Alles wartet auf den Sonntag

Detlev Landmesser

Stand: 29.08.2008, 20:33 Uhr

Der Schein trügt: Trotz des kaum veränderten Wochenausklangs gab es wichtige Neuigkeiten. Die am Sonntag zur Entscheidung stehende Fusion der Dresdner und der Commerzbank war das bestimmende Thema.

Der L-Dax ging 0,2 Prozent tiefer mit 6.418,33 Punkten ins Wochenende. Positive US-Konjunkturdaten zündeten diesmal nicht. Sowohl der Einkaufsmanagerindex in der Region Chicago als auch der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan lagen mit 57,9 respektive 63,0 Punkten über den Erwartungen der Volkswirte, was den Aktienmärkten aber nicht weiterhalf.

Vielmehr weiteten die US-Märkte nach den Daten ihre Verluste aus. Dafür wurde vor allem der weltweit zweitgrößte PC-Hersteller Dell verantwortlich gemacht, dessen Aktie um mehr als zwölf Prozent einbrach. Der Konzern verdiente im zweiten Quartal deutlich weniger als erwartet. Dell begründete den Gewinnrückgang mit weiter fallenden PC-Preisen und gab für die gesamte Branche einen sehr verhaltenen Ausblick. Im Dax litt darunter besonders die Infineon-Aktie. Auch die Aktie von General Motors war nicht gut aufgelegt: Der defizitäre US-Autobauer musste mehr als 850.000 Fahrzeuge wegen eines Fehlers an der Elektrik zurückrufen.

Bankenentscheidung steht kurz bevor

Vor allem die Aktie der Commerzbank reagierte auf die Nachricht, dass die Einigung mit der Allianz über die Fusion mit der Dresdner Bank nun kurz bevor stehe. Der Dax-Titel verlor in der Spitze drei Prozent.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, die Commerzbank solle in einem ersten Schritt 51 Prozent der Dresdner Bank erwerben, die restlichen 49 Prozent würden im kommenden Jahr übernommen. Für Sonntag sind außerordentliche Aufsichtsratssitzungen bei beiden Verhandlungspartnern anberaumt. Die Allianz bestätigte am Nachmittag "fortgeschrittene" Gespräche zur Zukunft ihrer Tochter. Allerdings sei es "noch offen", ob diese zu einem Abschluss führen. Ein Scheitern der zähen Verhandlungen scheint also weiterhin möglich - dafür hat gerade die deutsche Finanzbranche in der Vergangenheit Beispiele geliefert.

Die Allianz-Aktie gewann am Ende nur noch 0,5 Prozent. Händler sagten, durch die Trennung von der Dresdner Bank und dem riskanten Investmentbanking würden sich neue Investoren für die Allianz interessieren.

Die Aussicht auf eine Einigung beflügelte interessanterweise am stärksten die Linde-Aktie. Der rund zehnprozentige Anteil der Commerzbank könnte bald zum Verkauf stehen, um die Dresdner-Übernahme zu finanzieren, meinten Marktteilnehmer. Käme das Paket auf den Markt, biete sich für Interessenten die Chance, sich ohne massive Kursbewegungen in dem Titel zu positionieren.

Öl-Fantasie für RWE
Die Türkei verhandelt mit RWE über die Erkundung von Erdölvorkommen im Schwarzen Meer. Daneben gebe es weit fortgeschrittene Gespräche mit dem US-Konzern Chevron, sagte ein Vertreter des türkischen Energieministeriums zu Reuters. Insgesamt plane das türkische Ölunternehmen TPAO sechs Bohrprojekte im Schwarzen Meer. Zwei davon seien bereits an die brasilianische Petrobras vergeben; für weitere könne RWE den Zuschlag bekommen.

Affinerie mit Cumerio-Effekt
Die Norddeutsche Affinerie hat, vor allem dank der Übernahme des Wettbewerbers Cumerio, ihren Gewinn im dritten Quartal erhöht. Das Vorsteuerergebnis stieg um fast 80 Prozent auf 73 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 50 Prozent auf 2,72 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte die Kupferhütte ihre Ziele. "Auch für das vierte Quartal sind wir positiv gestimmt und bestätigen unsere Prognose", erklärte Vorstandschef Bernd Drouven.

Indus auf Kurs
Im SDax gewann die Aktie von Indus mehr als vier Prozent. Das Beteiligungsunternehmen hat im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die Erlöse stiegen um sieben Prozent auf 249,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis legte um 8,6 Prozent auf 31,5 Millionen Euro zu. Indus bekräftigte die Jahresprognose, Umsatz und Ebit um vier bis fünf Prozent zu steigern.

Catoil weniger profitabel
Der ebenfalls im SDax notierte Anbieter von Öl- und Gasfelddienstleistungen Catoil hat das erste Halbjahr mit einem Rekordumsatz abgeschlossen. Dieser wuchs um ein Drittel auf 139,4 Millionen Euro. Wegen weiterhin sehr hoher Kosten ging das Ebit allerdings um 9,2 Prozent auf 24,6 Millionen Euro zurück. Der Nettogewinn sank sogar um mehr als die Hälfte auf 6,8 Millionen Euro.

Deutsche Wohnen wieder mit Gewinn
Die Aktie der Deutsche Wohnen gewann über sechs Prozent. Die Immobilienfirma hat im zweiten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Ergebnis nach Steuern lag bei 23,2 Millionen Euro, teilte das SDax-Unternehmen mit. Im ersten Quartal hatte Deutsche Wohnen noch einen Verlust von 22,7 Millionen Euro ausgewiesen. Das Unternehmen verwies unter anderem auf das gute Geschäft mit Zinsswaps.

Interseroh vorsichtig
Interseroh hat im ersten Halbjahr von höheren Schrottpreisen profitiert. Von Januar bis Juni kletterte der Umsatz von 901 Millionen auf 1,18 Milliarden Euro, teilte der Entsorgungsdienstleister und Rohstoffanbieter mit. Das Vorsteuerergebnis legte von 34 auf 50 Millionen Euro zu. Wichtigster Wachstumstreiber war das Stahl- und Metallrecycling. Für das zweite Halbjahr erwartet Interseroh allerdings anhaltend rückläufige Schrottpreise und einen hohen Margendruck bei den Dienstleistungen.

Alitalia planmäßig pleite
Die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia beantragte am Freitag Gläubigerschutz. Dies erfolge gemäß einer von der italienischen Regierung speziell für die Fluglinie initiierten Gesetzesänderung vom Beginn der Woche, teilte das Unternehmen mit. Der Schritt macht den Weg frei für den Verkauf der rentablen Bereiche der Alitalia an eine Gruppe von italienischen Investoren, die zur Sanierung des Unternehmens zunächst rund eine Milliarde Euro bereitstellen will.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.