Anleger agieren wie gefesselt

Stand: 19.04.2011, 20:03 Uhr

Die Krisenstimmung will nicht recht verfliegen. Nach dem Desaster des Vortages misstrauten die Investoren der Ruhe und hielten ihr Pulver vorerst trocken. Der Dax robbte nur mühsam in die Gewinnzone.

Eine schwungvolle Gegenbewegung sieht anders aus: Erst in den letzten Handelsminuten rettete sich der Dax ins Plus. Mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 7.039 Zähler ging der Leitindex aus dem Handel. "Dass der Dax so weit abgeschlagen von seinem Tageshoch schließt, ist kein gutes Omen", ließ sich ein Händler zitieren. Zeitweise hatte er bei 7078 Punkten notiert, konnte den Schwung aber nicht halten. Der Late-Dax notierte 0,1 Prozent fester.

Damit machte der Dax nur einen geringen Teil der Vortagesverluste wett. Der Wirbel um Griechenland und die Schuldenkrise der USA blieben auch am Folgetag das beherrschende Thema: "Von Euphorie kann keine Rede sein, das ist nur eine technische Erholung", fasste ein Händler die Lage zusammen.

Die meisten anderen europäischen Leitindizes gingen beendeten den Tag ebenfalls mit leichten Gewinnen. Der MDax schloss mehr als ein halbes Prozent fester, während die Technologietitel sogar ins Minus fielen.

Kein Schwung von der Wall Street
Die erhoffte Hilfe aus den USA war zuvor ausgeblieben: Zwar präsentierten Goldman Sachs und der Pharmakonzern Johnson & Johnson passable Quartalszahlen, um die Verkrampfung der Investoren zu lösen, reichten sie indes nicht aus.

Auch der US-Immobilienmarkt brachte keinen frischen Mut. Die Baubeginne stiegen an, gleichwohl überwiegt nach Ansicht der Postbank-Experten die Skepsis. Die März-Daten seien für sich betrachtet zwar erfreulich, doch kündigten sie noch keine Trendwende an, schrieben sie.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,41
Differenz relativ
-0,16%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,58
Differenz relativ
+1,45%

Individuelle Mobilität - ein Zukunftsthema
Im antriebslosen Umfeld zogen sich zogen sich Autokonzerne überdurchschnittlich aus der Affäre: Frische Zahlen des europäischen Branchenverband ACEA wurden von den Investoren positiv interpretiert. Die Zahl der neu zugelassenen Pkw in Europa ging im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar um fünf Prozent zurück, die deutschen Hersteller schlugen sich aber allesamt deutlich besser als der Markt: BMW verkaufte insgesamt 7,0 Prozent mehr Fahrzeuge. VW legte um 3,8 Prozent zu. Daimler musste ein unterdurchschnittliches Minus von 1,9 Prozent hinnehmen.

Versorger leiden unter Goldman-Studie
Auf der anderen Seite der Kursliste ordneten sich Versorger ein. Die Aktien von RWE verbilligten sich um mehr als ein Prozent, Eon gaben um rund ein halbes Prozent nach. Über die Strompreise könnten die Versorger vielleicht einen Teil ihrer Gewinneinbußen durch weniger Atomenergie wettmachen - aber eben nicht alle, schrieben die Analysten von Goldman Sachs in einer pessimistischen Kurzstudie. Beide Konzerne haben seit Mitte März jeweils mehr als fünf Prozent ihres Börsenwerts verloren.

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,55
Differenz relativ
+0,05%

MAN nimmt China ins Visier
Der Nutzfahrzeughersteller MAN will in China stark wachsen. Zusammen mit seinem chinesischen Partner Sinotruk sollen die Verkäufe der neuen gemeinsamen Marke für schwere Lastwagen bis zum Jahr 2018 auf 200.000 Stück steigen, wie die beiden Unternehmen am Dienstag auf der Schanghaier Automesse mitteilten. Die Aktie gewann mehr als ein Prozent.

Anleger verschmähen einige Öko-Aktien...
Centrotherm-Aktien verlieren mehr als zwei Prozent: Die Experten von Credit Suisse hatten sich kritisch zu den Aussichten des Solarkonzerns geäußert. Das weitere Wachstum könnte durch die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem Polysilizium begrenzt sein, so die Einschätzung. Nordex und Phoenix Solar notieren noch schwächer und belegen die letzten Plätze im TecDax.

... Solar Millennium gehört nicht dazu
Es gab auch Lichtblicke in der Branche: Der Solarkraftwerksbauer Solar Millennium hat vom amerikanischen Energieministerium die erhoffte Kreditgarantie über 2,1 Milliarden Dollar erhalten. Mit dem Geld soll im kalifornischen Blythe der größte Solarkraftwerksstandort der Welt entstehen. Das Papier verteuert sich uim mehr als acht Prozent.

Schweizer Banken helfen Wacker
Der Chemiekonzern Wacker profitiert von Analystenlob. Die UBS zog ihre Verkaufsempfehlung zurück. Die Kollegen der Credit Suisse sehen den Wert nun bei 185 statt wie bisher 142 Euro. Die Bewertung steigt auf "Outperform". Die Analysten halten die Furcht einiger Anleger vor einer Abschwächung der Nachfrage für nicht gerechtfertigt. Das Angebot an qualitativ hochwertigem Polysilizium, wie Wacker es anbiete - und beispielsweise Centrotherm benötigt - sei weiterhin knapp.

Leoni-Ausblick inspiriert Investoren
Die Aktien des Autozulieferers führten den MDax zeitweise an. Leoni erhöhte mit Verweis auf ein starkes erstes Quartal seine Jahresziele für Umsatz und Ergebnis. Ein Händler hob hervor, dass sowohl der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Auftaktquartal als auch die neue Zielgröße für das Gesamtjahr deutlich über den Konsensschätzungen lägen.

Delticom: Reifenwechsel ist in Mode
Der Internet-Reifenhändler Delticom ist zum Jahresauftakt erneut stark gewachsen. Der Umsatz legte um 14,6 Prozent auf 85,4 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 4,6 Prozent auf 6,1 Millionen Euro zu. Außerdem bestätigte das SDax-Mitglied seine Gesamtjahresprognose. Die Aktie verteuert sich um mehr als ein Prozent.

Nasdaq und ICE verzweifelt?
Die US-Börsen Nasdaq OMX und die IntercontinentalExchange (ICE) wenden sich im Kampf um Nyse Euronext jetzt direkt an die Aktionäre: Ihr Gebot sei besser als das der Deutschen Börse, betonten die beiden US-Marktbetreiber in einer gemeinsamen Erklärung. Die Deutsche Börse und die Nyse äußerten sich dazu nicht. Beide hatten sich Mitte Februar auf einen Zusammenschluss geeinigt, den sich der deutsche Konzern rund 10,2 Milliarden Dollar kosten lassen will. Die Aktie des Dax-Konzerns gab leicht nach.

Harley Davidson Opfer der Japan-Katastrophe
Der US-Motorradhersteller warnte davor, dass es wegen der Naturkatastrophe in Japan zu einem Teilemangel kommen könnte. Deshalb, und wegen der wackeligen US-Konjunktur schraubt der Hersteller aber seine Absatzprognose für das Gesamtjahr zurück. Das verdarb die Freude über die Quartalszahlen: Der Gewinn vervierfachte sich beinahe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Papier sank um fast fünf Prozent und war schwächster Wert im S&P 500.

Anleger lieben Luxus
Starke Umsatzzahlen geben der Aktie des weltgrößten Luxusgüter-Konzerns LVMH Auftrieb. Die Titel legen in Paris mehr als vier Prozent zu. Der Branchenführer mit Marken wie Moet & Chandon (Champagner) und Louis Vuitton (Mode) hatte am Vorabend einen Erlösanstieg von 17 Prozent im ersten Quartal vermeldet.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr