Aktien und Gold heiß begehrt

Notker Blechner

Stand: 20.04.2011, 20:05 Uhr

Der Chippriese Intel hat am Mittwoch den Anlegern ein vorösterliches Überraschungs-Ei präsentiert. Die Quartalszahlen beflügelten die Börsen. Der Dax verzeichnete sein dickstes Plus seit knapp einem Jahr. Im Blickpunkt standen auch RWE, der Euro und das Gold.

Anleger brauchten am Mittwoch nicht zu fasten. An den Aktienmärkten gab es üppige Kursgewinne. Der Dax sprang um rund drei Prozent auf 7.249 Punkte nach oben. Solch einen starken Kursanstieg gab es zuletzt vor knapp einem Jahr. Rückenwind kam aus den USA. Der Dow Jones stieg um 1,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Mitte 2008. Die Nasdaq kletterte um zwei Prozent nach oben. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax schloss bei 7.241 Zählern.

Einige Börsianer zeigten sich von dem Kurssprung im Dax aber überrascht. Die Probleme seien doch längst nicht vom Tisch, meinte ein Marktteilnehmer. "Immer noch steht eine mögliche Umschuldung Griechenlands im Raum, die USA könnten bald die Bestnote bei der Bonität verlieren, und die Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima sind alles andere als klar."

Der "Intel-Effekt"

Vom "Osterhasen-Effekt" zu sprechen, also Kurssteigerungen im Vorfeld von Feiertagen, wäre sicher zu einfach. Händler sahen eher den Grund für den Dax-Höhenflug in der technischen Gegenbewegung nach den herben Kursverlusten zum Wochenbeginn. Der entscheidende Kurstreiber war Intel. Die Zahlen des Chip-Giganten waren die erste faustdicke Überraschung in der laufenden US-Berichtssaison. Sie vertrieben die Ängste vor einer nachlassenden Gewinndynamik im Hightech-Sektor und machten Hoffnung auf weitere gute Quartalszahlen. So legt am Abend nach Börsenschluss Apple seine Bilanz vor.

Portugal und Spanien bestehen Test
Für Erleichterung sorgte zudem der bestandene Test von Spanien und Portugal am Rentenmarkt. Mehrere Anleiheauktionen verliefen erfolgreich. Die Nachfrage nach spanischen und portugiesischen Staatstiteln war groß, die Titel waren überzeichnet. Der Euro kletterte auf über 1,45 Dollar.

Auch von der Konjunkturfront gab es keine schlechten Nachrichten. In den USA stieg die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser stärker als erwartet - um 3,7 Prozent auf 5,12 Millionen. Volkswirte hatten mit nur fünf Millionen Verkäufen gerechnet.

Gold überspringt 1.500 Dollar-Marke
Vom schwachen Dollar profitiert derweil der Goldpreis. Das Edelmetall kletterte am Mittwoch erstmals in der Geschichte über 1.500 Dollar und markierte mit 1.505 Dollar ein neuerliches Rekordhoch. Silber stieg auf über 44 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt im Jahr 1980. Der Ölpreis zog ebenfalls wieder an, nachdem die wöchentlichen Lagerbestände an Rohöl in den USA gesunken sind.

Infineon und Dialog im Intel-Sog
Von Intel profitierten die deutschen Chipwerte. So stieg die Infineon-Aktie um über vier Prozent. Im TecDax setzten sich die Papiere von Dialog Semiconductor mit einem Plus von fast neun Prozent an die Spitze.Der Chip-Riese Intel konnte den Umsatz im ersten Quartal um ein Viertel auf 12,8 Milliarden Dollar und den Gewinn gar um 29 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar steigern. "Das sind umwerfende Zahlen", sagte Kevin Cassidy von Stifel Nicolaus. Die Intel-Aktie legte in New York sechs Prozent zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
Differenz relativ
+1,93%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,32
Differenz relativ
+0,99%

Autoaktien treiben den Dax
Die Automesse in Schanghai sorgte für Kursfantasie und beflügelte die Autoaktien. VW war mit einem Plus von fast fünf Prozent größter Dax-Gewinner. Daimler-Aktien konnten um über vier Prozent zulegen. Die Aktien der Autozulieferer standen ebenfalls ganz oben auf der Kaufliste. "Gefragt ist alles, was man auf vier Rädern montieren kann", meinte ein Händler. Starke Zahlen von Peugeot und Fiat trugen zur guten Stimmung bei. Zudem kündigte VW an, US-amerikanische Kunden mit Niedrigpreisen für verschiedene Modelle anlocken zu wollen, um Marktanteile zu erobern.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,03
Differenz relativ
+1,00%

BASF und Bayer stark gefragt
Neben VW standen BASF und Bayer auf dem Dax-Siegerpodium. BASF profitierte von charttechnischen Kaufsignalen. Für Bayer gab es gute Noten von S&P. Die Ratingagentur hob den Ausblick für die Bonität des Unternehmens von negativ auf stabil an.

Reckitt beflügelt Henkel
Gute Zahlen von Reckitt Benckiser trieben die Aktien von Konkurrent Henkel an. Die Briten konnten trotz steigender Rohstoffkosten ihren Gewinn im ersten Quartal unerwartet deutlich ausweiten. An der Börse in London löste die Reckitt-Bilanz Begeisterung aus. Der in der vergangenen Woche angekündigte Rücktritt von Firmenchef Bart Becht hatte zuletzt für Verunsicherung gesorgt. Zu den Marken von Reckitt zählen Clearasil, Finish oder Sagrotan.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,36
Differenz relativ
-1,52%

Turbulente Hauptversammlung bei RWE
Einiges los war auf der Hauptversammlung von RWE. Mit einer Sitzblockade von Demonstranten, die sich mit Wollknäueln verbunden hatten, wurde den Aktionären der Zugang zur Essener Gruga-Halle erschwert. Mit Trillerpfeifen und lauten Protestrufen störten Demonstranten in der Halle immer wieder die Rede von Vorstandschef Jürgen Großmann. Auch kommunale Anteilseigner kritisierten Großmann. Der behielt die Nerven und verteidigte seinen Atomkurs. Großmann bekräftigte die mittelfristigen Ziele von RWE. Vorstand und Aufsichtsrat wurden trotz der massiven Kritik deutlich entlastet.

Japan-Beben färbt MüRü-Bilanz rot
Zu den eher schwächeren Dax-Werten gehörte die Münchner Rück mit einem Plus von 1,5 Prozent. Die Münchener Rück erwartet wegen des verheerenden Erdbebens in Japan im ersten Quartal einen Verlust. "Durch die Schäden aus Naturkatastrophen wird das Ergebnis für das erste Quartal deutlich negativ ausfallen", sagte Firmenchef Nikolaus von Bomhard am Mittwoch auf der Hauptversammlung. Im ersten Quartal habe der Konzern Belastungen von 2,7 Milliarden Euro aus Naturkatastrophen hinnehmen müssen. Immerhin stellte der Manager für das Gesamtjahr einen Gewinn in Aussicht.

Fuchs Petrolub auf Rekordkurs
Im MDax gab es ebenfalls fast nur Gewinner. Weit oben auf der Gunst der Anleger standen die Aktien von Fuchs Petrolub. Der Schmierstoff-Hersteller hat im ersten Quartal den Umsatz um fast 24 Prozent auf 409 Millionen Euro gesteigert. Der Gewinn stieg ebenfalls zweistellig auf 47,1 Millionen Euro. Für das laufende Jahr kündigte das MDax-Unternehmen ein neues Rekordergebnis an.

Hochtief will nur Flughäfen verkaufen
Der Baukonzern Hochtief, der immer mehr unter die Kontrolle des spanischen Großaktionärs gerät, will seine Sparte Concessions nur in abgespeckter Form verkaufen. Das verlautete aus Insiderquellen. Lediglich die Flughafen-Beteiligungen sollen abgegeben werden. Die Straßen- und Infrastrukturprojekte sollen aber bei Hochtief verbleiben. Der Verkaufsprozess soll im Mai starten.

ProSiebenSat.1 wirft zu wenig Ballast ab
Zu den wenigen Verlierern im MDax gehörte ProSiebenSat.1. Einige Anleger zeigten sich enttäuscht über die Erlöse aus dem Verkauf der Benelux-Töchter. Zudem wurde negativ gesehen, dass die Beteiligungen in Nordeuropa nicht abgestoßen werden und ProSiebenSat.1 sie behält. Das belaste den Kurs.

Rote Zahlen von Adva
Im TecDax fiel Adva aus dem Rahmen. Während die meisten Aktien teilweise kräftig zulegten, brachen die Titel von Adva um rund 16 Prozent ein. Der Netzwerkausrüster rutschte im ersten Quartal unerwartet tief in die roten Zahlen. Das Minus lag bei 2,3 Millionen Euro nach einem Vorjahresplus von 2,4 Millionen.

Schaltbau-Aktien auf Rekordhoch
Der Verkehrstechnik-Anbieter hat nach einem starken ersten Quartal seine Jahresprognose angehoben. Statt 15,8 Millionen rechnet Schaltbau nun mit einem Gewinn von 18,6 Millionen Euro. Der Umsatz soll auf 300 Millionen Euro klettern - zehn Millionen Euro mehr als geplant. Die Schaltbau-Aktien sprangen auf ein neues Rekordhoch von knapp 70 Euro. Seit einem Jahr hat der Titel rund 50 Prozent gewonnen.

"Tierische" Zahlen von Zooplus
Der Internet-Heimtierproduktversender Zooplus ist dynamisch ins neue Jahr gestartet. Die Gesamtleistung, also der Umsatz plus sonstige Erträge, wuchs um 52 Prozent auf 60,3 Millionen Euro. Die Aktie von Zooplus sprangen um sechs Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn hat der Titel des E-Commerce-Anbieters rund 70 Prozent an Wert gewonnen.

WMF setzt auf USA und China
Kaffeemaschinen, Töpfe, Messer und Besteck von WMF sind im Ausland gefragt. Der Konsumgüterhersteller hat 2010 dank der Expansion in China und den USA seinen Umsatz um 13 Prozent auf über 900 Millionen Euro gesteigert. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 38,7 Millionen Euro. In diesem Jahr soll der Umsatz auf rund 950 Millionen Euro klettern. Die WMF-Aktie schloss unverändert.

Nanostart geht nach Russland
Die Beteiligungsgesellschaft Nanostart steigt in den russischen Markt ein. Zusammen mit der russischen Firma Rusnano und dem Gouverneur der Region Perm legen die Frankfurter einen Nano-Fonds mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro auf. Der Fonds soll in junge Nano-Firmen von Perm investieren. Bisher ist Nanostart auf Deutschland und Singapur fokussiert. Das Unternehmen hält neun Beteiligungen, davon alleine drei in Singapur. Die Russland-Expansion kann der Nanostart-Aktie nicht helfen. Sie verliert leicht. Seit Jahresbeginn hat der Nano-Titel freilich über 20 Prozent zugelegt.

Dufte Zahlen von L'Oréal, Heineken in Bierlaune
Aus Europa meldeten noch L'Oréal und Heineken Zahlen. Vor allem die Bilanz des weltgrößten Kosmetikherstellers fanden die Anleger dufte. Das organische Wachstum von 5,8 Prozent habe die Erwartungen übertroffen, sagten Händler. Die Aktien stiegen um fast vier Prozent. Dagegen ging es mit den Aktien von Heineken nach unten. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Denn der weltweit drittgrößte Bierbrauer schnitt besser ab als erwartet. Dank der Übernahme des größten mexikanischen Getränkeherstellers Femsa und Zukäufen in Großbritannien stiegen die Umsätze um ein Fünftel auf 3,59 Milliarden Euro. Der Bierabsatz wurde um 44 Prozent gesteigert.

United Technologies und Yahoo überrraschen
In den USA kam die Berichtssaison in Fahrt. Intel war nicht das einzige Unternehmen, das mit seinen Zahlen glänzte. Auch United Technologies und Yahoo konnten die Erwartungen übertreffen. United Technologies verdiente dank der starken Nachfrage nach Klimaanlagen knapp ein Fünftel mehr, nämlich eine Milliarde Dollar. Zudem hob der Mischkonzern die Jahresprognose an. Der Internet-Pionier Yahoo musste zwar erneut einen Umsatz- und Gewinnrückgang bekanntgeben, übertraf aber die Prognosen. Die Aktien von United Technologies und Yahoo zogen an.

IBM und AT&T gut unterwegs
Der weltgrößte IT-Dienstleister IBM verzeichnete ebenfalls ein überraschend starkes Umsatz- und Gewinnwachstum. Nur der Rückgang des Volumens für Service-Aufträge trübte die Bilanz. Die Aktien traten auf der Stelle. Der US-Telekomkonzern AT& T erhöhte den Gewinn deutlich von 2,5 auf 3,4 Milliarden Dollar. Der Telekomkonzern, der in den USA als erster das iPhone vertreiben durfte, hatte im März angekündigt, die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom zu übernehmen. Die Anleger blieben unbeeindruckt: die Aktien gaben leicht nach.

Nasdaq will bis zum bitteren Ende kämpfen
Gut gerüstet für die Übernahmeschlacht um die New Yorker Börse ist der Börsenbetreiber Nasaq OMX. Im ersten Quartal kletterte der Gewinn um 70 Prozent auf 104 Millionen Dollar oder 57 Cent je Aktie. Der Umsatz erhöhte sich um 15 Prozent auf 415 Millionen Dollar. Der Übernahmekampf scheine die Nasdaq nicht im geringsten zu beeinträchtigen, meinte Analyst Richard Repetto von Sandler O'Neil. "Das war ein Rekordquartal." Nasdaq-Chef Robert Greifeld bekräftigte sein Interesse an der New Yorker Börse. "Wir verfolgen das Gebot für die Nyse bis zum bitteren Ende", sagte er. Die Fusion würde einen nationalen Champion erschaffen, warb Greifeld. Das Management der New Yorker Börse hat sich zuletzt gegen das Angebot der Nadaq und der ICE ausgesprochen.

Umsatzschwund bei Wells Fargo und Altria
Enttäuschend fielen am Mittwoch lediglich die Zahlen von Wells Fargo aus. Die US-Großbank erlitt einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. Grund ist die Zurückhaltung der Konsumenten für neue Kredite. Wells Fargo ist einer der größten Kreditgeber der USA. Der Gewinn stieg jedoch um die Hälfte auf 3,6 Milliarden Dollar. Die Aktien von Wells Fargo gaben fast fünf Prozent nach.

Ebenfalls Umsatzeinbußen verzeichnete der Marlboro-Hersteller Altria. Wegen Rauchverboten und höherer Tabaksteuern schrumpften die Erlöse um zwei Prozent. Einsparungen und Preiserhöhung trieben aber den Gewinn zweistellig auf 937 Millionen Dollar hoch.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"