Alles neu macht der April

Detlev Landmesser

Stand: 03.04.2007, 20:39 Uhr

Plötzlich ging alles ganz schnell: Mit neuer Kraft schwang sich der Dax am Dienstag auf einen neuen Jahreshöchststand. Der MDax erreichte gar historische Höhen. Am Abend kletterten die Kurse weiter.

Der L-Dax beschloss den Parketthandel mit 7.057,28 Punkten. Damit erreichte der deutsche Leitindex den höchsten Stand in diesem Jahr und übertraf das bisherige Jahreshoch von Ende Februar. Der MDax verzeichnete mit 10.399,70 Punkten sogar den höchsten Stand aller Zeiten. Damit hat der deutsche Aktienmarkt den jüngsten Einbruch restlos ausgebügelt.

Nicht zuletzt die starken Gewinne bei Eon beflügelten den Dax. Am Nachmittag kam neuer Schub über den großen Teich. In New York wurde vor allem die Entspannung am Ölmarkt gefeiert. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung der Gefangenenkrise im Iran hatte den Ölpreis um rund einen Dollar gedrückt.

Die Sorgen um den US-Hypothekenmarkt wurden dagegen erfolgreich verdrängt. Am Montagabend hatte der größte unabhängige Anbieter für zweitklassige Hypothekendarlehen New Century wie befürchtet Insolvenz beantragt.

Geldsegen von Eon?

Alleine 40 Dax-Punkte Plus gingen auf das Konto der Eon-Aktie, die rund sechs Prozent zulegte. Die Börsianer feierten die Entscheidung des Energieriesen, den kostspieligen Übernahmekampf um Endesa aufzugeben. Sie spekulieren nun auf eine Sonderausschüttung an die Aktionäre. Auch nach einer zusätzlichen Ausschüttung verblieben den Düsseldorfern genügend finanzielle Reserven, um an der Konsolidierung der europäischen Energiebranche teilzunehmen, sagten Analysten. Eon hatte am Montagabend nach heftigem Widerstand die milliardenschwere Übernahme des spanischen Stromversorgers aufgegeben.

Spekulationen um Conti
Den zweiten Platz im Dax belegte die Continental-Aktie. Wieder einmal machten Übernahmegerüchte um den Autozulieferer die Runde. "Es gibt das Gerücht, ein Finanzinvestor biete 120 Euro je Conti-Aktie", sagte ein Händler. Conti selber weiß nach eigener Auskunft davon nichts.

Deutsche Luxusautos erobern USA
Gegen Abend trudelten die Auto-Absatzzahlen vom nordamerikanischen Markt im März ein. Deutsche Luxusautos waren stärker als vor Jahresfrist gefragt: Porsche verzeichnete ein Plus von drei Prozent, BMW setzte 2,2 Prozent mehr Autos ab, während Audi sogar um 14,7 Prozent zulegte. Audis Mutterkonzern Volkswagen musste dagegen bei der Marke VW einen deutlichen Einbruch von 16,3 Prozent einstecken. DaimlerChrysler brachte im vergangenen Monat mit insgesamt 228.047 Stück vier Prozent weniger Autos auf den US-Markt. Dabei wurde ein leichtes Plus der Mercedes-Benz-Gruppe erneut vom Absatzrückgang bei Chrysler ausgebremst.


Chrysler-Entscheidung nächste Woche?
Unterdessen rückt die Entscheidung über die Zukunft des US-Autobauers näher. Anfang nächster Woche treffe sich in New York ein Team unter der Leitung von DaimlerChrysler-Strategievorstand Rüdiger Grube mit potenziellen Käufern, berichtete die Online-Ausgabe der "Wirtschaftswoche". Dort könne es bereits zu einem Vertragsabschluss kommen. In Stuttgart wachse die Zuversicht, bei einem Verkauf der US-Sparte sogar einen kleinen Gewinn zu erzielen. Der Konzern wolle künftig eine Minderheitsbeteiligung zwischen zehn und 20 Prozent an Chrysler halten, heißt es unter Berufung auf Verhandlungskreise. DaimlerChrysler wollte den Bericht nicht kommentieren. Vielleicht gibt das Management ja auf der morgigen Hauptversammlung einige Winke dazu.

Fraport expandiert in Afrika
Zum neuen Rekord im MDax trug auch die Fraport-Aktie bei. Ein Konsortium um den Frankfurter Flughafenbetreiber wird künftig den neuen Flughafen von Dakar im Senegal betreiben. Bei einer internationalen Ausschreibungen habe man den Zuschlag für 25 Jahre bekommen, teilte Fraport mit. Die Grundsteinlegung ist für diesen Mittwoch geplant. Die Inbetriebnahme ist für 2010/11 geplant. Internationale Banken, die den Neubau finanzieren, hatten die Kredite von einem professionellen Management des Flughafens abhängig gemacht.

IVG boomt
Das Immobilienunternehmen IVG hat 2006 vom Boom auf den europäischen Büromärkten profitiert. Der Konzerngewinn nach Anteilen Dritter wuchs um 44,8 Prozent auf 139,6 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit 132 Millionen gerechnet. Die Dividende will IVG von 38 auf 50 Cent pro Aktie erhöhen.

Praktiker hat Auslandsmärkte im Visier
Deutschlands zweitgrößte Baumarktkette Praktiker hat im abgelaufenen Jahr ihr Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 106 auf 111 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz legte wie bereits im Januar veröffentlicht um 4,2 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro zu. Die Dividende bleibt bei 0,45 Euro je Aktie. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf vier Milliarden Euro und das Ebita auf mindestens 115 Millionen Euro wachsen. Außerdem will das MDax-Mitglied stärker als bisher im Ausland expandieren.

Großauftrag für Rheinmetall
Gut aufgelegt war auch die Rheinmetall-Aktie. Der Rüstungskonzern hat von der Bundeswehr einen Auftrag zur Entwicklung eines Flugabwehrsystems erhalten. Die Bestellung habe ein Volumen von 48 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit.

QSC legt die Karten auf den Tisch
Der Breitbandnetzbetreiber QSC hat das Umtauschverhältnis für die Aktien des Konkurrenten Broadnet festgelegt. Die Broadnet-Aktionäre sollen für je elf Papiere des Unternehmens zwölf QSC-Anteilsscheine erhalten. Beide Unternehmen hatten sich Ende Januar darauf geeinigt, Broadnet auf QSC zu verschmelzen.

Cash Life hat neue Freunde in Bayern
Im SDax legte die Aktie von Cash Life über fünf Prozent zu. Der Finanzdienstleister hat eine Zusammenarbeit mit den bayerischen Sparkassen vereinbart. Danach werden 75 Sparkassen im Freistaat ihren Kunden, die den Verkauf einer Lebensversicherungs-Police erwägen, in Zukunft eine Veräußerung an Cash Life empfehlen.

GrenkeLeasing auf Wachstumskurs
Der Vermietungsspezialist für Hard- und Software GrenkeLeasing hat im ersten Quartal sein Neugeschäft um sieben Prozent auf 123,2 Millionen Euro verbessert. Unter Neugeschäft versteht die Summe der Anschaffungskosten neu erworbener Leasinggegenstände und Forderungen.

TAG Tegernsee erholt sich
Zu den SDax-Verlierern zählte die Aktie von TAG Tegernsee. Dabei ist das Hamburger Immobilienunternehmen im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Unter dem Strich verdiente TAG 2,8 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 35,5 Millionen Euro.

Finanzinvestoren tummeln sich bei Balda
Wieder deutlich erholt präsentierte sich die Balda Aktie. Die US-Gesellschaft Fidelity Management & Research Corporation (FMR) hat ihren Anteil an dem Handyzulieferer um knapp fünf Prozent auf 10,12 Prozent aufgestockt, teilte Balda am Dienstag mit. Damit sind inzwischen nur noch etwa 45 Prozent der Aktien im freien Handel. Laut Balda besitzen die Investmentgesellschaften Cycladic, Sapinda und Audley größere Aktienpakete, ebenso der US-Investor Guy Wyser-Pratte und die taiwanesische Unternehmerfamilie Chiang.

CropEnergies optimistisch
Die Aktie von CropEnergies kam deutlich voran. Der Biokraftstoffhersteller konnte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2006/07 nach vorläufigen Berechnungen von 60,5 auf rund 146 Millionen Euro verbessern. Das operative Ergebnis vor Sonderaufwendungen lag bei rund 20 Millionen Euro nach minus 18 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die Südzucker-Tochter erwartet für das neue Geschäftsjahr 2007/08 weiter steigende Umsätze und ein höheres operatives Ergebnis.

Greiffenberger unter Druck
Die Aktie der Industrie-Holding Greiffenberger brach bei relativ hohen Umsätzen ein, nachdem die Tochter Wiessner GmbH Insolvenz angemeldet hatte. "Die Liquiditätssituation der Greiffenberger AG und ihrer anderen Tochtergesellschaften ist durch den Insolvenzantrag von Wiessner" nicht beeinträchtigt, teilte Greiffenberger mit. Die Geschäftsergebnisse des vergangenen Jahres rückten in den Hintergrund.

Alstria geht in den Prime Standard
Den bislang größten deutschen Börsengang des Jahres brachte heute Alstria Office über die Bühne. Das Immobilienunternehmen hatte seine Aktien am unteren Ende der Preisspanne zugeteilt, die von 16,00 bis 17,50 Euro reichte. Der erste Kurs der Alstria-Aktie lag bei 16,30 Euro, die Notierung rutschte dann aber vorübergehend bis auf 15,77 Euro ab. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte das Papier bei 16,30 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

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