Aktienmarkt gibt sich krisenresistent

Detlev Landmesser

Stand: 06.01.2009, 20:20 Uhr

Immer düsterer wird das Bild, das die Konjunkturdaten vom abgelaufenen vierten Quartal zeichnen. Der Dax schwang sich am Dienstag dennoch über die Marke von 5.000 Punkten.

Der L-Dax schloss 0,7 Prozent höher bei 5.038,90 Punkten. Weiterhin herrscht die Hoffnung darauf vor, dass staatliche Rettungsprogramme, niedrige Zinsen und billiges Öl im weiteren Jahresverlauf die konjunkturelle Wende bringen werden. Das war allerdings nicht ganz die Botschaft der Fed: Wie aus den am Abend veröffentlichten Beratungsprotokoll der Sitzung vom Dezember hervorgeht, erwartet die US-Notenbank Fed erst für das Jahr 2010 ein Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten. Das Jahr 2009 werde durch ein "kräftiges Minus" gekennzeichnet sein. Erst im kommenden Jahr werde es dann einen "leichten Aufschwung" geben, heißt es in dem Protokoll.

Nach Bekanntgabe der jüngsten US-Konjunkturdaten hatte der Dax einen Großteil seines Tagesgewinns von bis zu 2,55 Prozent wieder abgegeben. An der Wall Street rutschten die Standardwerte vorübergehend ins Minus.

Besonders die Auftragslage der amerikanischen Wirtschaft bremste die Kurse. Im November brachen die Industrieaufträge mit 4,6 Prozent überraschend stark ein. Volkswirte hatten mit einem Minus von 2,5 Prozent gerechnet. Zugleich wurde der Wert für den Oktober von minus 5,1 auf minus 6,0 Prozent revidiert. Auch die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe sank im November stärker als erwartet.

Dagegen hielten die US-Dienstleister in ihrer Talfahrt im Dezember überraschend inne. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex für die Service-Branche stieg von 37,3 auf 40,6 Punkte, was der erste Anstieg seit August war. Analysten hatten eigentlich mit einem weiteren Rückgang auf 37,0 Punkte gerechnet.

VW-Aktie für Dax-Plus verantwortlich

Mit ihrem Kursgewinn von zeitweise über 18 Prozent erinnerte die Volkswagen-Aktie an die Zeiten, als sie die Geschicke des Dax mehr bestimmte, als es den Investoren lieb sein konnte. Am Dienstag war sie immerhin für 36 der 42 Punkte verantwortlich, die der Xetra-Dax zulegte.

Auslöser war die Meldung, dass Porsche seit Montag mehr als 50 Prozent am größten Autohersteller Europas besitzt. Porsche hatte dies zwar genau so geplant, jetzt rückt aber das nächste Ziel (75 Prozent in diesem Jahr) in Reichweite. "Der Markt setzt auf eine Komplettübernahme von VW durch Porsche", sagte ein Händler.

Sorgen um Dresdner Bank belasten Allianz
Aktien der Allianz und der Commerzbank litten unter einem Zeitungsbericht, wonach die Dresdner Bank möglicherweise den staatlichen Rettungsfonds in Anspruch nehmen muss. "Offenbar ist der Kapitalbedarf bei der Commerzbank und der Dresdner Bank deutlich höher als erwartet - und das auch noch schneller als gedacht", sagte ein Händler. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass die bisherige Dresdner-Mutter Allianz und die Commerzbank mit dem SoFFin über staatliche Hilfen für die Dresdner Bank verhandeln. Die Commerzbank plant zudem als erstes deutsches Geldhaus eine staatlich garantierte Milliardenanleihe.

Auch die Deutsche-Bank-Aktie geriet unter Druck. Händler verwiesen als Belastung auf Spekulationen, wonach die Schweizer Großbank UBS an diesem Mittwoch eine Gewinnwarnung ausgeben werde. Ein Händler sprach von einem "relativ realistischen Gerücht".

ThyssenKrupp erwartet wieder mehr Aufträge
Im späten Geschäft konnte die Aktie von ThyssenKrupp ihren Tagesgewinn noch etwas ausbauen. Der Dax-Konzern blickt im Stahlgeschäft verhalten zuversichtlich auf das neue Jahr. "Unser Auftragseingang wird Anfang 2009 wohl wieder steigen, allerdings bewegen sich die Zahlen weiter auf insgesamt niedrigem Niveau", sagte Peter Urban, Finanzvorstand der ThyssenKrupp-Stahlsparte, dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). Die Monate Oktober und November seien allerdings "extrem mies" ausgefallen. Die Stahlsparte war in den vergangenen beiden Geschäftsjahren die wichtigste Einnahmequelle für den Konzern.

Metro herabgestuft
Die Metro-Aktie verlor über drei Prozent. Die Analysten von Merrill Lynch hatten am Morgen die Aktien des Handelskonzerns von "Buy" auf "Underperform" heruntergestuft. Das Kursziel bleibt aber bei 27 Euro.

Gas-Streit erreicht deutsche Versorger
Der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine lastete auch etwas auf den deutschen Versorgertiteln Eon und RWE. In Deutschland kam wegen neuer russischer Lieferkürzungen am Dienstag weniger Gas an, warnten die großen Importeure Eon Ruhrgas und Wingas. Allerdings verfügt Deutschland über riesige Gasspeicher, deren Volumen fast einem Viertel des Jahresverbrauchs 2007 entspricht.

Tod Merckles belastet Heidelcement
Die Nachricht vom tragischen Tod des Milliardärs Adolf Merckle lastete auf der Aktie von HeidelbergCement. Wegen der Finanznot der Firmengruppe Merckles war in den vergangenen Monaten über einen Verkauf von Merckles Anteil an dem MDax-Konzern spekuliert worden. Derzeit steht nach Medienberichten ein Überbrückungskredit von mehr als 400 Millionen Euro an die Firmengruppe des Ratiopharm-Gründers kurz vor der Unterzeichnung. Die Vereinbarungen seien aber von den tragischen Ereignissen nicht betroffen, hieß es aus Bankenkreisen. Der 74-Jährige hatte am Montag nach Angaben seiner Familie wegen der Folgen der Finanzkrise Selbstmord begangen.

Hochtief bekräftigt Prognose trotz Leighton
Fünf Prozent büßte die Aktie des Baukonzerns Hochtief ein. Die australische Tochter Leighton hatte am Morgen ihre Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2008/09 zurückgenommen und dies mit der Wirtschaftskrise und Abschreibungen auf Beteiligungen begründet. Die Leighton-Aktie fiel um elf Prozent. Hochtief selbst hält trotz der Gewinnwarnung an der bestehenden Prognose fest.

Fielmann im MDax, Bertrandt im SDax
Bei ihrem Debüt im MDax musste die Fielmann-Aktie erst einmal etwas Federn lassen. Die Optikerkette hat den Spezialchemiekonzern Altana ersetzt, dessen Streubesitz infolge der geplanten Komplettübernahme durch die Milliardärin Susanne Klatten unter zehn Prozent gesunken war. Damit erfüllte Altana nicht mehr die Voraussetzung für den Verbleib im Index. Den durch den Fielmann-Aufstieg freigewordenen Platz im SDax hat das Papier des Ingenieur-Dienstleisters Bertrandt eingenommen.

Logitech im Krisensog
Der schweizerisch-amerikanische Computerzubehör-Hersteller Logitech hat das abgelaufene Quartal mit weniger Umsatz und Gewinn abgeschlossen und senkte deshalb seine Umsatz- und Gewinnprognose. Außerdem will Logitech 15 Prozent seiner weltweiten Angestellten entlassen, um den Problemen beim Absatz Herr zu werden. Bereits im Oktober hatte die Firma ihre Geschäftsprognose gesenkt.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat