Marktbericht 20:02 Uhr

Putin beruhigt Anleger atmen durch

Stand: 04.03.2014, 20:02 Uhr

Die Anleger an den haben am Dienstag mit Erleichterung auf Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Krim-Krise reagiert. Nach dem Einbruch am Montag zogen die Kurse wieder an.

Die Investoren hätten ihre Kriegsängste vom Wochenende schnell wieder vergessen, erklärte Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX. "Was gestern noch wie ein Stein fiel, sprang heute aus Erleichterung wieder zurück."

Putin hatte am Mittag auf einer Pressekonferenz ein militärisches Eingreifen seines Landes in der Ukraine als nicht notwendig bezeichnet. Außerdem betonte er, dass der abgesetzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch "keine politische Zukunft" mehr habe. Dax und EuroStoxx50 verdoppelten daraufhin ihre Kursgewinne auf jeweils etwa zwei Prozent.

Zugewinne, die der deutsche Leitindex bis zum Handelsende nicht nur verteidigen, sondern sogar etwas ausbauen kann. Der Dax schließt bei 9.589 Punkten, und damit fast auf seinem Tagshoch. Das sind 230 Punkte oder 2,46 Prozent mehr als gestern. Alle 30 der in dem Börsenbarometer enthaltenen Werte legen zu.

Auch an der Wall Street stehen die Signale auf Entspannung. Hatten die Indizes der Weltleitbörse zum Wochenbeginn aus Sorgen vor einem möglichen Krieg noch rund ein Prozent nachgegeben, geht es am Dienstag in dieser Größenordnung wieder bergauf. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index gut 200 Punkte oder 1,3 Prozent höher bei 16.376 Zählern.

"Die Sache ist jetzt durch"

"Die Sache ist jetzt durch", sagte der Aktienmarkt-Stratege Doug Cote von ING U.S. Investment Management in New York mit Blick auf eine militärische Intervention in der Ukraine. "Wenn es zu einer Eskalation hätte kommen können, dann wäre es jetzt passiert." Daher blickten die Anleger nun wieder auf die Fundamentaldaten, und die seien gut.

Im Gegenzug zur Entspannung an den Aktienmärkten rutscht der Preis der "Antikrisen-Währung" Gold auf 1.337 Dollar je Feinunze ab. Am Ölmarkt entspannt sich die Lage ebenfalls: Der Preis für die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 1,7 Prozent auf 109,33 Dollar je Barrel. Der Euro muss seine Tagesgewinne ebenfalls wieder abgeben und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,3733 Dollar.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.203,81
Differenz relativ
-0,02%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1671
Differenz relativ
-0,02%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,37
Differenz relativ
+0,75%

Zur Erleichterung an den Märkten trägt ebenso bei, dass weder Russland und schon gar nicht die Ukraine über ein ausreichendes Gewicht verfügen, um die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone und den USA ernsthaft zu gefährden. Eher gerät Russland selbst unter Druck. Der scharfe Fall russischer Aktienkurse am Montag sowie des Rubels haben massive Wertverluste zur Folge gehabt.

Bayer gefällt

Im Dax haben positive Analystenkommentare die Bayer-Aktien befeuert und wieder über die Marke von 100 Euro geschoben. Sowohl Barclays als auch Berenberg empfehlen Bayer zum Kauf. Berenberg-Analyst Alistair Campbell setzte sein Kursziel sogar von 110 auf 115 Euro hoch.

Daimler holt auf

Zu den stärksten Werten im Dax gehören auch die Daimler-Aktien. Der Autobauer hat in China im Februar weiter kräftig zugelegt. Der Absatz sei ähnlich stark wie im Januar gestiegen, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Im Januar hatte die Daimler-Marke Mercedes den Absatz im Reich der Mitte um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Die Stuttgarter holen damit im weltgrößten Automarkt weiter auf, nachdem sie hinter die beiden anderen Premiumhersteller Audi und BMW zurückgefallen waren.

RWE im Tal der roten Zahlen

Sogar die RWE-Aktie ist wieder ins Plus gedreht. Zuvor reagierte das Papier mit einer Berg- und Talfahrt auf die Zahlenvorlage. Zunächst hatten die positiven Aspekte der Bilanz den Aktien zu einem freundlichen Handelsauftakt verholfen, dann drückte die Sorge um den Kapitalbedarf des Versorgers die Titel zeitweise ins Minus. Zuletzt verteuerten sich die Papiere wieder. Mit einem Minus von fast drei Milliarden Euro fuhr der nach Eon zweitgrößte deutsche Versorger erstmals seit mehr als 60 Jahren einen Verlust ein.

Bei Beiersdorf sprudeln die Gewinne

Freundlich reagieren die Anleger auch auf die Zahlen von Beiersdorf, auch wenn der Nivea-Konzern die Dividende nicht anhebt. Sie bleibt unverändert bei 70 Cent je Aktie. Dabei hat Beiersdorf zwölf Prozent mehr verdient, einen Gewinn von 537 Millionen Euro verbucht. Laut DZ Bank-Analyst Thomas Maul haben die Hamburger gute Chancen, weitere Marktanteile sowohl in den etablierten Konsumgütermärkten als auch in den Schwellenländern wie China zu gewinnen.

Cevian schnappt sich mehr von ThyssenKrupp

Zu den stärksten Werten im Dax gehören auch die Papiere von ThyssenKrupp. Dort hat Großaktionär Cevian seinen Anteil weiter ausgebaut. Cevian hält nun 15,1 Prozent, laut letzten Meldungen vom Dezember waren es damals nur knapp 11 Prozent.

DMG Mori Seiki beteiligt sich

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) aus dem MDax beteiligt sich an der Kapitalerhöhung seines japanischen Partners. Die Bielefelder werden gut 2,1 Millionen Aktien der DMG Mori Seiki Company Limited zeichnen, um ihre Beteiligung von 9,64 Prozent konstant zu halten, wie der Werkzeugmaschinenbauer am Dienstag mitteilte. Gemessen am Schlusskurs vom Dienstag muss die ehemalige Gildemeister für die Papiere umgerechnet gut 24 Millionen Euro auf den Tisch legen.

Klöckner auf Übernahmekurs

Im MDax ist der Stahlhändler Klöckner & Co auf einen der vordersten Plätze aufgestiegen. Grund ist offenbar die Übernahme der Schweizer Firma Riedo Bau + Stahl AG. Nach dem Kauf eines 75-Prozent-Anteils sei in den kommenden beiden Jahren die vollständige Übernahme geplant. Das Schweizer Unternehmen ist auf Betonstahl spezialisiert und hatte im vergangenen Jahr mit 180 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 140 Millionen Euro erwirtschaftet. Den Kaufpreis bezifferte ein Klöckner-Sprecher auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Catoil kommt zurück

Im SDax kann der Ölbohrdienstleister Catoil die Hälfte seiner gestrigen Verluste wieder aufholen. Die Papiere klettern um 6,3 Prozent, nachdem sie gestern um mehr als 16 Prozent eingebrochen waren. Catoil bohrt für große Ölkonzerne wie Gazprom, Lukoil oder Rosneft Ölfelder an, um deren Ausbeute zu erhöhen. Das geschieht hauptsächlich in Russland und Kasachstan.

Apple bekommt neuen Finanzchef

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
186,55
Differenz relativ
-0,62%

Apple bekommt einen neuen Finanzchef. Nach zehn Jahren auf dem Posten verlässt Peter Oppenheimer den Konzern und geht zu Goldman Sachs. Nachfolger des 51-Jährigen wird Luca Maestri, der bislang unterhalb der Vorstandsebene für das Rechnungswesen des US-Technologieriesen zuständig ist. Apple steht unter Druck von Investoren, die eine stärkere Ausschüttung der Barmittel des Konzerns von zuletzt rund 160 Milliarden Dollar fordern.

Glencore kommt gut an

Der neu formierte Rohstoffriese Glencore Xstrata glänzt mit seiner ersten Jahresbilanz. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag 2013 mit 13,1 Milliarden Dollar deutlich über den Analystenerwartungen. Damit erwirtschaftete der fusionierte Konzern in etwa so viel wie die beiden Partner Glencore und Xstrata 2012 zusammen. An der Börse kommen die ersten Jahreszahlen des Konzerns nach der Fusion gut an.

Deutsche Annington holt sich frisches Geld

Der seit vergangenen Sommer börsennotierte Immobilienkonzern Deutsche Annington will sich mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld für einen milliardenschweren Zukauf besorgen. Bis zu 16 Millionen neue Aktien sollen über Nacht großen Fonds- und Pensionsgesellschaften zum Kauf angeboten werden. Gemessen am Schlusskurs vom Dienstag könnten dem größten deutschen Immobilienkonzern damit fast 320 Millionen Euro zufließen.

GFT Technologies zahlt mehr

Das im geregelten Frankfurter Aktienmarkt notierte IT-Unternehmen GFT Technologies hebt die Dividende für das Jahr 2013 um 33 Prozent auf 0,20 Euro pro Aktie an. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Prognose für das Vorsteuerergebnis (Ebt) im Geschäftsjahr 2013 in Höhe von rund 16 Millionen Euro übertroffen wurde und erwartet jetzt ein Ebt von 17,52 Millionen Euro.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"