Anleger bekommen kalte Füße

Stand: 09.01.2007, 20:12 Uhr

Kurz vor Beginn der US-Berichtssaison werden Anleger nervös. Denn einige Analysten haben warnend die Finger gehoben und gesagt, die Quartalsberichte werden vielleicht doch nicht so gut laufen. Sprint Nextel schürte derartige Ängste.

Der Telekomkonzern enttäuschte mit seinem Ausblick. So lag die Umsatzprognose für 2007 unter den Analystenschätzungen. Auch die Erlöse 2006 verfehlten die Erwartungen des Marktes. Sprint-Aktien wurden gnadenlos abgestraft mit einem Kursminus von rund zehn Prozent.

Warten auf Alcoa
Entsprechend verunsichert blicken Investoren der beginnenden Earnings Season entgegen, die heute nach US-Börsenschluss traditionell von Alcoa eröffnet wird. Dabei soll der Aluminiumhersteller im abgelaufenen Jahresviertel ganz gut verdient haben. Nach Ansicht von Experten dürfte sich wegen der hohen Aluminum-Preise der Gewinn fast verdoppelt haben. Das Ergebnis könne allerdings von Streiks im Werk in Cleveland zum Jahresende belastet sein, schreibt Morgan Stanley.

Dax gibt Tagesgewinne ab
Der nachlassende Ölpreis, der auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren sank, konnte den Marktteilnehmern ihre Ängste nicht nehmen. Dow Jones und Nasdaq Composite rutschten zeitweise ins Minus.

Das verunsicherte auch die deutschen Anleger. Der Dax musste seine Tagesgewinne wieder weitgehend abgeben. Der deutsche Leitindex ging nur noch mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent bei 6.614 Zählern aus dem Handel. Der L-Dax gab weiter nach bis auf 6.601 Punkte.

Dabei haben sich die US-Indizes inzwischen wieder erholt. Der Dow Jones ist aktuell nur noch minimal im Minus, der Nasdaq Composite sogar 0,2 Prozent im Plus.

Apple stellt Handy vor
Vielleicht verbesserte Apple die Stimmung. Das Unternehmen präsentierte eine Mischung aus seinem Musikabspielgerät iPod und einem Mobiltelefon. Das Produkt wird "iPhone" heißen. Die Apple-Papiere daraufhin um sechs Prozent in die Höhe.

Börse in Venezuela stürzt ab
Verunsichert sind die Anleger in Südamerika. Die Börse in Caracas hat mit einem Kurssturz auf die Ankündigung von Venezuelas Präsident Hugo Chavez reagiert, Unternehmen zu verstaatlichen und die Unabhängigkeit der Zentralbank abzuschaffen. Die Kurse brachen um rund ein Fünftel ein.

Ölpreis auf Talfahrt - Ölaktien unter Druck
Wegen der Automesse in Detroit stehen derzeit Autoaktien stärker im Fokus der Anleger. Im Dax gehörten die Titel von VW zu den größten Verlierern. Auch Porsche verloren deutlich.

In den Mittelpunkt rückten zudem Ölaktien. Sie gehörten wegen des sinkenden Ölpreises und einer negativen Sektorstudie der Deutschen Bank zu den Verlierern. Zudem enttäuschte BP mit seinen Zahlen für das vierte Quartal.

Finanzwerte gefragt
Durchweg höher schlossen Finanztitel. Im Dax waren nach Analystenempfehlungen besonders die Titel der Deutschen Börse und die der Commerzbank gefragt. JPMorgan pries die Aktien der Commerzbank als die "billigste Bank in Europa". Schließlich habe sie im vergangenen Jahr unter einer "ernsthaften Underperformance" gelitten.

Die Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate waren im vergangenen Jahr dem Dax noch stärker hinterher gehinkt. Mit einem Plus von zwei Prozent zählten sie heute ebenfalls zu den größten Gewinnern.

Übernahmegerüchte treiben Lufthansa
Auch die Lufthansa-Aktie bekam deutlich Auftrieb - nicht nur durch den gesunkenen Ölpreis. Auch Übernahmegerüchte machten die Runde. Am Markt wurde spekuliert, die Lufthansa könnte an der skandinavischen Fluggesellschaft SAS interessiert sein. Dies trieb die SAS-Aktie zeitweise um fünf Prozent nach oben. Solche Marktgerüchte hätten "keine Substanz", sagte jedoch ein SAS-Sprecher. Die Lufthansa lehnte einen Kommentar ab.

Neue Konzernstruktur bei VW?
Den größten Zugewinn verbuchten allerdings die Titel von MAN, während VW-Aktien einen Tag vor der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums die rote Laterne im Dax trugen. Es wird erwartet, dass der neue VW-Chef Martin Winterkorn eine neue Konzernstruktur sowie personelle Änderungen vorschlägt. Börsianer befürchten, dass VW-Markenchef Wolfgang Bernhard dabei den Kürzeren ziehen könnte. Nach Informationen aus Konzernkreisen steht auch die geplante Lkw-Allianz von MAN und Scania auf der Agenda. VW ist Großaktionär bei beiden Konzernen.

Stahlbranche erreicht Kapazitätsgrenze
Zu den größten Verlierern gehörte neben VW auch ThyssenKrupp. Vielleicht trennten sich Anleger von dem Stahlwert, weil sich der Branchenverband so wenig Optimismus verbreitete. Die Rekorde von 2006 könnten kaum gesteigert werden, sagte Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. "Die Kapazitätsgrenze ist erreicht."

Versorger im Blick
Die Titel der Versorger Eon und RWE steckten ebenfalls Kursvelruste ein. Die EU wird am Mittwoch möglicherweise einen härteren Kurs auf dem Energiemarkt verkünden.. Zudem dürfte der nachgebende Ölpreis Gewinnmitnahmen ausgelöst haben.

Allianz abgestraft
Die Allianz-Aktie kassierte ebenfalls ein Minus nach einer Herabstufung durch Merrill. Die starke Kursentwicklung lasse nur noch wenig Spielraum zum unveränderten fairen Aktienwert von 161 Euro, hieß es in einer Studie.

Angst vor einer Gewinnwarnung bei SAP
SAP-Aktien waren anfangs noch gefragt, nachdem Spekulationen die Runde gemacht hatten, der Software-Konzern könnte die Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen vorziehen. Anleger hatten da noch auf gute Zahlen gehofft. Doch dann tauchten vage Gerüchte über eine anstehende Gewinnwarnung auf. Spätestens in zwei Wochen, am 24. Januar, wenn die Bilanz veröffentlicht werden soll, wissen wir mehr.

Analysten bewegen Wacker, IVG und IKB
Im MDax behielten bis zum Ende der Börsensitzung die Käufer die Oberhand. Der Index schloss ein halbes Prozent im Plus. Vor allem Analystenstimmen brachten kräftig Bewegung in die Kurse. So konnte Wacker Chemie als bester MDax-Wert sogar sechs Prozent zulegen, IVG und IKB stiegen rund fünf Prozent.

Schweizer vertrauen Rheinmetall
Auch Rheinmetall arbeitete sich in dem Index weit nach vorn. Der Autozulieferer und Rüstungskonzern hat von der Schweizer Armee eine Bestellung für eine neue Generation von Pionierpanzern erhalten. 2009 soll der Konzern zwölf so genannte Geniepanzer des Typs Kodiak an die Schweizer liefern.

Beiersdorf rutscht ab
Auf der Verliererseite standen die Papiere von KarstadtQuelle und Beiersdorf. Der Handelskonzern hatte die Anleger schon am Vortag mit seinen Umsatzzahlen zum vierten Quartal nicht überzeugen können.

Auch bei dem Kosmetikkonzern war die Bilanz zwar in etwa wie erwartet ausgefallen - doch enttäuscte die EBIT-Marge leicht. Sal. Oppenheim senkte sogar seine Empfehlung von "Buy" auf "Neutral".

Bei Techem ist die Luft raus
Kursverluste gab es auch für die Techem-Aktie. Das Management unterstützt nun das Übernahmeangebot der australischen Macquarie-Bank und damit sind Hoffnungen der Anleger auf einen Bieterkampf vom Tisch.

Patrizia zapft die Börse an
Nach Schluss des elektronischen Xetra-Handels hatte die Immobiliengesellschaft Patrizia noch eine Neuigkeit für die Anleger. Sie zapft die Börse an, um frisches Geld für weitere Wohnungskäufe zu bekommen. Mit der Ausgabe von bis zu 4,73 Millionen neuen Aktien oder knapp zehn Prozent des Grundkapitals will das Unternehmen die jüngsten und zukünftige Transaktionen finanzieren. Zu aktuellen Börsenkursen würde Patrizia fast 110 Millionen Euro einnehmen.

QSC mag "Alice"
Im TecDax fallen die Titel von QSC mit einem deutlichen Kursplus auf. Der Kölner Breitbandnetzbetreiber berichtete, er werde seine Kooperation mit dem "Alice"-Anbieter Hansenet ausbauen.

DIC Asset schmiert ab
Bleibt noch ein Blick auf den SDax: Besonders heftig traf es DIC Asset. Die Aktie verbilligte sich zeitweise um mehr als fünf Prozent und gehörte damit zu den stärksten Verlierern in dem Kleinwerte-Index. Eine Platzierung trübte die Stimmung ebenso wie zwei Herabstufungen durch die WestLB und Kempen.

Washtec expandiert im Ausland
Die Titel von WashTec bekommen gut zwei Prozent Auftrieb. Der Autowaschanlagenbauer gab einen Zukauf im Ausland bekannt. Für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag übernimmt das Unternehmen seinen spanischen Vertriebspartner Motor Mediteraneo.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr