Amerika, du hast es besser

Detlev Landmesser

Stand: 28.05.2009, 20:21 Uhr

Amerika ringt um General Motors, Deutschland um Opel - während die Wall Street die neuen Entwicklungen feierte, blieb die Stimmung hierzulande trübe. Der Ölpreis schwang sich unterdessen auf ein neues Jahreshoch.

Mit 4.946,83 Punkten ging der L-Dax 0,7 Prozent tiefer aus dem Handel. Am Abend hatte sich die Wall Street wieder deutlich erholt, nachdem auch in die New Yorker Märkte zwischenzeitlich abgetaucht waren.

Die Zahl der Verkäufe neuer Häuser im April hatte erneut die Hoffnung auf eine durchgreifende Besserung am amerikanischen Immobilienmarkt gedämpft. Auf Monatssicht stiegen die Verkäufe zwar um 0,3 Prozent auf 352.000 Häuser. Volkswirte hatten aber mit 360.000 Häusern gerechnet. Zudem wurde der Vormonatswert von 356.000 auf 351.000 Einheiten nach unten revidiert.

Die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter im April stiegen dagegen mit 1,9 Prozent stärker als erwartet. Bei den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe hat sich die Börse längst an Werte über 600.000 gewöhnt. Mit 623.000 lag die aktuelle Zahl im Rahmen der Erwartungen.

GM hofft auf "kurze Insolvenz"

Für weiteres Aufsehen an der Wall Street sorgte General Motors. Der schwer angeschlagene Autokonzern einigte sich mit Groß-Gläubigern auf eine Reduzierung seiner drückenden Schuldenlast und ebnete damit den Weg für ein beschleunigtes Insolvenzverfahren. Damit müsste GM nur kurze Zeit unter Gläubigerschutz arbeiten, wie es auch der Rivale Chrysler anstrebt. Das fruchtlose Hin und Her um die deutsche Tochter Opel war dagegen nicht dazu angetan, die deutschen Märkte zu erfreuen.

Der amerikanische Medienkonzern Time Warner kündigte indessen an, sich von seiner Online-Tochter AOL zu trennen. Zuvor werde Time Warner seinen Anteil an dem Internetdienstleister von 95 auf 100 Prozent erhöhen. Die ausstehenden fünf Prozent sind derzeit noch im Besitz von Google.

Ölpreis auf Jahreshoch
Der richtungsweisende US-Ölpreis notierte am Abend erstmals in diesem Jahr über 65 Dollar je Barrel. In den aktuellen US-Lagerbestandsdaten, die erneut einen Rückgang auswiesen, sahen die Marktteilnehmer eine Trendwende hin zum Abbau der hohen Lagerhaltung. Zuvor hatte die Opec wie erwartet ihre offiziellen Ölfördermengen unverändert gelassen. Schließlich das Ölkartell die bei seinem letzten Treffen beschlossenen Kürzungen auch noch nicht durchgesetzt.

Negativrekord im Maschinenbau
Der deutsche Aktienmarkt hatte zuvor vor allem unter schlechten Nachrichten von Deutschlands Vorzeigebranche Nummer eins zu leiden. Im April erlitten die deutschen Maschinenbauer den stärksten Auftragseinbruch aller Zeiten. Der Auftragseingang sank im Jahresvergleich um 58 Prozent, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte. "Anzeichen einer Bodenbildung sind noch nicht auszumachen", erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Die Nachricht belastete insbesondere die Stammaktie von MAN. Auch andere konjunktursensible Werte wie Daimler und BMW standen unter Druck.

Deutsche Bank im Branchensog
Die Deutsche-Bank-Aktie stand nach beunruhigenden Branchennachrichten aus den USA unter Druck. "Auslöser waren Meldungen, dass von den bisher noch gesunden US-Banken immer mehr in Schwierigkeiten geraten. Da wird dann auch eine Deutsche Bank in Sippenhaft genommen", meinte ein Marktbeobachter.

Dickes Ende für Porsche?
Die Porsche-Vorzüge litten unter einem Bericht der "FAZ". Nach hohen Buchgewinnen aus Optionen auf VW-Aktien drohten Porsche nun echte Verluste aus den Termingeschäften, sagte Christian Breitsprecher, Analyst bei Sal. Oppenheim, der Zeitung.

Goldman mag Gagfah
Bester MDax-Wert war Gagfah. Goldman Sachs hat den Immobilien-Titel mit einer Kaufempfehlung versehen und erhöhte das Kursziel von 6,20 auf 8,00 Euro. Auch die HSBC äußerte sich positiv zu dem Papier.

Arcandor präsentiert Koalition der Willigen
Auch die Arcandor-Aktie erholte sich weiter. Unter Vorbehalt einer Staatsbürgschaft hätten Vermieter, Zulieferer und andere Partner Hilfen in der Größenordnung von 250 Millionen Euro zugesagt, teilte der taumelnde MDax-Konzern mit. Außerdem sei mit der italienischen Mediobanca ein neuer Eigenkapitalgeber gefunden worden.

Auch Infineon ruft nach dem Staat
Infineon hat laut der "Financial Times Deutschland" eine staatliche Bürgschaft über rund 500 Millionen Euro beantragt. Außerdem verhandele der Chipkonzern mit seinen Banken über eine Verlängerung und Ausweitung seiner Kredite. Anleger werten den angeblichen Antrag auf Staatshilfe als Zeichen der Schwäche.

KWS erfreut die Aktionäre
Im SDax war KWS besonders gut aufgelegt. Der Saatguthersteller hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 seinen Umsatz um 18 Prozent auf 572 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 13 Prozent auf 106 Millionen Euro zu. Als Umsatzwachstum erwartet das Unternehmen nun mehr als 15 statt bisher zehn Prozent. Das Betriebsergebnis soll nun nicht mehr stagnieren, sondern leicht verbessert werden.

Deutsche Wohnen nur noch blassrot
Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen hat im ersten Quartal seinen Verlust deutlich reduziert. Nach minus 22,7 Millionen im Vorjahr lag der Verlust nun nur noch bei 2,2 Millionen Euro. Der Wohnimmobilienmarkt in Deutschland sei relativ konjunkturresistent, erklärte das SDax-Unternehmen.

Tipp24 findet sein Glück im Ausland
Die Quartalsergebnisse von Tipp24 kamen gut an. Der Glücksspielanbieter steigerte den Umsatz im ersten Quartal dank seiner Auslandsexpansion um 122 Prozent auf 25,2 Millionen Euro. Den Gewinn konnte das im Prime Standard gelistete Unternehmen auf 11,9 Millionen Euro in etwa versechsfachen.

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