Amerika und EZB verunsichern

von Robert Minde

Stand: 03.05.2012, 20:02 Uhr

Erst gießt die EZB Wasser in den Wein, dann kamen schlechtere Konjunkturdaten aus Amerika. Das hat den Markt am Nachmittag verunsichert. Die Gewinne nach den zahlreichen Unternehmensberichten schmolzen nur so dahin.

Eine scheinbar nicht enden wollende Zahlenflut aus dem Unternehmenssektor, Anleiheauktionen aus Frankreich und Spanien, eine EZB-Sitzung und am Schluss auch noch ernüchternde Konjunkturdaten aus Amerika. Kein Wunder, dass der Dax eine ausgeprägte Berg- und Talfahrt hinlegte.

Aber am Ende war der Berg zwar kräftig gekreist, er gebar aber nur eine Maus. Der Dax fiel um bescheidene 0,2 Prozent auf 6.694 Zähler. Insgesamt zehn Dax-Konzerne hatten am heutigen "Super-Thursday" den Anlegern eine wahre Zahlenflut präsentiert. Hinzu kamen Berichte aus der zweiten Reihe sowie auch von einigen europäischen Schwergewichten. Nachbörslich ging es weiter bergab. Der L/E-Dax folgte dabei der bröckelnden New Yorker Börse und schloss bei 6.682 Punkten.

EZB bleibt abwartend
Aber nachdem der Markt auf die Unternehmensberichte und die Anleiheauktionen am Morgen noch überwiegend positiv reagiert hatte, sorgten Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi im Anschluss an die heutige EZB-Sitzung am Nachmittag für den Stimmungswechsel.

Denn obwohl die EZB wie erwartet das Zinsniveau bei einem Prozent beließ, waren einige wohl enttäuscht. "EZB-Präsident Mario Draghi hat keine Hinweise auf eine anstehende Zinssenkung gegeben und darauf haben einige Anleger offenbar gesetzt", sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. Draghi hatte erklärt, Zinsänderungen seien auf der Ratssitzung nicht diskutiert worden.

Auch die eher ernüchternden US-Konjunkturdaten taten ihr Übriges, vor allem der Einkaufsmanagerindex für den wichtigen Dienstleistungssektor war schwächer ausgefallen. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank sprach in diesem Zusammenhang sogar von "Moll-Tönen" für den Markt.

Wall Street nach durchwachsenen Konjunkturdaten im Minus
Auch an den amerikanischen Märkten ist von der anfangs guten Stimmung nicht viel geblieben. Der Dow-Jones-Index drehte nach insgesamt durchwachsenen Konjunkturdaten und liegt aktuell 0,6 Prozent im Minus bei 13.188 Punkten.

Eine Reihe von Konjunkturdaten mit zum Teil widersprüchlicher Tendenz ließ die Anleger weiter ratlos zurück, wohin die Reise geht. Besser als erwartet ausgefallenen wöchentlichen Arbeitsmarktdaten stand ein schwächerer ISM-Dienstleistungsindex gegenüber. Morgen erwartet die Börse in New York insbesondere die immer vielbeachteten April-Monatsdaten vom Arbeitsmarkt. Dann werden die Karten wieder neu gemischt.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW prescht vor
Dax-Spitzenreiter waren lange Zeit BMW nach einem exquisiten Zahlenwerk. Die Aktie konnte die Spitzenposition jedoch nicht verteidigen, behauptete sich aber am Ende dennoch mit 0,8 Prozent im Plus. Die Münchener haben im ersten Quartal wieder einmal deutliche Steigerungen verbucht. Der Umsatz legte von 16 auf 18,3 Milliarden Euro zu und übertraf damit die Erwartungen. Ebenso klar über den Prognosen lag auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das nach 1,9 Milliarden aus 2,1 Milliarden Euro anzog. Laut dem Unternehmen ist ein Nachfragerückgang aus China derzeit nicht festzustellen.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fresenius-Familie liegt im Plan
Bei den endgültigen Zahlen des Gesundheitskonzerns Fresenius und der Tochter Fresenius Medical Care (FMC) beeindruckt Anleger vor allem der Ausblick. Bei Fresenius soll der Umsatz zwischen 10 und 13 und das Ergebnis zwischen 12 und 15 Prozent steigen soll. FMC geht weiterhin von einem Jahresumsatz von 14 Milliarden Dollar aus. Das kam gut an am Markt, beide Aktien legten zu.

Beiersdorf gut gestrafft
Nur knapp im Plus blieb die Aktie des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf, obwohl Experten voll des Lobes über die erfolgreiche "Produktstraffung" bei dem Unternehmen sind. Das Betriebsergebnis von 183 Millionen Euro im ersten Quartal überraschte positiv. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 1,53 Milliarden Euro. Analysten der Commerzbank haben den Titel zum Kauf empfohlen.

HeidelCement abgestraft
Einer der größten Dax-Verlierer, die Aktie von HeidelCement, wurde für ein schwaches Quartal abgestraft. Nach Minderheiten fuhr der Baustoffkonzern 204 Millionen Euro Verlust ein. Beim Umsatz legte HeidelCement dank guter Geschäfte in Nordamerika und Asien um acht Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu.

Infineon trotz Plus im Minus
Zunächst klare Kursgewinne, am Ende aber notiert die Aktie des Chip-Unternehmens deutlich im Minus und folgt damit der Tagestendenz. Der Chiphersteller hat im Quartal seinen Umsatz über Erwartungen auf 986 Millionen Euro gesteigert. Der Konzernüberschuss kletterte im Berichtszeitraum von 96 auf 111 Millionen Euro. Auch eine Anhebung der Jahresprognose kann Anleger nicht begeistern.

Metro enttäuscht
Umgekehrt aus der Minuszone befreit haben sich Titel des Einzelhandelskonzerns. Metro hat im ersten Jahresquartal 82 Millionen Euro Verlust eingefahren. Beim Umsatz von 15,6 Milliarden Euro erreichte das Unternehmen die Prognosen der Experten. Der neue Vorstandschef Olaf Koch hat bereits einen harten Sparkurs angekündigt.

Eon-Chef sieht Licht am Tunnelende
Auf der Hauptversammlung des Unternehmens machte Firmenchef Johannes Teyssen den Aktionären Mut. Er sprach von positiven Signalen die darauf deuten, dass schon 2012 ein Ergebnisanstieg zu erwarten sei. Aktionärsvertreter waren weniger begeistert und kritisierten besonders die Auslandsstrategie. Beschlossen wurde auf dem Aktionärstreffen unter anderem die Umwandlung in eine "SE", eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht.

Lufthansa und MAN begeistern nicht
Die Lufthansa-Aktie hat ihre Kursgewinne am Nachmittag endgültig abgegeben und beendete den Handel mit einem Tagesverlust von 0,9 Prozent. Die Fluglinie hatte am Vorabend einen Verlust nach Steuern von 397 Millionen Euro gemeldet. Der Konzern will in Deutschland bis zu 2.500 Stellen abbauen.

Nachdem MAN bereits vorläufige Zahlen vorgelegt hatte, präsentierte der Lkw-Hersteller noch einen Reingewinn für das erste Quartal von 129 Millionen Euro, rund ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Hochtief will Leighton auf Kurs bringen
Das kündigte Firmenchef Frank Stieler auf der heutigen Hauptversammlung an. Probleme der australischen Tochter hatten erst Ende März dazu geführt, dass der Essener Baukonzern seine Prognose senken musste.

Steiler berichtete über "wichtige neue Aufträge", die man im ersten Quartal bekommen habe. Trotzdem werde Leighton das Quartalsergebnis belasten. Hochtief zahlt eine Dividende von 2,00 Euro, vollständige Quartalszahlen gibt es am 8. Mai.

Hannover Rück auf Wachstumskurs
Die Aktie des Rückerversicherers legt im MDax stürmisch zu. Das Unternehmen hat im ersten Quartal ein Konzernergebnis von 261,3 Millionen Euro erreicht. Die wichtige Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich deutlich auf von 123 auf 96 Prozent. Die Hannover Rück verwaltet ein Prämienwachstum von fünf bis sieben Prozent für das laufende Jahr.

Hohe Steuern belasten SGL Group
Der Kohlenstoff-Spezialist hat einen leichten Gewinnrückgang von 14,9 auf 14,1 Millionen Euro im Quartal hinnehmen müssen, deutlich weniger als erwartet worden war. Höhere Steueraufwendungen waren dafür laut SGL verantwortlich. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 382 Millionen Euro. Die Aktie verliert dennoch drei Prozent.

Drägerwerk bei bester Gesundheit
Im TecDax gehörten Papiere des Medizin- und Sicherheitstechnik-Spezialisten zu den Favoriten. Drägerwerk hat sein Nettoergebnis im ersten Quartal um 9,4 Prozent auf 25,4 Millionen Euro gesteigert. Beim Umsatz verbuchte das Unternehmen einen Zuwachs um 3,6 Prozent auf 529,3 Millionen Euro.

Pfeiffer hat noch Luft
TecDax-Spitzenreiter blieb die Aktie des Herstellers von Vakuumpumpen Pfeiffer Vacuum. Das Papier legte gut vier Prozent zu. Anleger reagierten positiv auf das um 18 Prozent auf 17 Millionen Euro gesteigerte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit). Die Umsätze gingen allerdings um acht Prozent auf 132 Millionen Euro zurück.

Balda mit Sondereffekt
Der Verkauf einer Beteiligung hat dem Handy-Zulieferer im ersten Quartal einen Nettogewinn von 133,6 Millionen Euro beschert. Allerdings rangierte Balda operativ mit 3,1 Millionen Euro in der Negativzone. Balda-Chef Dominik Müser erwartet 2012 einen Verlust in einstelliger Millionenhöhe. Balda-Aktien, die lange im SDax vorne lagen, schlossen letztlich ein halbes Prozent im Minus.

Milliardenübernahme von Novartis
Der Schweizer Pharmariese übernimmt für 1,5 Milliarden Euro den US-Generikahersteller Fougera und stärkt damit seine Nachahmersparte Sandoz. Nach der 5,6 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Schweizer Herstellers Actavis durch das US-Unternehmen Watson setzt sich damit im Markt für Nachahmerpräparate die Konsolidierung fort. Novartis ist hinter dem israelischen Marktführer Teva die Nummer zwei.

Axel Weber zum UBS-Verwaltungsrat gewählt
Der ehemalige Bundesbank-Präsident Axel Weber ist von der Generalversammlung der Schweizer Bank mit großer Mehrheit zum Präsidenten berufen worden. Formal wurde er in den Verwaltungsrat gewählt, entsprechend dem deutschen Aufsichtsrat. Allerdings mit dem Unterschied, dass nach Schweizer Recht die Rolle des Verwaltungsrates nicht nur auf die Aufsicht beschränkt ist, sondern auch für die Leitung des operativen Geschäftes zuständig ist. Weber soll Nachfolger von Kaspar Villiger werden, der abtritt. Im Verwaltungsrat sitzt zudem noch Beatrice Weder di Mauro, die auch im deutschen Sachverständigenrat gesessen hatte.

Weiteres aus Europa
Die französische Großbank Société Générale hat mit 723 Millionen Euro zwar ein Fünftel weniger verdient als im Vorjahr, der Rückgang war aber nicht so stark wie befürchtet. Die Aktie rutscht nach Gewinnen trotzdem ins Minus. France-Telecom-Aktien legten in Paris aus dem gleichen Grund 0,4 Prozent zu, schlossen allerdings deutlich unter Tageshoch. Der bereits erwartete Umsatzrückgang fiel geringer aus. Mit dem Baustoffkonzern Saint Gobain hat ein weiteres französisches Unternehmen, allerdings nach Börsenschluss, Zahlen zum ersten Quartal bekannt gegeben. Der Umsatz stieg um 3,7 Prozent auf 10,16 Milliarden Euro und damit höher als erwartet. Der Ausblick für 2012 wurde bestätigt.

In London ging es mit dem britischen Gasversorger BG Group abwärts, der enttäuschende Zahlen präsentierte. Grund sind höhere Kosten durch ein Förderprojekt in Australien. Der weltgrößte Spirituosen-Hersteller Diageo legte nach schwächerem Start hingegen zu. Licht und Schatten hatten sich im Zahlenwerk des Unternehmens die Waage gehalten und zunächst für wenig Bewegung bei der als defensiv geltenden Aktie gesorgt. Einer starken Nachfrage in Lateinmarika und Afrika steht ein stagnierendes Geschäft in Europa gegenüber.

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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GM-Aktien rutschen ab
Der US-Autobauer hat im ersten Quartal unter dem Strich eine Milliarde Dollar verdient, das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr. Grund waren Probleme in Europa, vor allem bei der Konzerntochter Opel stehen rote Zahlen in der Bilanz, aber auch eine hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr. Die Börsianer hatten sich aber bereits auf den Rückgang eingestellt. Der Gewinn je Aktie fiel mit 93 Cents dann besser aus als erwartet. Die Aktie legte daraufhin zunächst zu, drehte aber im Verlauf ins Minus. Aktuell steht ein Abschlag von 2,3 Prozent auf der Kurstafel.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr