Marktbericht 20:00 Uhr

Dax schließt im Minus Anleger bewegen sich im Kreis

Stand: 23.07.2013, 20:20 Uhr

Die Zeit der großen Kurssprünge ist vorerst vorbei. Seit drei Tagen kommt der Dax kaum vom Fleck. Am Dienstag bremste die Wall Street den deutschen Leitindex aus - wegen der Angst vor schwachen Apple-Zahlen. Im Blickpunkt stand eine Mega-Fusion in der deutschen Mobilfunkbranche.

Übernahmen sind eigentlich das Salz in der Suppe für Börsianer. Doch der am Dienstagmorgen bekannt gegebene Verkauf von E-Plus an Telefonica Deutschland versetzte die Anleger nur kurz in Feierlaune. Der Dax büßte im Laufe des Nachmittags seine anfänglichen Kursgewinne komplett ein und schloss 0,2 Prozent tiefer bei 8.314 Punkten. Denn auch die Wall Street kam nicht richtig in Schwung und schwächelte kurz nach Handelsbeginn. Dow und S&P 500 hatten zunächst ein neues Rekordhoch erreicht, bevor die Kursgewinne wieder zusammenschmolzen.

Die Hoffnung auf eine Stabilisierung der chinesischen Konjunktur hatte anfangs die Märkte gestützt. Der chinesische Ministerpräsidenten Li Keqiang kündigte an, dass Peking kein Wachstum unterhalb von sieben Prozent toleriere.

Angst vor Apple?

Anleger strichen am Abend Gewinne ein. "Möglicherweise hat der eine oder andere auch Angst vor den Apple-Zahlen", meinte ein Marktanalyst. Nach US-Börsenschluss veröffentlicht der iPhone-Hersteller seine mit Spannung erwarteten Zahlen. Zuletzt hatten mehrere Hightech-Schwergewichte wie Google, Microsoft und Intel enttäuscht.

US-Konzerne liefern gute Zahlen

Mehrere US-Konzerne legten am Dienstag vielversprechende Quartalsbilanzen vor. Der Mischkonzern United Technologies verdiente im zweiten Quartal sechs Prozent mehr und übertraf die Erwartungen der Analysten. Bei DuPont brach zwar der Gewinn je Aktie um 15 Prozent auf 1,28 Dollar ein, lag damit aber leicht über den Prognosen. Darüber hinaus kündigte der BASF-Rivale an, sich von seiner zweitgrößten Sparte "Performance Chemicals" zu trennen. Auch der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin glänzte mit seiner Bilanz. Der Gewinn konnte unerwartet deutlich um zehn Prozent auf 859 Millionen Dollar erhöht werden – trotz der Rüstungseinsparungen in den USA. Lockheed Martin hob seine Gewinnprognose füpr das Gesamtjahr um vier Prozent an.

Zwiespältige Konjunkturdaten

Am Nachmittag kamen schlechte Konjunkturdaten aus den USA: Überraschend trübte sich die Wirtschaftsstimmung in der Region Richmond ein. Dagegen hellte sich die Kauflaune der Verbraucher in der Euro-Zone deutlicher auf als erwartet. Der Index zum Verbrauchervertrauen stieg um 1,4 auf minus 17,4 Punkte.

Zudem gibt es einen Lichtblick aus Spanien: Die Wirtschaft schrumpfte zwar das achte Quartal in Folge, bremste aber ihre Talfahrt. Das Bruttoinlandsprodukt sank um nur 0,1 Prozent. Gleichzeitig konnte sich das Land bei einer Anleihenauktion günstiger finanzieren: Der Zins für die dreimonatigen Geldmarktpapiere halbierte sich gegenüber der vorangegangenen Auktion auf 0,442 Prozent. Für die neunmonatigen Papiere fiel er von 1,44 auf 1,15 Prozent.

Euro wieder über 1,32 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro erholte sich im Laufe des Nachmittags spürbar. Er kletterte wieder über die Marke von 1,32 Dollar. Am Montag hatten bereits enttäuschende Daten vom US-Häusermarkt den Euro über diese Schwelle getrieben. Der Goldpreis stieg derweil weiter - auf 1.340 Dollar. Am Montag hatte das gelbe Edelmetall den stärksten Preisanstieg seit 13 Monaten erlebt.

O2 schluckt E-Plus

Für Gesprächsstoff an den Börsen sorgten am Dienstag die Hochzeitspläne von E-Plus mit Telefonica Deutschland (O2). Die Aktien der E-Plus-Mutter KPN schossen zeitweise um über 13 Prozent nach oben, zum Börsenschluss blieb noch ein Plus von drei Prozent übrig. Die Aktien von Telefonica Deutschland legten eine Berg- und Talfahrt hin. Erst zogen die Papiere um gut fünf Prozent an, dann ging es fünf Prozent abwärts.

Der Milliarden-Deal hievte auch andere Telekomwerte an wie zum Beispiel die Deutsche Telekom. Die T-Aktien zählten mit einem Plus von rund 1,7 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Zwar würde die Deutsche Telekom ihre Marktführerschaft verlieren, wenn E-Plus und O2 zusammengehen. Zugleich gebe es aber einen Anbieter weniger auf dem Markt, wodurch der Wettbewerbsdruck sinke, meinen Experten.

Bewegung auf dem französischen Mobilfunk-Markt

Die Konsolidierungsfantasie erfasste auch französische Telekomfirmen. Die beiden Mobilfunkanbieter SFR (Vivendi) und Bouygues sprechen über eine Netzkooperation. Darüber hinaus will Vivendi sein Marokko-Geschäft loswerden. Der Medien- und Telekomkonzern verhandelt mit Etisalat über den Verkauf seiner Beteiligung an Maroc Telecom. Das könnte Vivendi 4,2 Milliarden Euro bringen. Die Aktien von Bouygues verteuerten sich um knapp sieben Prozent, die Titel von Vivendi um 2,4 Prozent.

TI treibt Infineon

Im Sog guter Zahlen von Texas Instruments zogen die Aktien von Infineon um 1,3 Prozent an. Dem US-Konzern gelang dank des Konzernumbaus ein Gewinnsprung von 48 Prozent im zweiten Quartal. TI baut nun keine Chips für Smartphones und Tablet-Computer mehr, weil der harte Preiskampf und die hohen Entwicklungskosten die Marge drücken. Der Chipkonzern bestückt lieber Fernseher und Waschmaschinen mit seinen Prozessoren, das bringt mehr Gewinn.

Warum mit Chips für Computer und Mobiltelefone derzeit kaum etwas zu gewinnen ist, zeigt das Beispiel von STMicroelectronics. Europas größter Halbleiterhersteller verdoppelte im abgelaufenen Quartal den Verlust auf 152 Millionen Dollar. STMicroelectronics litt unter der schrumpfenden Nachfrage bei Mobiltelefonen.

UPS in der Wirtschaftsflaute

Die Quartalszahlen der UPS konnten der Deutschen Post-Aktie keinen Auftrieb geben. Sie schloss rund 0,4 Prozent im Minus. Der weltgrößte Paketdienst UPS hat im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang von acht Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Dollar erlitten. Der Umsatz stieg nur leicht. Viele Kunden weichen vor allem auf internationalen Strecken von teurer Luftfracht auf billigere Transportmöglichkeiten wie etwa den Wasserweg aus. Das drückt die Margen. UPS hatte deswegen erst kürzlich seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Rheinmetall zieht Großauftrag an Land

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ein Milliarden-Auftrag aus Australien hievte Rheinmetall nach oben. Die Aktien stiegen knapp drei Prozent und waren größter MDax-Gewinner. Rheinmetall liefert über sein Gemeinschaftsunternehmen RMMV mit MAN Lkws im Wert von 1,1 Milliarden Euro an das australische Militär.

KKR und Permira können jetzt bei ProSiebenSat.1 aussteigen

Gut ein Prozent höher schlossen die Aktien von ProSiebenSat.1. Die Hauptversammlung stimmte am Dienstag wie erwartet der Veränderung der Aktionärsstruktur zu und macht den Weg für den Ausstieg der Finanzinvestoren KKR und Permira frei. Die bisher nicht stimmberechtigten aber an der Börse gehandelten Vorzugsaktien werden in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt. Als Abschiedsgeschenk gab's eine Sonderdividende von 5,65 Euro je Vorzugsaktie und 5,63 Euro je Stammaktie. ProSiebenSat.1 gilt jetzt als heißer Kandidat für den baldigen Aufstieg in den Dax.

Kuka stockt Wandelanleihe auf

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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MDax-Schlusslicht war Kuka mit einem Minus von über vier Prozent. Der Roboter- und Anlagenbauer will bei Investoren 91,2 Millionen Euro über eine Wandelanleihe einsammeln. Dadurch erhöht sich die im Februar ausgegebene Anleihe auf insgesamt 150 Millionen. Anleger werten das als versteckte Kapitalerhöhung, die eine späteren Wandlung der Anleihen in Aktien nach sich zieht. Das würde den Gewinn je Aktie verwässern.

TecDax kurz über 1.000 Punkte

TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dank des Übernahmedeals von Telefonica Deutschland kletterte der TecDax am Dienstagvormittag erstmals seit fünfeinhalb Jahren über die Marke von 1.000 Punkten. Danach bröckelten die Gewinne aber wieder. Der TecDax schloss 0,6 Prozent tiefer bei knapp 992 Zählern.

Dialog macht Hoffnung

Star des Tages war Dialog Semiconductor mit einem Kursplus von knapp neun Prozent. Der Chip-Zulieferer beruhigte die Anleger mit der Ankündigung, im Gesamtjahr mehr Umsatz zu erwirtschaften als 2012. Im zweiten Quartal schrumpften die Erlöse um fünf Prozent, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern halbierte sich auf 6,1 Millionen Euro. Anleger hatten Schlimmeres befürchtet.

Einwegprodukte machen Sartorius reich

Zu den großen TecDax-Gewinnern gehörte auch die Aktie von Sartorius. Die Nachfrage der Arzneimittelhersteller hat dem Labor- und Pharmazulieferer in den ersten sechs Monaten mehr Neugeschäft beschert. Der Auftragseingang zog um 5,5 Prozent, der Konzernumsatz um 4,5 Prozent an. Besonders Einwegprodukte für die Medikamentenherstellung waren stark gefragt.

Stratec trotzt Flut

Noch stärker legte die Aktie von Stratec nach der vorgelegten Quartalsbilanz zu - um fast fünf Prozent. Das Diagnostik-Unternehmen hat die Folgen der schweren Flut im Juni zu spüren bekommen. Es gab Liefer- und Leistungsverzögerungen wegen Hochwasserschäden an Gebäuden und Materialien. Daher sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in der ersten Jahreshälfte um elf Prozent auf 8,35 Millionen Euro. Der Umsatz stieg hingegen um acht Prozent.

Swatch-Chef rechnet mit neuem Schub aus China

Swatch: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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290,00
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Aus dem Ausland meldete sich der weltgrößte Uhrenkonzern Swatch mit srtarken Zahlen. Das Unternehmen aus Biel in der Schweiz steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 9 Prozent auf 4,2 Milliarden Franken, der Gewinn legte 6 Prozent auf 768 Millionen Franken zu. Für das zweite Halbjahr zeigte sich Swatch-Chef Nick Hayer noch zuversichtlicher. "Die Lage in China normalisiert sich", sagte er, nachdem die Uhren-Nachfrage im ersten Halbjahr etwas nachgelassen hatte. Hayek kann sich für das Gesamtjahr einen Umsatz von erstmals mehr als neun Milliarden Franken vorstellen.

Swisscom-Chef tot

Dagegen schlossen die Aktien von Swisscom 0,8 Prozent im Minus. Die Börsengemeinde reagierte bestürzt auf den frühen Tod des Swisscom-Chefs Carsten Schloter. Der 49-jährige Deutsche, der seit 2006 den Telekom-Konzern leitete, wurde am Morgen tot an seinem Wohnort im Kanton Fribourg gefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Schloter hatte zuletzt in einem Interview gesagt, dass "ich immer größere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen". Übergangsweise übernimmt nun der Chef des Schweizer Geschäfts, Urs Schaeppi, die Leitung von Swisscom.

AT&S hui, RHI pfui

In Österreich sorgte AT&S für Furore. Die Aktie sprang um 13 Prozent nach oben. Der Halbleiterhersteller profitierte vom Smartphone- und Tablet-Boom. Im ersten Quartal 2013/14 steigerte das Hightech-Unternehmen den Gewinn auf 6,61 Millionen Euro – über zehn Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Dagegen senkte der österreichische Industriekonzern seine Jahresprognose – wegen Problemen bei einer neuen Schmelzanlage in Norwegen. Das Ziel, eine stabile operative Marge von neun Prozent zu erreichen, sei herausfordernd, warnte RHI. Die Aktien büßten drei Prozent ein.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr