Marktbericht 20:15

Dax verliert 250 Punkte Angst an der Börse

Stand: 20.08.2015, 20:15 Uhr

So schnell kann es gehen. Innerhalb weniger Handelstage rennt die Investorenherde am Aktienmarkt komplett in die andere Richtung. Der Ausverkauf am Aktienmarkt setzt sich fort, der Dax muss kräftig Federn lassen.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Vor allem die schwache Wall Street hat den zaghaften Erholungsversuch des Dax am frühen Nachmittag zunichte gemacht. Die Sorgen vor einer globalen Abschwächung der Weltkonjunktur, allen voran des chinesischen Riesenreichs, treibt den Anlegern derzeit global massive Sorgenfalten auf die Stirn.

"Die Sorgen um China lassen die Anleger nicht los", bringt ein Händler die Stimmung auf den Punkt. Die Befürchtungen, dass sich der Wachstumsrückgang in der Volksrepublik als langfristiger Trend herausstellen könnte, belasteten derzeit vor allem exportorientierte Industriezweige. Hinzu kommt die Verunsicherung über die zögerliche Haltung der US-Notenbank zur Zinswende.

Dax im Abwärtstrend

Auch der heimische Aktienmarkt kann sich dieser globalen Tendenz nicht entziehen. Der Leitindex Dax verlor vor allem nach der US-Eröffnung am Nachmittag deutlich an Boden und schloss bei 10.432 Punkten. Das war ein kräftiges Tagesminus von 2,34 Prozent. Im Tagestief fiel der Index bis auf 10.400 Punkte, das Hoch hatte noch bei 10.654 Zählern gelegen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

Auch im Späthandel ging es weiter abwärts. Im üblicherweise wenig volatilen Geschäft nach Xetra-Schluss bis 20.00 Uhr fiel der L/E-Dax weiter auf 10.379 Punkte. Kein gutes Zeichen für den morgigen Freitag.

Der anhaltende Abwärtssog des Index setzt sich damit fort. Noch im April hatte dieser bei 12.390 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht, seitdem geht es unter Schwankungen stetig bergab. Aktuell beschleunigt der Dax dabei seine Talfahrt, was nun auch die Charttechniker die Alarmglocken klingeln lässt. Vor allem das Unterschreiten der bei rund 10.950 liegenden wichtigen 200-Tage-Durchschnittslinie gilt als wichtiges Verkaufszeichen. Noch zu Wochenbeginn hatte der Markt genau mit dieser Marke gerungen, ehe dann die Anschlusskäufe ausblieben.

Wall Street ebenfalls ganz in Rot

Keine Unterstützung kommt derzeit auch aus Amerika. An der New Yorker Börse stecken die Anleger in der Zwickmühle. Sie sorgen sich ebenfalls massiv um das globale Wirtschaftswachstum, gleichzeitig sendet die eigene Wirtschaft vorsichtige Erholungssignale. Darauf deuten heute sowohl der vielbeachtete Konjunkturindikator der Fed of Philadelphia, der Philly-Fed-Index, als auch gute Nachrichten vom Häuser- und Arbeitsmarkt. Dies aber fördert die Ängste vor höheren Zinsen der Fed. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell 1,3 Prozent im Minus.

Auch die Aussicht nach den jüngsten Fed-Protokollen auf eine zumindest kurzfristig weiterhin lockere Geldpolitik in den USA kann den Aktienmärkten derzeit nicht auf die Sprünge helfen. "Das zeigt, dass aktuell die Angst vor einer Abkühlung der Konjunktur die Sorgen einer Zinswende überwiegt", sagte Analyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,60
Differenz relativ
-0,04%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,88
Differenz relativ
+0,11%

Die Konjunkturängste werden auch durch immer weiter fallende Ölpreise angeheizt. Diese haben mittlerweile den tiefsten Stand seit über sechs Jahren erreicht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober fiel um 54 Cent und lag Donnerstagmittag bei 40,26 Dollar. Zeitweise fiel der WTI-Preis bei 40,21 Dollar sogar auf den tiefsten Stand seit März 2009. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 46,48 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Mittwoch und so wenig wie seit Jahresbeginn nicht mehr.

Neuwahlen in Griechenland

Wenig hilfreich für die Börse war am Nachmittag auch die Nachricht, dass es in Griechenland bald Neuwahlen geben wird. Ministerpräsident Tsipras will schon am 20. September neu wählen lassen, nachdem ihm weite Teile seiner Syriza-Partei zuletzt im Parlament die Gefolgschaft verweigert hatten.

Rückenwind für den Euro

Die Aussicht auf eine spätere Zinswende nach dem jüngsten Fed-Protokoll schwächt postwendend den Dollar und stärkt im Gegenzug den Euro. Dieser steigt zwischenzeitlich auf über 1,12 Dollar, das sind fast zwei Cent mehr als am Vortag. Die EZB legte den Referenzkurs des Euro bei 1,1183 nach 1,1041 Dollar am Vortag fest.

Aber nicht nur die weiter verschobene Zinswende in Amerika, auch die Freigabe der Kredite für Griechenland hilft der Gemeinschaftswährung. Manch ein Analyst sieht die positive Reaktion am Devisenmarkt auf die Entwicklungen in der Hellaskrise mit Skepsis. Der Markt zeige sich etwas zu sorglos, mein Antje Praefcke, Analystin bei der Commerzbank. Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse in Griechenland sei fraglich, ob Athen die zugesagten Reformen auch wirklich durchführen werde. Das sind alles in allem schlechte Neuigkeiten für die im Dax schwergewichteten Export-Werte.

Zweiter großer Profiteur der Fed-Minutes ist der Goldpreis. Dieser entwickelt sich nämlich umgekehrt proportional zum Dollar: Fällt der Greenback, steigt der Goldpreis. Der Preis für die Feinunze Gold steigt am Nachmittag weiter auf über 1,153 Dollar.

Keine Gewinner im Dax - Verluste quer durch alle Branchen

Im Dax waren am Ende alle Werte im Minus. Am Indexende lagen der Börsenbetreiber Deutsche Börse sowie die Telekom und die Commerzbank. RWE verloren nach den schweren Verlusten der Vortage nur leicht und waren damit bester Dax-Wert. Beim Energieriesen will Firmenchef Peter Terium Insidern zufolge bei der kriselnden Tochter in Großbritannien durchgreifen. Der bisherige Chef von RWE npower, Paul Massara, soll laut Reuters durch seinen Vorstandskollegen Paul Coffey abgelöst werden. RWE kämpft auf der Insel mit Problemen im Abrechnungssystem und mit einem Kundenschwund.

Deutsche Bank vor Radikalumbau

Der neue Bankchef John Cryan will die Führungsstruktur der Bank grundsätzlich verändern. Der Brite will das von Ex-Chef Josef Ackermann eingeführte Group Executive Comittee abschaffen. Diesem Gremium, das unterhalb des Vorstandes angesiedelt ist, gehören derzeit 19 Führungskräfte an. Künftig sollen alle vier Kernsparten der Bank einen Vertreter in den Vorstand entsenden, berichtet das "Manager Magazin". Für die meisten Kandidaten könnte die Sache schlecht ausgehen, denn viele werden im jüngsten Bafin-Bericht zum Libor-Skandal kritisch erwähnt. Die Bank wollte die Meldung nicht kommentieren.

Stellenabbau bei Gerry Weber

Firmenchef Ralf Weber greift beim Modeunternehmen durch. Gegenüber dem "Manager Magazin" erklärte er, dass die Anzahl der Beschäftigten von derzeit 7.000 sinken soll. Auch Entlassungen seien dabei nicht ausgeschlossen, primär soll aber die natürliche Fluktuation und das Auslaufen befristeter Verträge genutzt werden. Auch das hohe Expansionstempo wird gedrosselt. Im Juni hatte der Konzern eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Aktuell ermittelt die Börsenaufsicht Bafin wegen möglicher Regelverstöße. Die Nachricht kam nicht gut an. Die Aktie war einer der schwächsten MDax-Werte.

Sixt nimmt sich mehr vor

Im SDax konnte Autovermieter Sixt seine anfänglichen Kursgewinne nicht halten und rutschte ins Minus. Zunächst hatten die Anleger sehr positiv auf die Anhebung der Jahresziele reagiert. Der Autovermieter erwartet er nun ein deutliches Umsatzplus und einen leicht höheren Gewinn vor Steuern. Bislang war Sixt von einem in etwa stagnierenden Ergebnis ausgegangen.

Sino auf Erfolgskurs

Der auf Großkunden spezialisierte Düsseldorfer Broker hat nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres (1.10.2014 bsi 30.06.2015) mehr verdient. Inklusive Sondererträgen erwirtschaftete Sino ein Ergebnis vor Steuern von 340.000 Euro vor steuern. insgesamt belief sich das Konzernergebnis wegen der Vereinnahmung der weitgehend steuerfreien Dividende der tick-TS AG im ersten Quartal auf 831.000 Euro. Netto blieben wegen steuerlicher Sondererträge 798.000 Euro oder 0,34 Euro je Aktie. Das Ergebnis konnte damit im Jahresvergleich um rund ein Drittel gesteigert werden.

Schwedisches Unternehmen plant IPO in Frankfurt

Der erste Börsenkandidat in Deutschland für den Herbst wagt sich aus der Deckung. Die schwedische TF Bank kündigte am Donnerstag an, sie wolle an die Frankfurter Börse gehen. Das junge Unternehmen bietet Verbraucherkredite und Zahlungen per Rechnung im Internet an. Die TF Bank ist vor allem in Skandinavien und Polen aktiv.

Valeant übernimmt Frauen-Viagra-Hersteller Sprout

Unmittelbar nach der US-Marktzulassung der Lustpille für die Frau wird deren nicht börsennotierter Hersteller Sprout Pharamceuticals schon geschluckt. Der kanadische Pharmakonzern Valeant bestätigte, Sprout für eine Milliarde US-Dollar in bar gekauft zu haben. Hinzu kommen könnten weitere Zahlungen kommen, wenn bestimmte Erfolge mit dem Medikament erzielt werden. Im Fachjargon wird von Meilensteinzahlungen gesprochen.

Das unter dem Namen Fibanserin bekannte Medikament wurde ursprünglich vom deutschen Konzern Boehringer gegen Depressionen entwickelt. Die Forschungen wurden aber nach einem negativen Votum der US-Arzneimittelbehörde FDA im Jahr 2010 aufgegeben und an Sprout verkauft. Die luststeigernde Wirkung wurde erst später bekannt.

Schoeller-Bleckmann mit Gewinnfraß

Die Wiener Ölfeld-Servicefirma Schoeller-Bleckmann hat im ersten Halbjahr angesichts des Sparkurses vieler großer Ölfirmen nichts verdient. Unter dem Strich stand eine schwarze Null nach einem Gewinn von gut 30 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Firmenchef Gerald Grohmann rechnet mit einem länger anhaltenden "Downturn".

Qantas kehrt in Gewinnzone zurück

Die australische Fluggesellschaft Qantas macht wieder Gewinn: In ihrem Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Airline unterm Strich 557 Millionen australische Dollar nach einem Minus von 2,84 Milliarden australische Dollar vor einem Jahr. Qantas habe "eine der größten Kehrtwenden in der australischen Unternehmensgeschichte" geschafft, erklärte Konzernchef Alan Joyce.

Samsung schaltet Supreme Court ein

In einem bereits seit Jahren andauernden Patentstreit mit seinem US-Rivalen Apple will der südkoreanische Technologieriese Samsung den Obersten Gerichtshof der USA einschalten. Samsung will sich bis zum 12. November mit "zwei wichtigen Fragen" zur Haftung und zur Schadenersatzhöhe bei Verstößen gegen Design-Patente an den Supreme Court wenden.

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Womit Apple sein Geld verdient Viel mehr als iPhone und iPad

Apple-Logo am Sternenhimmel

Apple ist der Gigant unter den weltweit agierenden Technologieunternehmen: 88,3 Milliarden Dollar Umsatz alleim vergangenen Quartal, 20 Milliarden Dollar Gewinn. Der Löwenanteil kommt dabei immer noch vom iPhone.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"