Amerikaner sind eben Optimisten

Detlev Landmesser

Stand: 05.06.2008, 20:24 Uhr

So schnell wechselt die Börsenwelt: Die Amerikaner schöpfen wegen eines robusten Konsums schon wieder Hoffnung, während die Europäer noch mit ihrer ebenfalls hohen Inflation hadern. Das Ergebnis war eine zweigeteilte Tendenz.

Der L-Dax beendete den Abendhandel fast unverändert bei 6.966,83 Punkten, während die großen US-Indizes am Abend je um rund ein Prozent vorrückten.

Auf der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank stellte Notenbankchef Jean-Claude Trichet die Inflationsgefahren stärker heraus als zuvor. Im Juli sei eine kleine Zinserhöhung möglich, wenn auch nicht sicher. "Wir sind in einem Zustand der großen Alarmbereitschaft", betonte Trichet. Im Mai war die Inflation im Euro-Raum auf 3,6 Prozent geschnellt - der höchste Wert seit der Euro-Einführung 1999. Wie erwartet, hatte der EZB-Rat den Leitzins auf seiner heutigen Sitzung unverändert bei 4,00 Prozent belassen.

Während der Dax ins Minus drehte und auch die Anleihekurse unter Druck gerieten, machte sich der Euro nach oben auf und legte bis zum Abend um rund zwei US-Cent auf über 1,5580 Dollar zu.

Die gute Stimmung an der Wall Street rührte vor allem von erfreulichen Umsatzdaten großer Einzelhändler her. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart nahm im Mai auf vergleichbarer Basis knapp vier Prozent mehr ein als vor einem Jahr und erwartet auch im Juni höhere Umsätze. Auch die Kette Costco Wholesale vermeldete unerwartet hohe Verkaufszahlen. Das nährte an der Wall Street die Hoffnung, dass die Finanzkrise und die hohen Ölpreise die Realwirtschaft möglicherweise nicht ganz so hart treffen wie befürchtet.

HRE erwartet weiter schwarze Zahlen

Mit Abstand bester Dax-Titel war die Hypo Real Estate. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer rechnet trotz der Finanzkrise weiter nicht mit roten Zahlen. Die Bank werde auch im zweiten Quartal vom Trend zum risikoarmen Staatsfinanzierungsgeschäft profitieren, sagte Finanzvorstand Markus Fell auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt. Dieses Geschäftsfeld hatte die HRE im vergangenen Oktober durch die Übernahme der Depfa gestärkt. Die Refinanzierung der Bank sei wegen der Konzentration auf Pfandbriefe weiter solide.

Postbank-Verkauf kommt voran
Die Postbank wurde einmal mehr vom Thema Bankenkonsolidierung angeschoben. Offenbar kommt der Verkaufsprozess für die Post-Tochter in Gang. Interessenten könnten relativ kurzfristig Einblick in die Bücher bekommen, hieß es aus informierten Kreisen. Die LBBW sieht unter den Bietern die Allianz mit ihrer Tochter Dresdner Bank, die Deutsche Bank sowie die Commerzbank. Die Deutsche Post hielt sich etwas besser als der Markt. Die Experten der ING halten im Falle eines Verkaufs des Postbank-Anteils eine Sonderausschüttung in Höhe von 5,00 Euro je Post-Aktie für möglich. Die Beteiligung entspreche derzeit einem Wert von 4,29 Euro je Post-Anteil, hieß es in einem Kommentar.

Telekom-Konkurrenten bewegen sich
Die T-Aktie verlor 0,7 Prozent. France Telecom hat einen Übernahmeangriff auf den skandinavischen Konkurrenten TeliaSonera gestartet. Die Franzosen bieten 30 Milliarden Euro. TeliaSonera wies die "freundliche" Offerte allerdings zurück. "Wenn der France Telecom die Übernahme von TeliaSonera gelingt, dann verringern sich die Möglichkeiten für die Telekom", sagte ein Händler. Im europäischen Konsolidierungsprozess werde es dann für die Deutschen schwieriger.

Auch auf dem US-Telekommarkt gab es am Donnerstag einen Paukenschlag. Die Verizon- und Vodafone-Tochter Verizon Wireless will für 28 Milliarden Dollar den kleineren Rivalen Alltel schlucken und damit zum größten Mobilfunkanbieter der USA vor AT&T avancieren.

Fantasie für IVG
Spekulationen um den bevorstehenden Verkauf des Kavernen-Geschäftes ließen die Aktie des Bonner Immobilienkonzerns IVG um bis zu 12,8 Prozent in die Höhe springen. "Das Geschäft soll 1,5 Milliarden Euro bringen", sagte ein Händler. Angeblich solle IVG die Kavernen an den Finanzinvestor 3i und die australische Bank Macquarie verkaufen, erläuterte ein anderer Händler. Aber auch der Immobilienfonds RREEF der Deutschen Bank sowie der Bund sollen an den unterirdischen Öl- und Gasspeichern interessiert sein. IVG-Vorstandschef Wolfhard Leichnitz hatte zuletzt von regem Interesse an dem Geschäftsbereich gesprochen. Im zweiten Halbjahr solle die Transaktion abgeschlossen werden.

Pfleiderer erhöht seine Preise
Um mehr als fünf Prozent rückte die Pfleiderer-Aktie vor. Der Holzverarbeiter will seine Preise im laufenden Jahr um fünf bis sieben Prozent anheben. "Wir gehen davon aus, dass wir das auch durchsetzen können", sagte Pfleiderer-Chef Hans Overdiek am Donnerstag. Vor allem die Verteuerung des wichtigen Rohstoffs Leim sorge für Mehrkosten von 30 bis 40 Millionen Euro. Die Jahresziele bestätigte Overdiek.

Sorge um EADS-Aufträge
Drei Prozent büßte MDax-Titel EADS ein. "Fluggesellschaften haben für den Winter angekündigt, ihre Flotten wegen der geringen Nachfrage teilweise lahmzulegen", sagte ein Händler. "Dazu kommt, dass Maschinen heutzutage viel länger geflogen werden als noch vor ein paar Jahren - entsprechend können sich die Leute nur schwer vorstellen, dass mehr neue Flugzeuge bestellt werden."

Stühlerücken in den Indizes
Auch die Arques-Aktie musste Federn lassen. Die Beteiligungsgesellschaft muss den MDax zum 23. Juni in Richtung SDax verlassen. Fuchs Petrolub wird die umgekehrte Richtung einschlagen - vom SDax in den MDax. Die Fuchs-Vorzugsaktie war einer der größten Gewinner im SDax. Weitere Änderungen: Aktien von SKW Stahl werden in den SDax aufsteigen, das Papier des insolventen Flugzeugmotorenherstellers Thielert muss weichen. Zudem wandern die Aktien der Beteiligungsgesellschaft Gesco in den Kleinwerteindex und ersetzen den Handyausrüster Balda.

Heute gab es bereits Änderungen im TecDax. Roth & Rau ersetzt Tele Atlas. Zum Debüt im Technologieindex verbuchte Roth & Rau allerdings Kursverluste.

Areva verkauft Repower-Paket
Der französische Reaktorhersteller Areva ist nach dem verlorenen Bietergefecht um Repower wieder bei dem TecDax-Unternehmen ausgestiegen. Areva habe seine Repower-Beteiligung von 30 Prozent an den Hauptaktionär Suzlon verkauft und dabei einen Gewinn von mehr als 350 Millionen Euro verbucht, teilte Areva am Abend mit. Die indische Suzlon hatte im vergangenen Jahr den monatelangen Bieterkampf um Repower gewonnen.

Manz erhöht Prognose, doch Kapitalerhöhung droht
Die Aktie von Manz Automation fiel deutlich zurück. Das Unternehmen erhöhte zwar seine Umsatzprognose für 2008 von bislang 210 bis 215 Millionen Euro auf 235 bis 240 Millionen Euro. Belastend sei allerdings eine mögliche Kapitalerhöhung, die laut "Börsen-Zeitung" den Aufstieg vom Entry in den Prime Standard begleiten solle, so ein Händler. Die Mittelaufstockung könne noch im Juni anstehen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.