Aktien machen keinen Spaß!

Detlev Landmesser

Stand: 07.03.2008, 20:34 Uhr

Die US-Konjunktur auf dem Rückzug, neue Rekorde bei Euro und Öl - auch der Wochenausklang hielt für Aktionäre wenig Erfreuliches bereit. Am Abend wurden auch die Minuszeichen bei der Weltleitbörse größer.

Von einer "weichen Landung" der US-Konjunktur dürften nach dem überraschenden Rückgang der Beschäftigtenzahlen im Februar nur noch Ignoranten sprechen. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, fiel die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 63.000 zum Vormonat. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten dagegen mit einem Zuwachs von 25.000 gerechnet.

Der Euro schoss auf ein neues Rekordhoch von 1,5459 Dollar, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Abend zog der Ölpreis nach. Mit 106,53 Dollar erreichte die Notierung für US-Öl den höchsten Stand aller Zeiten. Die Krisenwährung Gold unternahm mit bis zu fast 989 Dollar pro Feinunze wieder einen Anlauf auf die Marke von 1.000 Dollar.

Die Wall Street hatte zunächst erstaunlich gelassen reagiert, geriet aber im weiteren Verlauf doch stärker unter Druck. Der L-Dax schloss 1,57 Prozent tiefer bei 6.475,49 Punkten.

Auch die unerwartet starke Erhöhung der für März geplanten Liquiditätsspritzen durch die US-Notenbank Fed sorgte für Unruhe. Die beiden geplanten Auktionen sollen nun über je 50 Milliarden Dollar lauten je 20 Milliarden mehr als ursprünglich geplant. Die Maßnahme wurde einmal wieder so interpretiert, dass es schlimmer aussieht als gedacht. Mit ihrer spätestens am 18. dieses Monats erwarteten Zinssenkung und weiteren Liquiditätsspenden könnte die Fed den Aktienmarkt aber durchaus noch stützen.

Wieder einmal trübte auch Ambac Financial die Stimmung. Der Anleiheversicherer hat bei seiner Kapitalerhöhung 1,5 Milliarden Dollar eingenommen. Einige Analysten hatten jedoch einen höheren Betrag erwartet.

Tui und Lufthansa trotzen dem Trend

Bester Dax-Titel war erneut die Tui-Aktie. Die Spekulationen um eine Zerschlagung und den dann zu erwartenden Rücktritt von Tui-Chef Frenzel beflügelten den Titel weiter. "Spekulationen über eine Ablösung Frenzels sieht die Börse positiv", sagte ein Händler.

Auch die Lufthansa-Aktie war gut aufgelegt. Der Konzern baut sein Angebot im Sommerflugplan aus. Die Kapazität werde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent angehoben, teilte die Lufthansa mit. Außerdem steigt der Konzern mit einer eigenen kleinen Flotte ins Privatjet-Geschäft ein.

Post-Mindestlohnfrage wieder offen
Am Abend weitete die "Aktie Gelb" ihren Tagesverlust aus. Die Anwendung des Post-Mindestlohns auf die gesamte Branche der Briefdienstleistungen ist nach einem am Abend bekannt gewordenen Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts rechtswidrig. "Damit haben die Konkurrenten der Post wie TNT und Axel Springer wieder alle Chancen. Wenn diese Entscheidung bestehen bleibt, wäre das ein schwerer Rückschlag für die Post", kommentierte ein Händler. Die Springer-Aktie drehte ins Plus.

Zudem hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, die Deutsche Post wolle eine Allianz mit dem amerikanischen Konkurrenten Fedex schmieden. Der neue Postchef Frank Appel wolle mit diesem Bündnis das Problem des verlustreichen US-Expressgeschäftes lösen. Es habe bereits mehrere Gespräche mit Fedex-Chef Frederick Smith gegeben.

Deutsche Börse kooperiert mit vietnamesischer Börse
Die Deutsche Börse setzt ihren Expansionskurs in Asien fort und arbeitet künftig auch mit der Börse in Vietnam zusammen. Mit der "Ho Chi Minh Stock Exchange" sei eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet worden, teilte der Frankfurter Marktbetreiber mit. Ziel sei es, "die Entwicklung der Wertpapiermärkte in Vietnam und Deutschland voranzutreiben und bilaterale Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen". Asien gilt als Wachstumsmarkt für den Dax-Konzern, der bereits in China und Korea aktiv ist.

Schafft Altana das - oder will es überhaupt?
Die Altana-Aktie litt unter den Sorgen, wie der Spezialchemiekonzern eine angebliche milliardenschwere Übernahme stemmen soll. Altana wolle für vier Milliarden Euro das US-Unternehmen Rockwood Holdings übernehmen, schrieb das "Manager-Magazin" auf seiner Internetseite. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete dagegen unter Berufung auf informierte "Kreise", es gebe keine Verhandlungen zwischen Altana und dem Rockwood-Großaktionär KKR. Der Finanzinvestor ist mit rund 40 Prozent an dem US-Chemieunternehmen beteiligt.

"Die Übernahme kann nur klappen, wenn die Quandt-Familie nochmals Finanzmittel zur Verfügung stellt", sagte ein Händler. "Andernfalls wird es sehr schwierig für Altana, mit einer Marktkapitalisierung von etwa zwei Milliarden Euro ein doppelt so hoch kapitalisiertes Unternehmen zu übernehmen."

Repower erhöht nach Gewinnsprung Umsatzprognose
Der Windkraftanlagenbauer Repower hat 2007 nach eigenen Angaben das bisher höchste Betriebsergebnis seiner Unternehmensgeschichte erzielt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel mit 28,2 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Der Konzern rechnet nun für 2008 mit einem Umsatzanstieg auf 1,1 Milliarden Euro. Bislang war Repower von einer Milliarde ausgegangen. Bei der Ebit-Marge geht das Hamburger Unternehmen von einem Wert zwischen 5,5 und 6,5 Prozent aus, bisher war lediglich von einer Verbesserung die Rede gewesen.

Thielert erholt
Nach dem drastischen Kurseinbruch von 43 Prozent am Donnerstag zeigte sich die Thielert-Aktie zeitweise kräftig erholt. Der SDax-Titel schnellte um bis zu 28 Prozent nach oben.Thielert hatte am Morgen angekündigt, die Entscheidung des Landgerichtes anzufechten. Das Landgericht Hamburg hatte die Jahresabschlüsse 2003 bis 2005 des Motorenbauers für nichtig erklärt.

Balda zieht Kopf aus der Schlinge
Der Handyzulieferer Balda hat offenbar die Finanzierungskrise abgewendet. Das Unternehmen kauft seine zum Jahresende an Investoren abgegebene europäische Produktion kurzerhand zurück. Zudem hat der SDax-Konzern nach eigenen Angaben Geldgeber gefunden, die die Verluste der drei Handyschalenschalenhersteller übernehmen wollen. Ein Händler kommentierte: "Das scheint nur zusätzliche Zeit zu bringen - der Schritt wird die Probleme aber nicht lösen." Die Aktionäre atmeten jedenfalls auf, und die Balda-Aktie gewann über neun Prozent.

Kleinere Brötchen bei Comdirect und Sino
Die Online-Bank Comdirect hat im Februar deutlich weniger Wertpapieraufträge abgewickelt als im Vormonat. Diese seien von 1,03 Millionen auf 0,7 Millionen gefallen, teilte die Commerzbank-Tochter mit. Die Kundenzahl erhöhte sich leicht auf 1,04 Millionen.

Der wesentlich kleinere Wettbewerber Sino wickelte ebenfalls weniger Trades ab. Der auf so genannte Heavy Trader spezialisierte Broker kam auf 112.669 Orders, ein Rückgang von 32,7 Prozent gegenüber Januar.

Veolia verfehlt Erwartungen
Der französische Entsorgungskonzern Veolia, auf den vor unter anderem Klimawandel- und Wasserfonds setzen, hat im vergangenen Jahr weniger verdient als erwartet. Die Aktie büßte in Paris mehr als neun Prozent ein. Der Überschuss 2007 kletterte zwar von 758,7 auf 927,9 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt aber mit 948 Millionen Euro gerechnet. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen ein Plus von mindestens zehn Prozent bei Umsatz und Nettoergebnis an. Den Aktionären will der Konzern, zu dem auch der zweitgrößte deutsche Müllkonzern Sulo gehört, eine Dividende von 1,21 Euro je Aktie zahlen, das sind 15 Prozent mehr als für 2006.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"