Marktbericht 20:02 Uhr

Dax kurz auf neuem Allzeithoch Anleger bekommen Höhenangst

Stand: 04.12.2014, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf neue Geldspritzen der Europäischen Zentralbank haben dem Dax am Donnerstag ein neues Allzeithoch beschert. Doch Notenbank-Chef Mario Draghi verschiebt die Entscheidung über Anleihekäufe auf nächstes Jahr - und sorgt damit für eine herbe Enttäuschung.

Der Dax schießt zwar zu Beginn der Pressekonfernz von Mario Draghi auf 10.083 Punkte - ein neues Allzeithoch - doch nur wenige Minuten später rauschen die Kurse in den Keller. Der Dax verliert gut 200 Punkte und kommt erst bei 9.835 Zählern zum Stehen. Am Ende geht der Leitindex bei 9.851 Zählern aus dem Handel, 1,21 Prozent oder 120 Punkte weniger als gestern.

Was war passiert? Statt neue Hinweise zu den allgemein erwarteten Ankäufen von Staatsanleihen zu geben, wollen die Notenbanker erst einmal abwarten. Draghi sagte, man wolle zu Beginn des kommenden Jahres - aber wohl noch nicht im Januar - die Wirksamkeit der aktuellen geldpolitischen Maßnahmen überprüfen, bevor weitere Schritte eingeleitet würden. Das sorgte bei den Anlegern für Enttäuschung.

Ist die Rally beendet?

Ist die Rally der letzten Wochen damit beendet ? Für Jens Klatt von DailyFX "spricht vieles dafür, dass wir an diesem Donnerstag das Ende der Jahresendrallye 2014 gesehen haben". Das kurz erreichte Allzeithoch bei 10.083 Punkten werde lange Zeit nicht mehr erreicht. Eher sei nach dem Bruch der Marke von 9.900 Punkten beim Dax der Weg erst einmal frei bis in den Bereich um 9.500 Punkte.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Andere Marktexperten sind weit weniger pessimistisch. Nach Einschätzung der NordLB sind die erwarteten Staatsanleihekäufe nur eine Frage der Zeit. "Nicht zuletzt die deutlich gesenkten Inflationsprognosen der EZB sprechen hierfür, zumal der jüngste Ölpreiseinbruch noch gar nicht berücksichtigt wurde", schreibt Volkswirt Christian Lips. "Wenn nicht noch ein (Wirtschafts-)wunder geschieht, wird Draghi Ende des ersten Quartals 2015 nun aber liefern müssen." Alles andere würde laut Lips die Glaubwürdigkeit der EZB akut gefährden.

Tatsächlich haben die Notenbanker ihre Prognosen für die Inflationsrate im Euroraum im kommenden Jahr auf nur noch 0,7 Prozent gesenkt, was deutlich unter der angesprbten Zielgröße von zwei Prozent liegt und weitere geldpolitische Maßnahmen erfordert.

Auch an der Wall Street haben die Anleger zunächst enttäuscht auf die Aussagen von Mario Draghi reagiert. Der Dow Jones-Index verlor zeitweise ein halbes Prozent. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt am Abend hat sich der US-Leitindex aber wieder erholt und notiert nahezu unverändert bei 17.906 Punkten.

Euro nur kurz über 1,24 Dollar

Am Devisenmarkt haben die Aussagen von Mario Draghi für heftige Kursausschläge gesorgt. Der Euro kletterte zeitweise über die Schwelle von 1,24 Dollar, mehr als 1 Cent über dem Stand vom Vormittag. Bis zum Abend muss die Gemeinschaftswährung einen Teil ihrer Gewinne aber abgeben und notiert bei 1,2377 Dollar.

Banken auf Talfahrt

Unter der Enttäuschung auf die Ratssitzung der EZB leiden im Dax besonders die Commerzbank und die Deutsche Bank. Sie gehören mit Kursverlusten von je 3,2 und 2,4 Prozent zu den schwächsten Werten im Leitindex.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,66
Differenz relativ
+0,12%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Infineon verteidigt Spitzenplatz

Dagegen können sich die Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon gegen den Abwärtstrend behaupten. Zur Wochenmitte hatten sie von einem positiv aufgenommenen Ausblick des US-Halbleiterunternehmens Microchip Technology profitiert. Einige Anleger könnten darauf setzen, dass die erst vor kurzem abgegebene Prognose des deutschen Wettbewerbers zu pessimistisch war, sagte ein Händler. Von ihrem Jahreshoch im Juli sind die Papiere aber noch weit entfernt.

Lufthansa profitiert von Ryanair

Auch die Lufthansa-Aktien können gegegn den Trend zulegen. Sie profitieren vom billigen Öl und den guten Zahlen von Ryanair. Die irische Billigfluggesellschaft hat ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2014/15 angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Gewinn von 810 bis 830 Millionen Euro - nach bisher 750 bis 770 Millionen Euro. Als Grund nannte Ryanair höhere Passagierzahlen. Die Anhebung war die dritte im laufenden Geschäftsjahr.

Deutsche Bank: Negativzinsen sind tabu

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Die Deutsche Bank will ihre Privatkunden vor Negativzinsen verschonen. Es sei derzeit nicht geplant, die Gebühren der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Sparer weiterzureichen, sagte Privatkundenvorstand Rainer Neske am Mittwochabend in Frankfurt. "Als Kunde wäre ich da entspannt, jedenfalls als Kunde der Deutschen Bank." Es gebe trotz der jüngsten Nachrichten keinen Grund zur Verunsicherung.

Tui-Tochter verdient mehr

Im MDax gehören die Tui-Aktien zu den stärksten Werten. Der Reiseveranstalter Tui Travel hat im abgelaufenen Geschäftsjahr das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis um vier Prozent auf 612 Millionen britische Pfund verbessert. Unter dem Strich sprang der Gewinn nach hohen Abschreibungen im Vorjahr nun sogar von 51 Millionen auf 183 Millionen Pfund. Dagegen schrumpfte der Umsatz um drei Prozent auf 14,6 Milliarden Pfund. Tui Travel steht kurz vor der Fusion mit der Mutter Tui.

Kuka: Übernahmefantasie entweicht

Um 4,7 Prozent bergab geht es dagegen mit den ebenfalls im MDax notierten Aktien von Kuka. Der Chef des Großaktionärs Voith Hubert Lienhard hatte gestern nach dem Einstieg bei Kuka gesagt, dass keine weitere Aufstockung der Beteiligung geplant sei. "Da sind einige einfach enttäuscht, die mit einem größeren Einstieg oder gar einer Übernahme gerechnet hatten", sagte ein Händler. Zudem machten viele Kasse.

Zalando steigt auf

Der Börsenneuling Zalando wird in den SDax aufgenommen. Nach einer Entscheidung des Arbeitskreises Indizes der Deutschen Börse ersetzt der Online-Bekleidungshändler den Spezialisten für energieeffiziente Gebäudetechnik Centrotec. Die Änderungen werden zum 22. Dezember wirksam. Änderungen bei Dax, MDax und TecDax gab es erwartungsgemäß nicht.

Hawesko lehnt Übernahme ab

Der im Prime Standard notierte Weinhändler Hawesko lehnt das Übernahmeangebot der Tocos Beteiligung GmbH ab. Der angebotene Preis von 40 Euro je Hawesko-Aktie sei aus finanzieller Sicht unangemessen und zu niedrig. Daher suche das Management nach einer besseren Alternative zu Meyers Offerte - einen "weißen Ritter". Gespräche mit einigen Interessenten würden bereits geführt.

lg

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier