Marktbericht 20:07 Uhr

Dax kommt kaum vom Fleck Aktienmärkte im Schongang

Stand: 08.01.2014, 20:10 Uhr

Vor dem Start der US-Berichtssaison haben sich die Anleger spürbar zurückgehalten. Die europäischen Aktienmärkte traten am Mittwoch auf der Stelle, die Wall Street zeigte sich richtungslos. Neue Job-Daten aus den USA wurden zwiespältig aufgenommen.

Normalerweise müssten die ADP-Zahlen aus Amerika Anlass zum Jubeln geben: mit 238.000 Jobs wurden in der US-Wirtschaft im Privatsektor so viele Stellen geschaffen wie seit einem Jahr nicht mehr. Volkswirte hatten nur mit einem Zuwachs von 200.000 Stellen gerechnet.

ADP-Daten schüren Spekulationen um stärkeres "Tapering"

Doch je stärker und überraschender der Aufschwung ist, desto mehr gerät die Fed unter Druck, die Geldflut stärker als angenommen zu drosseln. Das befürchten die Anleger. Folgen die Zahlen des gesamten US-Arbeitsmarkts am Freitag dem Trend des ADP-Berichts Trend, "sollte dies im Normalfall negative Folgen für die Aktienmärkte haben", meint Chefanalyst Jens Klatt von DailyFX. Die Arbeitsmarktdaten könnten Erwartungen schüren, dass die US-Notenbank den eingeschlagenen Kurs der geldpolitischen Straffung fortsetzt, warnt auch Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Dax pendelt um die 9.500 Punkte

Folglich gingen Anleger am Mittwoch in Deckung. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag der Dow 0,5 Prozent im Minus, der S&P 500 stagnierte bei 1836 Zähler. Europas Börsen zeigten sich fast unverändert. Der Dax schloss 0,1 Prozent tiefer bei knapp unter 9.500 Punkten. Im späten Parketthandel überwand der L-Dax aber wieder die Marke und verabschiedete sich beim Stand von 9.509 Zählern in den Feierabend.

Fed-Protokoll ohne Impulse

Das am Abend veröffentlichte Protokoll der Sitzung der US-Notenbank kurz vor Weihnachten ließ die Anleger an der Wall Street relativ kalt. Die meisten Währungshüter sprachen sich laut dem Protokoll für "maßvolle Schritte" bei der Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe zur Stützung des Wachstums aus. Das Tempo beim Schließen der Geldschleusen könnte in den kommenden Monaten durchaus forciert werden. hieß es. Denn die Fed-Mitglieder seien zuversichtlich, dass die Erholung am Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt.

Euro auf Talfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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An den Devisenmärkten war der US-Dollar nach den ADP-Daten gefragt. Der Euro rutschte ab und notierte am Abend bei 1,3560 Dollar. Da konnten auch robuste Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum nicht helfen. Die Umsätze der Einzelhändler zogen im November um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat an. Einen so starken Anstieg hat es seit Gründung der Eurozone nur bislang einmal gegeben.

Gold wird billiger

Der Goldpreis fiel um 0,6 Prozent auf 1.224 Dollar. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI zog leicht an auf über 93 Dollar. Wie die wöchentlichen Lagerdaten aus den USA zeigten, hat sich die Kältewelle aber noch nicht auf den Ölpreis niedergeschlagen. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent stagnierte bei etwas über 107 Dollar.

K+S taut auf

Größter Gewinner im Dax war K+S. Die Aktien legten über fünf Prozent zu und erreichten den höchsten Stand seit vier Monaten. Der Düngemittel- und Salzhersteller profitiert von der arktischen Kälte in den USA. Bei der US-Tochter Morton Salt laufe der Verkauf von Auftausalz blendend, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Für zusätzlichen Auftrieb sorgte die Kurszielerhöhung der Investmentbank Kepler Chevreux um 60 Prozent auf 26 Euro.

Air France zieht Lufthansa hoch

Gute Passagierzahlen von Air France-KLM schoben die Aktien der Lufthansa an. Sie stiegen um über zwei Prozent. Die Zahl der Fluggäste bei der französisch-niederländischen Airline nahm dank eines Schlussspurts zum Jahresende um 1,3 Prozent auf 78,4 Millionen zu.

Bankentitel im Aufwind

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch Bankaktien waren am Mittwoch gefragt. Die Commerzbank-Titel zogen um über drei Prozent an, die Aktien der Deutschen Bank gewannen zwei Prozent. Nach dem sehr schwachen Verlauf 2013 könnte 2014 "das Jahr der Banken" am Aktienmarkt werden, meinte ein Händler. Dass die Société Générale die Aktien der Deutschen Bank zum Verkauf empfiehlt ("Sell"), wurde ausgeblendet.

Versorgertiteln geht die Energie aus

Ohne Saft und Kraft präsentierten sich die Versorger. RWE war Schlusslicht im Dax mit einem Minus von zwei Prozent, Eon büßte ein Prozent ein. "Anleger warten auf ein positives Signal aus der Politik, das den Sektor wieder in der Anlegergunst nach vorne bringt", sagte ein Händler.

Xaver und Dirk belasten Münchener Rück

Unter den Verlierern rangierte auch die Münchener Rück. Händler verwiesen auf Schätzungen des Rückversicherungsmaklers Aon Benfield, wonach die Schadensforderungen an die Versicherungsbranche für die europäischen Sturmfronten "Xaver" und "Dirk" im Dezember 1,2 Milliarden Euro betragen könnten.

Adidas hat neuen Markenvorstand

Die Adidas-Aktien büßten 0,5 Prozent ein. Der Sportartikelhersteller hat Eric Liedtke zum neuen Markenvorstand beufen. Er soll Erich Stamminger als Verantwortlicher für die Marken Adidas und Reebok ablösen.

Stockt McKesson Offerte für Celesio auf?

An die MDax-Spitze katapultierte sich Celesio mit einem Plus von über neun Prozent. Laut Medienberichten ist im Poker um die Übernahme des Pharmagroßhändlers Bewegung gekommen. Gerüchten zufolge könnte McKesson seine Offerte von 23 auf 25 Dollar je Aktie anheben. Bisher haben erst drei Prozent der Aktionäre das Angebot angenommen. Die Angebotsfrist läuft am Donnerstag um Mitternacht aus.

Gewinnmitnahmen bei Nordex

Nach mehreren Tagen mit deutlichen Kursgewinnen ging es mit den Aktie des Windkraft-Herstellers abwärts. Offenbar machten einige Anleger Kasse. Die Wind-Titel schossen im vergangenen Jahr um über 200 Prozent nach oben und setzten 2014 ihren Höhenflug fort. Am Mittwoch gab Nordex einen 33-Megawatt-Auftrag aus Finnland bekannt. Der Wert soll nach Medienberichten bei 30 Millionen Euro liegen.

Aixtron im Micron-Sog

Im TecDax erholten sich die Titel von Dialog und gingen als Spitzenreiter aus dem Handel. Die Aktien von Aixtron stiegen um über zwei Prozent – unter anderem dank der guten Micron-Zahlen. Die Aktien des US-Chippropduzenten rasten um zehn Prozent nach oben. Am Morgen hatte Aixtron zudem eine Kooperation mit dem Anlagenbauer Manz im Oled-Bereich bekanntgegeben. Analysten der BNP Paribas haben zwar ihr Kursziel von 14 auf 13,50 Euro gesenkt, halten Aixtron aber weiterhin für einen "Outperformer".

KlöCo topp, Xing hopp

Analystenkommentare sorgten in der zweiten Reihe für Bewegung. Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co. etwa gewannen drei Prozent, nachdem die DZ Bank die Aktie zum Kauf empfohlen hat. Das Unternehmen werde von der Frühjahresbelebung im Sektor profitieren, so die Begründung. Beim Internet-Netzwerk Xing sorgte indes eine Abstufung auf "underweight" durch JPMorgan für Verdruss: die Aktie des Karrierenetzwerksverlor drei Prozent

Großaktionäre stoßen Kion-Anteile ab

SDax-Mitglied Kion konnte seine Verluste auf zwei Prozent begrenzen. Die beiden Großaktionäre KKR und Goldman Sachs haben 10,7 Prozent der Anteile zu 29,50 Euro platziert. Damit steigt der Streubesitz bei dem Gabelstapler-Hersteller auf mehr als 30 Prozent und macht Kion zum MDax-Aufstiegskandidaten. Die Commerzbank bekräftigte ihre Kaufempfehlung für den Titel.

Aurelius trennt sich vom "Traumschiff"

Für die Besitzer der "Traumschiff"-Anleihe gab es am Mittwochabend Neuigkeiten: Das aus dem Fernsehen bekannte Kreuzfahrtschiff wechselt seinen Besitzer. Der Finanzinvestor verkauft seine Mehrheitsbeteiligung an der "MS Deutschland" an die Private-Equity-Gesellschaft Callista. Aurelius bleibt mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die "MS Deutschland" leider unter der Konkurrenz moderner Kreuzfahrtschiffe. Der Kurs der Anleihe sackte ab. Aurelius musste zehn Millionen Euro nachschießen, damit die Zinsen an die Anleihenbesitzer ausgezahlt werden können. 

Berg- und Talfahrt der Sainsbury-Aktie

Aus dem Ausland meldete Sainsbury Umsatzzahlen zum Weihnachtsgeschäft. Die Erlöse in den zwei Wochen bis 4. Januar legten um 0,2 Prozent zu. Das begeisterte die Anleger, sie hatten mit schrumpfenden Umsätzen gerechnet. Dann aber kann die kalte Dusche: die britische Supermarktkette warnte vor einer Zurückhaltung der britischen Verbraucher nach Weihnachten. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr stellt Sainsbury nur noch ein Wachstum von einem Prozent in Aussicht. Die Titel drehten deutlich ins Minus.

Monsanto verkauft mehr Unkrautvernichter

Dagegen überzeugte der US-Agrarkonzern Monsanto mit seinen Zahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 stiegen der Umsatz um sieben Prozent auf gut 3,1 Milliarden Dollar und der Gewinn um neun Prozent auf 368 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet Monsanto bessere Geschäfte. Vor allem die Unkrautvernichter verkaufen sich gut. Die Aktien ziehen um rund zwei Prozent an.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q2 detailliert, 8:45 Uhr
London: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone (Industrie, Service, Composite) für September, vorläufig, 09:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer