Anleger atmen auf

Stand: 13.02.2012, 20:05 Uhr

Die Billigung des drakonischen Sparprogramms durch das griechische Parlament hat den Aktienmärkten einen freundlichen Wochenstart beschert. Allerdings bleiben einige offene Fragen. Gefragt waren besonders Autowerte. Am Abend stand die Deutsche Börse im Blickpunkt.

Die Börsianer zeigten sich erleichtert über das grüne Licht aus Athen. "Due Leute waren dabei, die Geduld mit Griechenland zu verlieren", meinte Markus Huber, Chefhändler von ETX Capital. Zum Schluss aber hätten sich die Griechen zusammengerauft, "und dies ist definitiv positiv". Auch Börsenbrief-Autor Hans Benecker sprach von einer "Beruhigung an den Märkten". Das Votum des Parlaments hat die Weichen für ein zweites Griechenland-Hilfspaket gestellt. Eine mögliche Pleite Griechenlands wurde vorerst abgewendet.

Mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 6.738 Punkten beendete der Dax den Xetra-Handel. Zeitweise hatte das deutsche Börsenbarometer gar über ein Prozent höher gelegen. Im späten Parketthandel zogen die Kurse nochmals etwas an. Der L/E-Dax schloss bei 6.751 Punkten. Leichte Unterstützung gab es von der Wall Street: Der Dow legte bis zum Abend um 0,5 Prozent, die Nasdaq um 0,8 Prozent zu.

Weitere Milliardenhilfen noch unklar
Von Euphorie an den Märkten war freilich nichts zu spüren. Die neuen Milliardenhilfen für Griechenland seien noch längst nicht in trockenen Tüchern, warnten Experten. "Es ist immer noch unklar, ob die Finanzminister der Euro-Zone dem zweiten Hilfspaket zustimmen", sagte Masafumi Yamamoto, Devisen-Chefstratege von Barclays. Zudem dürfte es schwer werden, die beschlossenen Sparmaßnahmen in die Tat umzusetzen. "Es besteht weiterhin die Angst, dass die griechischen Bemühungen, die Sparziele zu erfüllen, nicht zuletzt wegen des fehlenden Rückhalts der Bevölkerung scheitern könnten", meint Helaba-Analyst Christian Schmidt.

Am Mittwoch treffen sich die Finanzminister der Euro-Zone. Um das zweite, 130 Milliarden Euro umfassende Hilfspaket für Griechenland abzusegnen, fordern sie die Schließung der verbliebenen Sparlücke von 325 Millionen Euro.

Euro auf Berg- und Talfahrt
Der Euro zog nach dem Votum des griechischen Parlaments zunächst an, gab aber bis zum Abend einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Er notiert aktuell bei knapp über 1,32 Dollar. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent legte 0,6 Prozent auf über 118 Dollar je Barrel zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,24
Differenz relativ
+2,60%

Autoaktien rasen voran
Besonders Autoaktien standen ganz oben auf dem Kaufzettel der Anleger. Die Aktien von VW waren mit einem Plus von 2,6 Prozent einsamer Dax-Spitzenreiter. Die Titel von Daimler verteuerten sich um 1,5 Prozent, die Papiere von BMW gut ein Prozent. Händler verwiesen auf den anhaltend positiven Effekt der Daimler-Zahlen vom vergangenen Donnerstag- Im Windschatten der Auto-Hersteller legten auch die Aktien der Zulieferer wie Leoni, Conti und ElringKlinger teils deutlich zu.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,94
Differenz relativ
+0,55%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,91
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+0,56%

Auftrieb für Banken
Von den guten Nachrichten aus Griechenland profitierten Bankenwerte. Die Aktien der Commerzbank zählten mit einem Plus von 1,6 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen 0,6 Prozent. Dass die Kursgewinne des Branchenprimus nicht höher ausfallen, könnte an Medienberichten zum Rechtsstreit mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch liegen. Offenbar hat sich die Deutsche Bank auf einen Vergleich mit den Kirch-Erben geeinigt. Laut Insidern soll sich die Summe auf 775 Millionen Euro belaufen.

Die französischen Bankentitel gaben hingegen nach, nachdem die französische Börsenaufsicht die Wiederaufnahme von Leerverkäufen für Finanzaktien gebilligt hatte. Die Aktien von Société Générale und Crédit Agricole verloren fast drei Prozent.

Deutsche Börse verdoppelt Gewinn
Nach Xetra-Börsenschluss preschte die Deutsche Börse mit ihren Jahreszahlen heraus. Trotz der gescheiterten Fusion mit der Nyse zog der Frankfurter Börsenbetreiber eine positive Bilanz. Der Gewinn konnte mehr als verdoppelt werden auf 849 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Als Trost für die geplatzte Super-Börse winkt den Deutsche-Börse-Aktionäre eine Super-Dividende von 3,30 Euro je Titel. Darin enthalten ist eine Sonderdividende von einem Euro je Papier. 2012 will die Deutsche Börse ihren Wachstumskurs forcieren. Die künftige Strategie will der zuletzt gescholtene Börsenchef Reto Francioni am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz vorstellen.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,84
Differenz relativ
+1,41%

Technologiewerte werden verschmäht
Hightech-Werte waren zu Wochenbeginn nicht gefragt. Die Aktien von Infineon büßten 0,6 Prozent ein, die Papiere von SAP gaben ebenfalls leicht nach. Ein Händler verwies auf die Schwäche des Sektors. Europaweit hinkten die Technologiewerte am Montag dem Gesamtmarkt hinterher.

Bilfinger: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
43,00
Differenz relativ
+3,27%

Bilfinger zahlt mehr Dividende
Einen guten Einstand feierte der neue Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch, der einst in Hessen das politische Ruder schwang. Gute Zahlen und einen vielversprechenden Ausblick lieferte der Baukonzern. Wegen des starken Australien-Geschäfts konnte Bilfinger den Ertrag deutlich steigern. Das operative Konzernergebnis stieg um sechs Prozent auf 361 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen 3,40 Euro an Dividende erhalten - 90 Cents mehr als im Vorjahr. Die Aktien von Bilfinger verteuerten sich um fast zwei Prozent und waren unter den Top-Gewinnern im MDax.

Hannover Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118,70
Differenz relativ
+0,34%

Hannover Rück schlägt sich wacker
Überraschend gut ist Hannover Rück durch das Katastrophenjahr 2011 gekommen. Der drittgrößte Rückversicherer der Welt verdiente im vergangenen Jahr zwar 20 Prozent weniger, übertraf aber mit 600 Millionen Euro seine eigene Prognose von gut 500 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei der Münchener Rück brach der Gewinn um satte 70 Prozent. Die Hannover Rück begründete ihr gutes Abschneiden mit einem hohen Gewinn aus den Kapitalanlagen. Die Aktien der Hannover Rück stiegen um gut ein Prozent.

Tui vor der Scheidung mit Hapag-Lloyd
Die Aussicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf von Hapag-Lloyd gaben den Aktien von Tui Rückenwind. Sie verbuchten ein Plus von 1,5 Prozent und waren zeitweise größter MDax-Gewinner. Laut Medienberichten wird voraussichtlich die Stadt Hamburg größter Anteilseigner von Hapag-Lloyd und zahlt 420 Millionen Euro. Am Dienstag wird der Senat über den Stand der Verkaufsverhandlungen informiert. Ein Konsortium um den Unternehmer Klaus-Michael Kühne und die Stadt Hamburg hält derzeit 61,6 Prozent an der Reederei. TUI gehört der Rest.

DMG Mori Seiki: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
44,85
Differenz relativ
+0,22%

Auftragsrekord bei Gildemeister
Keine Konjunkturflaute spürt derzeit der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister. Im Gegenteil. Auf der Hausmesse in Pfronten verzeichnete das MDax-Unternehmen einen Rekord-Auftragseingang. Gildemeister hat auf der Messe neue Bestellungen im Wert von 163,4 Millionen Euro erhalten und damit den Vorjahreswert von 107 Millionen Euro übertroffen. Die Messe "bestärkt den guten Jahresauftakt", teilte das Unternehmen mit. Die Gildemeister-Aktie gewann knapp ein Prozent.

Leighton belastet Hochtief
Zu den MDax-Verlierern zählten die Aktien von Hochtief. Der Ausblick der australischen Tochter Leighton drückte die Aktie nach unten. Die Australier erwarten einen Gewinn vor Sonderposten zwischen 600 und 650 Millionen Dollar. Analyst Marc Nettelbeck von der DZ Bank wertete den Ausblick als enttäuschend. Auch Ingbert Faust von Equinet sah das Zahlenwerk eher am unteren Ende seiner Erwartungen.

Warburg bestätigt Balda-Kursziel
Im SDax waren vor allem die Aktien von Balda gefragt. Sie sprangen um fünf Prozent nach oben und erholten sich von den jüngsten Kursverlusten nach der turbulenten außerordentlichen Hauptversammlung Mitte vergangener Woche. Die Analysten von Warburg Research haben am Montag ihr Kursziel von 7,90 Euro für die Balda-Titel bestätigt. Großaktionär Octavian hatte auf der HV vergeblich versucht, den Aufsichtsrat zu stürzen.

Bekommt Patrizia Tausende LBBW-Wohnungen?
Um über vier Prozent ging es mit den Aktien von Patrizia Immobilien aufwärts. Die Augsburger Immobilienfirma hat offenbar die besten Chancen auf den Zuschlag für die gut 21.000 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Es geht in Richtung Patrizia", sagte ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Am Abend will der Aufsichtsrat der Bank die Entscheidung fällen. Der Kaufpreis soll laut Medienberichten bei 1,3 Milliarden Euro liegen. Patrizia will diese enorme Summe mit Hilfe mehrerer langfristig ausgerichteter Versicherer und Pensionskassen stemmen.

Bertrandt gut in Fahrt
Auf die Verliererseite im SDax rutschte die Aktie des Autozulieferers Bertrandt, nachdem sie zuvor noch auf ein Rekordhoch von 61,80 Euro geklettert war. Das Unternehmen konnte im ersten Quartal des angelaufenen Geschäftsjahrs 2011/12 den Umsatz um rund 27 Prozent auf 161 Millionen Euro, das Betriebsergebnis um 25 Prozent auf 10,8 Millionen Euro steigern.

Neuer Rückschlag für die Solarbranche?
Unterschied entwickelten sich die Solarwerte im TecDax. Während die Titel von Q-Cells gut zwei Prozent zulegten, fielen die Aktien von SMA Solar um 3,5 Prozent und die Titel von Solarworld um fast drei Prozent. Laut der "Berliner Zeitung" soll die Einspeisemenge für Photovoltaik-Anlagen begrenzt werden. Mengen über 900
Kilowattstunden sollten nicht mehr staatlich subventioniert werden, hieß es aus Ministeriums- und Industriekreisen. Das wäre "ein schwerer Schlag für die deutsche Solarbranche".

Microsol will Solon weiterführen
Um gut sechs Prozent sprangen die Aktien von Solon nach oben. Der indisch-arabische Konzern Microsol will die Produktion bei dem insolventen Berliner Modulhersteller weiterführen. Etwa zwei Dutzend der gut 450 Beschäftigten sollen entlassen werden. Die Arbeitnehmerseite hatte Schlimmeres befürchtet.

Geschäft von BWT kühlt ab
Aus dem Ausland meldete BWT Zahlen. Der österreichische Wasseraufbereiter hat im vergangenen Jahr unter der Investitionsflaute in Südeuropa und einem hartem Konkurrenzkampf in Osteuropa gelitten. Das operative Betriebsergebnis (Ebit) schrumpfte um knapp ein Drittel auf 21,5 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 479 Millionen Euro. 2012 erwartet BWT kaum Besserung. Das Ergebnis werde voraussichtlich stagnieren, warnte das Unternehmen aus Mondsee in der Nähe von Salzburg. Die BWT-Aktien stiegen dennoch um rund ein Prozent.

Vodafone interessiert an Cable & Wireless
Fusionsspekulationen heizten indes in Großbritannien die Telekom-Branche an. Die Aktien von Cable & Wireless sprangen um rund 30 Prozent hoch. Grund: Vodafone liebäugelt mit einer Übernahme des Festnetzanbieters C&W. Laut "Sunday Times" will Vodafone 700 Millionen Pfund für C&W bieten.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
188,44
Differenz relativ
+0,61%

Apple-Aktie über 500 Dollar
Derweil erklamm die Apple-Aktie erstmals die Schwelle von 500 Dollar. Laut Händlern profitierte der Hightech-Konzern weiter von den starken Quartalszahlen. Zudem gibt es Gerüchte, dass Apple Anfang März eine neue Version des iPad vorstellt, das iPad 3. An der Börse ist Apple inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr