Am Aschermittwoch...

Detlev Landmesser

Stand: 21.02.2007, 20:09 Uhr

... ist bekanntlich "alles" vorbei. Der Börse brachte der Tag erst einmal einen Neuanfang: Erstmals seit November 2000 überwand der Dax wieder die ersehnte 7.000-Punkte-Marke. Doch dann galt auch hier das Fastnachtsmotto...

Denn im weiteren Verlauf ging es mit dem deutschen Leitindex fast nur noch abwärts. Der L-Dax schloss ein halbes Prozent tiefer bei 6.958,24 Punkten. Nach einem solchen Ereignis sind Gewinnmitnahmen allerdings nichts Außergewöhnliches. Jedoch gab es auch fundamentale Gründe. Die jüngsten Inflationsdaten aus den USA trübten am Nachmittag die Stimmung: Mit 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr stiegen die US-Verbraucherpreise im Januar etwas stärker als erwartet, was folglich weiterhin stabile US-Zinsen befürchten lässt. Das ließ den Dax - sowie den Euro - nach der Bekanntgabe um 14:30 Uhr deutlich abrutschen.

Auch die Wall Street tendierte daraufhin leichter. Typisch für die derzeitige Börsenlaune ist der deutliche Kursverlust bei Hewlett-Packard: Der US-Computerkonzern hat zwar im ersten Geschäftsquartal mehr verdient als von Analysten erwartet. Nach Händlerangaben drückte jedoch das Ausmaß der Lagerbestände auf die Stimmung.

NYSE-Fantasie für Deutsche Börse

Unangefochtener Dax-Gewinner war die Aktie der Deutschen Börse. Das waren nicht allein die Vorschusslorbeeren für die nach Börsenschluss erwartete 2006er Bilanz. Auftrieb gab besonders ein Interview mit dem NYSE-Vizechef Nelson Chai gegenüber dem Magazin "Börse Online". Darin bekundete er Interesse am Kassageschäft der Deutschen Börse. Chai zeigte sich zudem an der Londoner LSE interessiert. Die Aktie der Deutschen Börse erklimmt nach diesen Meldungen ein neues Allzeithoch bei 169,33 Euro.

Den Dax stützte zudem die Aktie von Fresenius Medical Care. Die Analysten von JP Morgan hatten ihr Anlageurteil von "Neutral" in "Overweight" geändert und das Kursziel von 107 auf 127 Euro erhöht.

RWE-Chefwechsel verwirrt
Die RWE-Aktie rutschte im Computerhandel ans Dax-Ende. Der Energiekonzern bestätigte gegen Mittag Medienberichte, dass der Stahlunternehmer Jürgen Großmann den derzeitigen RWE-Chef Harry Roels im Februar 2008 ablösen soll. "Die Aktie reagiert negativ, weil Roels für die Kapitalmärkte stand und gegen den Widerstand der IG Metall auf seinen Posten kam", sagte ein Händler. Der zukünftige Chef gelte dagegen eher als Gewerkschaftsmann.

Am Abend machte der Dax-Titel wieder Boden gut: RWE kündigte einen Dividendenvorschlag für 2006 von 3,50 Euro je Aktie an. Für 2005 hatte es noch 1,75 Euro gegeben. Zudem können die Aktionäre mit der Platzierung der Mehrheit von American Water auf ein Aktienrückkaufprogramm hoffen. Der Essener Energiekonzern gab darüber hinaus bekannt, dass er für 2007 und 2008 von einer Steigerung des Nettoergebnisses um durchschnittlich zehn Prozent ausgeht.

Thyssen im Visier
Gegen Mittag wurde die Aktie von ThyssenKrupp vorübergehend ans Dax-Ende durchgereicht, obwohl die UBS das Kursziel für die Titel von 33,60 auf 42,50 Euro erhöht hatte. Die EU-Kommission hat gegen den größten deutschen Stahlkonzern sowie vier weitere große Fahrstuhlbauer wegen Preisabsprachen Kartellstrafen in einer Rekordhöhe von 992 Millionen Euro verhängt. ThyssenKrupp muss mit 479,7 Millionen Euro die höchste Einzelstrafe zahlen. Der Konzern will Rechtsmittel gegen die Entscheidung prüfen.

Kreis potenzieller Chrysler-Interessenten schrumpft
Die DaimlerChrysler-Aktie gab ebenfalls einen Teil ihrer jüngsten Gewinne ab. Nach einem Bericht im "Wall Street Journal" sind weder Renault noch Nissan an einem Kauf von Chrysler interessiert.

Aareal will wieder Dividende zahlen
Im MDax rutschte die Aktie der Aareal Bank nach wenig überzeugenden Geschäftszahlen in den Kurskeller. Der Immobilienfinanzierer verdiente 2006 vor Steuern weniger als von Experten erwartet. Die Wiesbadener Bank will aber für das vergangene Jahr wieder eine Dividende an ihre Aktionäre ausschütten.

HeidelbergCement prallt zurück
Die Aktie von HeidelbergCement wurde im Verlauf von Gewinnmitnahmen gedrückt. Zuvor hatte der MDax-Titel ein Rekordhoch von 118,93 Euro markiert, nachdem Deutschlands größter Zementhersteller erfreuliche Zahlen für 2006 veröffentlicht hatte.

Vossloh meldet Auftrag
An die MDax-Spitze setzte sich dagegen die Vossloh-Aktie. Der Verkehrstechnikkonzern soll an Mitsui Rail Capital Europe (MRCE) sieben Diesellokomotiven liefern. Zum Auftragsvolumen wurden keine Angaben gemacht. Laut Branchenkreisen dürfte es einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag erreichen.

"Saftige Gewinnwarnung" von Ersol?
Im TecDax fiel das Papier von Ersol negativ auf. Zwar erwartet das Solarunternehmen für 2008 mindestens eine Verdreifachung des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern und des Vorsteuergewinns. Doch liege diese Prognose deutlich unter den Erwartungen der Marktteilnehmer, sagte in Händler. Auch der Ausblick für das Ebit im laufenden Jahr konnte die Marktteilnehmer nicht begeistern. Vor diesem Hintergrund sprach ein anderer Händler sogar von einer "saftigen Gewinnwarnung".

Adva zieht Auftrag an Land
Die Aktie von Adva Optical Networking wurde dagegen von einem größeren Auftrag gestützt. Das Unternehmen wird zum Lieferanten für Ethernet-Zugangsprodukte für das "21st Century Network" der British Telecom (BT Group).

Grammer legt operativ kräftig zu
Im SDax legte die Grammer-Aktie deutlich zu. Anleger freuten sich über die Bilanz des vergangenen Jahres. Der bayerische Autozulieferer steigerte sein operatives Ergebnis um rund ein Fünftel. Mehr Dividende gibt es aber dennoch nicht. Für das laufende Jahr bekräftigte Grammer die Prognose, bei Umsatz und Ergebnis um bis zu fünf Prozent zu wachsen.

Premiere an EM.TV interessiert?
Noch besser schnitt die EM.TV-Aktie ab. Händler verwiesen auf Spekulationen um ein Interesse von Premiere an der Medienfirma. Dies sei ein etwas neuer Dreh in der aktuellen Spekulationsrunde im Mediensektor, sagte ein Marktteilnehmer. Auch wegen des zu EM.TV gehörenden Sportsenders DSF würde dies sicherlich Sinn machen und hier arbeiteten die Sender ja bereits zusammen - dennoch dürfte es nicht zuletzt kartellrechtliche Hindernisse geben.

Ärger für MPC?
Verluste musste dagegen die Aktie des Hamburger Fondsanbieters MPC Capital einstecken. Laut einem Bericht der "Welt" stehen möglicherweise Schadenersatzklagen von mehreren Dutzend Anlegern bevor. Sie werfen dem Management irreführende Angaben im Prospekt zweier Private-Equity-Fonds vor und fordern ihre Anlagesumme zurück.

Escada sieht keinen "Machtkampf"
Über drei Prozent gewann die Escada-Aktie. Der Modekonzern hat einen Magazinbericht über einen Machtkampf zwischen dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko und dem Management als übertrieben heruntergespielt. "Es gibt keinen Machtkampf, sondern fortlaufende Diskussionen mit dem Aufsichtsrat und Aktionären über die Strategie des Konzerns", teilte das Unternehmen mit. Das "Manager-Magazin" hatte vorab aus seiner März-Ausgabe berichtet, dass Aksenenko, der gut ein Viertel der Aktien besitzt, mit der Strategie von Vorstandschef Frank Rheinboldt nicht einverstanden sei.

Axel Springer verdoppelt Dividende
Außerhalb der Indizes fiel die Aktie der Axel Springer AG auf. Der Konzern steigerte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um rund zehn Prozent auf 374 Millionen Euro. Der Umsatz weitete sich um gut ein Prozent auf 2,191 Milliarden Euro aus. Angesichts des deutlichen Ergebnisanstiegs will der Vorstand die Dividende von bisher 1,70 auf 3,50 Euro verdoppeln.

Ungestümes Wachstum bei Adlink
Die Aktie des Internet-Werbevermarkters Adlink profiterte ebenfalls von vorläufigen Jahreszahlen. Das Unternehmen steigerte 2006 den Umsatz um 80,6 Prozent auf 177,5 Millionen Euro. Das vorläufige Ergebnis vor Steuern (EBT) sei von 3,6 Millionen auf 18,7 Millionen Euro gesteigert worden, wobei der Ergebnisabführungsvertrag an die Minerheitsgesellschafter der Sedo GmbH mit 1,2 Millionen Euro zu Buche geschlagen habe, teilte Adlink am Abend mit.

Aktie von Design Hotels unter Druck
Kräftig abwärts ging es dagegen mit der Aktie der Design Hotels AG. Der Vermarktungsdienstleister für Hotels im "New Luxury Segment" wurde offenbar für die vorläufigen Jahresergebnisse gestraft. Bei einem Umsatzplus von rund 23 Prozent auf 6,6 Millionen Euro erreichte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rund 800.000 Euro gegenüber 374.000 Euro im Vorjahr.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"