Marktbericht 20:09 Uhr

Deutliche Kursgewinne Aktienmärkte im Erholungsmodus

von Notker Blechner

Stand: 22.07.2014, 20:09 Uhr

Die Anleger haben am Dienstag die Sorgen um die Krisenherde in der Ukraine und im Nahen Osten abgeschüttelt. Der Dax beendete seine dreitägige Verlustserie und zog wieder kräftig an. Verlierer des Tages war der Euro.

War's das schon mit der Korrektur? Europas Börsen haben am Dienstag ihre Vortagesverluste mehr als wettgemacht. Der EuroStoxx50 rückte um 1,7 Prozent auf 3.190 Punkte nach vorn. Der Dax legte um fast 1,3 Prozent auf 9.724 Punkte zu und notiert wieder da, wo er am Freitagabend stand. Zusätzlichen Schub gab die Wall Street. Der Dow baute seine Kursgewinne aus und notierte zwei Stunden vor Handelsschluss 0,4 Prozent höher.

Noch kein Grund zur Entwarnung

Bei den Anlegern mache sich die Einschätzung breit, dass die Belastung durch die Konflikte in der Ukraine und im Gazastreifen nicht von Dauer sein sollte, meinte Marktbeobachter Jasper Lawler von CMC Markets UK. Andere Experten sind da deutlich skeptischer. Analyst Jens Klatt von Daily FX warnte vor möglichen Rückschlägen. Eine Verschärfung der Lage in einer der Krisenbregionen hätte das Potenzial, die Finanzmärkte ins Wanken zu bringen.

Auch wenn die Aktien noch überwiegend in starken Händen lägen, sei davon auszugehen, dass einige langsam zu den Zittrigen herübergewandert sind, schreibt Stefan Riße von HPM Hanseatische Portfoliomanagement in einem aktuellen Kommentar. Viele Anleger, die die Rally verpassten, hätten die jüngsten Kursverluste für Aktienkäufe genutzt. Riße: "So sammeln sich Stück für Stück immer mehr Papiere in schwachen Händen an, bis der Markt irgendwann anfällig ist für Rückschläge."

Entspannung in der Ukraine?

Am Dienstag jedenfalls sah es nach einer leichten Deeskalation im Ukraine-Konflikt aus. Pro-russische Separatisten übergaben den Flugschreiber des über der Ost-Ukraine abgeschossenen Passagierflugzeugs einem Vertreter der malaysischen Sicherheitsbehörden. Der russische Präsident Wladimir Putin versicherte, auf die Separatisten in der Ostukraine einzuwirken, damit diese eine vollständige Aufklärung ermöglichen.

Inflationsdaten verscheuchen Zinswende-Spekulationen

Für Auftrieb sorgten vor allem positive Konjunkturdaten aus den USA. Dort wurden im Juni deutlich mehr Häuser verkauft als erwartet. Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser erhöhte sich um 2,6 Prozent. Volkswirte hatten mit lediglich 1,9 Prozent gerechnet. Die Zahlen deuten daraufhin, dass die zwischenzeitliche Schwächeperiode am Immobilienmarkt nun überwunden sein könnte. Die Inflationsrate verharrte indes im Juni bei 2,1 Prozent. Ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise legte die Inflation in der so genannten Kernteuerung nur um 0,1 Prozent zu. Damit dürfte sich der Druck auf die Fed in Grenzen halten, verstärkt über eine Zinswende nachzudenken, meinte Ökonom Johannes Jander von der Helaba.

US-Berichtssaison auf Hochtouren

Durchwachsene Quartalszahlen mehrerer US-Konzerne hielten die Anleger in Atem. United Technologies konnte den Gewinn im zweiten Quartal um knapp acht Prozent auf 1,68 Milliarden Dollar steigern. Auch der Chemiekonzern DuPont konnte den Überschuss leicht steigern auf 1,07 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr peilt Dupont-Chefin Ellen Kullman trotz der jüngsten Prognose-Senkung einen Zuwachs beim Gewinn an: Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten soll um drei bis sechs Prozent auf 4,00 bis 4,10 Dollar steigen.

Lust auf Coca-Cola und McDonald's lässt nach

Dagegen konnte die Fußball-WM in Brasilien den Top-Sponsoren Coca-Cola und McDonald's keinen echten Schub bringen. Der Brausekonzern verdiente mit 2,6 Milliarden Dollar drei Prozent weniger. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar. Der Fast-Food-Konzern McDonald's musste ebenfalls moderate Gewinneinbußen von einem Prozent auf 1,39 Milliarden Dollar einstecken. Vor allem US-Verbraucher machten einen Bogen um McDonald's.

Euro auf Jahrestief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die robusten US-Konjunkturdaten setzten dem Euro zu. Die europäische Gdeneinschaftswährung fiel unter die Marke von 1,35 Dollar und notierte am Abend bei 1,3460 Dollar, dem tiefsten Stand seit November 2013. Zahlreiche Anleger hätten aus Angst vor weiteren Verlusten Euro verkauft, meinten Händler.

Infineon auf dem Dax-Thron

Im Dax gab es fast nur Gewinner. Besonders gefragt waren zyklische Titel, die an den Vortagen besonders stark unter die Räder gekommen waren. Größter Gewinner im Dax war Infineon mit einem Plus von über zwei Prozent. Der Chip-Hersteller profitierte von guten Texas-Instruments-Zahlen.

Kein Tag für defensive Werte

Dagegen war heute mit defensiven Papieren kein Blumentopf zu gewinnen. Sie verzeichneten bestenfalls leichte Zugewinne, Aktien von Beiersdorf und FMC schlossen gar im Minus.

Lufthansa streicht Flüge nach Israel

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Lufthansa erholte sich von den jüngsten Verlusten und schloss fast zwei Prozent höher. Zuletzt hatten die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten die Flugtitel etwas belastet. Am Abend gab die Lufthansa die Streichung der Flüge nach Tel Aviv für die nächsten 36 Stunden bekannt.

Wacker Chemie hebt Prognose an

Im MDax katapultierte sich Wacker Chemie an die Spitze. Der Spezialchemie-Konzern und Silizium-Zulieferer hat seine Prognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dürfte 2014 um mindestens ein Drittel höher ausfallen als ein Jahr zuvor, kündigte der Konzern am Mittag an.

Fraport im Aufwind

Auch die Fraport-Aktie war nach den jüngsten Kursturbulenzen gefragt. Sie stieg um knapp zwei Prozent. Equinet hat die Bewertung für den Flughafen-Betreiber auf "Buy" von "Accumulate" angehoben, das Kursziel aber leicht auf 59 von 61 Euro gesenkt. Die Frankfurter legen am 7. August ihre Zahlen vor.

JPMorgan drückt Stada

Dagegen war die Stada-Aktie MDax-Schlusslicht mit einem Minus von knapp zwei Prozent. JPMorgan hat den Titel wegen des Russland/Ukraine-Konflikts von "Overweight" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 44,90 auf 39,00 Euro gesenkt. Die Risiken weiterer Sanktionen gegen Russland sowie weiterer negativer Währungseffekte könnten zu sinkenden Erwartungen für den Generikahersteller führen, so die US-Bank.

Nordex macht Wind in der Türkei

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im TecDax zählte die Nordex-Aktie mit einem Plus von über fünf Prozent zu den größten Kursgewinnern. Das Unternehmen hat weitere Aufträge über insgesamt 64,2 MW für die Errichtung von drei Windparks mit Großturbinen vom Typ N117/2400 und N117/3000 in der Türkei gewonnen.

Sartorius nicht gut genug

Die ebenfalls im TecDax notierte Sartorius-Aktie konnte nicht von den Zahlen zum zweiten Quartal profitieren. Die Aktie schloss leicht im Minus. Dank einer hohen Nachfrage der Pharmaindustrie nach Einwegprodukten kletterte der Umsatz um sieben Prozent auf rund 243 Millionen Euro. Unterm Strich stagnierte das Ergebnis bei gut 17 Millionen Euro.

Kursschub für Dialog

Die Aktie des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor legte um fast drei Prozent zu, nachdem Apple laut einem Zeitungsbericht die Produktion von 70 bis 80 Millionen Geräten seines nächsten iPhone-Modells in Auftrag gegeben hat. Überdies hat Dialog seine Fusionsgespräche mit der österreichischen AMS beendet. Trotz intensiver Verhandlungen seien keine annehmbaren Bedingungen für eine "Fusion unter Gleichen" erzielt worden, teilte Dialog am Morgen mit.

Anleger haben Zooplus zum Fressen gern

Im SDax haussierte die Zooplus-Aktie nach einer Erhöhung der Jahresprognose. Der Online-Händler für Heimtierbedarf schraubte sein Umsatz-Ziel für 2014 von 500 auf mindestens 530 Millionen Euro nach oben. Damit strebt Zooplus erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Zunahme der Gesamtleistung gegenüber dem Vorjahr von über 100 Millionen Euro an.

Zahlen aus der dritten Reihe

Starke Zahlen kamen aus der dritten Reihe. So glänzte die Atoss Software AG mit den besten Halbjahreszahlen der Unternehmensgeschichte. Bei einem Umsatzanstieg um sieben Prozent auf 18,8 Millionen Euro nahm das operative Ergebnis (Ebit) um zehn Prozent auf 4,7 Millionen Euro zu. Der Gewinn schnellte von 0,5 auf 3,5 Millionen Euro in die Höhe. Die Aktie legt zwei Prozent zu.

KTG Energie unter Strom

KTG Energie wuchs im ersten Halbjahr erneut zweistellig. Der Umsatz kletterte um 49 Prozent auf 32,1 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich um 57 Prozent auf fast zehn Millionen Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von einer Million Euro. Die Jahresprognose wuirde erneut angehoben. KTG rechnet nun mit einem Umsatz von über 65 Millionen Euro und einem Ebitda von 19,5 bis 20,5 Millionen Euro. Die Aktien von KTG zogen um über ein Prozent an.

Alno geht's wieder besser

Dank der Übernahme des Schweizer Konkurrenten AFP konnte der Küchenbauer Alno den Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 139,6 Millionen Euro steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war mit 2,2 Millionen Euro wieder positiv vor Einmaleffekten. Die Aktien von Alno sprangen um 24 Prozent nach oben.

Bei Hydrotec rauschen die Aufträge

Die Wassertechnik-Firma Hydrotec hat im ersten Halbjahr den Umsatz um 30 Prozent auf 1,069 Millionen Euro erhöht. Der Auftragseingang lebte ebenfalls um gut ein Drittel zu. Das operative Ergebnis verfünffachte sich nahezu auf 82.000 Euro. Die Hydrotec-Aktie legte um zehn Prozent zu.

MagForce will die USA erobern

Ähnlich fulminant entwickelte sich die Aktie von MagForce. Sie schoss um elf Prozent in die Höhe. Die Nano-Firma, die eine Therapie zur Behandlung von Hirn- und Prostatakrebs entwickelt, kündigte am Dienstag die Expansion in die USA an. Ausgewählte Investoren können Minderheitsanteile an der neu gegründeten Tochter MagForce USA erwerben. In einem First Closing wurden bereits 1,5 Millionen Stammaktien zu 10 Dollar je Titel ausgegeben. Dabei wurde mit Mithril Capital Management ein renommierter Partner gefunden, hinter dem Peter Thiel steht. 

Publicis rudert zurück

Im Ausland stand die Aktie von Publicis im Abseits. Sie verlor an der Pariser Börse fast fünf Prozent. Nach der geplatzten Milliardenfusion mit dem US-Rivalen Omnicom hat der französische Werbekonzern mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Auch die Jahresprognose wankt: Es werde sehr schwierig, das Ziel von vier Prozent Umsatzwachstum dieses Jahr noch zu erreichen, so Publicis.

Ausblick von ARM macht Mut

Dagegen ragten an der Londoner Börse die Aktien von ARM positiv heraus. Sie stiegen um knapp sechs Prozent. Nach schwachen Quartalszahlen rechnet der britische Chip-Designer damit, dass die Lizenzumsätze in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlicher zulergen werden. Denn der Smartphone-Markt werde an Fahrt gewinnen, hieß es.

Gewinneinbruch bei Norsk Hydro

Die Aktie von Norsk Hydro zog um knapp zwei Prozent an. Dabei hat der norwegische Aluminium- und Stromerzeuger im zweiten Quartal operativ mit 544 Millionen norwegischen Kronen fast 30 Prozent weniger verdient als im vorangegangenen Quartal. Vor allem ein schwaches Energiegeschäft drückte auf die Bilanz. Am Montag hatte der Konzern den Abschied von Vorstandschef Svein Richard Brandtzaeg angekündigt.

Höchster Quartalsverlust der Credit Suisse seit 2008

In der Schweiz stand die Credit Suisse im Blickpunkt. Die Rekorstrafe von über 2,6 Milliarden Dollar in den USA hinterließ ihre Spuren in der Bilanz. Das Schweizer Geldinstitut rutschte stärker als erwartet in die roten Zahlen und verbuchte mit einem Minus von 700 Millionen Franken den höchsten Verlust seit der Finanzkrise.

Swatch verdient deutlich weniger

Ebenfalls keine guten Nachrichten kamen von Swatch: Der starke Franken, Sonderausgaben wegen der den Olympischen Winterspiele in Sotschi sowie ein Brand in einer Fabrik drückten im ersten Halbjahr 2014 die Erträge des weltgrößten Uhrenkonzerns. Der Gewinn schmolz um fast zwölf Prozent auf 680 Millionen Franken. Analysten hatten einen geringeren Rückgang erwartet.

Actelion schraubt Prognose hoch

Und noch ein Schweizer Konzern legte am Dienstag seine Zahlen vor - und was für welche! Die Biotechfirma Actelion hat ihre Prognose mächtig in die Höhe geschraubt. Dank des neuen Lungenmedikaments Opsumit soll der Kerngewinn 2014 unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen mindestens zwischen 10 und 20 Prozent steigen. Bislang war für dieses Jahr nur ein niedriges einstelliges Plus angepeilt worden. Die Aktie gewann rund drei Prozent.

Harley-Davidson und Altria nicht gut genug

Aus den USA meldeten sich neben DuPont, United Technologies, Coca-Cola und McDonald's weitere Konzerne mit Zahlen. Der Marlboro-Hersteller Altria verdiente im zweiten Quartal 1,3 Milliarden Dollar und damit fast genau so viel wie vor einem Jahr. Rückläufige Zigaretten-Verkäufe und Rechtsstreitigkeiten nagten am Ergebnis. Die Altria-Aktie büßte zwei Prozent ein. Noch schlechter erging es Harley-Davidson. Wegen des schlechten Wetters verkaufte die Firma weniger Motorräder als erhofft. Der Gewinn zog dennoch um 30 Prozent an. Der Kurs von Harley-Davidson gab um sechs Prozent Prozent nach. Ähnlich hart gebeutelt wurden die Aktien von Netflix. Sie verloren über fünf Prozent. Analysten äußerten Bedenken, dass die Expansionspläne für Europa das Unternehmen teurer kommen könnten als gedacht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
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