Marktbericht 20:08 Uhr

Kursverluste an den Börsen Angst vor dem (Billiggeld-)Entzug

Stand: 17.12.2013, 20:08 Uhr

Einmal werden wir wohl noch wach, heißa, dann ist Bernanke-Tag. Vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung zum künftigen Kurs der US-Notenbank gingen Anleger auf Nummer sicher - und strichen Gewinne ein. Der Dax ging auf Tauchstation - trotz positiver Konjunkturnachrichten.

War das nur ein Strohfeuer? Am Montag noch herrschte Super-Stimmung an den Börsen, der deutsche Leitindex machte den größten Kurssprung seit Oktober. Am Dienstag folgte der Kater nach der "Börsenparty": der Dax rutschte um 0,9 Prozent auf unter 9.100 Punkte Punkte ab und gab einen Teil seiner gestrigen Kursgewinne wieder ab. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax schloss bei 9.095 Zählern. Die Wall Street kam nicht vom Fleck. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss nahezu unverändert.

Läutet Bernanke die geldpolitische Wende ein?

Anleger wagten sich vor der Entscheidung der Fed über ein mögliches Zurückfahren der Anleihenkäufe nicht aus der Deckung. Es herrschte weiter Ungewissheit, ob Fed-Präsident Ben Bernanke am Mittwochabend die geldpolitische Wende einläuten wird. Kommt es zum "Tapering", könnte es an den Börsen weiter abwärts gehen. Bleibt alles beim alten, dürften die Börsen einen kleinen Freudesprung machen. Aktuell rechnen freilich nur ein Drittel der von der Nachrichtenagentur Blloomberg befragten Ökonomen mit einem raschen "Tapering". Die meisten glauben, dass Bernanke die geldpolitische Wende seiner Nachfolgerin Janet Yellen überlässt. Die Erwartung eines "Tapering" im Frühjahr ist weitgehend in den aktuellen Kursen vorweggenommen, meinte ein Börsianer.

Inflation in den USA niedriger als erwartet

Das niedrige Inflationsniveau könnte der Fed als Argument dienen, noch abzuwarten und die Reduzierung der Anleihenkäufe erneut zu verschieben. Die Teuerungsrate lag im November bei 1,2 Prozent - und damit niedriger als erwartet. Volkswirte hatten einen Anstieg von 1,3 Prozent prophezeit.

ZEW auf Sechs-Jahres-Hoch

Weil die Börsen im Bann der Fed standen, verpufften gute Konjunkturdaten aus Deutschland relativ schnell. So kletterte der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von befragten Experten misst, im Dezember auf den höchsten Stand seit sechs Jahren (62 Punkte). Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 55,0 Zähler gerechnet.

Bitcoin im Sinkflug

Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Die Gemeinschaftswährung fiel auf unter 1,3730 Dollar, erholte sich dann aber wieder etwas. Deutlich stärker unter Druck stand die digitale Währung Bitcoin zu. Am Dienstag fiel der Preis pro Bitcoin klar unter 700 US-Dollar. Vor wenigen Tagen hatte er noch ein Rekordhoch von 1.203 Dollar erreicht. Zuletzt hatte die norwegische Regierung entschieden, Bitcoins nicht als echtes Geld anzuerkennen. Zuvor hatte die Bankenaufsicht EBA gewarnt.

K+S wird wiederentdeckt

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,76
Differenz relativ
-1,30%

Im Dax gab es nur ein halbes Dutzend Gewinner, darunter die Aktien von K+S. Sie profitierten von Analystenkommentaren. Die Baader Bank hat ihre Verkaufsempfehlung kassiert, die Investmentbank Macquarie hat die Aktien als "Outperform" bestätigt.

Europäer kaufen wieder mehr Autos

Der lange Zeit schwache europäische Automarkt hat sich im November weiter erholt. Im November stiegen die Neuzulassungen in den 27 EU-Ländern um 1,2 Prozent auf 938.021, wie der europäische Herstellerverband ACEA am Dienstag mitteilte. Damit konnten im dritten Monat hintereinander Zuwächse verbucht werden. Der Marktanteil des VW-Konzerns stieg von 25,6 auf 26,2 Prozent. BMW verkaufte hingegen sieben Prozent weniger Fahrzeuge, bei Daimler lag das Minus bei zwei Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,64
Differenz relativ
-1,11%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,20
Differenz relativ
-0,62%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,06
Differenz relativ
-2,35%

Pharmahersteller können Preise nicht erhöhen

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,51
Differenz relativ
-1,53%

Leicht im Minus schlossen die Aktien von Bayer und Merck. Die Pharmaindustrie muss sich nun doch ab dem neuen Jahr auf Einschnitte in Deutschland einstellen. Die Preise bleiben auf dem Niveau von 2009 eingefroren. Der geplante Zwangsrabatt von sieben Prozent auf Medikamente soll zum 1. April eingeführt werden. Das Verbot von Preiserhöhungen war vor kurzem vom Bundeskanzleramt gestoppt worden.

Eon wird Regionaltochter los

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,99
Differenz relativ
+0,28%

Zu den größten Dax-Verlierern neben HeidelCement zählte Eon. Die Aktien des größten deutschen Energiekonzerns büßten fast zwei Prozent ein. Die Düsseldorfer haben ihre Regionaltochter Eon Mitte an ein Konsortium kommunaler Anteilseigner verkauft. Die Transaktion beschert Eon Einnahmen von 610 Millionen Euro. Der Konzern will sich künftig auf die vier Regionalversorger Avacon, Bayernwerk, E.dis und Eon Hanse konzentrieren.

Analysten bewegen Kurse

Aus dem MDax ragten Aurubis und Aareal Bank heraus – dank Analysten-Hochstufungen. So hievte Warburg Research die Titel von "Hold" auf "Buy" und das Kursziel von 47 auf 50 Euro. Das Schlimmste beim Kupferkonzern sei nun vorüber, meinte der zuständige Analyst. Equinet stufte derweil die Aktien von der Aareal Bank hoch auf "Accumulate".

Maschinenbau brummt 2014 wieder

Aus der Maschinenbau-Branche kamen am Dienstag gute Nachrichten. Der Branchenverband VDMA blicklt nach einem stagnierendem Geschäft in diesem Jahr voller Zuversicht auf 2014. Die Produktion soll wieder um drei Prozent wachsen und ein Rekordniveau erreichen, prophezeite VDMA-Präsident Reinhold Festhge. Sein Optimismus stützt sich auf die Eurozone, die aus der Rezession kommt, und die USA. Die Aktien von DMG Mori Seiki stiegen um knapp zwei Prozent, die Titel von Gea um ein Prozent.

Tui zahlt erstmals seit 2007 wieder Dividende

Eine schöne Bescherung gab's für die Tui-Aktionäre. Erstmals seit 2007 zahlt ihnen der Reisekonzern wieder eine Dividende. Die Aktionäre sollen 15 Cent je Aktie erhalten. Am Mittwoch enthüllt Tui seine Bilanz für das abngelaufene Geschäftsjahr 2012/13. Nach Einschätzung von Analysten dürfte der Konzern tiefer in die roten Zahlen gerutscht sein und einen Verlust von über 27 Millionen Euro ausweisen. Das operative Ergebnis dürfte dagegen um acht Prozent zugelegt haben.

Patrizia senkt Ergebnisprognose

Das Immobilienunternehmen Patrizia hat seine Geschäftserwartungen für das laufende Jahr zurückgenommen. Das im SDax notierte Unternehmen rechnet nicht mehr damit, ein operatives Ergebnis von zumindest 47 Millionen Euro zu erreichen. Stattdessen wird die Ergebnisgröße nur bei 38 bis 41 Millionen Euro liegen. Die Aktie fiel zunächst, drehte dann ins Plus, bevor sie wieder absackte. Mit einem Minus von zwei Prozent war Patrizia zweitgrößter Verlierer hinter Koenig & Bauer.

Dialog hebt Umsatzprognose an

An die TecDax-Spitze sprangen die Aktien von Dialog Semiconductor. Sie legten 4,6 Prozent zu. Kurz vor Xetra-Schluss hob der Chipentwickler seine Umsatzprognose an. Dialog rechnet für das vierte Quartal mit Erlösen von mindestens 310 Millionen Dollar - 15 Millionen Dollar mehr als bislang anvisiert. Im Gesamtjahr wird der Umsatz damit bei mindestens 866 Millionen Dollar liegen. Zum Gewinn äußerte sich Dialog nicht.

Evotec kooperiert mit Elite-Uni

Evotec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,50
Differenz relativ
+4,36%

Zeitweise stand die Evotec-Aktie ganz oben im Technologie-Index, büßte dann aber einen Teil der Kursgewinne ein und schloss 1,5 Prozent höher. Das Biotech-Unternehmen hat eine so genannte "Innovationsallianz" mit der amerikanischen Elite-Universität Yale geschlossen. Gemeinsam wollen beide Partner Mechanismen entwickeln, mit der Krebszellen besser bekämpft werden können.

Asian Bamboo ändert Geschäftsmodell

Bei den China-Aktien setzte sich der Reigen von Hiobsbotschaften fort. Der chinesische Bambushersteller mit deutschem AG-Sitz in Hamburg räumte schwache Geschäfte ein. Eine geringe Ernte, höhere Kosten und schwächer als erwartete Preise für Bambussprossen und -Stämme lasteten auf dem Unternehmen. Daher will Asian Bamboo nun ins Immobiliengeschäft einsteigen. Die Anleger reagierten entsetzt. Die Aktien stürzten um über 35 Prozent ab.

Bescherung von 3M

An der Wall Street erfreute 3M die Aktionäre mit der Ankündigung einer höheren Dividende. Die Ausschüttung für das erste Quartal soll um 35 Prozent auf 85,5 Cent steigen. Zudem will bis 2017 der Mischkonzern 17 bis 22 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe steigen. Die 3M-Aktie klettert um fast drei Prozent nach oben und führt den Dow an.

Facebook startet Videowerbung

Knapp zwei Prozent gewinnen die Aktien von Facebook. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" will das soziale Online-Netzwerk ab Donnerstag erstmals Video-Werbung anbieten. Wenn die Nutzer ihr Profil öffnen, werden bis zu 15 Sekunden lange Werbespots gezeigt.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr