Aktienmärkte erstarrt

Stand: 27.06.2011, 19:55 Uhr

Vor der Entscheidung über das griechische Sparpaket zwangen sich die Anleger zur Geduld und ließen sich nicht zum Einkauf locken. Furcht lehrte die Investoren eine am Aktienmarkt sonst selten zu beobachtende Tugend.

Besonnenheit lautete das Motto des Wochenstarts: Zu unsicher ist der Verlauf der Abstimmung des griechischen Parlaments in dieser Woche, Anleger als das sie bereit waren, größere Engagements einzugehen. Spätestens bis Donnerstag sollen die Abgeordneten über das mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgehandelte Reform- und Sparpaket votieren.

Zwar gehen die meisten Experten von einer Zustimmung aus, gleichwohl gab es auch eine gehörige Portion Skepsis unter den Experten: "Selbst wenn Griechenland jetzt die nächsten Schritte schafft, dann nimmt man sich die nächsten Kandidaten vor wie Portugal oder Irland. Man sucht im Moment eher einen Grund, nicht zu investieren", schilderte ein Händler die trübe Stimmung.

Der Dax schloss mit leichten Abschlägen um 0,2 Prozent bei 7.107 Punkten. Im Handelsverlauf sackte er kurz unter die runde Marke, zuletzt gelang es ihm jedoch, sie zu verteidigen. Der Late-Dax gab um 0,3 Prozent auf 7.118 Zähler nach.

Mehr Einkommen, mehr verjubeln
In New York beurteilt man Lage an den Finanzmärkten offenbar optimistischer, vielleicht hatten die Anleger aber auch nur keine Lust auf einen vierten Verlusttag in Folge. In den USA legten die Indizes jedenfalls recht deutlich zu und halfen so dem schwächelnden Dax immerhin zeitweise zurück in die Gewinnzone. Gegen 20 Uhr liegt der Dow Jones mit mehr als ein Prozent im Plus.

Dabei nährten aktuelle Wirtschaftsdaten nährten die Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft: Die Ausgaben und Einnahmen der privaten Haushalte entwickelten sich enttäuschend. Die Einnahmen kletterten im Monatsvergleich um 0,3 Prozent, Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet.

Anleger misstrauen Banken
Recht hart erwischte Banken, denn nicht nur die Schuldenkrise belastete. Coba-Aktien büßten zeitweise mehr als fünf Prozent ein, denn die Aussicht auf verschärfte Eigenkapitalvorschriften für globale systemrelevante Finanzinstitute gefiel den Anlegern nicht. Deutsche-Bank-Papiere notieren bis zu zwei Prozent leichter. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatte einen Beschluss gefasst, durch den möglicherweise bis zu 30 Großbanken ihre Eigenkapitalbasis um 1,0 bis 2,5 Prozentpunkte anheben müssen.

Akzo Nobel belastet deutsche Konkurrenz
Henkel und BASF-Aktien fanden im Sog der Gewinnwarnung von Akzo Nobel kaum Freunde. Die Entwicklung beim niederländischen Chemiekonzern könne durchaus Indikationen für Henkels Klebstoffsparte geben, sagten Händler. Henkels Bekräftigung der Geschäftsprognose für 2011 und 2012 genügte den Investoren nicht. Die BASF-Aktie litt auch unter den schlechten Nachrichten des Rivalen.

Metro will Kaufhof an die Börse bringen
Laut einem Bericht des "Handelsblatt" will der Handelskonzern Metro seine Kaufhaus-Tochter Kaufhof offenbar auf einen Börsengang vorbereiten. Es gebe "lockere Gespräche" mit Banken, so das Blatt unter Berufung auf einen Konzernmanager. Auch der Verkauf der Warenhaustochter Real sei danach eine Option. Die Aktie rührt sich dennoch kaum.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
-0,50%

EU-Wettbewerbshüter bremsen VW
Volkswagen verzichtet nach Druck aus Brüssel auf eine komplette Machtübernahme im Aufsichtsrat des Münchner Lastwagenbauers MAN. Die EU hatte wegen der geplanten Lkw-Allianz zwischen der VW-Tochter Scania und MAN Vorbehalte gegen eine Doppelbesetzung in beiden Aufsichtsräten angemeldet. VW will die angestrebte Kontrolle von MAN in den nächsten Wochen bei den Wettbewerbshütern förmlich beantragen.

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,99
Differenz relativ
-0,99%
Zooplus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
134,80
Differenz relativ
-2,03%

Gerry Weber in den MDax, Zooplus in den SDax
Die Übernahme des Motorenbauers Tognum durch Daimler und Rolls-Royce sorgt für Stühlerücken in den Indizes. In den MDax steigt die Aktie des Modekonzerns Gerry Weber auf, die als Reaktion deutlich im Plus eröffnete. Eine Empfehlung durch Analysten der Commerzbank erfolgte am Vormittag. Geringe Zuwächse verbucht die Aktie Tierbedarfs-Händlers Zooplus, die für Gerry Weber in den SDax Einzug hält. Die Änderungen werden laut Deutscher Börse ab dem 29. Juni wirksam.

Ein guter Tag für Fielmann
Unicredit-Experten hoben das Kursziel für Fielmann von 63,00 auf 76,00 Euro an, beließen die Einstufung aber auf "Hold". Trotzdem kauften die Investoren zu, die Aktie zählte zu den MDax-Gewinnern. Die Optiker-Kette habe ein einmaliges Geschäftsmodell, das sich durch ein starkes Filialportfolio, einen guten Kundenservice und die Preisführerschaft auszeichne, lobten die Analysten.

Evotec verbucht Meilensteinzahlung
Der Biotechkonzern kann sich über eine Meilensteinzahlung der britischen One Pharmaceutical freuen. Zudem befördert auch ein positiver Analystenkommentar der Commerzbank den Titel, der rund vier Prozent gewinnt. Da die Zusammenarbeit einen wesentlich geringeren Umfang habe als die mit Boehringer Ingelheim und MedImmune, dürfte Evotec nicht mehr als eine Million Euro erhalten haben, räumte Coba-Analyst Volker Braun jedoch ein.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,50
Differenz relativ
+1,87%

Analysten kosten Q-Cells viele Punkte
Besonders hart erwischt es die Aktie von Q-Cells. Sie verliert im TecDax mehr als acht Prozent nach einem Analysten-Kommentar der Credit Suisse. Die Experten gehen bei Q-Cells nun von einem Verlust aus, nachdem zuvor noch ein Gewinn erwartet worden war. Aber auch die Branchenmitstreiter Phoenix, Solarworld und SMA Solar gaben nach.

TUI: Frenzel macht weiter
TUI-Vorstandschef Michael Frenzel bleibt bis März 2014 an der Spitze des größten europäischen Reisekonzerns. Der Aufsichtsrat beschloss am Montag, den zum März 2012 auslaufenden Vertrag des 64 Jahre alten Frenzel als Vorstandsvorsitzender um zwei Jahre bis März 2014 zu verlängern.

Deutz weiß zu gefallen
Bei Deutz machten sich die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs dagegen beliebt: Sie empfehlen das Papier des Motorenbauers zum Kauf, Deutz gehörte daraufhin im SDax zu den stärksten Werten.

Zwischenstand bei Demag
Demag-Aktionäre lassen den US-Baumaschinenkonzern Terex trotz der aufpolierten Übernahmeofferte und der Empfehlung des Managements bislang abblitzen. Bis zum 24. Juni - sechs Tage vor Ablauf der Annahmefrist - wechselten lediglich rund 583.000 Aktien den Besitzer. Demnach hält Terex 2,75 Prozent der Demag-Anteile, wie der US-Konzern mitteilte.

Aktienrückkauf bläst CEWE nach oben
Der Vorstand von CEWE beschloss, ab dem 28. Juni 2011 eigene Aktien über die Börse zurückzukaufen. Der Rückkauf basiert auf der Ermächtigung der Hauptversammlung, insgesamt bis zu 10 Prozent eigene Aktien zu erwerben. Die Aktie legte deutlich zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.