Alles wieder gut

Stand: 22.05.2008, 20:10 Uhr

Unerwartet gute Daten vom Immobilienmarkt und Arbeitsmarkt in den USA haben die Aktienmärkte am Donnerstagnachmittag ins Plus gehoben. Der Dax erhielt zudem einen Schub von Übernahmegerüchten um die Postbank.

Ein Magazinbericht brachte etwas Schwung in den ruhigen Feiertagshandel an Fronleichnam. Allianz und Commerzbank böten zehn Milliarden Euro für die Postbank, berichtete "manager-magazin.de" unter Berufung auf Kreise der Unternehmen. Die Allianz-Tochter Dresdner Bank solle mit der Commerzbank und der Postbank zum größten deutschen Geldinstitut verschmolzen werden. Der neue Bankenriese würde die bisherige Nummer eins, die Deutsche Bank, überflügeln. Postbank-Aktien legten nach diesem Gerücht 1,2 Prozent, Commerzbank-Titel 2,4 Prozent zu. Aktien der Allianz verringerten ihre Verluste, sie notierten nur allein deshalb mit einem negativen Vorzeichen, weil die Titel ex Dividende gehandelt werden. Der Versicherer schüttet 5,50 Euro an seine Aktionäre aus. Auch die Aktie der UBS drehte nach einem über weite Strecken schwächeren Verlauf in die Gewinnzone und schloss 1,1 Prozent fester. Das Schweizer Institut hatte Details zu der geplanten Kapitalerhöhung bekannt gegeben, die am Markt mit Erleichterung aufgenommen wurden. Der Markt wisse nun, woran man sei, hieß es.

Der Dax, der den ganzen Tag in der Minuszone verweilte, schaffte am Ende den Sprung in die Pluszone. Er schloss im elektronischen Xetrahandel beim Stand von 7.070 Punkten. Der L-Dax legte noch zwölf Punkte zu bis auf 7.082. Ausschlaggebend für den Stimmungswechsel an der deutschen Börse waren aber wohl weniger die Spekulationen über die Ambitionen von Commerzbank und Allianz. Die Trendwende brachte vielmehr der positive Handelsauftakt der US-Börsen. Neben guten Daten vom Immobilienmarkt und vom Häusermarkt begeisterte eine Unternehmensmeldung: Der US-Stromkonzern NRG will für rund elf Milliarden Dollar den heimischen Konkurrenten Calpine schlucken - und entfachte damit Fusionsfantasie. Unterstützung erhielten die Aktienmärkte von den Bankenwerten, die sich nach ihren jüngsten Verlusten auf Erholungskurs begaben. Am Mittwoch hatten die Finanzwerte auf den Verkaufslisten der Händler gestanden, nachdem die US-Notenbank Fed ihre Wachstumsprognose für 2008 gesenkt und vorläufiges Ende ihrer Zinssenkungspolitik hatte. So konnten sich JPMorgan und Citigroup. Zu starken Kursbewegungen kam es bei Aktien von Einzelhändlern. Bei Childrens Place Retail Stores griffen die Börsianer, Grund war die Bekanntgabe eines Gewinnanstiegs im Quartal. Die Aktie sprang mehr als elf Prozent in die Höhe.

Ölpreis-Rekord belastet Airline- und Autoaktien
Im Handelsverlauf waren die Kurse am Donnerstag lange Zeit von einem Rekordstand beim Öl belastet worden. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl hatte sich auf bis zu 135,09 Dollar verteuert, später sackte die Notierung wieder rund drei Dollar ab. Den Ölpreis-Anstieg bekamen erneut Aktien aus der Auto- und Luftfahrtbranche zu spüren. In Paris gaben die Aktien von Air France-KLM um zehn Prozent ab. Europas größte Fluggesellschaft hatte aber auch selbst dafür gesorgt: Air France wies einen enttäuschend geringen Gewinn für das vergangene Jahr aus und warnte zudem, dass die Treibstoffkosten in diesem Jahr das Ergebnis belasten würden. Glimpflicher kamen die Lufthansa-Titel mit einem Abschlag von 1,8 Prozent davon. "Die Lufthansa ist besser als andere Airlines gegen den starken Euro abgesichert und hebt bislang auch ihre Treibstoffzuschläge nicht an", sagte ein Händler.

VW und Porsche leiden unter "BILD"
Zu den großen Verlierern im Dax zählen VW-Papiere mit einem Abschlag von knapp vier Prozent. Auf die Stimmung drückte hier auch ein Bericht der "Bild"-Zeitung, demzufolge sich die Koalition auf eine Novelle des VW-Gesetzes geeinigt hat. Danach soll Niedersachsen seine Sperrminorität behalten, da bedeutsame Entscheidungen nur mit einer Mehrheit von 80 Prozent getroffen werden können. "Sollte das so kommen, ist das sehr negativ sowohl für VW als auch für Porsche", sagte ein Händler. VW wird durch eine Studie von Morgan Stanley zusätzlich belastet: Die Investmentbank hatte ihre Bewertung für die Aktie von "Overweight" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 165 auf 141 Euro gekappt. Dagegen wurde BMW von "Underweight" auf "Overweight" hochgestuft, was die Aktie kräftig antrieb.

An der Wall Street büßten die Titel des zweitgrößten US-Autoherstellers Ford mehr als acht Prozent ein. Der Konzern rückte von seinem Ziel ab, im kommenden Jahr wieder einen Gewinn zu machen. Zu den Verlierern in den USA gehörten auch die Titel von Pfizer, weil sein Antirauchermittel Chantix laut einer Studie gefährliche Nebenwirkungen hat.

Infineon auf Erholungskurs
Größter Gewinner im Dax wurde die Infineon-Aktie mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent. Grund sind Aussagen des weltweit zweitgrößten Speicherchip-Herstellers Hynix, der in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung für die Branche erwartet. Einige Börsianer mutmaßten, dass ein Investor ein Paket zusammenkaufen könnte. "Vielleicht sammelt da jemand was ein. Es ist hoher Umsatz drin und die entsprechenden Gerüchte gibt es ja schon länger", sagte ein Marktteilnehmer.

Die beiden Energie-Schwergewichte Eon und RWE profitierten von dem eingangs genannten Kaufangebot des US-Stromkonzerns NRG für Calpine.

Achtung, Zahltag
Der erste Platz unter den Dax-Verlierern geht an die Deutsche Börse, wie bei den Allianz-Aktien liegt das daran, das die Papiere am Tag nach der Hauptversammlung ex Dividende gehandelt werden. Etliche andere Unternehmen hatten heute Zahltag, notieren also "ex Dividende": Im MDax sind das Aareal Bank, Bilfinger Berger, Deutz, Fresenius, IVG Immobilien, Salzgitter und Vossloh. Außerdem schütteten TecDax-Mitglied Solarworld sowie die im SDax notierten Unternehmen Elexis und GFK Dividende aus.

Hat Warren Buffett Gildemeister im Blick?
Im MDax setzten sich Gildemeister-Aktien mit plus 13 Prozent auf 23,38 Euro an die Indexspitze. Händler verwiesen als Antrieb auf eine Empfehlung in dem Anlegermagazin "Focus-Money". Zudem hielten sich Gerüchte, wonach der Investor Warren Buffett nach seinem Besuch in Frankfurt Anfang der Woche an dem Werkzeugmaschinenbauer interessiert sein könnte.

Papiere von Wincor Nixdorf verteuerten sich als zweitbester Wert um nahezu acht Prozent. Goldman Sachs hatte die Papiere des Geldautomaten- und Kassensystemherstellers von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und die Titel zugleich auf die "Conviction Buy List" gesetzt. Die aktuelle Bewertung der Aktie spiegele nicht die starke Marktposition von Wincor Nixdorf wider, heißt es der aktuellen Studie.

Freenet vor Gericht
Im TecDax lieferten United Internet und Freenet für Gesprächsstoff. Heute war Gerichtstermin - und der fiel für United Internet schlecht aus. Der Internetanbieter scheiterte mit dem Versuch, seinem Konkurrenten Freenet gerichtlich die Ausgabe neuer Aktien untersagen zu lassen. Freenet will damit die Übernahme des Mobilfunkdienstleisters Debitel - zumindest teilweise - finanzieren.

Wird IKB-Verkauf bald konkreter?
IKB gewannen indes im SDax fast drei Prozent auf 3,75 Euro. Beim Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank steht laut einem Pressebericht eine Vorentscheidung an. Die Staatsbank KfW könnte sich bereits nächste Woche auf einen Interessenten festlegen, mit dem weiter verhandelt werden soll. Das will "Die Welt" aus Finanzkreisen erfahren haben.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr