Aktienmärkte konsolidieren

Angela Göpfert

Stand: 16.10.2009, 20:04 Uhr

Zum Wochenschluss ist die anfängliche Euphorie über den Verlauf der US-Berichtssaison der Ernüchterung gewichen, Gewinnmitnahmen dominierten. Der Dax büßte am Freitag 1,5 Prozent ein auf 5.743 Punkte. Damit hat sich auch das charttechnische Bild etwas eingetrübt.

Zwar hat der Dax noch am Freitagvormittag bei 5.885 Punkten ein neues Jahreshoch erreicht. Doch dem deutschen Leitindex gelang es nicht, sich oberhalb der Marke von 5.850 Punkten etablieren können. Hier verläuft eine bedeutsame horizontale Widerstandslinie. Trotz der leichten Erholung im späten Parketthandel auf 5.773 Punkte: Unter technischen Gesichtspunkten sind kurzfristig weitere Kursrücksetzer möglich.

Mittelfristig stehen die Ampeln jedoch weiterhin auf grün, beruhigen Charttechniker, solange die 38-Tage-Linie bei 5.600 Punkten sowie die Unterstützungen bei 5.440/5.400 nicht unterschritten werden.

Konsumenten bleiben Börsen-Sorgenkind
Am Freitag drückte der überraschende Rückgang des US-Verbrauchervertrauens auf die Kauflaune der Anleger, ist der private Konsum doch für rund zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Auch die Quartalszahlen von General Electric, Bank of America und IBM sorgten nach dem furiosen Auftakt der US-Berichtssaison für Ernüchterung. So enttäuschte die Bank of America mit einem unerwartet hohen Verlust von einer Milliarde Dollar. Denn viele Amerikaner können wegen der Wirtschaftskrise ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen - Tendenz steigend.

General Electric: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,29
Differenz relativ
-3,50%

GE und IBM enttäuschen
Auch für den Mischkonzern General Electric ist die Krise noch nicht vorbei. Marktbeobachter hoben vor allem den Umsatzeinbruch von 20 Prozent negativ hervor. Die Geschäfte von GE gelten als wichtiger Gradmesser für die US-Konjunktur.

Bei der ansonsten herausragenden Bilanz des weltgrößten IT-Dienstleister IBM fanden Analysten bei den Serviceverträgen das Haar in der Suppe: Dieser für die künftigen Umsätze wichtige Indikator war im dritten Quartal um sieben Prozent eingebrochen.

Google-Rally geht weiter
Einzig die Bilanz von Google stieß bei Anlegern auf Zustimmung. Der Internet-Riese glänzte mit einem unerwartet starken Umsatz- und Gewinnsprung. Google-Chef Eric Schmidt erklärte die Wirtschaftskrise für beendet. Das beflügelt die Google-Aktie, die bereits im Jahresverlauf um 72 Prozent gestiegen war.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,26
Differenz relativ
-0,54%

Banken und Siemens im US-Sog
Die Quartalsberichte der US-Konzerne hinterließen auch am deutschen Aktienmarkt ihre Spuren: So war die Commerzbank-Aktie nach den Bank of America-Zahlen mit einem Minus von 3,0 Prozent der größte Verlierer im Dax, Papiere der Deutschen Bank büßten 2,8 Prozent ein. Aktien von Siemens wurden von der Bilanz des Konkurrenten GE ebenfalls um 2,8 Prozent ins Minus gedrückt.

Erneut Gewinnmitnahmen bei Infineon
Die Infineon-Aktie verlor 2,7 Prozent. Der Titel hatte nach der rasanten Rally der vergangenen Monate bereits am Vortag unter Gewinnmitnahmen gelitten. Das Jahreshoch von 4,09 Euro ist mittlerweile in die Ferne gerückt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,26
Differenz relativ
-2,35%

Daimler haussiert
Gegen den Markttrend stemmte sich die Daimler-Aktie: Zeitweise kostete sie 36,33 Euro und war damit so teuer wie seit einem Jahr nicht mehr. Marktbeobachter verwiesen auf charttechnische Kaufsignale. Zudem äußerte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche laut einem Vorabbericht der "Wirtschaftswoche" positiv zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal. Der Konzern legt am 27. Oktober Zahlen vor.

Aktien von K+S und Henkel zählten nach einer Kaufempfehlung durch das japanische Brokerhaus Nomura ebenfalls zu den wenigen Dax-Gewinnern.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

VW-Vorzüge im Minus, MAN im Plus
Auch die MAN-Aktie fuhr heute leichte Kursgewinne von 0,4 Prozent ein. Am Markt kursierten Gerüchte, VW könne mit der avisierten Kapitalerhöhung nicht nur die Porsche-Übernahme finanzieren, sondern auch die Komplettübernahme von MAN anstreben. Die Kapitelerhöhung fällt nämlich mit bis zu 135 Millionen neuen Vorzugsaktionen unerwartet hoch aus. Das drückte wiederum VW-Vorzüge tief ins Minus, Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler monierte den "überraschend hohen Verwässerungseffekt" für VW-Vorzugsaktionäre.

IVG und Gea gut gelitten
Im MDax übernahmen IVG-Aktien mit einem Plus von 5,8 Prozent die Spitzenposition. Der krisengeschüttelte Immobilienkonzern hat sich mit dem Verkauf mehrerer Bürokomplexe finanziell Luft verschafft. Insgesamt erlösten die Bonner rund 470 Millionen Euro.

Die Gea-Aktie schloss gegen den Trend leicht im Plus. Die Analysten von Equinet rechnen bei den anstehenden Quartalszahlen mit einem "soliden Satz von Ergebnissen". Zudem sei Gea für die wachsenden Märkte für Getränke, Lebensmittel und Energie gut aufgestellt.

ProSiebenSat.1 in Gerüchteküche
ProSiebenSat.1-Aktien wurden von Gerüchten über eine bevorstehende Kapitalerhöhung ans MDax-Ende gedrückt. Trotz des Dementis einer Konzernsprecherin gingen die Titel mit einem Minus von 6,0 Prozent aus dem Handel. Marktbeobachter sprachen auch von Gewinnmitnahmen.

Arques mit Siemens im Clinch
Im SDax fiel die Arques-Aktie mit Kursverlusten von 3,1 Prozent auf. Laut einem Zeitungsbericht verweigert der Finanzinvestor seiner Tochter Gigaset einen vereinbarten Finanzrahmen von 20 Millionen Euro und zieht damit den Zorn von Siemens auf sich. Der Technologiekonzern hatte seine einstige Tochter Gigaset vor gut einem Jahr an die Beteiligungsfirma verkauft und hält noch knapp 20 Prozent.

DAB ist optimistischer
Jenseits der großen Indizes begeisterte die Münchner Direktbank DAB mit der Anhebung ihrer Gewinnprognose. Die HVB-Tochter nun mit einem Ergebnis von "deutlich über 30 Millionen Euro" im Gesamtjahr. Ziel waren bislang 25 Millionen Euro. Die Aktie schloss 5,8 Prozent höher.

Funkwerk warnt
Weniger gute Nachrichten hielt Funkwerk für seine Aktionäre parat: Der Spezialist für Kommunikationssysteme hatte eine Umsatz- und Ergebniswarnung ausgesprochen. Das operative Ergebnis soll danach auf bis zu minus 19 Millionen Euro abrutschen. Der Titel büßte bei relativ hohen Umsätzen 17,5 Prozent ein.

Nach Nokia auch Sony Ericsson mies
Die Quartalszahlen des nicht börsennotierten Handy-Herstellers Sony Ericsson bei den Aktien der Mutterkonzerne Ericsson und Sony bemerkbar. Sony Ericsson hatte von einem Umsatzeinbruch und einer Versechsfachung des Verlusts berichtet. Tags zuvor hatte bereits Branchenriese Nokia die Anleger enttäuscht. Beide Konzerne hinken laut Branchenkennern der Konkurrenz auf dem rasant wachsenden Markt für teure und gewinnträchtige Smartphones hinterher.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr