Angst vor griechischem Chaos

Stand: 08.05.2012, 20:01 Uhr

Die unsichere politische Lage in Griechenland hat die Anleger am Dienstag in Angst und Schrecken versetzt. An den internationalen Leitbörsen kommt es zu kräftigen Kursverlusten.

Der Dax schließt 1,9 Prozent niedriger bei 6444 Punkten. Wie schon am Vortag blieben die Umsätze mit knapp unter drei Milliarden Euro aber dünn. Der EuroStoxx50 sinkt um 2,1 Prozent auf 2.234 Zähler. Auch an den US-Börsen geht es deutlich bergab. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,3 Prozent im Minus bei 12.835 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fällt um 1,6 Prozent auf 2909 Zähler.

Auch der Euro sackt zeitweise unter die Marke von 1,30 Dollar, der Preis für die Öl-Sorte Brent verbilligt sich um zwei Prozent auf 111 Dollar pro Barrel.

Ausgelöst hat diese Nervosität der Chef der griechischen Linken, Alexis Tsipras. Er erklärte die Zusagen Griechenlands zum milliardenschweren Rettungspaket für "null und nichtig". Seine Drohung, die Banken zu verstaatlichen, trieb manchem Anleger die Schweißperlen auf die Stirn.

"Griechenland ist derzeit unregierbar, deshalb wird sich die Hängepartie womöglich bis zu möglichen Neuwahlen hinziehen", sagte ein Händler. Die konservative Partei Neue Demokratie, die bei den Wahlen am Sonntag stärkste Kraft geworden war, hatte ihr Mandat zur Bildung einer Koalition zurückgegeben. "Die Angst, dass Griechenland sich nicht an die Sparzusagen halten wird, ist mit den Aussagen von Tsipras noch einmal größer geworden", sagte ein Händler.

EU-Sondergipfel
Für einen Funken Hoffnung sorgte am frühen Nachmittag die Meldung über einen Sondergipfel der EU Staats- und Regierungschefs am 23. Mai. Dort wollen sie darüber beraten, wie das Wachstum in der Europäischen Union angekurbelt werden kann, ohne den Schuldenabbau zu bremsen.

Am Vormittag hatte zudem ein Hardware-Fehler das Xetra-Handelssystem der Frankfurter Börse eineinhalb Stunden lahm gelegt. Erst gegen 10.15 Uhr konnte der Handel schrittweise aufgenommen werden. Ab 10.35 Uhr waren wieder alle Wertpapiere über Xetra handelbar. Laut der Deutschen Börse handelte es sich um den ersten Xetra-Ausfall seit Ende 2007.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,18
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-2,04%

Telekom profitiert
Im Dax gehört die Telekom-Aktie neben der Fresenius-Familie zu den einzigen drei Kursgewinnern. Offenbar hat die Tarif-Einigung im Deutschland-Geschäft der Aktie Auftrieb gegeben. Der Tarif-Abschluss sei positiv zu werten, weil dadurch Streiks vermieden würden, sagte ein Börsianer. Das Lohnplus liege im Rahmen der Erwartungen. Die Vergabe von Aufträgen an Ericsson und Nokia Siemens Networks sei zudem ein Zeichen dafür, dass sich der milliardenschwere Ausbau des US-Netzes im Zeitplan befinde.

K+S gibt Geschäft ab
Der Düngemittelkonzern K+S steigt aus dem Stickstoffdüngergeschäft aus. Der Kasseler Dax-Konzern teilte am Abend mit, man habe die Felddüngersparte an das russische Chemieunternehmen Eurochem verkauft. Der Unternehmenswert liegt dem Vernehmen nach bei 140 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich Stickstoffdüngemittel hatte 2011 bei K+S rund 1,16 Milliarden Euro Umsatz generiert.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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81,41
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-0,48%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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138,74
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-0,50%

Autobauer büßen ein
Nach Tagen des Anstiegs gehört die Aktie von BMW am Dienstag zu den schwächsten Werten im Dax. Auch VW und Daimler büßen ein. BMW und VW hatten am Morgen über ein verlangsamtes europäisches Absatzwachstum im April berichtet. Bei BMW sei auch vorstellbar, dass Anleger Gewinne einsteckten, sagte der Händler weiter. "Bei Daimler hatte doch das Emirat Abu Dhabi gesagt, dass sie sich zurückziehen wollen. Vielleicht verabschieden die sich gerade", sagte der Händler.

Deutsche Post kann nicht begeistern
Die Papiere der Deutschen Post sind trotz positiver Quartalszahlen ins Minus gerutscht. "Ein guter Bericht zum ersten Quartal, der die Aktien eigentlich antreiben sollte", sagte ein Börsianer. Die Deutsche Post hatte mit ihrer Bilanz zum ersten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Sowohl der Umsatz, als auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern und der Nettoüberschuss haben die Prognosen übertroffen. Die Aktie liege aber weiterhin nahe dem Jahreshoch bei 14,825 Euro und habe im Gegensatz zum Markt kaum korrigiert - nun fehle etwas die Fantasie für weitere Kurstreiber.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,35
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-0,27%

Münchener Rück enttäuscht
Nach einem Nettogewinn im Rahmen der Erwartungen haben sich Anleger von Münchener Rück -Aktien getrennt. Die Papiere verlieren gut 3,5 Prozent. "Die Zahlen waren solide, aber keine große Überraschung mehr, nachdem das Unternehmen bereits auf der Hauptversammlung Ende April angekündigt hatte, wieder richtig Geld verdient zu haben", sagte ein Händler. Der Rückversicherer verbuchte im ersten Quartal einen Nettogewinn von 782 Millionen Euro, nach einem Verlust von 948 Millionen im Vorjahresquartal.

Bei Gildemeister brummt's
Im MDax muss die Aktie von Gildemeister ihre anfänglichen Kursgewinne von gut 3,5 Prozent größtenteils wieder abgeben. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal einen riesigen Gewinnsprung gemacht und glänzt mit einer hervorragenden Auftragslage. Der Bielefelder Konzern steuert in diesem Jahr auf Rekordbestellungen von mehr als zwei Milliarden Euro zu. Vor allem die asiatischen Märkte sowie Osteuropa und Amerika sorgten für florierenden Geschäfte, erklärte Konzernchef Rüdiger Kapitza im Reuters-Interview. Als hilfreich erweise sich zudem die Partnerschaft mit dem japanischen Wettbewerber Mori Seiki.

Hochtief: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hochtief wird belohnt
Deutlich zulegen kann zunächst die Aktie von Hochtief. Der mehrheitlich vom spanischen Konzern ACS kontrollierte Baukonzern konnte nämlich im ersten Quartal seine Verluste deutlich reduziert. Die gute Auftragslage bescherte Hochtief ein zweistelliges Umsatzplus von 13 Prozent auf 5,58 Milliarden Euro.

Rote Laterne für Gea
Dagegen enttäuschte Gea mit seinen endgültigen Zahlen: Dem Maschinenbauer haben Probleme in seiner neuen Sparte den Jahresauftakt vergällt. Operatives Ergebnis und Überschuss schrumpften wegen Belastungen von 36 Millionen Euro deutlich. Analysten hatten indes mit dem Rückschlag gerechnet. Bereits zur Hauptversammlung im April, hatte Vorstandschef Jürg Oleas Eckdaten zum Quartal vorgelegt und auf die Schwierigkeiten hingewiesen.

Tui in der Winterflaute
Kräftig abwärts geht es auch mit der Aktie von Tui. Der Reiseveranstalter muss nach einem schwächelnden Wintergeschäft aufwachsende Reiselust im Sommer hoffen. Nachdem sich Deutsche, Briten und Franzosen und in den kalten Jahreszeit mit Buchungen zurückhielten, verkaufen sich Reisen für den Sommer wieder besser. m ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März geriet Tui Travel trotz höherer Umsätze tiefer in die roten Zahlen.

Gewinneinbruch bei Tom Tailor
Auf der Verliererseite steht auch die Aktie von Tom Tailor. Das Betriebsergebnis (Ebitda) ist von Januar bis März um 70 Prozent auf 1,2 Millionen Euro gesunken. Als Grund nannte Finanzchef Axel Rebien hohe Kosten für einen TV-Spot, mit dem Kunden in den Online-Shop gelockt werden sollen. Hinzu kamen hohe Aufwendungen im Zusammenhang mit der Refinanzierung im Februar.

Intercell bekommt Geld
Abwärts geht es mit der Aktie des Wiener Impfstoffherstellers Intercell. Dabei bekommt das angeschlagene Unternehmen von BB Biotech 25 Millionen Euro. Die Finanzspritze bestehe aus einem besicherten Darlehen über 20 Millionen Euro sowie einer Investitionszusage über fünf Millionen Euro als Teil einer geplanten Privatplatzierung, teilte Intercell mit. Die Finanzierung sei ein wichtiger Schritt im Erneuerungsprozess von Intercell, sagte Firmenchef Thomas Lingelbach. Zudem sei man mit anderen Geldgebern im Gespräch.

Gewinnmitnahmen bei Süss
Zu den größten Verlierern im TecDax gehört die Aktie von Süss. Dabei hat der Chip-Ausrüster seine Prognose angehoben. Offenbar nutzten einige Anleger nach dem 7,2-prozentigen Kurssprung des Vortages die Chance für Gewinnmitnahmen, sagte ein Börsianer. Die Bayern rechnen mit einem Jahresumsatz von mehr als 155 Millionen Euro. Bislang waren rund zehn Millionen Euro weniger angepeilt gewesen. Im abgelaufenen Quartal machte Süss einen leichten Verlust von 0,2 Millionen Euro.

Statoil mit weniger Gewinn
Die hohen Öl- und Gaspreise sowie gestiegene Fördermengen haben dem norwegischen Energiekonzern Statoil zum Jahresauftakt kräftige Zuwächse beschert. Der Löwenanteil der Gewinne fließt in die Staatskasse. Wie das teilstaatliche Unternehmen am Dienstag in Oslo mitteilte, stieg das bereinigte operative Ergebnis auf den Rekordwert von 59,2 Milliarden Kronen. Unter dem Strich sank Statoils Gewinn um vier Prozent auf 15,4 Milliarden Kronen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.