Marktbericht 20:15 Uhr

Dax schließt mit deutlichen Verlusten Anleger auf dem Rückzug

Stand: 19.08.2015, 20:15 Uhr

Die Lage an den Aktienmärkten wird immer bedrohlicher. Aus Angst vor einer Abkühlung der Konjunktur in China und der Welt stießen Anleger am Mittwoch massiv Aktien ab. Der Dax fiel den vierten Tag in Folge. Für die Wende sorgte am Abend die Fed.

Das am Abend veröffentlichte Protokoll zur jüngsten Fed-Sitzung lieferte keine eindeutigen Hinweise zu einer Zinswende im September. Die Währungshüter seien zwar der Meinung, dass sich die Voraussetzungen für die Zinswende zuletzt verbessert hätten, hieß es laut dem Protokoll. Die meisten Fed-Mitglieder seien aber weiter der Ansicht gewesen, dass die Bedingungen für eine Straffung der Geldpolitik noch nicht ausreichend seien.

Inflation steigt kaum

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Es gebe demnach noch mehr Raum für Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, hieß es weiter. Zudem sei die Inflation immer noch recht niedrig. Im Juli stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 0,2 Prozent. Die so genannte Kerninflationsrate - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel - verharrte im Juli bei 1,8 Prozent und lag damit knapp unter der Zielmarke der Fed von zwei Prozent.

Zinswende wohl doch erst später?

Mehrere Notenbanker zeigten sich laut dem Protokoll auch besorgt über China. Damit scheint es immer unwahrscheinlicher, dass die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise im September kommt. Die Abwertung des chinesischen Yuan und die jüngsten Turbulenzen an den Märkten könnte die US-Notenbank dazu veranlassen, mit der Zinswende nochmals abzuwarten.

Dow reduziert Verluste

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Das Fed-Protokoll sorgte für Beruhigung an der Wall Street. Der Dow machte seine Verluste wett und drehte kurz ins Plus. Zuvor war der Index rund ein Prozent im Minus gelegen. Die Finanzmärkte interpretierten die Aussagen offenbar überwiegend in Richtung einer geringeren Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im kommenden Monat.

Dax auf Sechs-Wochen-Tief

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Wegen der anhaltenden Turbulenzen in China beschleunigten die europäischen Börsen ihre Talfahrt. Der Dax sackte um über zwei Prozent ab und fiel auf unter 10.700 Punkte. Aus charttechnischer Sicht nähert sich der deutsche Leitindex nun der kritischen Region von 10.650 Zählern. "Diese sollte möglichst gehalten werden, um keinen Ausverkauf in Richtung 10.000 Punkte auszulösen", sagt Analyst Andreas Paciorek von CMC Markets. Sollte der Dax in den nächsten Tagen die 10.900 Zähler zurückerobern, ist der Weg auf über 11.000 Punkte wieder frei.

An den anderen europäischen Börsenplätzen standen die Ampeln ebenfalls auf dunkelrot. Der EuroStoxx 50 verlor rund ein Prozent, der französische Cac 40 sank um 1,2 Prozent.

Chinas Börsen auf Berg- und Talfahrt

Die Börsen in Shanghai und Shenzhen waren am Mittwoch zunächst um fünf Prozent abgesackt, drehten am Ende aber doch noch deutlich ins Plus. Die Investoren bezweifeln, dass die chinesische Zentralbank und Regierung mit ihren Maßnahmen den Kursverfall an der Shanghaier Börse stoppen können.

Sorgen vor Abkühlung der Weltkonjunktur

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Zudem sorgte der andauernde Verfall vieler Rohstoffpreise für Unruhe. Anleger befürchten Folgen für die Weltwirtschaft und eine Abschwächung des Wachstums. Die Ölpreise setzten ihre Talfahrt fort. Wegen des überraschend starken Anstiegs der US-Rohölbestände in der vergangenen Woche sackte der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um 0,8 Prozent auf 48,41 Dollar je Barrel (159 Liter) ab. Das US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich gar um zwei Prozent auf 41,71 Dollar.

Euro über 1,11 Dollar

Profiteur des Fed-Protokolls war der Euro. Am Abend kletterte die Gemeinschaftswährung auf über 1,11 Dollar. Die Aussicht auf eine länger anhaltend lockere Geldpolitik in den USA stützt den Euro. Der Goldpreis stieg derweil um etwa 10 US-Dollar auf 1129,76 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Damit erreichte er den höchsten Stand seit Mitte Juli.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Athen bekommt neue Milliardenhilfen

Die Billigung der Milliardenhilfen für Griechenland durch den Bundestag hatte dagegen keinen Einfluss auf die Märkte. Am Mittag hatte der deutsche Bundestag grünes Licht für das dritte Griechenland-Hilfspaket gegeben. Eine breite Mehrheit von 453 Abgeordneten stimmte für die Hilfen. Allerdings stieg die Zahl der Abweichler in der Union auf 63. Am Abend gab der ESM das Hilfspaket frei. Eine erste Kreditrate von 26 Milliarden Euro floss nach Athen. Die Zeit drängt, denn Griechenland muss am Donnerstag knapp 3,4 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen.

Adidas liefert Schuhe an Chinas Schulen

Im Dax gab es nur Verlierer. Am besten hielten sich noch SAP und Adidas mit einem kleinen Minus. Der Sportartikel-Ausrüster gab am Mittwoch eine Vereinbarung mit dem chinesischen Bildungsministerium bekannt, Lehrpläne, Lehrerfortbildung und Ausrüstung für den Fußballunterricht an Schulen zu liefern. Mit Unterstützung von Adidas will China in den kommenden Jahren an 20.000 allgemeinbildenden Schulen Fußball als Schwerpunktfach einrichten.

Konjunktursensible Titel auf der Verkaufsliste

Vor allem exportabhängige Werte standen unter Druck. Mit einem Minus von fast sechs Prozent rangierte Lanxess deutlich am Indexende. Händler verwiesen auf charttechnische Gründe und den drohenden Abstieg aus dem Dax. Auch die konjunktursensiblen BASF, Conti und Thyssenkrupp verloren mit rund drei Prozent überproportional.

Deutsche Annington verdoppelt Ergebnis

Vonovia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einziger Gewinner im MDax war die Deutsche Annington mit einem Kursplus von 1,25 Prozent. Der Immobilienkonzern glänzte mit guten Halbjahreszahlen. Die Deutsche Annington verdoppelte im ersten Halbjahr die für Immobilienwerte maßgebliche Erfolgsgröße FFO auf 264 Millionen Euro. Die Jahresprognose wurde bekräftigt.

Zooplus verfehlt die Erwartungen

Im SDax war Zooplus mit einem Minus von fast neun Prozent größter Verlierer. Der Online-Haustierspezialist enttäuschte mit seinen endgültigen Zahlen zum ersten Halbjahr. Das Ergebnis vor Steuern stieg lediglich von 3,3 auf 3,6 Millionen Euro. Analysten hatten sich mehr versprochen. Die Umsätze legten kräftig um 36 Prozent auf 333 Millionen Euro zu. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt.

Vorsicht optische Täuschung!

Im Frankfurter Handel brachen die Aktien von Patrizia Immobilien um zehn Prozent ein. Das freilich war eine optische Täuschung. Denn die Aktien von Patrizia wurden am Mittwoch bereinigt um zusätzlich ausgegebene Gratisaktien gehandelt. Statt einer Bardividende erhielten die Anleger für jeweils zehn alte Aktien ein neues Papier.

Sixt Leasing auf rasantem Wachstumskurs

Solide Zahlen hat der Börsenneuling Sixt Leasing vorgelegt. Das Konzernergebnis stieg im ersten Halbjahr um 43 Prozent auf 13,7 Millionen Euro. Die Aktie des Unternehmens aus dem Prime Standard verlor dennoch deutlich. Größter Einzelaktionär ist mit 40 Prozent die Muttergesellschaft Sixt, gut 48 Prozent sind im Streubesitz.

Großaufträge beflügeln Manz

Bester Wert im TecDax war Manz mit einem Plus von drei Prozent. Großaufträge für Maschinen zur Montage von Notebooks und anderen Elektrogeräten weckten die Hoffnung auf eine Geschäftserholung. Ende Juni hatte der schwäbische Maschinenbauer aus Reutlingen die Jahresprognose reduziert.

Vestas macht mehr Wind

Aus dem Ausland meldete Vestas Halbjahres-Zahlen. Der dänische Windkraftanlagenbauer verzeichnete deutliche Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis. Die Erlöse schnellten um 30 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis um 40 Prozent auf 195 Millionen Euro in die Höhe. Die Erwartungen wurden übertroffen. Die Aktie schloss etwas fester.

Carlsberg verkauft deutlich weniger Bier

Um neun Prozent brachen die Aktien von Carlsberg ein. Der Brauereikonzern stutzte nach einem überraschenden Ergebniseinbruch seine Jahresziele. Das operative Ergebnis werde wohl leicht zurückgehen, warnte Carlsberg. Bisher waren die Dänen von einem Plus von zehn Prozent ausgegangen. Das schlechte Geschäft in Russland und das kalte Wetter in Nordeuropa verhagelten Carlsberg im ersten Halbjahr das Ergebnis. Der Bierabsatz sank um fünf Prozent.

Raiffeisen Bank überrascht positiv

Besser als erwartet schnitt die österreichische Raiffeisen Bank International ab. Der Gewinn erhöhte sich im zweiten Quartal um elf Prozent auf 204 Millionen Euro. Eine Reihe von positiven Sondereffekten wie die Auflösung von Rückstellungen kompensierten höhere Vorsorgen für faule Kredite in Osteuropa. Für das laufende Jahr geht die Bank weiter von einem Verlust aus. Die Aktie der Raiffeisen Bank gewann rund fünf Prozent.

Euro-Comeback hilft Swisscom

Der Schweizer Telekom-Konzern hat im ersten Halbjahr weniger verdient. Das Ebit sank um knapp fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Franken. Wegen des zuletzt wiedererstarkten Euros hob Swisscom die Jahresprognose leicht an. Die Schweizer rechnen nun mit einem Umsatz von über 11,5 Milliarden Franken. Der Swisscom, die mit ihrer Tochter Fastweb stark in Italien präsent ist, kommt die jüngste Abwertung des Frankens zugute, denn bei der Umrechnung von Euro in Franken bleibt mehr übrig. Die Swisscom-Aktie stieg.

Glencore spürt Verfall der Rohstoffpreise

Der Rohstoffkonzern hat wegen niedrigerer Metall- und Ölpreisen im ersten Halbjahr 30 Prozent weniger verdient. Das Ebitda fiel auf 4,6 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen in London mit. Zukünftig will Glencore die Investitionen um eine Milliarde kürzen. Vor allem die Nachfrage in China sei sehr schwer abzuschätzen, hieß es. Glencore ist sowohl als Händler als auch Bergbauunternehmen tätig und gehört zu den ganz Großen der Rohstoffbranche. Die Aktie sackte um fast zehn Prozent ab. Ein schlechtes Omen!

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr