Aktienmarkt in der Schwebe

Detlev Landmesser

Stand: 04.08.2009, 20:26 Uhr

Nach drei starken Wochen ist die Versuchung groß, Gewinne mitzunehmen. Zugleich aber drängt immer wieder Liquidität an den Markt. Der Dax bewegte sich in diesem Spannungsfeld am Dienstag seitwärts.

Die zahlreichen Unternehmensbilanzen entfalteten unter diesen Umständen kaum Einfluss auf die Kurse. Der L-Dax schloss bei 5.418,90 Punkten. Nach dem gestrigen Jahreshoch des Dax bei 5.463 Punkten hatten viele Marktteilnehmer die Reißleine gezogen und ihre jüngsten Gewinne realisiert. Als sich die Stimmung an der Wall Street besserte, kam aber erneut Kaufinteresse auf.

Die Wall Street tendierte am Abend unentschlossen seitwärts. Die jüngsten US-Konjunkturdaten wirkten dabei insgesamt positiv. Der Index der "schwebenden", also noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe stieg im Juni deutlich von revidiert 91,3 auf 94,6 Punkte, was auf einen Anstieg der künftigen Hausverkäufe und damit eine verbesserte Nachfrage schließen lässt. Zudem stieg der private Konsum im Juni mit 0,4 Prozent etwas stärker als erwartet. Allerdings wurde der Vormonatswert auf 0,1 von zuvor 0,3 Prozent nach unten revidiert. Die persönlichen Einkommen fielen zudem mit 1,3 Prozent so stark wie seit vier Jahren nicht mehr.

Deutsche Börse verdient deutlich weniger

Kurz nach Schluss des Abendhandels legte die Deutsche Börse ihre Quartalsbilanz vor. Der Börsenbetreiber verzeichnete im zweiten Quartal kräftige Rückgänge beim Umsatz und operativen Ergebnis und enttäuschte die Markterwartungen. Bei einem Umsatzrückgang von zwölf Prozent auf 515,6 Millionen Euro sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) um 34 Prozent auf 248,8 Millionen Euro. Das dürfte die Börsenaktie im frühen Handel am Mittwoch belasten.

MüRü erhöht Umsatzprognose

Nach den erfreulichen Quartalszahlen der Münchener Rück legte das Dax-Schwergewicht erst zu, fiel dann aber Gewinnmitnahmen zum Opfer. Der Finanzkonzern hat seinen Überschuss im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 691 Millionen Euro gesteigert. Auch die angehobene Umsatzprognose konnte die Kauflaune der Anleger nur für kurze Zeit heben. Die Aktie der Allianz profitierte dagegen den ganzen Tag von der Bilanz des Dax-Kollegen.

BMW sieht noch keine Wende

Im Verliererfeld des Dax fand sich die BMW-Aktie wieder, obwohl dem Autokonzern im zweiten Quartal überraschend ein Gewinn von 121 Millionen Euro gelang. Der Ausblick der Münchener klang dagegen verhalten: "Trotz erster positiver Signale ist eine durchgreifende und dauerhafte konjunkturelle Erholung derzeit noch nicht abzusehen", erklärte BMW-Chef Norbert Reithofer.

Fresenius-Familie in Ungnade

Auch die Zahlenwerke des Gesundheitskonzerns Fresenius und der ebenfalls im Dax notierten Tochter Fresenius Medical Care (FMC) fanden wenig Anklang. Während Fresenius seinen Umsatz um 21 Prozent und das operative Ergebnis (Ebit) um rund ein Viertel steigern konnte, verzeichnete FMC nur einen mageren Umsatzzuwachs von vier Prozent und einen Ebit-Rückgang von drei Prozent. Die FMC-Aktie wurde schließlich ans Dax-Ende durchgereicht.

Beiersdorf schrumpft

Rund zwei Prozent büßte die Beiersdorf-Aktie ein. Der Nivea-Hersteller hat im zweiten Quartal ein Umsatzminus von vier Prozent auf 1,5 Milliarden Euro verbucht. Das Ebit brach sogar von 210 auf 146 Millionen Euro ein. Hier machten sich unter anderem hohe Marketingausgaben bemerkbar.

Bauer plötzlich in neuem Licht

Aus dem MDax gab es eine Reihe von Bilanzen. Die Bauer-Aktie trug die rote Laterne im Index der mittelgroßen Konzerne. Der Baumaschinenhersteller hat seine Prognose für die Konzernleistung im Gesamtjahr von 1,4 auf 1,3 Milliarden Euro nach unten geschraubt. Der Gewinn wird im Gesamtjahr wohl nur halb so hoch liegen wie bisher prognostiziert.

Kuka macht seinen Banken Kummer

Fast vier Prozent verlor Aktie von Kuka. Der Roboter- und Anlagenbauer hat nach eigenen Angaben im zweiten Quartal gegen eine Klausel des Kreditvertrages mit einem Bankenkonsortium verstoßen. "Dies kann zur Fälligstellung der Kreditlinien führen", so Kuka. Was "bestandsgefährdend" wäre. Der MDax-Konzern sieht allerdings bisher keine Hinweise, dass die Banken die Kreditlinien kündigen wollten. Stattdessen bereitet Kuka eine Kapitalerhöhung vor.

Gildemeister setzt aufs Jahresende

Auch Gildemeister war am Dienstag nicht wohl gelitten, weil der Werkzeugmaschinen-Hersteller seine Gesamtjahresprognose reduzierte. Der MDax-Konzern rechnet nur noch mit einem Umsatz von 1,3 statt bisher 1,4 Milliarden Euro. Im vierten Quartal werde sich das Geschäft aber erholen, prognostizierte Vorstandschef Rüdiger Kapitza.

Infineon zieht Kapitalerhöhung durch

Für Infineon scheint derzeit alles gut zu laufen. Die jüngste Kapitalerhöhung ist nach Angaben des TecDax-Konzerns gut aufgenommen worden. Zugleich will der Finanzinvestor Apollo trotz seines nun geringeren Anteils am Einstieg bei Infineon festhalten. Ein von Apollo verwalteter Fonds werde die noch verfügbaren rund 14 Millionen Aktien aus der Kapitalerhöhung zu einem Bezugspreis von 2,15 Euro zeichnen, teilte Infineon mit. Damit hält Apollo einen Anteil von rund 1,3 Prozent am erhöhten Infineon-Grundkapital. Eigentlich wollte Apollo bei der Kapitalerhöhung mindestens 15 Prozent an dem Chiphersteller bekommen.

Schwarze Null bei StatoilHydro

Wie schon die anderen großen Ölkonzerne musste auch StatoilHydro angesichts der Öl- und Gaspreisdelle Federn lassen: Norwegens größter Energiekonzern verbuchte im zweiten Quartal eine schwarze Null, nach 18,9 Milliarden Kronen im Vorjahreszeitraum. Dafür war allerdings auch ein außerordentlich hoher Steuerposten verantwortlich. Der Umsatz fiel um 39 Prozent auf 104,6 Milliarden Kronen. Konzernchef Helge Lund bezeichnete die Ergebnisse dennoch als "solide", hielt sich aber mir einer Jahresprognose weiter zurück. Man müsse mit "sprunghaften" Entwicklungen beim Öl- und Gaspreis rechnen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat