Marktbericht 20:00 Uhr

Hängepartie geht weiter Anleger bevorzugen taktischen Rückzug

Stand: 16.02.2015, 17:40 Uhr

Solange die Lage im Schuldenstreit mit Griechenland nicht geklärt ist, halten sich die Investoren zurück: Der Dax büßte zum Wochenstart ein paar Punkte ein. Am Abend drückte die Nachricht, dass Griechenland die Verhandlungen platzen ließ, den Euro tief ins Minus.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,4 Prozent auf 10.923,23 Punkten. Die Umsätze waren deutlich unterdurchschnittlich. In Deutschland dürften einige Investoren den Rosenmontag verfeiert haben, in den USA hatte die Wall Street wegen des Presidents‘ Day geschlossen. Nach dem jüngsten Dax-Rekord vom Freitag hatten einige Aktienstrategen für diese Woche mit Gewinnmitnahmen und einem kleinen Rücksetzer gerechnet.

Marktreaktion schwer abzuschätzen

Das Thema des Tages war natürlich der Schuldenstreit mit Griechenland. "Je länger sich eine Lösung hinzieht, könnte die Belastung für die Märkte zunehmen, zumal sich trotz der gelassenen Haltung der Marktteilnehmer die tatsächliche Marktreaktion auf einen Grexit schwer abschätzen lässt", meint Andreas Paciorek, Marktanalyst bei CMC Markets.

Insgesamt war die Stimmung während des Handels allerdings eher gelassen: Ob dies auf dem Prinzip Hoffnung basiert oder ob das "Problem Griechenland" tatsächlich als nachrangig eingestuft wird, bleibt abzuwarten", meinen die Experten der DZ Bank. Hier lesen sie weitere Stimmen der Experten zum Thema Schuldenstreit und Grexit.

Neues aus Brüssel

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1714
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Am Abend berichteten die Agenturen schließlich, dass die Gespräche der Finanzminister in Brüssel ergebnislos zu Ende gegangen seien. Die Euro-Finanzminister verlangen nach den Worten von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis von Griechenland einen Antrag zur Verlängerung seines Hilfsprogramms. Erst wenn die Regierung in Athen dazu bereit sei, wollten die Minister weitere Verhandlungen mit ihr führen, sagte Dombrovskis.

Bislang sieht es nicht danach aus, als würde Athen einlenken. Diese Meldung schickte den Eurokurs auf Talfahrt, nachdem sich die Gemeinschaftswährung zuvor fester präsentiert hatte. Der Late-Dax baute seine Verluste aus und verlor 0,9 Prozent auf 10.841,80 Punkte.

Banken im Dax erneut beliebt

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank mit Aufschlägen von 4,7 und 2,8 Prozent zu den gefragtesten Werten gezählt. Auch heute waren beide Finanzinstitute wieder im Spitzentrio des Dax zu finden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,33
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+0,74%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,55
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Rückruf bei Daimler

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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57,26
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0,00%

Daimler hat in Deutschland und China den Rückruf von 150.000 Fahrzeugen wegen möglicher Sicherheitsprobleme gestartet. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich unter Umständen Auto-Teile lösen und ein Feuer verursachen könnten, teilte die zuständige chinesische Aufsichtsbehörde am Montag mit. Daimler bestätigte die Rückrufaktion. In China seien 127.000 Fahrzeuge betroffen, in Deutschland rund 22.000 Autos.

Deutsche Wohnen plant Milliardenübernahme

Der Wohnimmobilienkonzern aus dem MDax will für rund eine Milliarde Euro den österreichischen Konkurrenten Conwert übernehmen. Dies wurde am Abend bekannt. Deutsche Wohnen, die bereits 26 Prozent an Conwert halten, wollen 11,50 Euro je Anteilsschein bieten. Voraussichtlich Mitte März werde es ein offizielles Angebot geben, sagte Finanzvorstand Andreas Segal der Nachrichtenagentur "Reuters".

Auch Adler kauft ein

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt bahnt sich auch in der zweiten Reihe eine Übernahme an: Adler Real Estate kündigte an, die Rivalin Westgrund zu übernehmen. Die Offerte, die aus Cash und Aktien bestehen soll, dürfte insgesamt etwa 370 Millionen Euro schwer sein. Alles zusammengerechnet bekommen die Westgrund-Anteilseigner fünf Euro je Aktie - eine Prämie von etwa 20 Prozent auf den Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 75 Prozent. Gut die Hälfte der Anteile habe sich Adler bereits gesichert, sagte ein Konzernsprecher.

Kion nach Goldman-Studie gefragt

Bester Wert im MDax ist die Aktie des Gabelstaplerherstellers Kion nach einem positiven Analystenkommentar aus dem Hause Goldman Sachs. Die US-Investmentbank hat Kion von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 33 auf 43 Euro angehoben. Analystin Daniela Costa begründete ihre Zuversicht mit der Aussicht auf eine nachhaltige zyklische Erholung der Weltwirtschaft.

Grammer-Aktie nicht gefragt

Die Aktie des Herstellers von Autositzen lag im SDax am Indexende. Der Autozulieferer hat nach vorläufigen Zahlen zwar das abgelaufene Geschäftsjahr 2014 mit einem Umsatzrekord von 1,36 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Ebit lag bei 57 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe. Vor allem der Ausblick kam aber nicht gut an.

Bertrandt auf Wachstumskurs

Besser ergeht es derzeit dem Indexkollegen Betrandt, der ebenfalls in der Autoindustrie viele Kunden hat. Der Ingenieurdienstleister hat im vergangenen Quartal seines bis September laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Ergebnis prozentual zweistellig gesteigert. Firmenchef Dietmar Bichler äußerte sich im Ausblick zuversichtlich.

Bernd Thiele liegt Angebot für Vossloh vor

Bernd Thiele, Großaktionär und Eigner von Knorr-Bremse, hat wie angekündigt ein Angebot für Aktien des Bahntechnikkonzerns in Höhe von 48,50 Euro vorgelegt. Thiele hält bereits 29,9 Prozent an Vossloh und liegt damit nur ganz knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, ab der ein Angebot für das ganze Unternehmen abgegeben werden muss. Viel Erfolg wird er aber wohl nicht haben, aktuell wird die Aktie im SDax rund zehn Euro höher gehandelt.

Stabilus legt kräftig zu

Der luxemburgische Autozulieferer, der hauptsächlich Antriebe und Gasdruckfedern herstellt, hat in seinem ersten Geschäftsquartal 2015 Umsatz und Ebit kräftig gesteigert. Für das laufende Jahr äußerte sich Firmenchef Dietmar Siemssen zuversichtlich. Die Aktie ist im Prime Standard der Deutschen Börse notiert.

Actelion verdient mehr

Der auch an deutschen Handelsplätzen notierte Biotechkonzern aus der Schweiz hat im vergangenen Jahr deutlich mehr verdient. Gewinntreiber waren die beiden Lungenmedikamente Opsumit und Tracleer. Der bereinigte Gewinn um 20 Prozent auf 743 Millionen Franken. Die Erlöse wuchsen um zwölf Prozent auf 1,96 Milliarden Franken. Die Dividende soll um acht Prozent auf 1,30 Franken steigen, zudem sollen eigene Aktien zurückgekauft werden.

Puma verfehlt die Erwartungen

Der Adidas-Erzrivale hat im vierten Quartal überraschend einen Verlust ausgewiesen. Die Dividende liegt bei 50 Cent. Puma gehört zu 86 Prozent dem französischen Kering-Konzern (früher PPR), 14 Prozent sind noch im Streubesitz.

Uhse-Aktie wie entfesselt

Peitschen, Handschellen, Gummimasken: All das und vieles mehr hat der Erotikhändler Beate Uhse im Angebot. Und weil in diesen Tagen der Sado-Maso-Streifen "Shades of Grey" in den Kinos läuft, setzten einige Anleger offenbar auf gute Geschäfte mit Erwachsenen-Spielzeug. "Der Filmstart ist eine Spitzenvorlage für uns", sagte eine Uhse-Sprecherin in der vergangenen Woche.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr