Aktienjagd am Aktienmarkt

Detlev Landmesser

Stand: 29.12.2008, 20:30 Uhr

Ab 2009 wird die Freude am Aktienkauf deutlich getrübt sein. Dann wird jedes Geschäft der Abgeltungssteuer unterliegen. Das brachte dem deutschen Aktienmarkt am letzten vollen Handelstag des Jahres deutliche Gewinne.

Am Dienstag wird an den deutschen Börsen nur bis 14:00 Uhr gehandelt. An Silvester und Neujahr bleiben die Börsen geschlossen. Um langfristig von der alten steuerlichen Regelung zu profitieren, müssen Aktien oder Fonds bis dahin gekauft sein - Kursgewinne zum Verkaufszeitpunkt natürlich vorausgesetzt.

Besonders Fonds dürften derzeit einen hohen Kapitalzufluss verbuchen und müssten nun investieren, meinte ein Händler. Dabei seien gerade die Aktien gefragt, die sich im Jahresverlauf unterdurchschnittlich entwickelt hätten. Einer dieser Titel war die Postbank-Aktie, die sich ohne neue Nachrichten mit einem Plus von fast zehn Prozent an die Dax-Spitze setzte. Auf Jahressicht ist das Papier aber mit einem Verlust von 77 Prozent eines der Index-Schlusslichter.

In der Spitze gewann der Dax 2,2 Prozent hinzu. Die Werte der zweiten und dritten Reihe liefen noch besser. So gewann der MDax 3,3 Prozent, der SDax sogar 5,4 Prozent.

Die Wall Street fiel dagegen in nachweihnachtliche Lethargie und verzeichnete bis zum Abend Kursverluste auf breiter Front. Dabei lastete das Scheitern des Milliardengeschäfts zwischen dem Chemieriesen Dow Chemical und Kuwait auf den Kursen. Am Sonntag hatte der Golfstaat wegen der Finanzkrise ein mit Dow geplantes 17,4 Milliarden Dollar schweres Gemeinschaftsunternehmen abgeblasen. Im Rahmen des Geschäfts hätten die Kuwaiter 7,5 Milliarden Dollar an die Amerikaner gezahlt.

Eskalation in Nahost treibt Rohstoffe

Die Eskalation im Gazastreifen trieb die Notierungen für Öl und Gold nach oben. "Es ist eine furchtbare Situation und es sieht so aus, als ob das an allen Märkten neue Sorgen auslöst", sagte ein Marktbeobachter. Der richtungsweisende US-Ölpreis stieg zeitweise über 40 Dollar, fiel aber am Nachmittag wieder auf rund 38 Dollar pro Barrel zurück.

MAN sichert sich ein Fünftel an Scania
Zu den stärksten Dax-Papieren gehörte die MAN-Aktie. Das Unternehmen hat Kaufoptionen für Aktien des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania erworben. Zusammen mit dem bestehenden Kapitalanteil hat MAN damit Zugriff auf mehr als 20 Prozent aller Scania-Stimmrechte. "Wir denken, dass MAN und VW eine Allianz des Lkw-Geschäfts unter dem Dach von MAN vorbereiten", kommentierte Analyst Christian Aust von der Unicredit.

Die Volkswagen-Aktie war dagegen erneut am Dax-Ende zu finden. Kaum ein Privatanleger erwartet wohl steuerfreie Kursgewinne, wenn er das Papier dafür mindestens zwölf Monate halten muss.

Die K+S-Aktie gewann 5,1 Prozent. Der russische Großaktionär Andreij Melnitschenko drängt in den Aufsichtsrat des Salz- und Düngemittelherstellers. "Die Hauptversammlung wird im Mai stattfinden. Wir werden uns um eine Vertretung im Aufsichtsrat bemühen", sagte der russische Milliardär der "FAZ".

Die T-Aktie litt dagegen leicht unter einem Bericht der "Financial Times Deutschland". Danach wollen die im Branchenverband VATM zusammengeschlossenen Unternehmen wesentlich schneller und kostengünstiger als die Telekom alle Haushalte in Deutschland an das breitbandige Internet anschließen.

Kursfeuerwerk bei ProSieben
Im MDax stand die ProSiebenSat.1-Vorzugsaktie mit einem Kurssprung von 24,3 Prozent an der Spitze. Der Großaktionär und Finanzinvestor KKR hat Kapitalspritzen in Aussicht gestellt.

Krones warnt
Zu den MDax-Gewinnern zählte auch Krones, obwohl der Getränkeabfüllanlagenhersteller seine Umsatzprognose gesenkt hat. Das Unternehmen rechnet damit, das bisherige Umsatzziel für 2008 zu verfehlen. Krones geht nur noch von einem Umsatzplus von acht bis neun Prozent aus. Das sagte Finanzvorstand Hans-Jürgen Thaus der Anlegerzeitung "Euro am Sonntag". Ende Oktober hatte der MDax-Konzern noch einmal bekräftigt, einen Zuwachs bei den Erlösen von bis zu zehn Prozent auf mehr als 2,3 Milliarden Euro erreichen zu wollen. Jetzt macht die Auftragslage dem Unternehmen Sorgen.

Schlechtere Prognose für Aareal
Die Aareal-Aktie schnitt im MDax unterdurchschnittlich ab. Die Ratingagentur Fitch hat den Ausblick für die Bonitätsbewertung des Immobilienfinanzierers von "stable" auf "negative" abgestuft.

UI beteiligt sich direkt an Freenet
Aus dem TecDax wurde eine Umschichtung im Aktionärskreis von Freenet bekannt. United Internet hat sich nun auch direkt an dem Telekomunternehmen beteiligt, ohne seinen Anteil aufzustocken. UI übernehme von der MSP Holding GmbH rund 10,8 Millionen Freenet-Aktien und damit 8,43 Prozent der Stimmrechte, teilten United Internet und Drillisch am Montag mit. Mit dem Verkaufserlös sollen Schulden der MSP reduziert werden. Beide Gesellschaften halten jeweils 50 Prozent an der MSP Holding, deren Freenet-Anteil sich nach Abschluss des Vorgangs auf 9,96 Prozent der Stimmrechte reduzieren soll. Die Drillisch AG hält bereits direkt 7,52 Prozent der Stimmrechte an Freenet.

Solarworld erwartet sinkende Margen
Die Solarworld-Aktie büßte rund drei Prozent ein. Die Branche muss sich im kommenden Jahr laut Solarworld-Chef Frank Asbeck auf empfindliche Einbußen beim Verkauf ihrer Solaranlagen einstellen. "2009 und 2010 werden die Preise für Solarmodule um über zehn Prozent sinken", sagte Asbeck dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Verantwortlich für den Rückgang sei eine deutliche Erhöhung der weltweiten Kapazität sowie die von der Bundesregierung gewollte Abschmelzung der Vergütung für die Einspeisung von Solarstrom. Trotz deutlich verbesserter Technologien werde Solarworld den Rückgang der Modulpreise nicht ausgleichen können und einen Abschlag bei der Marge hinnehmen müssen. Dieser werde 2009 und 2010 bei jeweils rund zwei Prozent liegen, sagt Asbeck. In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag die operative Marge (Ebit-Marge) laut der Zeitung bei 32 Prozent.

IM Internationalmedia haussiert
Einen furiosen Kursverdoppler legte die Aktie von IM Internationalmedia aufs Parkett. Das Medienunternehmen hat seinen im August gestellten Insolvenzantrag nach eigenen Angaben zurückgenommen. Die "IM Acquisition Company" hat frisches Kapital eingezahlt.

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