Anleger bekommen kalte Füße

Stand: 29.03.2012, 20:13 Uhr

Ging es zu schnell zu hoch hinaus? Der Dax verbuchte das größte Tagesminus seit Anfang März und sackte sogar unter die Marke von 6.900 Punkten - für Charttechniker ein schlechtes Zeichen. Aber auch fundamental wächst die Sorge, dass einiges im Argen liegt.

"Gewinnmitnahmen prägen bis auf weiteres das derzeitige Kursgeschehen", sagt IG Markets-Experte Gregor Kuhn. Wir sähen die überfälligen Korrekturbewegungen, die die überkaufte Marktlage ein Stück weit abbauen, so Kuhn.

Im Gespräch mit boerse.ARD.de hatte der Chartanalyst Jörg Scherer von HSBC Trinkaus vor einigen Tagen die Marke von 6.971 Zählern als einen wichtigen Haltepunkt identifiziert. Sollte der Index unterhalb der Marke schließen, sei er bereit seinen Optimismus aufzugeben, sagte Scherer. Soweit wären wir dann wohl jetzt.

Am 6. März hatte der Dax 3,4 Prozent eingebüßt, heute sind es immerhin 1,8 Prozent auf 6.875,15 Punkte. "Das sollte aber nicht zu hoch gehängt werden nach einem Anstieg von 20 Prozent im Dax seit Jahresbeginn", sagte Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke & Co. Den tiefsten Tagesstand hatte der Index bei 6.841,97 Punkten markiert. Lediglich Fresenius Medical Care hielt sich in der Gewinnzone.
Der EuroStoxx 50 schloss 1,8 Prozent tiefer und verzeichnete damit den dritten Verlusttag in Folge. In Paris sank der CAC 40 um 1,4 Prozent und der FTSE 100 in London fiel um 1,2 Prozent. Der Late Dax büßte 1,2 Prozent auf 6.881,21 Zähler ein.

Patzer in Italien
Ein Marktteilnehmer versucht sich an einer Entwarnung: "Wirklicher Verkaufsdruck ist allerdings nicht zu beobachten", sagte er Börsianer. "Die fallenden Kurse sind vielmehr Ausdruck mangelnder Nachfrage." Der Dow Jones lag am Abend bei um rund ein halbes Prozent im Minus.

Insgesamt waren gute Nachrichten am Donnerstag Mangelware: Bei einer Auktion fünfjähriger Anleihen zog die Rendite im Vergleich zu einer vorhergehenden Emission an. Außerdem blieb das Land bei der gesamten Kapitalaufnahme hinter dem angestrebten Maximalziel zurück. Bei einer Versteigerung zehnjähriger Titel gab die Rendite indes weiter nach.

Risse im rosigen Konjunkturbild
"Warnungen vor übertriebenen Erwartungen werden an der Börse auch nach der jüngsten Kurskorrektur als 'Schwarzmalerei' abgekanzelt. Doch allein mit Schönreden und Reichrechnen sichert man kein künftiges Wachstum", stellt Eberhardt Unger von Fairesearch fest. Viel Hoffnung sei bereits eingepreist gewesen, lässt ein Marktteilnehmer wissen. Diese Hoffnungen erfüllen sich derzeit nicht: In der Eurozone trübten sich die Gradmesser für Wirtschaftsvertrauen und Geschäftsklima überraschend ein.

Auch in den USA blieben die Impulse aus: Dort sanken die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche zwar erneut, allerdings nicht mit dem Tempo, das Volkswirte prognostiziert hatten. Immerhin: Das Bruttoinlandsprodukt legte im vierten Quartal erwartungsgemäß mit einer Jahresrate von drei Prozent zu.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,99
Differenz relativ
+3,64%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,34
Differenz relativ
-0,56%

RWE und Eon geben AKW-Pläne auf
Die Energiekonzerne Eon und RWE geben aus Kostengründen ihre Pläne zum Bau von Atomkraftwerken in Großbritannien auf. Das 2009 gegründete Joint Venture "Horizon" soll verkauft werden. RWE und Eon hatten sich 2009 bei einer Auktion zwei Standorte für neue Kraftwerke gesichert. "Der Entscheidung ist eine strategische Prüfung vorausgegangen, die die beiden Mutterkonzerne RWE AG und Eon AG unabhängig voneinander durchgeführt haben", teilte RWE mit. Die Aktien fallen etwa mit dem Markt. Nach den ursprünglichen Planungen wollten RWE und Eon bis 2025 fünf bis sechs neue Reaktoren bauen und dafür bis zu 17 Milliarden Euro investieren.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Rückwärtsgang für Autobauer
Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Autobauer, die in den vergangenen Monaten besonders stark zugelegt hatten. BMW, Daimler und Volkswagen verloren zwischen zwei und drei Prozent. "Die Aktien leiden unter den trüberen Konjunkturaussichten in China", sagte ein Händler. Darüber hinaus drohen nach Aussagen der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) europäischen Fahrzeug-Herstellern wegen des schrumpfenden Heimatmarktes Herabstufungen.

Stada führt den MDax an
Die Aktien des Arzneimittelkonzerns Stada sackten nach Bekanntgabe der endgültigen Zahlen und bestätigter Prognose zunächst ab, kletterten danach aber wieder um zuletzt 1,13 Prozent auf 23,31 Euro nach oben, nachdem das Unternehmen einer Kapitalerhöhung eine Absage erteilt hatte. Aktuell liegen sie mit fast vier Prozent in der Gewinnzone.

Vossloh stärker als der Markt...
... aber dennoch in der Verlustzone. Der Bahntechnikkonzern aus dem MDax hat zwar 2011 wegen fehlender Geschäfte in Russland und China einen Gewinneinbruch verbucht, will im laufenden Jahr aber wieder Fahrt aufnehmen. In diesem Jahr soll ein Umsatz zwischen 1,25 und 1,3 Milliarden Euro herauskommen. Das Ebit soll 100 bis 110 Millionen Euro erreichen. Für das kommende Jahr sieht der Vorstand ein Wachstum auf 1,3 bis 1,35 Milliarden Euro beim Umsatz voraus und ein operatives Ergebnis (Ebit) von 120 bis 130 Millionen Euro.

H&M verfehlt Erwartungen
Kräftig abwärts geht es mit der Aktie von H&M. Die weltweit zweitgrößte Bekleidungskette ist mit ihrem Gewinn im ersten Quartal weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wegen höherer Kosten bei gleichzeitig hohen Preisabschlägen konnte der Vorsteuergewinn lediglich auf 3,7 Milliarden Schwedische Kronen (417 Millionen Euro) von 3,5 Milliarden Kronen vor Jahresfrist gesteigert werden. Analysten hatten mit 4,2 Milliarden Schwedischen Kronen gerechnet. Mit der jüngsten Nachfrageentwicklung zeigte sich das Unternehmen zufrieden. Die Umsätze seien bislang im März in lokalen Währungen gerechnet um 22 Prozent angezogen.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,32
Differenz relativ
+2,23%

Wuchtiger Rückschlag für SMA Solar
Abwärts ging es auch mit der Aktie von SMA Solar. Der Hersteller von Wechselrichtern für Solaranlagen hat Morgen den bereits bekannten Gewinneinbruch bestätigt. Danach sank der Überschuss auf 166,1 Millionen Euro, nach 365 Millionen Euro vor einem Jahr. Die zuversichtlichen Prognosen finden bei den Anlegern keine Beachtung. SMA Solar sei "gut positioniert, um die großen Chancen der Energiewende zu nutzen und ab 2013 wieder zu einem Umsatzwachstum zurückzukehren", sagte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon.

Deutsche Wohnen fehlt Überraschungsfaktor
Deutlich ikns Minus gerutscht sind auch die Aktien von Deutsche Wohnen. Dabei hat das Immobilienunternehmen aus dem MDax sein Ergebnis im Geschäftsjahr 2011 mehr als verdoppelt. Im laufenden Jahr will die Firma ihr Portfolio weiter ausbauen. Die WestLB hat die Einstufung für das Unternehmen auf "Add" belassen. Die Ergebnisse seien ohne Überraschungen geblieben, sagte Analyst Ulrich Geis von der DZ Bank. Der Ausblick ist seines Erachtens konservativ und biete Aufwärtspotenzial.

Grammer lockt mit Dividende
Der Automobilzulieferer Grammer will erstmals seit 2008 wieder eine Dividende ausschütten, dennoch schloss das Papier an einem schlechten Börsentag leichter. Die Anleger sollen 40 Cent je Aktie bekommen. Dank der guten Konjunktur hat Grammer 2011 sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um mehr als 50 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 49,4 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz erreichte 1,1 Milliarden und stieg damit auf den höchsten Wert der über 50-jährigen Unternehmensgeschichte.

Centrotec schreibt rote Zahlen...
... aber die Aktie legte im SDax zu. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr allerdings in die roten Zahlen gerutscht und hat einen Verlust von 9,4 Millionen Euro ausgewiesen, nach einem Überschuss von 25,6 Millionen im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Umsatz um zwölf Prozent auf 538 Millionen Euro. Die Anleger sollen eine unveränderte Dividende von zehn Cent erhalten.

Ströer-Aktie bricht ein
Für große Enttäuschung hat das auf Außenwerbung spezialisierte Unternehmen Ströer gesorgt. Die Aktie verliert mehr als sechs Prozent und ist damit der schwächste Wert im SDax. Ströer hat im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben und einen Verlust von 3,6 Millionen Euro angehäuft, nach einem Überschuss von 58 Millionen im Vorjahr. Der Konzernumsatz stieg allerdings um 8,6 Prozent auf 577 Millionen. Für das laufende Jahr sind die Aussichten vage.

Asian Bamboo mit Gewinneinbruch
Das im Prime Standard der Deutschen Börse notierte Unternehmen Asian Bamboo hat im vergangenen Jahr einen heftigen Ergebniseinbruch verzeichnet. Das Bruttoergebnis verringerte sich um 41Prozent auf 26,2 Millionen Euro. Entsprechend sank der Jahresüberschuss um 52 Prozent auf 16,2 Millionen Euro. Dabei konnte der Umsatz um 18 Prozent auf knapp 90 Millionen Euro gesteigert werden.

Halloren zahlt Dividende
Die Halloren Schokoladenfabrik wird nun schon im vierten Jahr in Folge eine Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 sollen 0,25 Euro pro Aktie gezahlt werden. Der Konzernnettoumsatz, bereinigt um Erlösschmälerungen, verbesserte sich von 60,65 Millionen Euro auf 68,11 Millionen - ein Plus von 12,3 Prozent. Der Nettogewinn kletterte von 1,56 Millionen auf 2,6 Millionen Euro.

Tonkens verbucht Verlust
Die Tonkens Agrar AG erwirtschaftete im ersten Halbjahr (Juli bis Dezember 2011) Umsätze von 6,1 Millionen Euro nach 8,6 Millionen im Vorjahr. Ursächlich für die niedrigeren Umsätze waren geringere Erlöse aus dem Kartoffelhandel, heißt es in der Unternehmensmittteilung. Aufgrund einer reichhaltigen Ernte seien in der letzten Saison insbesondere die Marktpreise bei Kartoffeln und Zwiebeln gefallen. Das ein Betriebsergebnis (Ebit) belief sich auf 0,3 Millionen Euro nach 2,5 Millionen im Vorjahr. Das Konzernergebnis nach Steuern war mit minus 0,1 Millionen nach . 1,5 Millionen Euro sogar leicht negativ.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen