Anleger bleiben auf der Hut

Stand: 16.05.2011, 20:02 Uhr

Sorgen um die Schuldenkrise im Euroraum haben für einen schwachen Wochenauftakt am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Trotz der Hilfszusagen an Portugal verharrt der Dax auch am Abend im Minus.

Der Leitindex schließt 26 Punkte oder 0,3 Prozent tiefer bei 7.366. Zuvor hatten Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel die Märkte etwas beruhigt, in dem sie sich weiterhin entschieden gegen eine Umschuldung Griechenlands aussprachen.

Merkel sagte, sie lehne für die nächste Zeit Umschuldungen von Ländern innerhalb der Euro-Zone kategorisch ab. Käme es zu solchen Maßnahmen würde das die Glaubwürdigkeit der Euro-Zone "unglaublich" beschädigt. Denkbar sei für sie höchstens, wenn mit Gläubigern auf freiwilliger Basis Absprachen zur Lösung der Schuldenprobleme getroffen würden. Ab 2013 aber - mit dem neuen permanenten Euro-Schutzschirm ESM - müsse es klare neue Spielregeln geben, die die Beteiligung privater Gläubiger beträfen. Andere europäische Politiker stießen in das gleiche Horn.

Das genügte offensichtlich, um die verunsicherten Anleger etwas zu beruhigen. Der Dax holte bis zum Ende des elektronischen Handels kräftig auf und durchstieß in der Spitze sogar die Marke von 7.400 Punkten. Schließlich schloss er bei 7.387, knapp 16 Punkte oder 0,2 Prozent tiefer als am Freitag.

Nervosität auch an der Wall Street
Doch die Nervosität der Anleger bleibt hoch. "Der Fall Griechenland hängt wie ein Damoklesschwert über uns", sagte ein Händler. Das ebenfalls hoch verschuldete Portugal kann dagegen mit einer Milliardenspritze rechnen. Die Euro-Finanzminister gaben am Abend grünes Licht für die Nothilfe von 78 Milliarden Euro.

Auch an der Wall Street sorgt die Schuldenkrise für Verunsicherung. Der Dow Jones-Index hatte zunächst deutlich ins Plus gedreht hatte, muss bis zum Börsenschluss in Deutschland seine Gewinne nahezu vollständig wieder abgeben und notiert nur noch vier Punkte höher bei 12.598.

Neben der Schuldenkrise in der Eurozone hatte die Verhaftung des IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn für zusätzliche Unruhe gesorgt. Zudem wurde der Handel von enttäuschenden Konjunkturdaten belastet. In einer Schlüsselregion der USA verlor die Industrie im Mai überraschend deutlich an Schwung. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe im US-Bundesstaat New York sank auf 11,88 Punkte von 21,70 Zählern im April. Dies war der niedrigste Stand seit Dezember 2010.

Euro steigt wieder
Parallel zu den Aktienkursen hat auch der Euro im Tagesverlauf wieder aufgeholt. "Der Ausverkauf letzte Woche war übertrieben", sagte ein Händler. Die Gemeinschaftswährung kletterte über die Marke von 1,42 Dollar von 1,4049 Dollar im frühen Geschäft. Vor allem die Verunsicherung der Anleger über die Schuldenkrise in Griechenland hatte den Euro belastet.

Die Aufwertung des Dollar hat im Gegenzug die Nachfrage nach Rohstoffen wie Erdöl gedämpft. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete mit 98,34 Dollar 1,3 Prozent weniger als am Freitag. Brent-Öl verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 112,86 Dollar.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Börse auf der Zielgeraden
Die Aktien der Deutschen Börse sind die Favoriten im Dax, nachdem die US-Börsen Nasdaq und ICE ihr Gegenangebot für die NYSE Euronext zurückgezogen haben. "Wir haben uns dazu entschlossen, unser Angebot zurückzuziehen, nachdem deutlich wurde, dass wir keine Genehmigung der Regulierungsbehörden bekommen würden", sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld. Die Deutsche Börse entgeht damit einem teuren Poker.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank im freien Fall
Der Niedergang der Commerzbank-Aktie setzt sich auch heute fort. Das Papier ist der größte Verlierer im Dax und ist unter vier Euro gefallen. Grund ist die ungelöste Schuldenkrise und die andauernde Kapitalerhöhung. Für die leidgeplagten Aktionäre könnte es sogar noch schlimmer kommen: Auf der jüngsten Hauptversammlung hat sich Bankchef Martin Blessing die Erlaubnis geholt, den Nennwert für neu ausgegebene Aktien auf bis zu einen Euro abzusenken.

Die Schuldenkrise macht heute aber auch den Papieren der Deutschen Bank zu schaffen, obwohl der Branchenprimus des deutschen Kreditgewerbes wiederholt betont hat, in Griechenland keine nennenswerte Engagements zu haben.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Tognum ist zufrieden
Daimler und Rolls-Royce sind bei der Übernahme des Motorenbauers Tognum auf der Zielgeraden. Tognum sei mit der aufgestockten Offerte des Bieterduos zufrieden, verlautete heute aus Branchenkreisen. Die Spitzenmanager des Dieselmotorenbauers haben demnach Zustimmung zu der von 24 auf 26 Euro je Aktie erhöhten Offerte signalisiert. Die Bieter müssten allerdings noch einige Bedingungen erfüllen. Sprecher von Daimler und Tognum wollten sich dazu nicht äußern.

Lanxess beschafft sich Kapital
Der Chemiekonzern Lanxess aus dem MDax hat sich über eine Anleihe am Kapitalmarkt frische Finanzmittel verschafft. Das Leverkusener Unternehmen platzierte eine siebenjährige Euro-Anleihe im Volumen von 500 Millionen Euro, wie Lanxess am Montag mitteilte. Das Papier ist mit einem Zinskupon von 4,125 Prozent ausgestattet und wurde mit einem Renditeaufschlag von 105 Basispunkten über Mid-Swaps gepreist. Der Reofferpreis liegt bei 99,547 Prozent. Die Emission sei neunfach überzeichnet gewesen.

Tom Tailor zieht Anleger an
Gegen den Trend kräftig nach oben geht es mit den Aktien des Modeherstellers Tom Tailor. Einen unmittelbaren Auslöser für die Rally konnten Börsianer nicht nennen. Die im SDax notierten Titel übersprangen allerdings nach dem vergeblichen Anlauf vom Freitag sowohl das Hoch von Ende April sowie die 200-Tage-Linie. Tom Tailor hatte vergangene Woche für das erste Quartal einen Umsatzschub bekanntgegeben und seine Gesamtjahresziele bekräftigt.

Konkurrent Hennes & Mauritz gab am Morgen ein elfprozentiges Umsatzplus in den acht Monaten zum April bekannt. Die Aktien des weltweit zweitgrößten Mode-Einzelhändlers legten an der Stockholmer Börse 1,2 Prozent auf 234 Schwedische Kronen zu.

Hochtief steigt trotzdem
Trotz roter Zahlen im ersten Quartal gehört die Hochtief-Aktie heute zu den wenigen Favoriten im MDax. Der Kurs zieht um gut zwei Prozent an. Nach dem Bekanntwerden der Probleme bei der australischen Tochter sei Schlimmeres befürchtet worden, meinte ein Händler.

SKW erfreut
Zu den wenigen Gewinnern im SDax gehört die Aktie von SDK. Der Stahlzulieferer hat im ersten Quartal seinen Gewinn auf 4,3 Millionen Euro fast vervierfacht. Der Umsatz sei um ein Fünftel auf 101 Millionen Euro geklettert. Die Zuwächse dürften im restlichen Jahresverlauf allerdings geringer ausfallen. Für das Gesamtjahr prognostiziert SKW einen Umsatz von über 380 Millionen Euro.

GfK-Prognosen sind gefragt
Aufwärts geht es auch mit der ebenfalls im SDax notierten Aktie von GfK. Der Marktforscher, bekannt durch seinen vielbeachteten Konsumentenindex, hat im ersten Quartal seinen Nettogewinn um mehr als die Hälfte auf 15 Millionen Euro erhöht. "Wir sind zuversichtlich, unsere gesteckten Ziele für das Jahr 2011 erreichen zu können", sagte Vorstandschef Klaus Wübbenhorst.

Mobotix auf gutem Weg
Leicht abwärts geht es mit der Mobotix-Aktie. Der Experte für Video-Sicherheitsanlagen hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010/2011 ein Umsatzwachstum von 37 Prozent erzielt. Das Ebit legte sogar um 78 Prozent auf 12,7 Millionen Euro zu.

Gewinnsprung bei Silicon Sensor
Um 2,5 Prozent kletterte die Aktie des Sensorherstellers Silicon Sensor. Das vorwiegend für die Autoindustrie produzierende Unternehmen hat im ersten Quartal den Umsatz um 47 Prozent auf 13,1 Millionen Euro und das Ebit um 78 Prozent auf 900.000 Euro gesteigert.

InVision Software nicht gut genug
Kräftig abwärts geht es mit der Aktie von Invision Software. Der Anbieter von cloud-basiertem Personalmanagement bestätigte heute die bereits Mitte April veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal. Danach kletterte der Umsatz in dieser Zeit um rund 29 Prozent auf 3,7 Millionen Euro. Das Ebit erreichte 0,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 1,3 Millionen.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr