Angriff auf 7.000 Punkte vertagt

von Notker Blechner

Stand: 20.02.2007, 20:17 Uhr

Gar nicht närrisch ging es am Faschingsdienstag auf dem Börsenparkett zu.Der Dax legte eine Verschnaufspause ein und schloss nahezu unverändert. Als Stütze erwiesen sich die US-Börsen. Für Gesprächsstoff sorgte vor allem VW.

Lange Zeit hatte es nach einem schlechten Börsen-Tag ausgesehen. Nach einem guten Start drehte der Dax ins Minus. Am Nachmittag fiel er zeitweise gar unter 6.950 Punkten. Doch dann sorgten die US-Börsen für die Wende. Der Dow Jones konnte seine anfänglichen Verluste wettmachen. Daraufhin legte der Dax einen Schluss-Spurt ein und schloss bei 6.982,91 Punkten - vier Pünktchen niedriger als am Vortag. Daran änderte sich auch im späten Parketthandel wenig. Der L-Dax ging mit 6.990,35 Punkten aus dem Handel.

Börsianer sprachen von einem "recht trostlosen Handelstag". Viele Anleger zogen es angeblich vor, Fasching zu feiern. Dementsprechend dünn waren die Umsätze. Für Bewegung sorgten vor allem Analystenkommentare.

VW blickt zuversichtlich ins Jahr

Eine der rühmlichen Ausnahmen war VW. Europas größter Autokonzern legte Zahlen vor. Und die konnten sich sehen lassen. Das operative Ergebnis stieg um mehr als 50 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Analysten hatten nur mit 4,2 Milliarden Euro gerechnet. Der Überschuss konnte mehr als verdoppelt werden auf 2,75 Milliarden Euro. Trotz des deutlich gestiegenen Gewinns wurde die Dividende lediglich um zehn Cent auf 1,25 Euro je Stammaktie und 1,231 Euro je Vorzugsaktie angehoben. Die Börsianer zeigten sich vor allem über den positiven Ausblick erfreut. Die Aktie kletterte um fast acht Prozent auf 94,94 Euro und führte mit Abstand die Liste der Dax-Gewinner an.

Hinter VW landeten die Conti-Aktien auf Platz zwei der Dax-Gewinner. Sie stiegen um fast zwei Prozent und übersprangen die Marke von 100 Euro. Grund: Die Citigroup hat am Morgen das Kursziel von 100 auf 120 Euro angehoben.

Linde verkauft Teile seines Mexikogeschäfts
Zu den Top-Gewinnern zählte auch Linde. Die Aktie legte um 1,6 Prozent zu. Am Nachmittag gab das Unternehmen den Verkauf von Teilen seines Industriegase-Geschäfts in Mexiko an den Konkurrenten Praxair bekannt.

Zweifel an Chrysler-Verkauf
Im Gegensatz zu VW lagen die beiden anderen deutschen Autowerte im Minus. DaimlerChrysler konnte seinen Höhenflug der letzten Tage nicht fortsetzen und gab um 0,6 Prozent nach. Händler verwiesen auf einen Bericht im US-Anlegermagazin "Barron's". Darin steht, dass es "Sicherheit schwer werden" dürfte, einen Käufer für Chrysler zu finden. BMW musste noch größere Kursverluste hinnehmen. Nachdem Analysten von Morgan Stanley das Rating den Autoherstellers auf "Underweight" von "Overweight" gesenkt hatten, gab die Aktie um fast zwei Prozent auf 45,50 Euro nach und bildete das Schlusslicht im Dax..

Die Aktien der Lufthansa berappelten sich im Tagesverlauf wieder und schlossen nahezu unverändert. Die größte deutsche Fluggesellschaft hat im vergangenen Jahr wie erwartet deutlich mehr verdient. Das Betriebsergebnis stieg um fast die Hälfte auf 845 Millionen Euro, der Umsatz kletterte von 18,1 auf 19,8 Milliarden Euro. Die Dividende soll um zwei Fünftel angehoben werden.

Schmiergeldaffäre belastet Siemens-Ergebnis nicht
Siemens-Aktien drehten im Tagesverlauf ins Minus. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld erklärte am Dienstag, dass die Schmiergeldaffäre keine Auswirkungen aufs operative Geschäft habe. Außerdem gab der Konzern die mehrheitliche Übernahme eines tschechischen Elektrokonzerns bekannt. Damit soll das Osteuropageschäft ausgebaut werden.

Die Deutsche Telekom stößt bei ihrem geplanten Stellenabbau offenbar auf politische Widerstände. Nach einem Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Mittwoch soll Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) es abgelehnt haben, dass 2000 Telekom-Beamte bei der Bundesagentur für Arbeit untergebracht werden. Die Telekom will ihre Kosten durch die Streichung von Stellen reduzieren. Vor allem die 46.000 Beamten, die beim Ex-Monopolisten auf der Gehaltsliste stünden, machen dem Bonner Konzern Kopfzerbrechen.

RWE-Chef muss um seinen Job fürchten
Bei RWEmachten Gerüchte um eine Ablösung des Vorstandschefs Harry Roels die Runde. Als möglicher Nachfolger wurde EWE-Chef Werner Brinker ins Spiel gebracht. Brancheninsider dementierten jedoch, dass es Gespräche zwischen RWE-Aufsichtsrat und Brinker gegeben habe. Die Börsianer würden einen Abgang von Roels nicht begrüßen. Am Abend gab es neue Gerüchte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, soll die Citigroup angeblich 3,4 Millionen RWE-Aktien zu je 80 Euro verkaufen. Die Aktie gab um 1,5 Prozent nach.

Software AG elektrisiert die Anleger
Einen riesigen Kurssprung nach vorne machte die Aktie der Software AG. Sie kletterte um fast 14 Prozent auf über 63 Euro. Zeitweise betrug das Plus gar 19 Prozent. Für Euphorie unter den Anlegern sorgte die Ankündigung der Software AG, den Umsatz bis 2011 auf eine Milliarde Euro zu verdoppeln. Das ging aus der Einladung des Konzerns für Analysten zur Präsentation der Fünfjahres-Ziele am morgigen Mittwoch hervor.

Rückenwind für IWKA und Gagfah
Gegenüber der Software AG verblasste selbst die Aktie des Anlagenbauers IWKA, die um vier Prozent zulegte und den MDax anführte. Die UBS hatte am Morgen das Kursziel auf 30 von 24 Euro angehoben. Der Immobilienkonzern Gagfah profitierte von einer Hochstufung durch die Deutsche Bank und gewann knapp Prozent. Dagegen konnten die Heidelberger Druckmaschinen von einer Studie der Credit Suisse kaum profitieren. Die Analysten nannten den Druckmaschinenanbieter als Top-Übernahmeziel. Die HeidelbergerDruck-Aktie stieg jedoch nur leicht.

Im SDax zählte die Aktie von Colonia Real Estate zu den Gewinnern mit einem Plus von 1,4 Prozent. Das Unternehmen will die Mehrheit an zwei Immobilienfirmen mit über 10.000 Wohnungen übernehmen. Zur Finanzierung erwägen die Kölner eine Kapitalerhöhung.

In Großbritannien machten am Dienstag die Aktien des Musikkonzerns EMI einen Sprung um acht Prozent auf 240 Pence. EMI hat bestätigt, erneut ein Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Warner Music erhalten zu haben.

Wal-Mart profiert von gutem Weihnachtsgeschäft
Mehrere US-Firmen haben am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart konnte dank eines starken Weihnachtsgeschäfts seinen Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Der Gewinn kletterte um fast neun Prozent auf 3,94 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 95 Cent. Analysten hatten mit lediglich 90 Cent gerechnet. Die Aktie von Wal-Mart legte rund zwei Prozent zu.

Dagegen hat die weltgrößte Baumarktkette Home Depot die Anleger leicht enttäuscht. Beim Umsatz wurden die Prognosen verfehlt. Die Aktie verlor rund ein Prozent.

Schlechte Nachrichten gab es für ThyssenKrupp am Dienstag aus Kanada: Der Stahlkonzern Dofasco hat mitgeteilt, dass die Integration in den Stahlkonzern Arcelor-Mittal vorankomme. Das US-Justizministerium hatte zuvor als einzige Auflage für die Fusion von Mittal und Arcelor eine Trenung von dem US-Werk Sparrows Point verlangt. Ein Verkauf von Dofasco wurde jedoch nicht gefordert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr