Marktbericht 20:05 Uhr

Dax legt zu Alles wartet auf die EZB

Stand: 30.11.2015, 20:05 Uhr

Wie weit wird EZB-Chef Mario Draghi demnächst die Geldschleusen öffnen, was hat er noch für Trümpfe in der Hand? Am Aktienmarkt waren die Anleger hoffnungsfroh, der Euro hingegen fiel weiter zurück.

Zwar kommentieren Experten schon seit längerem, dass die Auswirkungen der unterschiedlichen Geldpolitiken diesseits und jenseits des Atlantiks angeblich schon alle im Preis der Gemeinschaftswährung enthalten seien. So ganz kann das aber wohl nicht stimmen, denn der Euro hat auch heute seine Talfahrt fortgesetzt. Bis auf 1,0559 Dollar ist es in der Spitze gegen den Dollar bergab gegangen, das ist der niedrigste Kurs seit April. Auch im späten Geschäft kann sich der Euro nicht erholen und liegt nur knapp über seinen Tiefstständen.

Des einen Freud...

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Vor allem exportorientierte Unternehmen aus der Euro-Zone (von denen es auf dem deutschen Kurszettel mehr als genug gibt) profitieren vom niedrigen Euro und werden sich die Hände reiben. Kein Wunder, dass auch am Aktienmarkt die Stimmung durch den Rückenwind vom Devisenmarkt weiter gut bleibt.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Der schwache Euro ist letztlich das Ergebnis einer auf weitere Lockerung der Geldpolitik setzende EZB. Die Erwartungen an Mario Draghi und Co. sind hoch: "Der Markt erwartet eine Ausweitung der Anleihekäufe und eine Senkung des Einlagezinses ", sagte Stratege Norbert Wuthe von der BayernLB. Heute legte der Dax gut ein Dreiviertel Prozent zu auf 11.382 Punkte. Im Tageshoch hatte der Index schon 11.430 Punkte erreicht, konnte Niveaus über 11.400 Punkte dann aber nicht bis zum Schluss verteidigen. Im Monat November gewann der deutsche Leitindex immerhin 4,9 Prozent.

Des anderen Leid...

auch an der Wall Street blicken die Anleger auf die Notenbank, aber aus einem ganz anderen Blickwinkel. Denn es geht darum, ob die Fed bereits im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren wieder den Zins erhöht und vor allem wie es danach weiter geht. Vor weiteren wichtigen Konjunkturdaten (unter anderem die Daten vom Arbeitsmarkt im November am Freitag) und Äußerungen der Fed bleiben die Anleger daher eher vorsichtig.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Auch der vielbeachtete Chicagoer Einkaufsmanager tendierte heute schwächer. Der Index lag bei nur 48,7 Punkten, erwartet war mit 54,0 Punkten deutlich mehr. Der Index fiel nun aber unter die Marke von 50 Zählern und signalisiert damit ein Schrumpfen des Verarbeitenden Gewerbes der für die US-Konjunktur wichtigen Region im Mittleren Westen. Der Leitindex Dow Jones der New Yorker Börse liegt aktuell bei lustlosem Geschäft knapp im Minus.

Tagessieger Volkswagen

VW-Vorzüge setzten ihre unglaubliche Rally der jüngsten Tage auch heute fort. Sie führten mit einem Kursplus von über sechs Prozent den Dax an und schlossen bei 131,55 Euro am Tageshoch. Die Aktie profitiert derzeit massiv von der Aussicht darauf, dass die Umrüstung der vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Motoren den Konzern billiger kommen dürfte als bisher befürchtet.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" hat die VW-Führung möglicherweise bereits im Frühjahr von Abweichungen bei CO2-Werten einzelner Automodelle gewusst haben. Demnach habe der damalige Konzernchef Martin Winterkorn wegen auffälliger Messwerte den Verkauf des Polo TDI "BlueMotion" gestoppt.

Lufthansa erhält Schub

Die Lufthansa-Aktie war ebenfalls gefragt und legte mit einem Plus von 1,42 Prozent überproportional zu. Die Fluggesellschaft hatte sich am Wochenende mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf einen Tarifabschluss für ihr Bodenpersonal geeinigt. Auch beim schwierigen Thema Altersversorgung gab es eine Lösung. Ungelöst sind allerdings weiter die Konflikte mit den Piloten und dem Kabinenpersonal.

Vonovia-Hauptversammlung gibt grünes Licht

Das Vonovia-Papier weitete am Nachmittag seine Verluste aus und stand zum Schluss des Handels mit einem Minus von 3,17 Prozent am Dax-Ende. Auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung haben die Aktionäre mit 78,2 Prozent einer Kapitalerhöhung zugestimmt, die für die angestrebte feindliche Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen notwendig ist. Dafür sollen bis zu 14 Milliarden Euro bezahlt werden. Vonovia geht davon aus, dass es keine Probleme mit dem Bundeskartellamt geben wird. Nun müssen noch 50 Prozent der Aktionäre der Deutsche Wohnen ihren Segen geben.

Deutsche Wohnen versucht, mit dem Kauf von rund 13.600 Wohnungen von der kleineren Konkurrenten Patrizia, die Übernahme zu verhindern. Doch Vonovia will an seinen Plänen festhalten. Nutznießer ist auf jeden Fall die Patrizia-Aktie, die im SDax zulegt. Denn das Unternehmen hat seine Prognose für das kommende Jahr angehoben.

ThyssenKrupp will Riesen-Auftrag reinholen

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die ThyssenKrupp-Aktie schob sich 1,56 Prozent vor. Der Industriekonzern hat ein Angebot für einen milliardenschweren U-Boot-Auftrag in Australien abgegeben. Bei dem Auftrag geht es um den Bau von bis zu zwölf U-Booten für die australische Marine. Das Auftragsvolumen könnte sich inklusive der jahrzehntelangen Wartung auf umgerechnet 33 Milliarden Euro belaufen.

Münchener Rück ist zuversichtlich

Im Hinblick auf die neuen Eigenkapitalregeln für Versicherungen, im Fachjargon "Solvency II" genannt, gab sich die Münchener Rück heute entspannt. Ihre Kapitalquote liegt nämlich deutlich über den neuen Anforderungen, die zum 1. Januar in Kraft treten. Diese sollen sich zukünftig mehr an den eingegangenen Risiken der Gesellschaften orientieren und sind dem Sinn nach mit denen unter dem Stichwort "Basel III " bekannten Eigenkapitalrichtlinien der Banken vergleichbar. Durch die hohe Kapitalkraft erhofft sich die MüRü auch operativ mehr Schub, etwa im Geschäft mit kleineren Lebens-Erstversicherungen.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig erklärte Finanzvorstand Jörg Schneider, dass die Gesellschaft in der Zukunft das hohe Ausschüttungsniveau sowie weitere Aktienrückkäufe beibehalten sollte. Voraussetzung sei aber, dass keine unvorhergesehenen Katastrophen einträfen, so der Finanzchef weiter. Die MüRü hat zuletzt eine Dividende von 7,75 Euro gezahlt. MüRü-Aktien, die zuletzt gut gelaufen sind, stiegen auch heute weiter über die Marke von 190 Euro. Die Dividendenrendite liegt trotz der jüngsten Kursgewinne derzeit immer noch bei gut vier Prozent.

K+S muss die Produktion drosseln

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S muss seine Produktion massiv drosseln. Wegen Entsorgungsproblemen mit anfallendem Salzabwasser wird das Werk Werra teilweise vorübergehend geschlossen, wie das Dax-Unternehmen am Montag in Kassel mitteilte. Die Produktion im Standort Hattorf (Kreis Hersfeld-Rotenburg) werde über Nacht heruntergefahren. Das Drosseln der Produktion war für K+S nötig geworden, weil der Konzern von Dienstag (1. Dezember) an nach einer ausgelaufenen Genehmigung kein Salzabwasser mehr im Erdboden versenken darf.

Kahlschlag bei Gigaset

Der Telefon-Hersteller baut in den nächsten drei Jahren fast die Hälfte seiner Belegschaft ab. Bis 2018 sollten 550 von 1250 Stellen wegfallen, kündigte das Unternehmen am Montag in München an. Grund sei der schrumpfende Markt für schnurlose Festnetztelefone, dem Kerngeschäft der ehemaligen Siemens-Tochter. Immer mehr Menschen nutzen Mobiltelefone. Gigaset will sich nun verstärkt auf Telefonanlagen für Unternehmen und Fernsteuerungen für Haushaltsgeräte ('smart home') konzentrieren. Die Aktie gab nach.

Paul Hartmann wird liquider

Die Aktie des Verbandherstellers Paul Hartmann verlor ebenfalls. Die Schutzgemeinschaft von Aktionären der Paul Hartmann AG hat sich aufgelöst. Demnach könnten die bisherigen Mitglieder ihre Hartmann-Aktien wieder frei verkaufen. Immerhin rund 80 Prozent aller Aktien sind davon betroffen.

DEAG nach Zahlen gefragt

Aktien der DEAG, Deutsche Entertainmaent AG, legten nach Neun-Monatszahlen zu. Der Umsatz stieg um 13,1 Prozent auf 146,4 Millionen Euro. Wegen negativer Einmaleffekte rutschte das Ebit mit 12,7 Millionen Euro in die roten zahlen. DEAG befindet sich diesbezüglich im Rechtsstreit und geht von einem Erfolg vor Gericht aus. Mit fünf Millionen verkauften Tickets wurden die eigenen Erwartungen übertroffen.

Kurssprung bei BHF Kleinwort Benson

Die Aktie der Finanzholding profitierte hingegen kräftig vom erhöhten Übernahmeangebot der französischen Oddo-Gruppe. Oddo will 5,75 Euro je Aktie bezahlen und ist vor allem an der deutschen BHF-Bank interessiert, die ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt wie Oddo. Gegenspieler der Franzosen ist die chinesische Fosun-Gruppe, die bisher 5,10 Euro geboten hat.

AB Inbev will die Übernahme

Der weltgrößte Bierkonzern AB Inbev will weitere bedeutende Marken verkaufen, um die Zustimmung der Kartellbehörden für die milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten SABMiller zu bekommen. Das berichten das "Wall Street Journal" und die britische "Sunday Times". Geplant sei die Trennung von den in Europa starken Biermarken Grolsch und Peroni.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr