 Quartalszahlen vorgelegt. Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres sein Nettoergebnis um 0,3 Prozent auf 5,61 Milliarden Euro verbessert und damit im Rahmen der Markterwartungen abgeschnitten.

Der spanische Ölkonzern Repsol hat seinen Gewinn im dritten Quartal mehr als halbiert auf 759 Millionen Euro. Immerhin fiel das Ergebnis besser als erwartet aus. Der amerikanisch-belgische Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev schaffte in den Monaten Juli bis September einen Ebitda-Zuwachs um 12 Prozent auf 3,55 Milliarden Dollar. Rückläufige Absatzzahlen wurden teilweise durch höhere Preise kompensiert.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat