Marktbericht 20:17

10.000 Punkte wieder nicht geschafft Am Ende geht dem Dax die Puste aus

von Robert Minde

Stand: 02.06.2014, 20:17 Uhr

Letzlich haben acht Punkte gefehlt, um die magische Marke von 10.000 Dax-Punkten zu erreichen. Aber die Anleger blieben vor der wichtigen EZB-Sitzung am Donnerstag weiter vorsichtig. Vielleicht war aber auch nur eine Datenpanne der Grund.

Damit setzt sich das Anlagemuster der vergangenen Handelstage fort. Der Dax bewegt sich nur in Minischritten, die wichtige psychologische Marke von 10.000 Punkten will aber einfach nicht fallen. Dabei war es im Tageshoch nach guten China-Daten und konstruktiven Vorgaben aus New York schon bis auf 9.992,33 Punkte nach oben gegangen. Nicht mehr als ein Wimpernschlag hat also gefehlt.

Am Ende herrschte bei den meisten Ernüchterung, denn der Leitindex Dax, der zwischenzeitlich sogar leicht ins Minus gerutscht war, beendete den Handel bei 9.950 Punkten. Immerhin noch ein Mini-Tagesgewinn von 0,07 Prozent oder 6,85 Punkten. Im Späthandel fiel der L/E-Dax auf 9.947 Punkte.

MDax und SDax mit neuen Bestmarken

Besser unterwegs war heute der MDax, der 0,38 Prozent zulegte und erstmals die Marke von 17.000 Punkten überwand. Im Tageshoch war der Wert der mittelgroßen Unternehmen sogar schon bis auf 17.068 Zähler und damit auf eine neue Bestmarke gestiegen. Der Kleinwertindex SDax gewann 0,2 Prozent hinzu auf 7.474 Zähler. Im Tageshoch wurden 7.515 Zählern erreicht, ebenfalls ein neues Rekordniveau.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.157,67
Differenz relativ
+0,51%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.249,17
Differenz relativ
-0,12%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.238,33
Differenz relativ
+0,33%

Warten auf die EZB

Der Schlüssel für die weitere Kursentwicklung liegt unabhängig von allen Indexhöhen bei der EZB. Die Notenbanker treffen sich am Donnerstag um zu beraten, wie sie bedrohlichen Deflationsgefahren begegnen wollen. Während eine Zinssenkung für die Märkte ausgemachte Sache ist, bleiben weitere Maßnahmen aus dem Werkzeugkasten der Notenbanker noch unklar.

Klar ist aber, dass der Erwartungsdruck hoch ist, auch wegen den zahlreichen Andeutungen diverser Ratsmitglieder, inklusive Notenbank Chef Mario Draghi, auch zu unkonventionellen Maßnahmen bereit zu sein. "Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung, damit allerdings auch das Enttäuschungspotenzial, falls die Europäischen Währungshüter nicht liefern sollten", erklärte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets.

Wer auf die Steilvorlage der schwachen Inflationsdaten aus Deutschland gesetzt hatte, wurde enttäuscht. Dabei verdeutlichen die Daten genau das Dilemma der Notenbank. So fielen die Verbraucherpreise im Mai im Monatsvergleich um 0,1 Prozent und lagen im Jahresvergleich nur um 0,9 Prozent höher. Hier hatten Experten einen Anstieg von 1,1 Prozent erwartet. Die Daten für die gesamte EU werden morgen veröffentlicht.

ISM-Panne führt die Märkte in die Irre

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.294,05
Differenz relativ
+0,89%

Hinzu kam auch fehlender Rückenwind aus New York. Die führenden Indizes bewegen sich im bisherigen Handelsverlauf nicht nennenswert. Immerhin, der Dow hat bei 16.746 Punkten bisher ein neues Rekordhoch markiert und liegt aktuell nahezu bewegungslos um 0,1 Prozent im Plus.

Vielleicht wäre aber alles anders gekommen. Denn nach zunächst schwächer als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten setzten Kursverluste an der Wall Street ein, die auch den Dax drückten. Dabei gab es allerdings eine folgenschwere Panne bei der Veröffentlichung der Daten für den nationalen Einkaufsmanagerindex ISM. Zunächst war vom ISM-Institut nämlich ein überraschender Rückgang im Mai auf 53,2 Punkte veröffentlicht worden nach 54,9 Punkten im April. Später berichtigte das ISM-Institut die Zahlen auf einen wert von 56,0 Punkte. Knaller am Abend: der Wert von 56,0 wurde nochmals berichtigt auf nunmher 55,4 Punkte. Erwartet war übrigens ein Indexwert von 55,5 Punkten.

Der ISM-Index gilt als wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsaktivitäten in Amerika. Der Wert bleibt aber in jedem Fall über 50 Punkten und signalisiert weiter eine wirtschaftliche Belebung. Die Bauausgaben stiegen im April hingegen nur um 0,2 Prozent, erwartet worden war ein Plus von 0,6 Prozent. Ein Dementi zu dieser Zahl gibt es bisher nicht.

Euro verharrt bei 1,36 Dollar

Der Euro kämpfte heute mit der Marke von 1,36 Dollar und war im Tagestief schon darunter gefallen. Händler nannten schwache Konjunkturdaten, zudem preist auch der Devisenmarkt weitere geldpolitische Lockerungsschritte der EZB ein. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitagmittag auf 1,3607 Dollar festgesetzt.

Branchenfantasie treibt Lufthansa

Größter Gewinner im Dax waren Lufthansa-Aktien. Marktbeobachter verwiesen auf eine Meldung der niederländischen Zeitung "De Telegraaf". Danach will der Konkurrent Air France-KLM im kommenden Jahr mit einem neuen Programm zur Einsparung von einer Milliarde Euro beginnen. Auch Telekom legten nach einem positiven Analystenkommentar der französischen Großbank Société Générale zu. Deutsche Börse waren Tagesverlierer mit einem Minus von 1,16 Prozent. BMW gaben nach einem negativen Kommentar von Goldman Sachs ebenfalls nach.

Henkel geht auf Einkaufstour

Die Henkel-Aktie gehörte zu den stärksten Aktien im Dax. Der Konsumgüterkonzern Henkel kauft gleich drei Unternehmen in den USA. Vom Finanzinvestor TSG Consumer Partners übernimmt der Dax-Konzern die Anbieter von professionellen Haarpflegeprodukten SexyHair, Alterna und Kenra. Der Kaufpreis liegt bei rund 270 Millionen Euro. Der Umsatz der drei Firmen lag im vergangenen Jahr bei rund 140 Millionen.

Bayer schreitet bei Krebsforschung voran

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will zusammen mit dem finnischen Pharmakonzern Orion ein neues Mittel gegen Prostatakrebs auf den Markt bringen. In diesem Jahr solle eine gemeinsame Phase-III-Studie für den Wirkstoff ODM-201 gestartet werden. Im Falle einer Zulassung wird Bayer das Mittel vermarkten, Orion erhält dafür Zahlungen von den Leverkusenern. Bayer legten leicht zu.

KlöCo-Großaktionär zieht sich zurück

Schwächster Wert im MDax waren Klöckner & Co nach der Nachricht, dass Baustoff-Milliardär Albrecht Knauf sein Engagement beim Stahlhändler reduziert. Über seine ebenfalls im Stahlhandel tätige Gesellschaft Knauf Interfer sinkt der Stimmrechtsanteil auf 4,98 und damit unter fünf Prozent. Dies gab Interfer am Nachmittag bekannt. Knauf hatte sich im Februar 2013 mit 70 Millionen Euro bei KlöCo engagiert, das Engagement war aber bei Firmenchef Gisbert Rühl auf wenig Gegenliebe gestoßen. Zwar gab es Gespräche, klare Ergebnisse zu einer zukünftigen Zusammenarbeit aber nicht. Immerhin fährt Intefer einen Kursgewinn von rund drei Euro je Aktie ein. KlöCo wollte den Schritt nicht kommentieren.

Norma hat Großes vor

Der Industrie- und Autozulieferer Norma Group aus dem MDax denkt über große Zukäufe nach. "Unsere letzten Übernahmen hatten nur vergleichsweise kleine Umsatzvolumina von unter zehn Millionen Euro, doch wir schauen uns auch größere Ziele an und befinden uns in einigen Gesprächen", sagte Vorstandschef Werner Deggim der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". "Angesichts freier Barmittel von 93 Millionen Euro zum Ende des ersten Quartals 2014 sind wir bestens für größere Zukäufe gewappnet." Norma-Aktien waren gefragt, das Papier legte 1,56 Prozent zu.

Osram-Vorstand geht

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,25
Differenz relativ
+5,87%

Vorstandsmitglied Peter Laier, zuständig für das Ressort Technik, scheidet beim Leuchtenhersteller aus dem MDax zum 30.6. aus. Dies gab das Unternehmen nach Xetra-Handelsschluss bekannt. Grund seine unterschiedliche Auffassungen über Führung und Ausrichtung der Geschäfte. Im Späthandel gab die Osram-Aktie leicht nach.

CTS Eventim verändert sich

Der Online-Ticketvermarkter hat seinen bereits angekündigten Aktiensplit im Verhältnis eins zu eins durchgeführt. Für eine gehaltene Aktie haben die Aktionäre eine weitere erhalten. Außerdem hat das Unternehmen seine Rechtsform geändert und sich von einer AG in eine KGaA gewandelt. Die angepasste Aktie legte knapp ein Dreiviertel Prozent zu. Die DZ Bank hat die Einstufung derweil auf "Kaufen belassen und ein Kursziel von 25 Euro. Die Quartalszahlen des Ticketanbieters hätten seine Erwartungen übertroffen, schrieb Analyst Harald Heider in einer Studie vom Montag.

Adler will deutlich wachsen

Die Modekette will kräftig expandieren und ihr Filialnetz nahezu verdoppeln. "Aktuell gibt es 140 Adler-Modemärkte in Deutschland, Platz sehe ich für mindestens 250 Filialen", sagte Vorstandschef Lothar Schäfer der "Welt am Sonntag". Die Aktie legte deutlich zu und steht so hoch wie noch nie seit dem Börsengang im Jahr 2011.

Samsung will eigenes Betriebssystem

Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
866,21
Differenz relativ
+1,96%

Der Smartphone-Hersteller will schon in diesem Sommer ein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen und sich damit von Google unabhängiger machen. Die neue Software mitr dem Namen "Tizen" soll schon im dritten Quartal auf den Markt kommen.

Google hat große Pläne

Derweil will die Internetmaschine das Netz auch in die entlegensten Winkel der Erde bringen. Dazu sollen zunächst 180 leichte Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht werden. Google geht von Kosten von einer Milliarde Dollar aus. Damit könnte Google dem Konkurrenten Facebook davon eilen, der ähnliche Pläne hegt. Die Anleger sind skeptisch, in New York liegt die Aktie aktuell knapp zwei Prozent im Minus.

Das Apple-Fieber ist ausgebrochen

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,72
Differenz relativ
+0,23%

Wenn am Abend in San Francisco die Apple-Entwicklerkonferenz beginnt, könnte die Erwartungshaltung nicht größer sei. Denn das Management um Firmenchef Tim Cook verspricht viel Neues aus dem Hause Apple. Bis zum Ende des Späthandels gab es aber noch keine neuen Nachrichten aus Kalifornien, so dass es für die Europäer eine lange Nacht werden dürfte. Die Aktie gibt aktuell an der Nasdaq zwar nach, war aber im Vorfeld sehr gut gelaufen.

Valeant will Allergen auf jeden Fall

Im milliardenschweren Übernahmepoker um Allergan, den kalifornischen Spezialisten für Schönheitsmedizin, wird jetzt mit harten Bandagen gekämpft. Der kanadische Pharmakonzern Valean will zusammen mit dem Hedge-Fonds-Chef und Allergan-Großaktionär Bill Ackman das Unternehmen nun auch feindlich übernehmen.

Valeant war mit einem auf 53,8 Milliarden Dollar aufgebesserten Angebot für den Botox-Hersteller bisher nicht zum Zuge gekommen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt diesen Deal zum Abschluss zu bringen", sagte Valeant-Chef Mike Pearson am Montag auf einer Telefonkonferenz mit Ackman, der 9,7 Prozent der Allergan-Anteile hält. Dieser will jetzt eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen, auf der das Management abgewählt werden soll. Allergan stehen auf absolutem Rekordhoch und legen weiter zu. Auch Valeant-Anteile steigen.

rm

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