Angst vor dem Absturz

Stand: 29.06.2010, 20:02 Uhr

Eine neue, alte Düsternis legt sich über den Aktienmarkt. Die Furcht vor einem erneuten Wirtschaftsabschwung, gepaart mit explodierenden Staatsschulden und Währungskrisen, belastete den Aktienmarkt am Dienstag stark. Der Dax schloss deutlich unter der 6.000-Punktemarke.

3,3 Prozent verlor der Dax an diesem warmen Dienstag im Juni, er sackte auf 5.952 Punkte herab. Eine Vielzahl von Nadelstichen setzte den Anlegern zu, worunter auch die restlichen europäischen Börsen und die Wall Street litten. Der Eurostoxx 50 schloss 4,2 Prozent schwächer, der Dow Jones fiel zuerst unter die 10.000-Punktemarke und dann noch unter die 9.900.

Was die Anleger am frühen Morgen arg verunsicherte, waren unangenehmen Nachrichten aus Asien. Sowohl aus China als auch aus Japan, also den beiden größten Volkswirtschaften der Region, kamen schwache Wirtschaftsdaten. In Japan war die Industrieproduktion rückläufig, in China wurde ein bisher weitgehend wenig beachteter Frühindikator nach unten korrigiert.

In Europa bereitete den Anlegern außerdem steigende Kosten für Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen aus Spanien, Portugal und Italien Sorge. Der Euro fiel deutlich, und der Dax begann den Handelstag mit klaren Verlusten, konnte sich aber bis zum frühen Nachmittag über der Marke von 6.000 Punkten halten.

Nach dem Start des Handels an der Wall Street ging es dann weitere hundert Punkte abwärts, unter die 6.000. Der Dow rutschte schon kurz nach Handelsstart unter 10.000 und weitete seine Verluste erheblich aus, als um 16 Uhr das Verbrauchervertrauen des Forschungsinstitutes Conference Board veröffentlicht wurde. Mit 52,9 Punkten verfehlte dieser wichtige Konjunkturindex die Erwartungen um 10 Punkte.

Über dieser Melange unerfreulicher Nachrichten dräut die am Donnerstag fällige Bankenrückzahlung an die EZB. Dann müssen Geschäftsbanken insgesamt 442 Milliarden Euro an die Zentralbank zurückgeben, Bankanalysten befürchten einen dadurch entstehenden Liquiditätsengpass von mehr als 100 Milliarden Euro.

Ausschließlich Dax-Verlierer
Im Dax schaffte es kein einzelner Titel in den grünen Bereich. Die defensiven Titel schlugen sich tendenziell etwas besser, die Aktie von Fresenius Medical Care verlor lediglich ein Prozent. Konjunktursensible Aktien führten das Verliererfeld an, BASF, HeidelbergCement und die Lufthansa geben um die fünf Prozent nach.

Siemens mit starken Aufträgen
Der Industriekonzern Siemens hat auf seiner Investorenkonferenz einen guten Ausblick auf das mittelfristige Geschäft geworfen. In allen drei Kerngeschäftsfeldern Energie, Industrie und Medizintechnik rechne man mit steigenden Auftragseingängen, sagte Finanzdirektor Joe Kaeser. Der Umsatz werde im laufenden Quartal über den Wert des Vorjahres von 17,5 Milliarden Euro klettern. Am Nachmittag teilte die Gesellschaft noch mit, dass sie knapp die Hälfte an einer Windtechniktochter des dänischen Konzerns Dong übernommen habe. Für 110 Millionen Euro bekommt Siemens 49 Prozent an A2Sea.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,47
Differenz relativ
+0,40%

Kartellstrafe für Stahlkonzerne?
Europaweit verzeichneten die Aktien der Stahlkonzerne Kursverluste. In Deutschland verloren ThyssenKrupp und Salzgitter überdurchschnittlich, im EuroStoxx 50 notierte ArcelorMittal deutlich schwächer. Die Anleger waren verunsichert, weil die EU-Wettbewerbsbehörde nach Agenturberichten eine Kartellstrafe gegen europäische Stahlkonzerne verhängen wird. ThyssenKrupp und Salzgitter teilten am Nachmittag mit, dass sie vom EU-Kartellverfahren nicht betroffen seien. Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine kommentierte die Vorwürfe nicht.

HV bei ProSiebenSat.1
Die Senderkette ProSiebenSat.1 hat sich auf ihrer Hauptversammlung recht optimistisch zum aktuellen Geschäft geäußert. Der Werbemarkt entwickle sich besser, sagte Vorstandschef Thomas Ebeling. "Diese Entwicklung spüren wir auch im Geschäft". Die Aktie schloss trotzdem 1,3 Prozent schwächer.

Conergy und Delticom mit guten Nachrichten
Die Aktien von Conergy im TecDax und Delticom im SDax schlossen wegen guter Unternehmensnachrichten besser als der Durchschnitt. Der Solarkonzern Conergy dürfte nach Informationen aus informierten Kreisen seine Refinanzierung erfolgreich abgeschlossen haben. Die Verhandlungen befänden sich kurz vor dem Abschluss, hieß es. Die Aktie des Reifenhändlers Delticom schloss 1,2 Prozent im Plus, weil die SDax-Firma am Montag ihre Prognose für die Ergebnismarge für dieses Jahr leicht angehoben hatte.

Arcandor wird abgewickelt
Der längst insolvente Handelskonzern Arcandor wird in den kommenden Monaten abgewickelt. Der Insolvenzverwalter der ehemaligen MDax-Firma teilte am Morgen mit, dass er die restlichen knapp 5,7 Millionen Aktien, die Arcandor an sich selbst hält, über die Börse verkaufen will. Damit dürfte die unrühmliche Geschichte des Pleitekonzerns bald beendet sein, die Arcandor-Aktie verlor am Dienstag ein Viertel ihres Wertes.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"