Anleger bleiben auf der Hut

Stand: 28.10.2010, 20:02 Uhr

Der Dax hat auch den zweiten Tag in Folge die Hürde von 6.600 Punkten verfehlt. Zwar sorgten gute Quartalszahlen für teils kräftige Kursgewinne, doch Verluste an der Wall Street verhinderten erneut einen Ausbruch nach oben.

Der Dax beendet den Abendhandel bei 6.592 Punkten, 27 mehr als gestern. Im Tagesverlauf war das Börsenbarometer zeitweise bis auf 6.644 Zähler angestiegen, musste dann einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Trotzdem ist der deutsche Aktienmarkt nach zwei Tagen mit Verlusten wieder in die Gewinnspur zurückgekehrt. Der erhoffte Ausbruch nach oben lässt aber auf sich warten.

Händlern zufolge halten sich viele Anleger vor der Entscheidung der US-Notenbank Fed über eine weitere Geldspritze mit Käufen zurück. "Die Anleger bleiben auf der Hut und viele wollen einfach abwarten, wie die US-Notenbank nächste Woche entscheidet", sagte ein Börsianer. Bis dahin dürfte der Dax in seiner Spanne von 6550 bis 6650 Punkten verharren. Die Fed berät am kommenden Mittwoch turnusgemäß über die Geldpolitik. Analysten rechnen mit einem neuen Anleihen-Kaufprogramm, das der schwächelnden US-Konjunktur unter die Arme greifen soll.

An der Wall Street ist der Dow Jones-Index nach anfänglichen Kursgewinnen sogar ins Minus gedreht. Er notiert bei Börsenschluss in Deutschland 38 Punkte tiefer auf 11.086. Händler erklärten die verhaltene Stimmung mit Zweifeln am Ausmaß der Hilfen von der Fed und gemischt ausgefallene Bilanzzahlen. Die Anleger schraubten wie bereits gestern ihre Erwartungen an die US-Notenbank zurück, was den Umfang der in Aussicht gestellten zusätzlichen Konjunkturstützen angeht.

Dabei ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche auf ein Drei-Monats-Tief gefallen. Von einer Trendwende wollen Analysten aber noch nicht sprechen. Morgen wird der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober vorgelegt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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56,13
Differenz relativ
-2,57%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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152,94
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-0,93%

Telekom an Dax-Spitze
Ganz vorne im Dax liegen mit einem Aufschlag von 3,06 Prozent die Papiere der Deutschen Telekom. Sie werden angetrieben von France Telecom. Zwar sind die Geschäfte der Franzosen rückläufig, doch konnte die Telefongesellschaft damit die Erwartungen der Börsianer übertreffen.

Unter Gewinnmitnahmen leidet dagegen die Aktie von Daimler. Dabei hat der Autobauer nach einem Milliardengewinn im dritten Quartal zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose erhöht. Für die Anleger ist das aber kein Grund zum Feiern."Sell on good news' heißt das Motto", sagte ein Börsianer. Ein Analyst bemängelte, dass es im Lkw-Geschäft keine positive Überraschung gegeben habe.

Dagegen bleiben die Papiere der Wolfsburger auf der Überholspur. Die VW-Vorzüge profitieren von zahlreichen Kursziel-Anhebungen und steigen um 2,8 Prozent.

Fresenius auf Rekordkurs
Der Gesundheitskonzern Fresenius und seine Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) stehen bei Anlegern weiter hoch im Kurs. FMC stellen mit einem Plus von bis zu 1,1 Prozent auf 46 Euro ihr Rekordhoch vom Monatsbeginn ein. Fresenius SE steigen auf über 62 Euro und sind damit so teuer wie seit Juli 2007 nicht mehr. Börsianern zufolge sorgen charttechnische Kaufsignale für die Fortsetzung der Rally.

Lufthansa auf Höhenflug
Auch die Lufthansa-Aktie hebt nach guten Zahlen ab. Die Geschäfte laufen wieder so gut, dass die Kranich-Airline für ihre Aktionäre wieder eine Dividende plant. DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky bezeichnete die Neun-Monats-Zahlen als brilliant. Der Umsatz kletterte im dritten Quartal um 28 Prozent auf 7,6 Milliarden, der Quartalsgewinn um satte 200 Prozent auf 628 Millionen Euro.

Bayer überzeugt nicht
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat dank des Booms bei Kunststoffen im dritten Quartal seinen Wachstumskurs fortgesetzt. "Wir bleiben für das Jahr 2010 zuversichtlich und bestätigen für den Konzern unseren Ausblick", sagte der erst seit Anfang des Monats amtierende neue Konzernchef Marijn Dekkers. Für das kommende Jahr und die Ziele 2012 hielt er sich aber noch bedeckt. Die Anleger nehmen Gewinne mit.

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,93
Differenz relativ
-0,86%

BASF bremst die Euphorie
"Die Chemiebranche wird weiter robust wachsen", sagte Firmenchef Jürgen Hambrecht am Mittag Reuters Insider TV. Allerdings würden die Wachstumsraten im nächsten Jahr aufgrund der höheren Vergleichswerte 2010 geringer ausfallen. Im dritten Quartal versechsfachte der immer noch größte Chemiekonzern der Welt seinen Gewinn auf 1,2 Milliarden Euro. Die Aktie kann von den guten Zahlen aber kaum profitieren.

MAN am Dax-Ende
Unter Druck sind die Titel von MAN, obwohl doch der LKW- und Maschinenbauer seine Prognose für 2010 angehoben hat und mehr als 20 Prozent Umsatzplus avisierte. Ein Börsianer bemängelte aber die geringere Dynamik beim Auftragseingang. Die MAN-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt - fast fünf Mal so stark wie der Dax.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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116,95
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+1,39%

Deutsche Börse fürchtet Abschreibungen
Zu deutlichen Einbußen kommt es auch bei der Aktie des Eschborner Börsenbetreibers. Der Überschuss von 161,3 Millionen Euro im dritten Quartal habe zwar überzeugt. Für Verunsicherung sorgt aber die Drohung weiterer Abschreibungen bei der US-Tochter ISE, so ein Händler.

Salzgitter-Zahlen überzeugt nicht
Mit Blick auf Unternehmen aus der zweiten Reihe sanken die Anteilsscheine von Salzgitter im MDax nach Quartalszahlen. Zwar hat sich der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern in die schwarzen Zahlen zurückgekämpft. Doch waren Börsianer unzufrieden mit dem Ergebnis, das von einer Sonderbelastung gedrückt wurde.

Was auch nicht so gut ankam: Salzgitter nutzt seine 25-prozentige Beteiligung an Aurubis zur billigen Finanzierung und begibt eine Umtauschanleihe auf einen Teil seiner Aktien. Die Aurubis-Aktie ist der schwächste Wert im MDax.

Aus dem TecDax und SDax
Im TecDax ziehen neben Aixtron auch die Papiere Evotec an. Das Biotechnologie-Unternehmen hat die Rechte an einem Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Schlafstörungen an die chinesische Jingxin Pharma verkauft. Jingxin Pharma darf nun den Wirkstoffkandidaten in China entwickeln und vermarkten.

Wirecard legen ebenfalls zu. Der Zahlungsabwickler erfüllte mit seiner Quartalsbilanz die Erwartungen und bekräftigte die Prognose. Dass die WestLB Kontron von "Add" auf "Neutral" senkte, belastete die Aktien des Minicomputer-Herstellers.

Im SDax macht der Versandhändler Takkt mit einer Anhebung seines Umsatzziels von sich Reden. Die Zwischenbilanz zum dritten Quartal kommt ebenfalls gut an, nach dem Abflauen der Wirtschaftskrise kaufen die Unternehmen wieder verstärkt Büro-, Lager- und Betriebsausstattung. Die Takkt-Aktie ist heute gefragt. KWS Saat kommt mit seiner Quartalsbilanz dagegen nicht recht an. Dabei hat der Agrarboom die Geschäfte des Saatgutherstellers sprießen lassen.

Grenkeleasing haben kaum auf die Vorlage von Zahlen für das dritte Quartal reagiert. Die Aktie bleibt damit nur knapp unter dem höchsten Stand seit Anfang 2007, der zur Monatsmitte bei 38,55 Euro markiert worden war. Ein Börsianer sprach von einem "gemischten" Ergebnis, ein Analyst sogar wegen der überraschend hohen Ausfallquote von einer leichten Enttäuschung.

Der Keramikhersteller Villeroy & Boch schreibt im operativen Geschäft wieder schwarze Zahlen. Ein von der EU- Kommission verhängtes Bußgeld verhagelt der Firma aber die Bilanz, so dass am Ende ein kräftiger Verlust in den Büchern steht.

3M-Aktie im Sinkflug
Der US-Mischkonzern 3M hat zwar im dritten Quartal mit 6,9 Milliarden Dollar den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte erzielt. Und auch der Gewinn stieg um 16 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Dennoch gehört die Aktie im New Yorker Handel zu den größten mit 6,9 Milliarden DollarVerlierern. Der Grund: 3M reduzierte seine Erwartungen an den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr.

Weitere Zahlen aus dem Ausland
Der starke Yen und die rückläufige Nachfrage nach Spiele-Konsolen haben dem japanischen Unterhaltungskonzern Nintendo einen Gewinneinbruch beschert. In den abgelaufenen drei Monaten seien operativ 30,9 Milliarden Yen (umgerechnet rund 273 Millionen Euro) verdient worden, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahresquartal war der Gewinn noch mehr als doppelt so hoch. Für das im kommenden März endende Geschäftsjahr rechnet Nintendo weiterhin mit einem operativen Ergebnis von 210 Milliarden Yen (rund 1,86 Milliarden Euro).

Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis hob nach einem Umsatz- und Gewinnanstieg seine zur Jahresmitte gesenkte Prognose für 2010 leicht an, was den Papieren ein leichtes Plus beschert. Der Versicherer Axa legte wie schon im ersten Halbjahr weiter leicht zu, erwartet aber, dass das niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten weiter auf die Margen im Neugeschäft drücken wird. Das Kursplus fällt hier noch bescheidener aus.

Gewinne von Shell und Exxon sprudeln
Der Ölkonzern verdiente im dritten Quartal dank höherer Öl- und Gaspreise mehr als im Vorjahr, was an der Börse mit einem Kursgewinn von einem Prozent quittiert wurde. Auch der weltgrößte Branchenvertreter Exxon Mobil hat prächtig verdient: 7,35 Milliarden Dollar in Gewinn bei 95,3 Milliarden Dollar Absatz - im Quartal.

Beim Pharmakonzern AstraZeneca drückten indes die Konkurrenz von Nachahmermedikamenten (Generika) und Kosten für Rechtsstreitigkeiten auf den Gewinn. Entsprechend verliert die Aktie heute. Auch die Titel der Bank Santander geben nach, wohl weil die Neunmonatszahlen einen Gewinnrückgang zeigen, wegen neuer Vorgaben der spanischen Notenbank.

Teure Rohstoffe und Belastungen aus einer Umschuldung haben den US-Reifenhersteller Goodyear in die Verlustzone gezogen. Die gestiegenen Materialkosten von 412 Millionen Dollar im dritten Quartal konnten nicht mit höheren Verkaufspreisen ausgeglichen werden. Der Nettoverlust betrug 20 Millionen Dollar, nach einem Gewinn von 72 Millionen im Vorjahresquartal.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen