Marktbericht 20:00

Anleger lassen Schwung vermissen Die 9.800 Punkte knapp verfehlt

Stand: 24.07.2014, 20:00 Uhr

Die Lage am deutschen Aktienmarkt bleibt auch nach drei Gewinntagen etwas undurchsichtig. Unter auffälligen Schwankungen schleppte sich der Dax am Donnerstag in die Gewinnzone. Gestützt haben starke Konjunkturdaten aus Deutschland, China und der Eurozone, während Daten vom US-Immobilienmarkt nicht überzeugten.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent auf 9.794,06 Stellen. Die von vielen Experten als wichtig für den weiteren Kursverlauf angesehene charttechnische Marke von 9.800 Punkten wurde also nicht zurückerobert. Andere europäische Indizes schnitten besser ab: Der EuroStoxx50 gewann fast ein Prozent, in Paris schloss der CAC40 0,8 Prozent höher, während in Madrid der Ibex sogar knapp zwei Prozent gewann. Am Abend stand trat der Dow Jones in etwa auf der Stelle. Nach US-Börsenschluss werden mit Visa, Starbucks und Amazon drei interessante Unternehmen berichten. Der Late Dax schloss 0,4 Prozent fester auf 9.789,65 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
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Nachdem der Dax zunächst von erfreulichen Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone gestützt wurde, gaben den Anlegern am Nachmittag Zahlen vom US-Immobilienmarkt zu denken. Dort sanken die Verkäufe neuer Häuser im Juni um 8,1 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet. Zudem wurde der Vormonatswert von 504.000 auf 442.000 nach unten korrigiert. "Die Verkaufszahlen enttäuschen, zumal auch der Vormonatswert um rekordverdächtige 12,3 Prozent nach unten revidiert wurde. Insofern stellt sich die Frage, ob die Schwächephase des Sektors, die Anfang des Jahres zu beobachten war, schon überwunden ist", kommentiert Helaba-Experte Ulrich Wortberg.

Es könnte ungemütlich werden

"Der heutige Kursverlauf zeigt ganz deutlich, dass die Nervosität am Deutschen Aktienmarkt langsam zunimmt, auch wenn das der VDAX, der die erwartete Volatilität misst und als Angstbarometer bezeichnet wird, keinesfalls anzeigt", kommmentiert Jens Klatt von DailyFX. Für Versicherungen gegen Abwärtsbewegungen zahlten Marktteilnehmer aktuell erschreckend wenig. Das könne aber, besonders im Zusammenspiel mit den durch die Sommermonate niedrigen Umsätzen am Markt und damit fehlender Liquidität, bei aufkommender Unsicherheit sehr ungemütlich werden, lautet Klatts Einschätzung.

Aber wie könnte es also weitergehen? Der Aufschwung an den internationalen Aktienmärkten könnte nach Ansicht von William de Vijlder, Marktstratege beim Vermögensverwalter BNP Paribas Investment Partners, einige Zeit anhalten. "Noch fehlen die für eine Spätphase des konjunkturellen Aufschwungs typischen Verwerfungen", sagte der Fachmann. Voraussetzung sei zum einen, dass europäische Unternehmen nicht mehr überwiegend enttäuschende Quartalszahlen liefern würden. Zweitens müsste starker Gegenwind von Seiten der Notenbanken ausbleiben.

Facebook schießt nach oben

Ein wichtiges Gesprächsthema an der Börse war Facebook, das sich am Mittwochabend groß in Szene setzte. Das Soziale Netzwerk hat im abgelaufenen Quartal seinen Umsatz um 61 Prozent auf 2,91 Milliarden Dollar verbessern können. Der Gewinn sprang um knapp 140 Prozent auf 791 Millionen Dollar. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Analysten. Die Facebook-Aktie stieg auf ein neues Rekordhoch.

BASF auf Kurs - Börse enttäuscht

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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80,93
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Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat im zweiten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und Sondereinflüssen um zwölf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro verbessert. Der Umsatz wuchs mit einem Prozent auf 18,5 Milliarden Euro deutlich langsamer. Außerdem plant der Konzern derzeit kein neues Aktienrückkaufprogramm. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehe ich keinen Raum für ein substanzielles Rückkauf-Programm - und wenn es nicht substanziell ist, sollte man es nicht machen", sagte Konzernchef Kurt Bock. Die BASF-Aktie war im Dax der mit Abstand größte Verlierer.

Potash zieht K+S nach oben

Aktien von K+S verteuerten sich um mehr als drei Prozent und schlossen an der Spitze. Sie reagierten damit auf den erneut erhöhten Gewinnausblick des Wettbewerbers Potash. Für das laufende Jahr zeigte sich der kanadische Düngemittelkonzern wie bereits nach dem ersten Quartal erneut zuversichtlicher. Potash-Chef Jochen Tilk stellte nun einen Gewinn je Aktie von 1,70 bis 1,90 Dollar in Aussicht. Zuletzt waren 1,50 bis 1,80 Dollar angepeilt worden. Die globale Düngemittelnachfrage sei "robust", so Tilk.

Krones liegt auf Kurs

Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones ist auch im zweiten Quartal kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um knapp sechs Prozent auf 733 Millionen Euro. Der Gewinn legte um 13 Prozent auf 32,5 Millionen Euro zu. Das MDax-Mitglied bestätigte zudem seine Gesamtjahresprognose.

MTU traut sich mehr zu

Der Triebwerksbauer MTU hat seine Prognose für 2014 überarbeitet. Der Umsatz wird 3,65 anstatt 3,75 Milliarden Euro erreichen. Grund sind der starke Euro und verschobene Wartungsaufträge. Der bereinigte Überschuss soll dagegen 245 Millionen Euro erreichen und damit rund 9 Millionen höher ausfallen als geplant. Grund sei eine verringerte Steuerquote, teilte MTU mit.

Roche: Franken belastet

Der Schweizer Pharmariese Roche hat im ersten Halbjahr unter dem starken Franken gelitten. Der Umsatz ging um ein Prozent auf 22,97 Milliarden Franken zurück. Der Gewinn sank um sieben Prozent auf 5,64 Milliarden. Roche erwartet, seine Gesamtjahresziele zu erreichen, die allerdings Einflüsse durch Währungsveränderungen ausklammern.

Unilever abgebremst

Der niederländische Konsumgüterkonzern Unilever hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um vier Prozent auf 12,7 Millionen Euro erhöht. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wuchs im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 0,78 Euro. Insgesamt schnitt das EuroStoxx50-Mitglied damit nicht so gut ab wie erhofft. Ein langsameres Wachstum in den Schwellenländern und die ausbleibende Erholung in Nordamerika und Europa wirkten sich negativ aus.

Nokia hebt Prognose an

Der Telekomausrüster Nokia hat nach dem Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft seine Erwartungen für 2014 erhöht. Das Unternehmen rechnet damit, dass die bereinigte operative Marge im verbliebenen Geschäft am oberen Ende der bisher anvisierten Spanne von fünf bis zehn Prozent oder sogar leicht darüber liegt. Auch das Ergebnis des zweiten Quartals entwickelte sich positiver als gedacht. Der Umsatz sank um fast sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

Vossloh sieht rot

Der Bahntechnikkonzern Vossloh hat im zweiten Quartal einen Verlust von 152,6 Millionen Euro gemacht. Im Vorjahr hatte das Minus noch bei 2,5 Millionen gelegen. Das Weichen- und Lokomotivengeschäft sowie der Bereich der elektronischen Schlüsselkomponenten für Schienenfahrzeuge hätten die Firmenprognosen zum Teil erheblich unterschritten, hieß es.

Comdirect stagniert

Die Online-Bank Comdirect hat sich im zweiten Quartal stabil entwickelt. Der Gewinn stagnierte im Vergleich zum Vorjahr bei knapp 14,5 Millionen Euro. Das ruhige Geschäft an den Börsen bremste das Unternehmen. Der Provisionsüberschuss sank um sechs Prozent auf 43,8 Millionen Euro.

Adva expandiert nur beim Umsatz

Der Netzwerkausrüster Adva Optical hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um elf Prozent auf ein Rekordhoch von 87,2 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis sank allerdings von 1,5 auf 0,4 Millionen Euro. Grund waren laut Adva Aufwendungen für die Erweiterung der Kundenbasis, einmalige Zertifizierungskosten und anfänglich niedrigere Margen bei einem übernommenen Unternehmen.

TomTom verdient viel mehr

Der niederländische Navigationsgerätehersteller TomTom hat im zweiten Quartal bei einem stabilen Umsatz seinen Nettogewinn um 15 Prozent auf 9,0 Millionen Euro erhöht. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen. Außerdem hob es die Prognose für das Gesamtjahr an.

Frankreich knöpft sich UBS vor

Die Schweizer Großbank UBS muss eine von den französischen Behörden geforderte Sicherheitsleistung von 1,1 Milliarden Euro bis Ende September hinterlegen. Der Betrag orientiere sich an der Höhe einer möglichen Strafe wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. UBS müsse den noch ausstehenden Betrag in einer Zahlung überweisen. Die Bank hat bisher eine Sicherheitsleistung in Höhe von 2,9 Millionen Euro hinterlegt. Die französischen Behörden verdächtigten die UBS, reichen Kunden dabei geholfen zu haben, Gelder vor dem französischen Fiskus zu verstecken.

Gewinneinbruch bei Eli Lilly, mehr Gewinn bei Caterpillar

Patentabläufe im Heimatmarkt USA zehren am Gewinn des US-Arzneimittelherstellers Eli Lilly. Im zweiten Quartal brach der Überschuss um 39 Prozent auf 733,5 Millionen Dollar ein. Der Konzern bestätigte allerdings seinen Jahresausblick: Erwartet wird für 2014 ein Gewinn je Aktie vor Sonderposten von 2,72 bis 2,80 Dollar.

Der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller Caterpillar steigerte dagegen den Gewinn von 960 Millionen auf 999 Millionen Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag mit 1,57 Dollar über den Analystenerwartungen. Der Umsatz sank allerdings um drei Prozent auf 14,15 Milliarden Dollar. Die Nachfrage aus der Bergbau-Industrie sei weiterhin schleppend, erläuterte das Unternehmen. Für dieses Jahr erwartet Caterpillar keine Erholung mehr in diesem Segment.

Ford ist in Europa wieder profitabel. Vor Steuern blieb dort im zweiten Quartal ein Gewinn von 14 Millionen Dollar hängen. Es ist das erste Plus seit drei Jahren. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Verlust von 306 Millionen Dollar zu Buche. Der Vorsteuergewinn des Konzerns belief sich im Frühjahr insgesamt auf 2,6 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2014 sollen es sieben bis acht Milliarden Dollar werden.

Nasdaq OMX macht mehr Gewinn, AA zahlt Dividende

Der transatlantische Börsenbetreiber Nasdaq OMX profitiert von seinen jüngsten Zukäufen. Im zweiten Quartal 2014 stieg der Nettogewinn um fast 15 Prozent auf 101 Millionen Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um 16 Prozent auf 523 Millionen Dollar, obwohl die Handelsvolumina an den Märkten gering blieben. Experten hatten nur mit 517 Millionen gerechnet.

Auf dieses Geschenk mussten die Aktionäre von American Airlines 34 Jahre warten: Die Fluglinie zahlt erstmals seit 1980 wieder eine Dividende. Sie beträgt 10 Cent je Aktie. Hintergrund sind sprudelnde Gewinne nach der erfolgreich überstandenen Insolvenz und dem Zusammenschluss mit dem Rivalen US Airways. Im zweiten Quartal verdiente die Gesellschaft unterm Strich 864 Millionen Dollar und damit fast vier Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

GM: Mehr Pannen, weniger Gewinn

Die Pannenserie bei der Opel-Mutter GM hat erneut zu einem Gewinneinbruch geführt. Der US-Marktführer und Ford-Rivale teilte mit, im zweiten Quartal nur 190 Millionen Dollar verdient zu haben. Im Jahr zuvor standen noch 1,2 Milliarden Dollar zu Buche. General Motors (GM) hat in den vergangenen Monaten nahezu 29 Millionen Auto in die Werkstätten zurückgerufen, unter anderem wegen massiver Probleme mit den Zündschlössern.

LVMH enttäuscht

- Der Luxusgüterkonzern LVMH hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr dank der Nachfrage aus Asien und den USA weiter gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich die Erlöse auf vergleichbarer Basis um 3 Prozent auf 14 Milliarden Euro. Analysten hatten aber etwas mehr erwartet. Mode und Lederwaren, die umsatzstärkste Sparte im Konzern, erzielte zwar mit einem Plus von 7 Prozent ein überproportionales Wachstum. Doch der Verkauf von Weinen und Spirituosen ging gleichzeitig ebenfalls um 7 Prozent zurück. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn im Gesamtkonzern um 4 Prozent auf knapp 1,51 Milliarden Euro. LVMH ist bekannt für Marken wie Louis Vuitton, Tag Heuer, Givenchy oder Moët & Chandon.

Vita 34 stellt Zahlen vor

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich mit 0,8 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2014 annähernd auf Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2013: 0,9 Millionen Euro), wie das Unternehmen, das sich mit der Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und -gewebe befasst, mitteilte. Im Vorjahresvergleich verringerte sich der Umsatz von 6,5 Millionen um 6,3 Prozent auf nunmehr 6,1 Millionen Euro, das Konzernergebnis konnte im ersten Halbjahr 2014 um 67 Prozent auf 114.000 Euro gesteigert werden.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen