Alles wird gut

von Karsten Leckebusch

Stand: 13.02.2007, 20:00 Uhr

Zumindest an diesem Dienstag schien die Sonne für Börsianer. Der Dax kletterte, der MDax schloss zum ersten Mal überhaupt über 10.000 Punkten, und auch die Wall Street strebt neuen Höhen entgegen.

Der Dax beschloss den Handel am Dienstag mit einem Zuschlag von 0,5 Prozent bei 6.895 Punkten, der L-Dax legte noch drei Punkte dazu. Der MDax kletterte sogar um 0,8 Prozent und schloss das erste Mal über 10.000 Punkten.

Die Ausgangsbasis für Kursgewinne wurde schon am Vormittag gelegt. Das deutsche BIP wuchs im vierten Quartal deutlich stärker als erwartet und das Konjunkturklima, vom ZEW-Institut festgestellt, entwickelte sich ebenfalls besser als prognostiziert. Am Nachmittag sorgten positive US-Signale für die notwendige Unterstützung, hier vor allem die Fusionsfantasie um den Aluminiumkonzern Alcoa.

Im Dax schloss die Aktie des Reisekonzerns Tui mit einem Plus von 3,8 Prozent. BNP-Paribas hatte die Tui-Aktie von "Underperform" auf "Outperform" hochgestuft, was für die leidgeplagten Tui-Aktionäre Seelenbalsam war. Auch die VW-Aktie verbuchte überdurchschnittliche Gewinne. Sie stieg um 1,1 Prozent, wobei die mögliche Abschaffung des VW-Gesetzes durch die EU kurstreibend wirkt. Eine Stellungnahme des Europäischen Gerichtshofes bewertet das VW-Gesetz als Hindernis für den freien Kapitalverkehr in der EU.

ThyssenKrupp hat im ersten Quartal ausgezeichnete Geschäfte gemacht und auch die Aussichten sind nach Ansicht des Stahlkonzerns optimistisch. Die Aktie schloss trotzdem nur nahezu unverändert. DaimlerChrysler profitierte von einem Zeitungsartikel, wonach der Automobilhersteller angeblich erwäge, die US-Tochter Chrysler abzuspalten. Die Aktie schloss mit einem Plus von 0,1 Prozent.

Premiere abgestraft
Im MDax verlor die Aktie des Bezahlsenders Premiere 3,2 Prozent. Firmenchef Georg Kofler hat sich von 11,4 Millionen Premiere-Aktien getrennt. Zwar will er gleichzeitig für mindestens 10 Millionen Euro Premiere-Anteile wieder zurückkaufen, doch die Platzierung wirkte als klares Verkaufsignal.

Auch die Aktien des Immobilienkonzerns IVG verloren deutlich. Die Firma will eine Wandelschuldverschreibung in Höhe von 400 Millionen Euro ausgeben, IVG verbilligte sich um 2,1 Prozent. Die Techem-Aktie gibt 0,1 Prozent ab. Der Energiedienstleister hat zwar eine gute Bilanz veröffentlicht, doch sei das Kursniveau schon jetzt sehr hoch, so die Erklärung der Händler. Am Nachmittag teilte Techem mit, dass Großaktionär Macquarie zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat entsenden will.

An der MDax-Spitze gewann der Baukonzern Bilfinger Berger 6,8 Prozent. Allen Unbillen zum Trotz hat der Konzern den Gewinn im vergangenen Jahr kräftig gesteigert. Positiv ist aber vor allem der überraschend stark gestiegene Auftragsbestand. Auch Branchenkollege Hochtief meldete gute Jahreszahlen, wegen des womöglich schwierigen Geschäftes in Deutschland legte die Aktie nur um verhaltende 1,8 Prozent zu.

Ebenfalls auf der MDax-Gewinnerliste notierten die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport. Der Frankfurter Flughafen hat im Januar neue Rekordmarken bei Fluggästen und Fracht aufgestellt, die Zahl der Passagiere stieg im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 3,8 Millionen. Die Aktie verteuerte sich um 1,1 Prozent. Und Leoni legte um 2,7 Prozent zu. Der Autozulieferer hat erwartungsgemäß eine gute Bilanz abgeliefert.

Solarworld wie erwartet
Trotz einer guten Bilanz des größten deutschen Solarkonzerns Solarworld gab die Aktie 3,2 Prozent ab und platzierte sich damit am TecDax-Ende. Die Firma hat 2006 ihren Überschuss mehr als verdoppelt und ist nach eigenen Angaben auch gut in das neue Jahr gestartet. Analysten haben eine gute Bilanz erwartet, allerdings gebe es noch Unsicherheiten bei der Siliziumversorgung, so die Einschätzung.

Ebenfalls stark verloren die Aktien des Biotechnologieunternehmens Qiagen. Es reichte nicht, dass Qiagen im vierten Quartal die Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt hat und im laufenden Jahr wohl die Umsatzprognose übertreffen wird, die Aktie gab drei Prozent ab. Verluste von 0,6 Prozent verbuchte die Aktie des Softwareherstellers IDS Scheer. Das internationale Beratungsgeschäft ist im vergangenen Jahr nicht sonderlich gut gelaufen, zugleich bekräftigte IDS Scheer aber die Geschäftsziele für das laufende Jahr und kündigte an, die Dividende von 0,18 auf 0,20 Euro zu erhöhen.

Rekordgewinn für Comdirect
Im SDax legt die Aktie des Onlinebrokers Comdirect acht Prozent zu und markiert damit die Index-Spitze. Wegen des Börsenbooms hat die Firma im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erwirtschaftet, der Gewinn vor Steuern kletterte im Jahresvergleich um 62 Prozent.

Drillisch: Mehr Gewinn - weniger Umsatz
Die Drillisch-Aktie verlor 0,7 Prozent. Der Mobilfunkdienstleister hat 2006 trotz eines Umsatzrückgangs den Gewinn gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 15 Prozent auf 32 Millionen Euro. Der Umsatz ging trotz der auf 1,76 Millionen gestiegenen Kundenzahl um gut 16 Prozent auf 282 Millionen Euro zurück.

Borussia Dortmund überwindet Krise
Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund schreibt nach Jahren der Finanzkrise wieder Gewinne. In der ersten Hälfte der laufenden Saison 2006/2007 erwirtschaftete der Verein einen operativen Überschuss von zehn Millionen Euro. Vor einem Jahr machte Borussia Dortmund noch einen Verlust von 11,8 Millionen Euro. Allein sechs Millionen Euro nahm der Verein durch den Verkauf von David Odonkor an den spanischen Erstligisten Betis Sevilla ein. Die Aktie schloss etwa unverändert.

Nasdaq erhöht Gewinn
Die US-Technologiebörse Nasdaq hat 2006 ihren Gewinn deutlich gesteigert. Der Jahresgewinn verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 128 Millionen Dollar. Die Börse profitierte von höheren Gebühreneinnahmen und zusätzlichen Notierungen, Produkten und Dienstleistungen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat