Marktbericht 20:10

Dax im Pausen-Modus Aktienmarkt ohne klaren Trend

Stand: 24.06.2014, 20:10 Uhr

Erst besser als erwartet ausgefallene amerikanische Konjunkturdaten sorgten am deutschen Aktienmarkt doch noch für etwas Schwung. Danach hatte es lange nicht ausgesehen.

Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 9.938 Punkten, ein moderater Zuwachs von 0,17 Prozent und in der Nähe des Tageshochs bei 9.948 Zählern. Insgesamt blieb die Schwankungsbreite in einem lange Zeit richtungslosen Handelsgeschehen aber gering, das Tagestief lag bei 9.899 Zählern.

Damit setzte sich die Hängepartie am Aktienmarkt fort. Denn der Dax bleibt zwar auf hohem Niveau, er ziert sich jedoch noch, die Marke von 10.000 Punkten wieder ins Viser zu nehmen. Auch wirklich nennenswerte neue Unternehmensdaten gab es kaum. Diplomatische Entspannungssignale aus Moskau im Ukraine-Konflikt wirkten sich allerdings stabilisierend aus.

Ifo-Index kaum beachtet

Der üblicherweise stark beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex sorgte dieses Mal nicht für nennenswerte Bewegung an der Börse. Die Anleger reagierten sehr gelassen auf die schwächer als erwartet ausgefallenen Daten. Experten zeigten sich aber nicht wirklich beunruhigt. "Eine gesunde Konjunkturzuversicht kann dennoch attestiert werden. Die Grundbotschaft lautet: Nach dem fulminanten Wachstum im ersten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen einen gemächlicheren Gang einschlagen", sagte Konjunkturexperte Thomas Gitzel von der VP-Bank.

Ifo Geschäftsklimaindex Oktober 2013 bis Juni 2014

Ifo-Index überraschend schwach

Die Krisen in der Ukraine und im Irak hinterlassen deutliche Spuren im aktuellen Ifo-Index: Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni erneut eingetrübt.

S&P-500 nach Konjunkturdaten auf Rekordhoch

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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2.692,76
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An der Wall Street fielen die jüngsten Konjunkturdaten hingegen besser aus und werden entsprechend positiv aufgenommen. Der Dow-Jones-Index, der zunächst mit Abschlägen eröffnete, hat sich mittlerweile erholt und ist leicht ins Plus gedreht. Der marktbreite S&P-500-Index erreicht im bisherigen Verlauf bei 1.968,17 Punkten sogar ein neues Rekordhoch. Noch stärker bergauf geht es an der Technologiebörse Nasdaq, wo ein Zuwachs von 0,68 Prozent an der Tafel steht.

Vor allem das deutlich gestiegene Verbrauchervertrauen für den Juni kommt gut an. Der Index sei im Juni zum Vormonat um 3,0 Punkte auf 85,2 Punkte gestiegen, teilte das private Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag in Washington mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 83,5 Punkte gerechnet. Es ist der höchste Stand seit Januar 2008.

Die Daten vom Hausmarkt deuten auf eine Fortsetzung der Erholung hin. Vor allem die Verkäufe neuer Häuser lagen im Mai mit einem Anstieg im Monatsvergleich um 18,6 Prozent deutlich über Erwartungen. Annualisiert sind dies 504.000 Häuser, Experten hatten nur mit 439.000 Einheiten gerechnet. Es ist der stärkste Anstieg seit immerhin 1992. "Alles in allem unterstreichen die Zahlen das intakte Wachstumsszenario in den USA". kommentierte Ulrich Wortberg von der Helaba das Zahlenwerk.

Euro fällt zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1442
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Spiegelbildlich zu den guten US-Konjunkturdaten fällt der Euro zurück und liegt mittlerweile unter der Marke von 1,36 Dollar. Im Tageshoch stand die Gemeinschaftswährung schon bei 1,3627 Dollar. Die Daten deuten darauf hin, dass die US-Notenbank ihren Tapering-Prozess weiter wie geplant fortführen wird, was eine Verknappung des Dollar-Angebotes zur Folge hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3618 nach 1,3596 Dollar am Vortag fest.

Analyst bewegt Autowerte

Einige der größten Kursausschläge im Dax waren heute auf eine Analystenstudie aus dem Hause UBS zurückzuführen. BMW-Aktien setzten sich nach einer Kaufempfehlung durch die UBS an die Pole Position im Dax und gaben diese bis zum Ende nicht mehr ab.

Die Experten hoben den positiven Start der "i"-Elektroautos hervor. Kritischer bewerteten die UBS-Experten hingegen die Daimler-Aktie, die sie auf "Neutral" von "Buy" abstufen. Der Markt für Nutzfahrzeuge in Europa sei mit Vorsicht zu bewerten, daher stünden die Ziele der Schwaben für das Lkw-Geschäft auf dem Spiel.

Dax-Schlusslicht waren Infineon, auch Deutsche Börde gaben nach. Commerzbank tendierten ebenfalls leichter und setzen damit ihre jüngste Schwächephase fort. Sorgen über eine drohende Kapitalerhöhung seien aber übertrieben, so Analyst Hubert Lam von Morgan Stanley. Vielmehr drücke das extreme Niedrigzinsniveau auf das operative Ergebnis.

Bayer und K+S im Syngenta-Sog

Übernahmefantasien rückten heute die Aktien von Chemieunternehmen europaweit ins Rampenlicht. Bloomberg hatte berichtet, dass Monsanto eine Übernahme des Schweizer Agrokonzerns Syngenta ins Auge gefasst habe. Zwar hat das Syngenta-Management die Gespräche abgebrochen, die Aktien blieben an der Börse in Zürich aber trotzdem gefragt. Die im Sog der Nachricht mit nach oben gezogenen Papiere von K+S und Bayer behaupteten sich ebenfalls in der Dax-Spitzengruppe.

Adidas gibt sich zuversichtlich

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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200,80
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-1,91%

Auf einer Pressekonferenz hat Firmenchef Herbert Hainer die Umsatzziele im wichtigen Fußball-Geschäft bestätigt. Man werde 2014 "definitiv" mehr als zwei Milliarden Euro umsetzen, erklärte er.

Rückenwind kommt dabei von der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft. Erwartet wird, dass mehr als 1,5 Millionen Nationaltrikots sowie rund 14 Millionen Bälle im Design des Turnierballs Brazuca verkauft werden. Damit sei die Fußball-WM die kommerziell erfolgreichste Veranstaltung in der Unternehmensgeschichte, sagte Hainer weiter. Die Adidas-Aktie zog am Nachmittag an, beendete den Handel aber trotzdem mit einem Abschlag von 0,2 Prozent bei 74,80 Euro.

Neues Sparprogramm bei Heidelbergcement

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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59,22
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Der Baustoffkonzern setzt auf weitere Einsparungen im Produktionsprozess. Mit einem entsprechenden Programm soll weltweit in 65 Zementwerke bis Ende 2017 das Ergebnis verbessert werden. Ziel sind 120 Millionen Euro. Dabei sollen Mitarbeiter unternehmerisch geschult werden, um Verbesserungsmöglichkeiten im Konzern besser zu erkennen. Erste Pilotversuche waren erfolgreich, so dass ab September flächendeckend gestartet wird.

BASF läuft Sturm

Der Chemieriese hat heftige Kritik geübt an den drohenden Mehrbelastungen für die Industrie bei der Ökostrom-Reform. Gleichzietig fordern die Ludwigshafener Nachverhandlungen mit der EU-Kommission. Vor allem die Einbeziehung bereits bestehender Anlagen sei nicht nachvollziehbar. "Es ist ein industriepolitisch verheerendes Signal, das an der Investitionssicherheit am Standort Deutschland zweifeln lässt", wurden ungeöhnlich deutliche Töne angeschlagen. Die vorgesehenen Regelungen böten keinen Bestandsschutz für bereits getätigte Investitionen in Stromanlagen, erklärte BASF.

Stimmung für Versicherungsaktien im Keller

Nach einer Studie der auf Marktstimmungen spezialisierten Agentur Sentix ist der Versicherungssektor bei den Investoren so wenig gefragt wie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2002. Grund sei die jüngste Zinsdiskussion in Europa nach der bisher letzten Senkung durch die EZB, die der Stimmung für den Sektor den Rest gegeben habe, schreiben die Experten. Die Stützung der Branche durch die Bundesregierung hat sich hingegen kaum ausgewirkt. Da Stimmungsindikatoren aber gerne als Kontraindikator gesehen werden, sehen die Analysten nun Chancen für die Aktien der Assekuranz. "Das riecht nach einer Kaufchance", sagte Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner.

Für den Gesamtmarkt zeichnet Hübner positives Bild. Instititutionelle Anleger gönnten sich eine "zweite Luft". Aus Branchensicht gehören Rohstoffaktien zu den Favoriten. Aber auch der "Extrempessimismus" für die Versorger weiche langsam, erklärte der Experte. Bei der Juni-Umfrage wurden zwischen dem 19. und 21. Juni insgesamt 882 private und instititutionelle Investoren befragt.

Kuka: Gewinnmitnahmen nach Rekordhoch

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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66,40
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-3,35%

Grölßter Verlierer im MDax blieb die Kuka-Aktie, auch wenn sie sich vom Tagestief im Verlauf erholte. Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen. Die Aktie hatte erst am Montag bei 45,42 Euro ein frisches Allzeithoch markiert. Binnen Zwölf-Monats-Frist konnten Anleger mit dem MDax-Titel Kursgewinne von 35 Prozent einfahren.

Catoil nach Gazprom-Vertrag an SDax-Spitze

Im SDax war die Catoil-Aktie der mit Abstand größte Gewinner. Der österreichische Ölfeldausrüster hat sich von seinem russischen Kunden Gazprom langfristige Aufträge bei der Öl- und Gasförderung gesichert. Die beiden Unternehmen haben einen Rahmenvertrag geschlossen, der neue Bohranlagen von Catoil bis Ende 2016 voll auslastet. "Die Vereinbarung schafft Planungssicherheit", erklärte Catoil-Chef Manfred Kastner.

Braas-Monier kommen zu 24 Euro

Dies wurde am Abend nach Xetra-Schluss bekannt gegeben. Die Eigentümer des Herstellers von Dachpfannen und Schornsteinen werden bis zu 541 Millionen Euro einnehmen. Der Preis liegt am unteren Ende der zwischen 23 und 28 Euro liegenden Zeichnungsspanne.

Microsoft macht mobil

Im Kampf um die Vormachtstellung im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft geht Satya Nadella auf Konfrontationskurs zu Apple, Google und Amazon. Der neue Microsoft-Chef senkt die Preise für Online-Speicher und räumt den Nutzern zugleich mehr Platz auf den Servern des Konzerns ein.

Google will eigenes Unterseekabel

Die Suchmaschine will mehrere Millionen Dollar in ein privates Unterseekabel im Pazifik investieren, dass das eigene Datencenter in Oregon mit Japan verbindet. Man verspreche sich mehr Kontrolle und eine höhere Qualität der Datenströme, hieß es im "Wall Street Journal". Google ist damit voll im Trend, denn das Datenvolumen wächst stark und immer mehr davon wird über private Netzwerke über die Meere geschickt. Die Aktie liegt derzeit an der Nasdaq gut ein Prozent im Plus.

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum Intraday
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1.031,45
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-2,83%
Alphabet C: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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904,50
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-2,05%

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"