Marktbericht 20:02 Uhr

Enttäuschung nach der EZB-Sitzung Angstverkäufe vor dem langen Wochenende

Stand: 02.10.2014, 20:02 Uhr

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag die hohen Erwartungen der Anleger enttäuscht. Doch vor dem langen Wochenende drücken auch die geopolitsche und Konjunkturängste auf die Kurse. Für Verunsicherung sorgen auch die am Freitag anstehenden Daten aus den USA.

In den Vereinigten Staaten stehen die für die US-Geldpolitik entscheidenden Daten vom Arbeitsmarkt an, auf die die Anleger in Frankfurt erst am Montag reagieren können. Auch fürchten die Investoren eine Ausbreitung der Ebola-Seuche und behalten die Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten und in Hongkong im Auge. Nicht zuletzt drücken auch die sich eintrübenden Konjunkturaussichten in der Eurozone auf die Kurse.

Und wenn in dieser Gemengelage auch noch der von einigen Anlegern erwartete Paukenschlag der EZB ausbleibt geraten die Kurse ins Rutschen. Tatsächlich ist der Dax nach der Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu lassen, ins Minus gerutscht und hat seine Verluste im späteren Verlauf immer weiter ausgeweitet. Kurz vor Handelsschluss nehmen die Verkäufe fast schon panikartige Ausmaße an.

Anleger hatten mehr erwartet

Am Ende schließt der Dax 1,99 Prozent oder 186 Zähler tiefer bei 9.195 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit August. Alle 30 im Leitindex enthaltenen Werte schließen im Minus. Vor der Zinsentscheidung der EZB war der Leitindex noch kurz ins PLus gedreht und auf 9.412 Punkte geklettert. "Am Markt sind einige enttäuscht, dass nach dem Paukenschlag vom September jetzt nicht gleich der nächste Schlag folgte", sagte Analystin Jana Meier von HSBC Trinkaus. Allerdings habe Draghi die Tür für weitere Maßnahmen noch ein Stück weiter geöffnet.

Die Notenbank will ab Mitte Oktober mit Forderungen gedeckte Anleihen (Covered Bonds) kaufen. Später sollen auch Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) gekauft werden. Gefragt nach dem Umfang der Käufe, sagte Draghi: "Es ist schwer, eine Summe zu nennen." Schätzungen zufolge könnte das Gesamtvolumen bis zu 500 Milliarden Euro betragen.

Für Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn ein Unding. Er kritisierte, die EZB werde durch den Kauf von Kreditverbriefungen zu einer "Bail-out-Behörde und einer Bad Bank".

Angst vor dem Feiertag

Zum Rückzug der Dax-Anleger trägt auch der Feiertag zur deutschen Einheit am Freitag bei, an dem die Börse in Frankfurt dieses Jahr geschlossen bleibt. In den vergangenen Jahren war an diesem Tag gehandelt worden.

Für die deutschen Investoren ist das nicht ganz unkritisch, da am Freitag in den USA die Arbeitsmarktdaten für September anstehen. Von einer Verbesserung des Jobangebots hat die US-Notenbank Fed eine Zinswende abhängig gemacht.

In New York reagieren die Anleger allerdings weitaus besonnener als in Europa. Die Maßnahmen der EZB interessieren die dortigen Anleger herzlich wenig. Der Dow Jones-Index kann bis zum Handelsschluss in Frankfurt am Abend seine Tagesverluste fast wieder wettmachen und notiert 0,1 Prozent tiefer bei 16.786 Zählern. Weiter auf Talfahrt ging es für die Anteilsscheine von Fannie Mae und Freddie Mac, die tags zuvor wegen enttäuschter Hoffnungen auf Gewinnausschüttungen um mehr als ein Drittel eingebrochen waren.

Euro kaum verändert

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1773
Differenz relativ
+0,20%

Entgegen den Befürchtungen, Mario Draghi werde den Euro schwächer reden, legt die Gemeinschaftswährung im Zuge der Pressekonferenz des EZB-Chefs kräftig zu auf 1,2684 Dollar, nachdem sie am Morgen noch 1,2613 Dollar wert war. Bei Börsenschluss notiert der Euro bei 1,2660 Dollar.

Allianz bekommt neuen Chef

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
194,74
Differenz relativ
+1,33%

Derweil kommt ein Paukenschlag aus München. Der Abgang des legendären Fondsmanagers Bill Gross bei der Tochter Pimco hat entgegen ersten Erwartungen auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Führungsspitze bei der Mutter in München. Der Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns hat Oliver Bäte zum neuen Vorstandschef ernannt. Er tritt sein Amt nach der Hauptversammlung im kommenden Mai an und löst den derzeitigen Chef Michael Diekmann ab, der mit Ablauf der HV 2015 aus dem Vorstand ausscheidet. Die Anleger reagieren kaum auf die Meldung. Die Allianz-Aktie kann ihre Verluste anfangs minimal verringern, bevor sie mit dem Markt auf Talfahrt geht.

Auto-Chefs machen Hoffnung

Auch die Autoaktien müssen bis zum Handelsende ihre Tagesgewinne wieder abgeben. BMW-Chef Norbert Reithofer hatte im Vorfeld des Pariser Autosalons erklärt, dass sein Unternehmen trotz eines Preiskampfs auch im Oberklasse-Segment weiter auf Wachstumskurs ist. Im September legten die Verkäufe um fünf Prozent zu. Am Morgen waren zudem Verkaufszahlen aus den USA eingetroffen. Bei Daimler und BMW läuft der Absatz in dem Markt USA gut. Im Monat September steigerte Daimler seine Verkäufe um elf Prozent, BMW legte um gut drei Prozent zu. Bei Volkswagen gingen sie mit der Kernmarke VW um fast 19 Prozent zurück.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,74
Differenz relativ
-2,48%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,48
Differenz relativ
-1,61%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,00
Differenz relativ
-5,39%

Stahlwerte unter Druck

Deutlich abwärts geht es mit den Stahlaktien, nachdem der Voestalpine-Chef vor einem Abschwung in der Branche gewarnt hat. ThyssenKrupp ist einer der schwächsten Werte im Dax. Im MDax büßen Salzgitter und Klöckner & Co überdurchschnittlich ein.

Rocket Internet und Zalando werden zu Rohrkrepierern

Der Börsengang der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet ist zu handfesten Enttäuschung geworden. Der erste Kurs lag mit 42,50 Euro exakt auf dem Niveau des Ausgabepreises. Danach stürzte die Aktie auf bis zu 36,66 Euro ab und schließt letztlich bei 37,00 Euro. Beim Ausgabepreis war das Unternehmen bis ans obere Ende der Preisspanne gegangen. Auch die am Vortag an die Börse gebrachte Zalando-Aktie ist am Donnerstag abgestürzt und beendet den elektronischen Handel 11,6 prozent tiefer bei 19,00 Euro.

Carl Zeiss Meditec verfehlt Jahresziel

Im TecDax knickt die Aktie von Carl Zeiss Meditec um mehr als drei Prozent ein. Das Medizintechnikunternehmen hat im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 ein Betriebsergebnis (Ebit) sowie einen Gewinn je Aktie unter Vorjahr erzielt und damit seine eigene Prognose verfehlt.

Hochtief im Kurshoch

Dagegen macht die im MDax notierte Aktie von Hochtief einen Freudensprung um über sechs Prozent. Grund ist die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms im großen Stil: Rund zehn Prozent des Grundkapitals oder knapp sieben Millionen Papiere will das Unternehmen, das zum spanischen ACS-Konzern gehört, einsammeln. Der Rückkauf soll zwischen dem 7. Oktober 2014 und dem 31. Dezember 2015 über die Bühne gehen. Die Hochtief-Aktie springt um mehr als sieben Prozent an.

HHLA muss warten

Abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Hamburger Hafenbetreibers HHLA. Die gerichtliche Entscheidung über die Elbvertiefung ist vertagt worden. Damit setzt sich die jahrelange Hängepartie fort. HHLA erhofft sich durch die Elvertiefung mehr Umsätze und Erträge.

Bilfinger-Großaktionär lässt Muskeln spielen

Der Finanzinvestor Cevian drängt auf einen weiteren Sitz im Aufsichtsrat des Bau- und Dienstleistungs-Unternehmens. Wie Bilfinger am Mittag mitteilte, wird Aufsichtsratschef Bernhard Walter weichen, um dem Großaktionär, der inzwischen mehr als 25 Prozent an Bilfinger hält, mehr Einfluss zu gewähren.

Tui Travel gut gebucht

Ein gutes Sommergeschäft wird die Bilanz der Tochter-Gesellschaft von Tui anschieben. Dank Preissteigerungen dürfte das operative Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende September) um rund neun Prozent gestiegen sein, so Tui-Travel-Chef Peter Long am Morgen in London. Das ist mehr als bislang in Aussicht gestellt. Tui will mit seiner britischen Tochter in den kommenden Monaten verschmolzen werden.

Grenke hamstert Neugeschäft

Der Leasings-Spezialist aus dem SDax freut sich über gut laufende Neugeschäfte. In den ersten Monaten hatten diese Neugeschäfte ein Volumen von 979 Millionen Euro, ein Zuwachs von knapp 15 Prozent. Die wichtige Ergebnisgröße "Deckungsbeitrag 2" erreichte in den ersten drei Quartalen 160,3 Millionen Euro.

lg

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Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)