Allianz und G20 machen gute Laune

Stand: 09.11.2009, 20:05 Uhr

Die Allianz verkündet einen Milliardengewinn und die Anleger jubeln. Auch die Wall Street legt kräftig zu und erreicht zeitweise sogar ein 52-Wochen-Hoch. Das genügt, um den Dax bis zum Abend zusätzlich zu befeuern.

Börsianern zufolge hat die Zusage der G20-Staaten vom Wochenende, ihre Konjunkturprogramme nicht vorschnell zu beenden,eine optimistische und zugleich risikobereite Stimmung verbreitet. Zugleich schüre die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen das Interesse an Aktien, in den USA und weltweit - auch weil es dazu keine echte Alternative gebe.

Der Dax geht mit einem satten Plus von 2,5 Prozent oder 138 Punkten bei 5.630 Zählern aus dem Abendhandel und vollzieht damit den Sprung des elektronischen Handels. Damit hat der Leitindex sogar die charttechnisch und psychologisch wichtige Marke von 5.600 Punkten übersprungen. In New York steigt der Dow-Jones zeitweise um 177 Punkte auf 10.200 Zähler, den höchsten Stand seit 52 Wochen. Zum Handelsschluss liegt die Wall Street immer noch gut 150 Punkte (gut 1,5 Prozent) über dem Stand vom Freitag.

Während in New York Übernahmepläne im Mittelpunkt stehen, etwa das Gebot des Lebensmittelkonzerns Kraft für den britischen Süßwarenhersteller Cadbury, waren es in Frankfurt der Milliardengewinn der Allianz, die für Auftrieb sorgten.

Zudem haben im September die deutschen Exporteure trotz des starken Euro 3,8 Prozent mehr Waren ins Ausland verkauft als im Vormonat. Das war der zweitstärkste Anstieg der vergangenen drei Jahre. Der im August erlittene Umsatzrückgang von 2,8 Prozent wurde damit mehr als wettgemacht.

Im Verlauf der Woche könnten die Zahlen der großen Versorger Eon und RWE den Markt bewegen. Börsianer verweisen auch auf einen positiven Stimmungsimpuls durch das G-20-Treffen am Wochenende. Demnach sollen Unterstützungen durch Konjunkturpakete beibehalten werden. Dabei zeigt die Wirtschaft erste Anzeichen einer Erholung.

Euro, Gold, Öl hoch
Mit den Aktienkursen hat auch der Euro weiter zugelegt. Er stieg bis auf 1,5020 Dollar. Das Jahreshoch von 1,5061 Dollar rückt damit wieder in Reichweite. Auch der Goldpreis steigt weiter. Eine Feinunze des Edelmetalls notierte am Nachmittag mit 1105,20 Dollar 0,8 Prozent im Plus. Im Verlauf war er kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 1110,85 Dollar geklettert. Der Ölpreis legt ebenfalls leicht zu und steigt auf über 79 Dollar je Fass WTI, 2,3 Prozent mehr als am Freitag.

Allianz geht ab
Die schwergewichtete Versicherungsaktie dominiert souverän die Dax-Spitze mit einem Aufschlag von zeitweise über fünf Prozent. Europas größter Versicherer hat mit einem Gewinn von 1,32 Milliarden Euro im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das operative Ergebnis stieg um 23 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro - den höchsten Wert seit dem zweiten Quartal 2008.

Gazprom mit Gewinneinbruch
Der russische Gasmonopolist Gazprom musste dagegen wegen des gesunkenen Verbrauchs in der Krise eine Halbierung seines Gewinns verbuchen. Im ersten Halbjahr verdiente das Unternehmen 296,2 Milliarden Rubel (6,7 Milliarden Euro). Das waren 48 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2008. Im zweiten Halbjahr habe die Nachfrage wieder angezogen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 34 Prozent auf 538,3 Milliarden Rubel und der Umsatz um sieben Prozent auf rund 1,64 Billionen Rubel gesunken.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,12
Differenz relativ
+0,91%

Deutsche Börse mag Warschau
Im Rennen um die Warschauer Börse (GPW) ist die Deutsche Börse dem polnischen Schatzministerium zufolge der einzige Interessent, der ein Angebot vorgelegt hat. Neben den Frankfurtern zählten ursprünglich noch die NYSE Euronext und Nasdaq OMX zu den Interessenten. Die Wiener Börse war dagegen von Anfang an als möglicher Käufer ausgeschlossen worden. Die Aktie der Deutschen Börse gewinnt überdurchschnittlich.

Infineon bald ohne Apple?
Gegen den Trend notiert die Aktie von Infineon leicht im Minus. Neben charttechnischen Faktoren belasten hier erneute Gerüchte, wonach Apple von Infineon zu Qualcomm als Zulieferer wechseln könnte.

Telegate verliert Kunden
Der Trend zur Nummernsuche im Internet macht der Münchener Telefonauskunft Telegate weiter zu schaffen. In den ersten neun Monaten brach der Überschuss binnen Jahresfrist um 38 Prozent auf 12,5 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr erwartet Telegate einen Rückgang des operativen Ergebnisses auf 34 bis 37 Millionen Euro.

Beate Uhse immer lustloser
Der Erotikkonzern hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein operatives Ergebnis (Ebit) von nur noch 0,5 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 6,1 Millionen im Vorjahreszeitraum. Trotzdem will der Konzern vorerst an seiner Jahresprognose für ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe drei Millionen Euro festhalten - vor allem wegen des Weihnachtsgeschäfts.

Puma-Bilanz positiv aufgenommen
Anteilsscheine von Puma verzeichnen ebenfalls weit überproportionale Kursgewinne. Zwar hat der von PPR kontrollierte Sportartikelhersteller im dritten Quartal erwartungsgemäß erneut weniger verdient. Doch Analysten hoben die gesunkenen Lagerbestände und das "Working Capital" positiv hervor.

Evotec an TecDax-Spitze
Die Evotec-Aktie kann ihre Kursgewinne vom Vormittag von bis zu zehn Prozent zwar nicht halten, ist aber immer noch der größte Gewinner im TecDax. Seit Monatsbeginn stieg der Aktienkurs des Biotech-Unternehmens um knapp 18 Prozent - so stark wie noch nie in einem November. Die angekündigte Verlängerung der Forschungsallianz mit Boehringer Ingelheim hatte keinen nachhaltigen Kurseinfluss.

Manz auf Tahlfahrt
Größter Verlierer im TecDax ist dagegen Manz Automation. Die Anleger damit auf unerwartet schlechte Quartalszahlen und eine gesenkte Jahresprognose. Ein ausgeglichenes Ergebnis im Gesamtjahr sei nicht mehr realistisch, teilte der Konzern mit. Ein Blick auf den Auftragseingang und die Auftragslage lasse zudem vermuten, dass der Start in das kommende Jahr nicht einfach werden dürfte für Manz, kritisierte Christian Rath, Analyst bei HSBC.

QSC bleibt knauserig
Obwohl QSC dieses Jahr einen Gewinn erwartet und die Schulden komplett abgebaut haben will, können Anleger nicht auf eine Dividende hoffen. Die peilt das Unternehmen erst für 2011 an. QSC erwartet nach einem soliden dritten Quartal im Gesamtjahr einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) am oberen Ende der bisher genannten Spanne von 68 bis 78 Millionen Euro. Die Aktie gibt leicht ab.

Colonia bald wieder profitabel
Beim Wohnimmobilienkonzern Colonia Real Estate zahlt sich der strikte Sparkurs mittlerweile aus: Der SDax-Konzern traut sich nach einem Nettogewinn im dritten Quartal auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen zu. Das Konzernergebnis solle 2009 im hohen einstelligen Millionenbereich liegen, teilte das Unternehmen am Montag mit und gab damit erstmals in diesem Jahr überhaupt eine Prognose ab. Anleger honorieren das mit einem Aufschlag von mehr als sieben Prozent.

Delticom verkauft mehr
Der Online-Reifenhändler Delticom konnte seinen Überschuss in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres auf 10,0 Millionen Euro steigern und damit den Vorjahreswert von 6,6 Millionen Euro deutlich übertreffen. "Aufgrund der frühen Schneefälle Mitte Oktober ist die Winterreifensaison gut angelaufen. Wir sind zuversichtlich, unsere Umsatz- und Ergebnisziele für das Gesamtjahr zu erreichen", erklärte Finanzvorstand Frank Schuhardt.

Gesco brechen die Aufträge weg
Die Beteiligungsfirma mit ihren Tochterfirmen aus dem Werkzeug- und Maschinenbau hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Bilanzjahres einen Ordereinbruch um beinahe 50 Prozent erlitten, der Gewinn sackte um zwei Drittel ab. Für Vorstand Hans-Gert Mayrose ist es fraglich, wann eine nachhaltige Erholung einsetzen wird.

Dyckerhoff schrumpft auch
Der Überschuss von Deutschlands zweitgrößtem Zementhersteller schrumpfte auf 96 Millionen Euro nach 251 Millionen Euro vor Jahresfrist. Die Tochter des italienischen Zementherstelllers Buzzi Unicem litt vor allem unter der schwachen Nachfrage aus Osteuropa.

Homag mit Auftragsplus
Ein unerwartet dickes Auftragspolster hat die Nachfrage nach Aktien des im SDax notierten Maschinenbauers Homag steigen lassen. "Der Auftragsbestand hat sich im dritten Quartal erhöht, und das ist in Zeiten wie diesen schon eine sehr gute Nachricht", sagte ein Händler. Die Aktien gehören zu den größten Gewinnern im SDax.

Escada-Irrsinnsrally geht weiter
Mit einem Plus von zmehr als 100 Prozent auf 1,50 Euro ist die Escada-Aktie größter Kursgewinner auf Xetra. Mehr wurde zuletzt am 11. August gezahlt - noch vor Insolvenzankündigung. Händler verweisen auf Meldungen vom Freitag, wonach die indische Stahlfamilie Mittal den Modekonzern kauft. Doch Mittal kauft nur die Escada-Vermögenswerte - nicht die Aktien. Die Kursrally macht daher fundamental absolut keinen Sinn. Marktbeobachter halten allerdings einen Short-Squeeze für möglich. Lesen Sie dazu auch unseren Hintergrund:

Intercell wird zum Problemkind
Das Wiener Biotechunternehmen ist im dritten Quartal mit 14,7 Millionen Euro überraschend tief in die Verlustzone gerutscht, Analysten hatten im Schnitt nur 4,8 Millionen Euro Miese erwartet. Wegen Problemen bei der Markteinführung des ersten eigenen Impfstoffs IXiaro gegen Japanische Enzephalitis erwartet Intercell nun einen Jahresverlust. Vorsicht bei Escada!

Ein Blick auf die hintere Reihen
Das Solarunternehmen Systaic hat seine vorläufigen Zahlen bestätigt und im dritten Quartal sein Ebit um 71 Prozent gesteigert auf 5,4 Millionen Euro gesteigert. Der Konzernumsatz legte um 22 prozent auf 72,2 Millionen Euro zu. Die Aktie reagiert kaum.

Dank eines Gewinnsprungs im dritten Quartal gehören Orad Hi-Tec zu den Favoriten auf Xetra. Die Papiere der israelischen Software-Firma steigen zeitweise um mehr als 20 Prozent. Der Nettogewinn des Spezialisten für 3D-Grafikanwendungen für TV-Sender stieg den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent.

Das biopharmazeutische Unternehmen Mologen vermeldet Fortschritte beim Krebsmedikament MGN1703. Es erreichte die primären Studienziele in der klinischen Studie der Phase 1b. Mologen will noch in diesem Jahr den Antrag auf Durchführung einer Phase 2 Studie einreichen.

SMT Scharf, Technologieführer bei entgleisungssicheren Bahnsystemen für den Bergbau, hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs den Umsatz um 30,9 Prozent auf 37,5 Millionen Euro gesteigert. Zudem erzielte die Gesellschaft beim Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit einen Zuwachs von 18% auf fünf Millionen Euro(Vorjahr: 4,2 Millionen Euro).

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen