Aktionäre bleiben kritisch

Stand: 21.09.2009, 20:01 Uhr

Gewinnmitnahmen und schwache Vorgaben von der Wall Street haben den Dax am Montag belastet. Pessimismus scheint, das sagen Händler, aber nicht angesagt zu sein. Der Dax brauche einfach mal etwas Ruhe.

Nach den letzten Wochen mit Gewinnen sei es normal, dass die Kurse mal nicht stiegen, kommentierten die Börsianer diesen schwachen Montag. Denn die fundamentalen Nachrichten, die die Börse erreichten, waren gar nicht mal so schlecht; zumindest waren sie nicht angetan, den Markt stark zu belasten.

Aus Amerika kam am Nachmittag der Index der Frühindikatoren. Jener Indikator, der wichtige Hinweise auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung geben kann, stieg zwar leicht auf 0,6 Punkte. Die Börse reagierte dennoch enttäuscht, Analysten hatten etwas mehr erwartet.

Als weiteren Belastungsfaktor insbesondere für die Wall Street machten die Marktteilnehmer den fallenden Ölpreis unter 70 Dollar das Barrel sowie den steigenden Dollar aus.

Der Dax immerhin, er erholte sich etwas zum Tagesausklang und schloss deutlich über seinem Verlaufstief. Am Ende standen 5.669 Punkte zu Buche, 0,6 Prozent tiefer. TecDax und MDax indes verloren etwa zwei Prozent.

Infineon steigt wieder auf
Die Börse setzte am Montag ihre beschlossene Indexneuordnung in Kraft. Der Dax hat mit Infineon nach einem halben Absenz ein altes Mitglied wieder. Die Aktie legte 1,8 Prozent zu, was auch an einem Interview mit Konzernchef Peter Bauer lag, der gesagt hatte, er wolle bei Übernahmen und Zusammenschlüssen in der Branche "aktiv mitmischen". Die Aktie von Hannover Rück, die ein halbes Jahr im Dax notiert war, machte einen Schritt rückwärts und ist nun wieder im MDax notiert.

Potash belastet K+S
Die Aktie des Düngemittelherstellers K+S verlor am Dax-Ende 3,8 Prozent. Anleger reagierten nervös auf eine Gewinnwarnung des kanadischen Konkurrenten Potash. Der hatte bereits am Freitag gesagt, er sehe für das vierte Quartal und das Gesamtjahr schwächere Gewinne als bisher erwartet.

Analysten machen Kurse
Die Allianz-Aktie im Dax stieg nach einer Heraufstufung auf "Overweight" durch JP Morgan um mehr als ein Prozent. Krones-Aktien im MDax schlossen fast sechs Prozent fester, nachdem die BoA/Merrill Lynch, die HSBC und die Commerzbank ihre Ziele und Ratings nach oben korrigiert hatten. Verluste von 1,5 Prozent gab es bei der ebenfalls im MDax notierten ProSiebenSat.1-Aktie. JP Morgan senkte das Kursziel auf 6,50 Euro und stufte die Aktie mit "Neutral" ein. Um 1,9 Prozent hingegen stieg die Wincor Nixdorf-Aktie: Goldman Sachs hatte den Hersteller von Kassensystemen und Geldautomaten auf die "Conviction Buy"-Liste genommen.

Solarworld will weniger Geld
Die Solartitel im TecDax notierten am Montag deutlich schwächer. Frank Asbeck, Chef der Solarfirma Solarworld, sagte in einem Zeitungsinterview, die Politik solle wegen der gefallenen Weltmarktpreise die Vergütungen für den Solarstrom weiter reduzieren. Das gefällt den Solaranlegern nicht, auch nicht denen von Solarworld. Die Aktie verlor 5,1 Prozent, trotz der Ankündigung Asbecks, die Kapazitäten auszuweiten.

Kuka besetzt AR-Chefposten neu
Der Roboterbauer Kuka hat einen neuen Aufsichtsratschef. Till Reuter, Vertreter des Großaktionärs Grenzebach, wurde nach monatelangen Streitereien zwischen Grenzebach und dem Kuka-Management zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Sein Vorgänger, und auch Vorstandschef Horst Kayser und Finanzchef Matthias Rapp, für die es noch keine Nachfolger gibt, hatten im Streit ihr Amt niedergelegt.

Demag Cranes steigt nach Gerüchten
Aktien des Kranherstellers Demag Cranes drehten am frühen Nachmittag ins Plus und schlossen ein Prozent fester. Händler begründeten dies mit Spekulationen, wonach Mitsubishi Heavy den Kranbauer für 28,85 Euro je Aktie übernehmen wolle. Schon vor einer Woche gab es Gerüchte über einen Einstieg von Mitsubishi Heavy bei Demag. Letztlich verhandelten die beiden Firma nur über die Fortsetzung ihrer bestehenden Zusammenarbeit.

Intica gewinnt Kunden
Die Aktie des Elektronikkomponentenherstellers Intica stieg bei vergleichsweise sehr hohen Umsätzen um 12,8 Prozent. Die Firma hat zwei neue Kunden aus der Automobilindustrie gewonnen, für die sie Komponenten für Elektro- und Hybridfahrzeuge entwickeln und herstellen wird.

Dell kauft Perot
Der Computerhersteller Dell gab am Nachmittag die Übernahme des IT-Dienstleisters Perot Systems bekannt. 3,9 Milliarden Dollar wird Dell für seine neue Dienstleistungssparte ausgeben. Während Dell-Aktien deutlich verlieren, ziehen die Perot-Papiere um 70 Prozent nach oben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr