Marktbericht 20:03 Uhr

Dax bei genau 10.800 Punkten Anleger agieren vorsichtig

Stand: 29.10.2015, 20:03 Uhr

Die Börse stand heute ganz im Zeichen einer wahren Flut von Quartalsbilanzen. Da war für jeden was dabei, so dass unter dem Strich nicht viel rauskam. Größter Spielverderber war die Deutsche Bank, die den Dax im Minus hielt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.622,07
Differenz relativ
-1,54%

Den Großteil des Tages ging es heute zwischen Bullen und Bären im Dax um die psychologisch wichtige runde Marke von 10.800 Punkten. Der Dax startete zunächst mit Gewinnen in den Tag und legte am Vormittag bis auf 10.886 Zähler zu.

Aber der Höhenflug hatte keinen Bestand, der Index kehrte nicht mehr in die Gewinnzone zurück. Er markierte bei 10.741 Zählern sein Tagestief. Zum Handelsschluss des uneinheitlichen Tages stand dann ein eher moderates Minus von 0,29 Prozent oder 31,12 Punkten an der Anzeigetafel. Im Späthandel tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 10.797 Punkten.

Deutsche Bank vermiest die Stimmung

Das Papier der größten deutschen Geschäftsbank war zusammen mit dem der Lufthansa größter Dax-Verlierer. Der Kurs fiel deutlich um 6,88 Prozent auf 25,58 Euro, was den Dax etwas mehr als 32 Punkte kostete. Vor allem die am Vorabend verkündete Dividendenstreichung für die kommenden zwei Jahre, die erste seit den 1950er-Jahren, stieß den Anlegern sauer auf.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 19.00 Uhr

Auch die Präsentation der Strategie 2020 des neuen Chefs John Cryan half da nicht. Fakt ist, dass die Bank eisern sparen will und dabei tausende von Stellen verloren gehen. Am Abend erklärte Cryan auf einer Veranstaltung in London noch, dass die Bank hohe Strafen wegen ihrer Geldwäsche-Affäre in Russland nicht ausschließt. Er räumte ein, dass das Institut hier verwundbar sei.

Lufthansa-Kranich wird kräftig gerupft

Getreu dem Börsenmotto "Sell on good news" (verkaufen bei guten Nachrichten), musste die Lufthansa-Aktie trotz guter Quartalszahlen Federn lassen. Das Papier war schwächster Dax-Wert mit einem hohen Tagesverlust von 8,37 Prozent. Allerdings war die Aktie zuvor gut gelaufen.

Dabei gab es eigentlich keine Grund zu klagen. Die Lufthansa hat nämlich im dritten Quartal von niedrigen Kerosinpreisen und einem guten Geschäft im Sommer profitiert. Das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll nun ohne Streikkosten im Gesamtjahr 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro erreichen. Bisher hatte die Fluggesellschaft für diese Ergebnisgröße mindestens 1,5 Milliarden angepeilt.

Nachwirkungen des Fed-Entscheids

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 17.00 Uhr

Belastet wurde der Aktienmarkt durch die zögerliche Haltung der US-Notenbank Fed, die am Vorabend zwar angekündigt hatte, den Dezember-Termin für eine Zinserhöhung zu prüfen, sich aber ansonsten in bester Notenbankmanier alle weiteren Schritte offen gehalten hatte.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1365
Differenz relativ
+0,12%

Die Anleger hatten sich aber wohl mehr Klarheit erhofft. "Wenn die Zinserhöhung wirklich kommt, können die Märkte damit gut umgehen, da sie ja unterstellt, dass sich die US-Wirtschaft gut erholt", erklärte Craig Erlam, Analyst beim Brokerhaus Oanda in London. Der Euro war nach der US-Zinsentscheidung abgerutscht und notiert aktuell bei 1,0960 Dollar wieder leicht erholt. Händler nannten als Grund Inflationsdaten aus mehreren Bundesländern, die auf etwas mehr Preisauftrieb im Oktober hindeuten.

US-Konjunkturdaten ohne große Überraschung

Sowohl das vorläufige BIP im dritten Quartal mit plus 1,5 Prozent als auch die Daten zum privaten Konsum mit einem Zuwachs von 3,2 Prozent fielen in etwa wie erwartet aus. Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt lagen mit 260.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe etwas besser als erwartet.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.420,12
Differenz relativ
+0,16%

"Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich erwartungsgemäß abgeschwächt. Generelle Wachstumszweifel sind wohl nicht angebracht", kommentierte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Börse hat derweil etwas schwächer eröffnet. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell aber nur noch 0,11 Prozent im Minus und setzt sich damit von seinen Tiefstständen ab.

Deutsche Post schreibt 2015 ab

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,52
Differenz relativ
-2,63%

Nicht nur die Deutsche Bank, auch die Deutsche Post überraschte am Vorabend schon mit einer Hiobsbotschaft. Wegen neuer Abschreibungen auf Computersysteme erwartet der Logistikriese in diesem Jahr nur noch ein Ebit von mindestens 2,4 Milliarden Euro nach 2,95 bis 3,1 Milliarden zuvor. Die ursprüngliche Ergebnisprognose für 2015 hatte Konzernchef Frank Appel erst Anfang August gekappt. Die Quittung der Börse kam heute prompt mit einem überdurschschnittlich hohen Tagesverlust von 2,21 Prozent auf 27,18 Euro.

Deutsche Börse ist zufrieden

Die hohen Schwankungen an den Kapitalmärkten haben der Deutschen Börse hingegen gute Geschäfte beschert. Im dritten Quartal stiegen Umsatz und operatives Ergebnis um rund 20 Prozent. Im Gesamtjahr geht das Unternehmen deshalb nun davon aus, das obere Ende seiner im April angehobenen Umsatz- und Gewinnprognose zu erreichen.

Fresenius-Familie im Blick

Weitere Dax-Unternehmen legten derweil Zahlen vor. Der Gesundheitskonzern Fresenius hat seine Erwartung fürs laufende Jahr erhöht. Für das um Währungseffekte bereinigte Konzernergebnis erwartet der Konzern nun ein Plus von 20 bis 22 Prozent, zuvor waren es noch 18 bis 21 Prozent. Die Tochter Fresenius Medical Care (FMC), der weltgrößte Dialysekonzern, hat dagegen im dritten Quartal einen leichten Gewinnrückgang verbucht. FMC bestätigte aber seine Jahresziele und stand zusammen mit Bayer an der Dax-Spitze.

Herausragende Bayer-Zahlen

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
60,80
Differenz relativ
-4,15%

Die Zahlen des Leverkusener Konzerns kamen ebenfalls bestens an, die Bayer-Aktie legte 2,07 Prozent zu. Der Pharma- und Chemiekonzern hat wegen einer ungünstigen Entwicklung der Wechselkurse seinen Umsatzausblick für 2015 allerdings erneut leicht von 47 auf 46 Milliarden Euro zurückgeschraubt. Die bereinigte Prognose bleibt allerdings unverändert. Im dritten Quartal hatten Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler bezeichnete die Quartalszahlen als herausragend.

Infineon in Sippenhaft

Die Infineon-Aktie litt hingegen überdurchschnittlich und gehörte zu den schwächsten Dax-Aktien. Grund war ein schwacher Quartalsbericht von Europas größtem Chiphersteller STMicroelectronics. Im laufenden vierten Quartal soll der Umsatz der Franzosen im Vergleich zum Vorquartal um sechs Prozent sinken.

ProSiebenSat.1 traut sich mehr

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 aus dem MDax hat im dritten Quartal von einer besonders guten Entwicklung im größten Geschäftsfeld Fernsehen profitiert. Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen nun mit einem niedrigen zweistelligen Umsatzwachstum. Bislang war ein hoher einstelliger Zuwachs in Aussicht gestellt worden. Das kam gut an der Börse an. Die Aktie kletterte über vier Prozent nach oben und erreichte ein Rekordhoch.

Wacker Chemie an der MDax-Spitze

Der Chemiekonzern Wacker hat im dritten Quartal nur ungefähr die Hälfte des Vorjahresgewinns erzielt. Grund waren aber nur fehlende Sondererträge im Zuge der Auflösung von langfristigen Verträgen für Solarsilizium. Das operative Geschäft lief ansonsten gut, was auch an der Börse honoriert wird. Die Aktie legte kräftig zu und stand mit einem Zuwachs von über sechs Prozent an der MDax-Spitze.

Airbus gefragt

Aktien des deutsch-französischen Flugzeugbauers waren im MDax gefragt. Der Konzern weitet Insidern zufolge die Produktion seines Verkaufsschlagers A320 aus. Der Konzern werde womöglich bereits am Freitag zur Veröffentlichung seiner Quartalsergebnisse eine Erhöhung des bisherigen Ziels von 50 Flugzeugen pro Monat verkünden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Beim Besuch der Bundeskanzlerin in China wurden derweil neue Lieferverträge in Milliardenhöhe vereinbart.

DMG Mori Seiki etwas vorsichtiger

Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori Seiki ist auch im dritten Quartal solide gewachsen. Dennoch spürt das im MDax notierte Unternehmen etwas konjunkturellen Gegenwind. Im Gesamtjahr soll der Auftragseingang bei 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro liegen. Bisher hatte DMG 2,4 Milliarden erwartet.

Qiagen leidet unter Dollar-Stärke