Marktbericht 20:07

Knackiger Wochenauftakt im Dax Aktienmarkt im Höhenrausch

Stand: 16.12.2013, 20:07 Uhr

Da hat heute alles gepasst. Gute Konjunktur- und Unternehmensdaten treiben den Leitindex Dax um über 150 Punkte. Das Feld ist bereitet für die wichtige Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve am Dienstag und Mittwoch.

Am Ende eines festen Börsentages stieg der deutsche Leitindex um 1,74 Prozent und schloss bei 9.163 Punkten, ein Tagesgewinn von immerhin 157 Punkten. Das Tageshoch lag bei 9.187, das Tief wurde im frühen Geschäft bei 8.997 Zählern markiert. Nachbörslich gab der L/E-Dax leicht nach auf 9.158 Zähler.

Mit dem kräftigen Tagesgewinn hat sich zudem das technische Bild deutlich aufgehellt, denn die Widerstandszone bei 9.070 /9.085 Punkten wurde geknackt. Auch der MDax legte 1,11 Prozent zu auf 16.081 Punkte, der Technologieindex TecDax gewann gut ein Prozent auf 1.122 Zähler hinzu. Der Aufschwung war damit breit untermauert.

Daten der Einkaufsmanager beflügeln

Die Bullen erhielten bereits am Morgen fundamentale Unterstützung vom europäischen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Dezember. Das Konjunkturbarometer stieg in der EU auf 52,1 von 51,7 Zählern im Vormonat. Vor allem Deutschland scheint sich dabei zu festigen. Der nationale Index zog um 1,5 auf 54,2 Punkte an. Sorgenkind bleibt allerdings der größte Handelspartner Frankreich, wo die Tendenz rückläufig war. "Frankreich schlüpft immer mehr in die Rolle des neuen 'kranken Mannes in Europa'", sagte am Montag Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zur Umfrage seines Instituts unter rund 4000 Firmen.

Euro im Zick-Zack-Kurs

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro reagierte zunächst mit Kursgewinnen auf die europäischen Daten, die ihn schon fast bis an die Grenze von 1,38 Dollar getrieben haben. "Der Euroraum bleibt in der Spur", kommentierte Experte Christian Melzer von der Dekabank die Stimmungsdaten. Er sieht ein klares Wachstumssignal für den Währungsraum.

Nach ebenfalls überwiegend gut ausgefallenen US-Daten gab die Gemeinschaftswährung dann aber wieder nach und steht aktuell bei 1,3756 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurses bei 1,3776 Dollar festgesetzt, gut ein halber Cent mehr als am Vortag.

Nur wenig Auswirkungen auf den Euro-Kurs hatten die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi vor dem europäischen Parlament in Brüssel. Er machte klar, dass im Gegensatz zu den USA in Europa noch länger mit einer lockeren Geldpolitik zu rechnen sein wird - was aber nichts Neues ist für die Märkte. Draghi kritisierte darüber hinaus den gefunden Kompromiss zur Bankenabwicklung. Zudem muss er sich nach dem überraschenden Ausscheiden von Jörg Asmussen eine Nachfolger im EZB-Direktorium suchen. Der Weggang sei ein "enormer Verlust", sagte der europäische Notenbankchef. Der Sozialdemokrat Assmussen wechselt in die neue Bundesregierueng.

US-Märkte ebenfalls freundlich

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street haben ebenfalls die Bullen das Kommando übernommen. Der Dow-Jones-index liegt aktuell 0,9 Prozent im Plus. Die Börsianer erwarten mit Spannung die am Dienstag beginnenden zweitägigen Beratungen der Fed zur Geldpolitik. Dabei geht es darum, ob die Notenbank beginnt auf die Bremse zu treten, den viel diskutierten Tapering-Prozess also einleitet. Es ist und bleibt das zentrale Thema für die Märkte schlechthin - und das weltweit.

Die zahlreichen Konjunkturdaten die heute veröffentlicht wurden, zeichnen dabei das Bild einer sich langsam aber stetig erholenden Wirtschaft, auch wenn sie nicht immer eindeutig waren. So lag der Anstieg des Empire-State-Index der New Yorker Fed mit plus 0,98 Punkten klar unter den Erwartungen eines Zuwachses von 4,75 Zählern. Allerdings war der Index zuvor mehrmals in Folge gefallen.

Die Produktivität der US-Wirtschaft sowie die Industrieproduktion und die Kapazitätsauslastung fielen hingegen besser als erwartet aus. "Die Zahlen schließen sich den zuletzt deutlich gestiegenen Stimmungsindikatoren an und weisen auf das zunehmende Momentum in der Wirtschaft hin", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen die Produktionsdaten der amerikanischen Industrie.

T-Aktie der Superstar

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zum positiven Dax-Verlauf am Montag trug besonders die schwer gewichtete Aktie der Deutschen Telekom ihr Scherflein bei. Die T-Aktie stieg in der Spitze mehr als vier Prozent auf 11,89 Euro. Gegen Handelsende gab es aber Gewinnmitnahmen, so dass am Ende ein Plus von 3,8 Prozent auf 11,78 Euro an der Anzeigetafel stand.

Das "Wall Street Journal" hatte von Übernahmeplänen des Mobilfunkanbieters Sprint für T-Mobile USA berichtet.
Der Wert des Deals könnte bei mehr als 20 Milliarden Dollar liegen, hieß es unter Berufung auf informierte Kreise. Allerdings könnte die Zustimmung der Wettbewerbshüter noch problematisch werden. "Wir sind schon seit längerem der Meinung, dass Sprint und T-Mobile US gemeinsam besser dran wären", schrieben die Analysten von Bernstein Research in einem Kommentar.

Siemens erhält Rekordauftrag

Im Dax legte auch die Siemens-Aktie kräftig zu und stieg um 2,90 Prozent auf 96 Euro. Das ebenfalls schwer gewichtete Papier gehörte damit ebenfalls zu den größten Tagesgewinnern. Der Konzern erhält aus den USA einen Großauftrag für Windanlagen. Der US-Energieversorger MidAmerican hat auf einen Schlag 448 Turbinen bestellt. Mit einer Gesamtleistung von 1050 Megawatt sei dies der größte Auftrag, der bislang für die Windkraft an Land erteilt wurde, erklärte Siemens am Montag. Experten schätzen den Auftragswert inklusive Serviceverträgen auf 1,1 Milliarden Dollar (rund 800 Millionen Euro). Gleichzeitig gaben die Münchener eine Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer auf dem Gebiet von Labor-Diagnostiktests bekannt.

Auch die Commerzbank-Aktie war gefragt, nachdem das Institut hat einen Käufer für ein großes Paket von Schiffskrediten gefunden hat. Damit sinkt das Volumen der faulen Kredite im Bereich der Schiffsfinanzierung bei der Commerzbank von 4,4 Milliarden Euro Ende September um sechs Prozent. Insgesamt gingen die Gewinne durch alle Branchen, leiglich FMC und Infineon gaben im Dax leicht nach.

PSI kauft eigene Aktien zurück

Das Unternehmen aus dem TecDax hat beschlossen, bis zu 100.000 eigene Aktien zurückzukaufen, rund 0,64 prozent des Grundkapitals. das gab PSI nach Börsenschluss bekannt. Der Beschluss folgt der Ermächtigung der Hauptversammlung vom 7. Mai 2013 zum Rückkauf eigener Aktien im Umfang von bis zu knapp 10 Prozent des Grundkapitals. Das Rückkaufprogramm ist bis zum 28. Februar 2014 befristet.

LPKF Laser bleibt Börsenliebling

Tagessieger im TecDax waren die Titel von LPKF Laser mit einem Aufschlag von 5,9 Prozent. Aussagen von Unternehmenschef Bretthauer in der "FAS" kamen gut an. "Wir rechnen für 2014 mit einer Gewinnmarge von 15 bis 17 Prozent und 132 bis 140 Millionen Euro Umsatz." 30 bis 50 Prozent des Nettogewinns wolle man an die Aktionäre ausschütten.

Aurubis wird abgestraft

Ganz anders sah es hingegen für die im MDax Papiere von Aurubis aus. Mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 41,09 Euro lag die Aktie nach der Vorlage endgültiger Jahreszahlen am Indexende. Die schwache Konjunktur und Kosten für den Konzernumbau haben den Gewinn von Europas größter Kupferhütte mehr als halbiert. Auch die Dividende soll von 1,35 auf 1,10 Euro gekürzt werden.

Evonik erholt sich im Verlauf

Auch Anteilsscheine des Chemiekonzerns Evonik tendierten im Index der mittelgroßen Werte lange Zeit schwächer, konnten sich aber im Handelsverlauf wieder erholen. Am Ende stand ein Mini-Minus von 0,05 Prozent. Grund für die Skepsis der Börse: Die deutsche Kohlestiftung will weitere Evonik-Aktien verkaufen, sagte der Chef der RAG-Stiftung, Werner Müller, der "Rheinischen Post". Auf lange Sicht solle der Anteil von derzeit 67,9 Prozent auf gut 25 Prozent sinken. Ein Händler sagte: "Die Sorge vor einem umfangreichen Aktienüberhang dürfte die Aktien weiter belasten."

KlöCo streckt wieder die Fühler aus

KlöCo-Aktien konnten ihr Tageshoch zwar nicht verteidigen, schlossen aber trotzdem noch 1,3 Prozent höher. Nach zwei Jahren Sparprogramm denkt der Stahlhandelskonzern Klöckner & Co wieder über mögliche Übernahmekandidaten nach. "Ab 2014 sind auch wieder Akquisitionen denkbar", sagte Vorstandschef Gisbert Rühl der "Welt am Sonntag". Dabei habe er die USA fest im Blick, vor allem im Bereich der höherwertigen Stähle.

Kehraus bei König & Bauer

Der Maschinenbauer und Konkurrent der Heidelberger Druck hat ein umfangreiches Sanierungsprogramm bekannt gegeben, das unter anderem den Abbau von bis zu 1.500 Stellen vorsieht. Auch ein Verkauf oder die Aufgabe eines der Standorte sei nicht ausgeschlossen, erklärte das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss. K&B mit Sitz in Würzburg ist darüber hinaus in Radebeul, Frankenthal, Mödling (Österreich) und Dobruska (Tschechien) vertreten.

Die Kosten für den Umbau werden auf einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" geschätzt, könnten aber auch noch höher sein. Ab dem Jahr 2016 will das im Kleinwertindex SDax notierte Unternehmen wieder profitabel arbeiten. Die Aktie stieg während der regulären Handelszeit heute fast drei Prozent auf 13,23 Euro. Im nachbörslichen Handel geht es bergab.

Freenet kauft zu

Die Mobilfunk-Firma aus dem Prime Standard übvernimmt für einen nicht genannten Betrag den Anbieter von Klingeltönen Jesta Digital Group. Die Transaktion soll Anfang 2014 abgewickelt werden. Jesta bietet unter anderem Klingel- und Freizeichentöne sowie Handy-Spiele an und betreibe eine eigene mobile Werbeplattform. "Mit Jesta Digital verbinden uns inzwischen über zehn Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit", erklärte Freenet-Chef Christoph Vilanek.

Starkes Börsendebüt von Moncler

Im Ausland sorgten die Aktien von Moncler für Furore. Bei ihrem Debüt an der Mailänder Börse legt das Papier der für ihre Luxus-Ski-Jacken bekannten italienischen Modefirma in der Spitze um mehr als 50 Prozent zu bis auf 15,47 Euro. Der Schlusskurs lag bei 14,97 Euro. Der Ausgabepreis hatte bei 10,20 Euro gelegen.

Milliarden-Deals in Amerika

Spekatkuläres kommt auch aus dem US-Unternehmenssektor. Der amerikanische Versicherungskonzern AIG trennt sich von seiner Flugzeugleasingtochter ILFC. Das Unternehmen, das Verkehrsflugzeuge an Fluggesellschaften vermietet, bringt dem Mutterkonzern 5,4 Milliarden Dollar. Käufer ist die niederländische AerCap. Durch die Übernahme werden AerCap und ILFC zusammen die Nummer zwei in der Branche hinter der zu General Electric gehörenden Gesellschaft Gecas.

Aber damit nicht genug. Der Chipkonzern und Apple-Zulieferer Avago kauft für 6,6 Milliarden Dollar oder 11,15 Dollar je Anteilsschein den Konkurrenten LSI. Das bedeutet für die LSI-Aktie einen Aufpreis gegenüber dem Freitag-Schlusskurs von 41 Prozent. Avago beliefert unter anderem Apple mit Chips für Mobiltelefone, LSI-Chips werden für Speicherkarten oder Festplatten benötigt.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen