Marktbericht 20:03 Uhr

Dax gibt weiter nach Angst und Vorsicht am Aktienmarkt

Stand: 09.06.2016, 20:03 Uhr

Gestern Asien, heute Brexit - was kommt morgen? Die Sorgenfalten der Anleger werden tiefer. Da hat es der Dax schwer, sich zu behaupten. Die Anleger treten an die Seite und flüchten in sichere Häfen.

Der Leitindex Dax steht derzeit unter Druck. Bereits am Vortag hatte der Leitindex Federn lassen müssen und auch heute ging es bergab. Der Index beendete den Handel bei 10.088,87 Punkten, ein Tagesverlust von 1,25 Prozent. Den ganzen Tag über lag das deutsche Börsenbarometer im Minus bei einem Tagestief von 10.050 und einem Hoch von 10.187 Zählern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Schlusskurs lag knapp unter der wichtigen technischen Unterstützungsmarke der 200-Tage-Linie bei aktuell 10.098 Punkten, mit der der Index lange gekämpft hatte. Sollte die Marke nachhaltig unterschritten werden, droht weiteres Ungemach. Sollte sie halten, könnte sich der Markt stabilisieren. Das Geschehen hängt damit aus technischer Sicht am seidenen Faden.

Brexit-Sorgen werden stärker

Fundamental steht ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens, der Brexit, im Mittelpunkt der Anlegersorgen. Der Dax sei zwei Wochen vor dem möglichen Brexit "zwischen Angst und realistischer Einschätzung" gefangen, hieß es im Bernecker-Börsenbrief "AB-Daily". Auch andere Marktteilnehmer äußerten sich kritisch. Tenor: Die Finanzmärkte haben die Risiken eines britischen Ausstiegs aus der EU nicht ausreichend berücksichtigt.

Brexit-Schriftzug

Brexit. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Da die Aktienmärkte sehr nahe an ihren Höchstständen liegen, meine ich, es wäre vernünftig, ein bisschen Risiko rauszunehmen, weil der Ausgang des Abstimmung sehr unsicher ist", erklärte Blackrock-Manager Owen Murfin am Donnerstag in London. Befürworter und Gegner eines EU-Austritts liefern sich derzeit nach den Wahlumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Euro gibt Gewinne wieder ab, Gewinne am Rentenmarkt

Am Devisenmarkt war und ist der drohende Brexit ebenfalls ein großes Thema. Der Euro hat seine anfänglichen Gewinne im Handelsverlauf größtenteils wieder abgegeben und steht aktuell bei 1,1325 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1343 (Mittwoch: 1,1378) Dollar fest. Im frühen Geschäft war der Kurs noch bis 1,1415 Dollar gestiegen, was die Stimmung am Aktienmarkt zusätzlich weiter gedrückt hatte. Insgesamt aber bleibt die Gemeinschaftswährung aber auf hohem Niveau.

Auch Yen und Franken legen zu und dienen dabei als sicherer Hafen. "Die Anleger wollen das Risiko minimieren und das kommt dem Yen und dem Franken zugute", sagte ein Händler.

Apropos sicherer Hafen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe (WKN 110 239) mit einem Zinskupon von 0,5 Prozent fiel heute weiter bis auf 0,03 Prozent und lag damit nur noch leicht im Plus. Experten erwarten, dass Investoren angesichts der politischen Unsicherheiten weiter ihr Geld in Bundeswertpapieren parken und dafür sogar bereit sind, Minuszinsen zu zahlen. Am Terminmarkt zog der marktführende Eurex-Bund-Future um 0,2 Prozent auf 164,61 Prozent an.

US-Märkte geben nach

Auch an der Wall Street fallen derzeit die Kurse. Der Leitindex Dow Jones rutscht wieder unter die Marke von 18.000 Punkten und notiert derzeit gut 0,2 Prozent leichter, hat sich aber zumindest etwas von seinen tiefstständen erholt. Konjunktursensitive und Finanzwerte gehören zu den stärksten Verlierern. Spitzenreiter ist derzeit Sportartikelausrüster Nike.

Auch die anderen großen Aktienindizes geben nach. Marktkommentatoren machen die fallenden Ölpreise für die Rückgänge verantwortlich. Allerdings waren die Märkte zuletzt gut gelaufen und liegen weiterhin in Reichweite ihrer Rekordstände. Beim Dow Jones liegt der rekordwert bei 18.354 Zählern.

Ölpreise konsolidieren

Der starke Anstieg der Ölpreise ist zumindest heute gestoppt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 51,82 Dollar und damit rund ein Prozent weniger. Für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) mussten 50,48 Dollar gezahlt werden und damit 69 Cent weniger als am Vortag. Zuvor hatte der Brent-Preis am Donnerstag den höchsten Stand seit Oktober 2015 bei 52,86 Dollar erreicht. Der WTI-Preis war zwischenzeitlich mit 51,67 Dollar so teuer wie zuletzt im Juli 2015.

Experten des Bankhauses Metzler sahen in dem jüngsten Preisrückgang eine Gegenbewegung zu den schnellen Zuwächsen zuvor. Diese waren fundamental durch ein geringeres Angebot begründet, ausgelöst durch Waldbrände in Kanada und Lieferengpässe in Nigeria.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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+2,09%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Kaum Gewinner im Dax

Im Dax waren Pluszeichen heute Mangelware. Einzig die Aktien von RWE, der Deutschen Post und Vonovia verbuchten moderate Gewinne. Anleger folgen bei RWE der Kaufempfehlung des Analysehauses Raymond James, das die Aktien des Versorgers hochgestuft hatte.

Eon-Aktionäre sagen Ja zur Aufspaltung

Am anderen Dax-Ende rangierte Eon mit über sieben Prozent Kursrückgang - allerdings war das Minus teils optischer Natur. Die Papiere wurden heute ex Dividende gehandelt: Eon schüttet am Tag nach der Hauptversammlung 50 Cent je Aktie aus. Es war übrigens ein gewichtiges Treffen, haben doch die Anteilseigner von Eon den Weg frei gemacht für die historische Aufspaltung des Energiekonzerns.

Auch die Telekom gab ab, teils wegen schwacher Branchentendenz, teils aus technischen Gründen. Denn heute wird der Referenzpreis festgelegt, zu dem T-Aktionäre im Zuge der Dividendenausschüttung Aktien beziehen können. Aktionäre konnten zwischen der Barausschüttung von 0,55 Euro oder einer Aktiendividende wählen. Zu den größten Verlierern gehörten weiterhin Commerzbank-Aktien.

Lufthansa mit schwachem Mai

Die Aktie der Kranichlinie gab ebenfalls stärker nach als der Dax. Im Mai musste die Gesellschaft deutliche Rückgänge bei Passagier- und Frachtzahlen hinnehmen. Die Anzahl der Fluggäste sank im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 9,7 Millionen. Die Auslastung der Passagierjets sank um 3,4 Prozentpunkte auf 76,4 Prozent. Auch im Frachtgeschäft waren die Raten rückläufig. Marktbeobachter sprachen von "katastrophalen" Zahlen, besonders bei der Auslastung. Lufthansa begründete den Einbruch mit den vielen Feiertagen im Mai, weshalb die Anzahl der Geschäftskunden gesunken sei.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,05
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Am Abend wurde nach Börsenschluss noch bekannt, dass Finanzchefin Simone Menne aus persönlichen Gründen überraschend aus dem Vorstand ausscheidet. Die 56-jährige Managerin hatte den Posten seit dem 1. Juli 2012 inne und habe den Aufsichtsrat um eine Auflösung ihres Vertrages zum 31. August gebeten.

Löschaktion bei VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen macht wieder Negativ-Schlagzeilen. Die Wolfsburger könnten zu Beginn der Abgasaffäre versucht haben, möglicherweise belastende Dokumente in größerem Stil zu beseitigen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt jedenfalls, so die Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Konzerntochter Audi berichtet derweil von guten Absätzen im Mai. Der weltweite Absatz stieg um 6,7 Prozent auf 164.150 Fahrzeuge. Besonders der A4 und der SUV Q7 laufen gut.

Stellenstreichungen bei ThyssenKrupp

Betroffen ist der Bereich Großanlagenbau und hier die Prozess Technologie mit Hauptsitz in Dortmund. Der geplante Abbau von dort vorhandenen Überkapazitäten solle sozialverträglich erfolgen. Gründe für den Stellenabbau seien die schwierige Marktstuation sowie interne Gründe, hieß es weiter.

Airbus verkauft Dassault-Anteile

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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106,00
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Am Abend wurde bekannt, dass Airbus mit 830.000 Aktien seinen verbleibenden 23,8 prozentigen Anteil am französischen Rüstungskonzern Dassault Aviation verkauft. Das mehrheitlich zu gut 56 Prozent in Familienbesitz befindliche Unternehmen will 500.000 Aktien übernehmen. Der Dassault-Streubesitz liegt bei 15,8 Prozent. Über den Preis wurden keine Angaben gemacht.

Rocket Internet will Profit machen

Auf der Hauptversammlung des Start-Up-Entwicklers hat Firmenchef Oliver Samwer erklärt, man wolle zukünftig mehr auf Profitabilität achten. Im vierten Quartal 2017 sollen nach Samwers Worten mindestens drei der größeren Unternehmen im Portfolio den "Break Even" erreichen. Weitere Angaben machte er aber nicht. Rocket Internet baut junge Unternehmen auf, die eine innovative Idee und Internet-Bezug haben, vor allem im Handel und bei Dienstleistungen wie der Essenzustellung.

Immofinanz versilbert Buwog-Anteil

Das österreichische Immobilienunternehmen Immofinanz hat mit dem Verkauf eines Großteils seiner Beteiligung am Wohnungskonzern Buwog 352 Millionen Euro eingenommen. 18,5 Millionen Aktien wurden für je 19,00 Euro an die Investmentfirma Sapinda Group veräußert. Die Buwog-Aktie machte heute einen kräftigen Kurssprung.

Sky-Aktien nach DFL-Entscheid gefragt

Aktien des Bezahlsenders BSkyB legen an der Londoner Heimatbörse nach der Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Übertragungsrechte der Bundesliga bis 2021 zu. Allerdings muss sich Sky, das zum britischen BSkyB-Imperium gehört, die Rechte künftig mit Eurosport und ZDF teilen. Sky bekommt die Live-Rechte für die Samstags- und Sonntags-Spiele der Bundesliga sowie der kompletten 2. Bundesliga.

Eurosport kann das Freitagsspiel der Liga, die Relegationsspiele und den Supercup übertragen. Das ZDF erhält die Rechte für das Hin- und Rückrundeneröffnungsspiel, Live-Rechte am Supercup sowie die Zweitverwertungsrechte am Samstag-Abend. Höhepunkte der Samstagsspiele werden wie bisher in der ARD-Sportschau gezeigt. Für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 sichern sich die Bundesligaclubs insgesamt 4,64 Milliarden Euro, ein neuer Rekordwert.

KTG Agrar: Ausverkauf und kein Ende

Die KTG-Aktie kam heute mit einem Tagesverlust von 27,75 Prozent weiter kräftig unter die Räder. Der Markt spielt damit die Pleite des Agrarunternehmens, das in Liquiditätsschwierigkeiten steckt. Aktuell kämpft KTG darum, einen Investor zu finden. Wie die "Wirtschaftswoche" schreibt, sind Gespräche mit der chinesischen Fosun-Gruppe bereits Ende 2015 auf Eis gelegt worden. Allerdings sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagte ein KTG-Sprecher.

KTG Agrar hätte Anlegern einer 250-Millionen-Euro-Anleihe am 6. Juni 17,8 Millionen Euro Zinsen zahlen müssen. Bislang hat es die Zinsen aber nicht gezahlt. Nach Unternehmensangaben musste die Zahlung verschoben werden, weil sich ein eigentlich für den 3. Juni erwarteter Geldeingang aus einem Verkauf verspätet.

Accor unter Druck

Aktien des französichen Hotelbetreibers Accor verloren im Pariser Leitindex CAC 40 am stärksten. Die Analysten von Credit Suisse stuften den Titel herab von "Neutral" auf "Underperform". Die Buchungen erholten sich nach den Terroranschlägen im November nur zögerlich. Das Geschäft in Frankreich und speziell in Paris laufe schlechter als gedacht.

Dong ein Anwärter für die großen Indizes?

Der größte Börsengang des Jahres startete heute vielversprechend: Der dänische Windparkbetreiber Dong Energy brachte Aktien im Wert von 2,3 Milliarden Euro erfolgreich an der Börse in Kopenhagen unter. Investoren rissen sich darum, die Aktien legten an ihrem ersten Börsentag innerhalb kürzester Zeit zehn Prozent zu. Die Dong-Aktie gilt als Anwärter für wichtige Indizes in Europa.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen